Gefühle zeigen Dir den Weg

Gefühle zeigen Dir den Weg

Gefühle werden meist ganz einfach und schlicht in zwei Kategorien unterteilt, nämlich in Gute und in Schlechte. Die Guten sind gern gesehen und erwünscht, die schlechten wollen wir nicht fühlen und sie sollen möglichst verschwinden. Daran arbeiten wir. Doch unsere Gefühle lassen sich nicht so einfach in zwei Schubladen stecken, da doch so sehr viel mehr dahinter steckt. Gefühle sind auch nichts, bei dem man wirklich in der Lage ist sie zu kontrollieren, auch wenn es etliche Menschen gibt, die das glauben. Die vermeintlich schlechten Gefühle in uns, haben genauso ihre Daseinsberechtigung, wie die angeblich guten. Sie verschwinden lassen zu wollen ist, als würden wir einen Teil von uns selbst verschwinden lassen.

Genauso wie die Gefühle, könnte man auch die Menschen in zwei Kategorien einteilen. Diejenigen die fühlen und diejenigen die es eben nicht tun und sehr rational nach ihrem Verstand handeln und entscheiden. Üblicherweise wird pauschal der ausgeprägte emotionale Anteil, (also das fühlen der Gefühle), den Frauen zugeschrieben und die rationale Rolle den Männern. Ein fataler Irrglaube. Oft sieht es so aus, als wären Frauen deutlich besser in der Lage ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu artikulieren, als Männer. Männern wiederum wird nachgesagt, sie wären oft emotionslos und kalt, hätten kein Mitgefühl und kein Verständnis. Doch ganz so einfach, wie hier beschrieben ist es nicht. Gefühle lassen sich nicht einfach in Schubladen stecken und genauso nicht in Kategorien wie „Gut“ oder „Schlecht“, „Richtig oder Falsch“ unterteilen und erst recht lässt sich nicht sagen, Frauen können oder wüssten es besser Gefühle wahrzunehmen oder damit umzugehen, denn es steckt noch so sehr viel mehr dahinter.

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Wenn wir von „guten“ Gefühlen sprechen, meinen wir Liebe, Freude, Glück, Hoffnung, Harmonie, Leidenschaft, Zufriedenheit u.v.m. Sie werden weder angezweifelt, noch hinterfragt und haben ihre absolute Daseinsberechtigung. Wenn wir sie fühlen können, scheint alles um uns herum perfekt und in Ordnung zu sein, uns geht es gut und wir fühlen uns wohl. Am besten wäre es, wir würden rund um Dir Uhr ausschließlich diese positiven Dinge fühlen können und alles vermeintlich Schlechte darf uns gern Fern bleiben. Sprechen wir von „schlechten“ Gefühlen, meinen wir Wut, Zorn, Hass, Eifersucht, Ablehnung, Neid, Gier… Eigentlich die typischen „Todsünden“, die schon in der Bibel beschrieben sind und die uns suggerieren, wenn wir sie empfinden, dann sind wir nicht richtig, dann sind wir ein schlechter Mensch. Also sind wir ständig darum bemüht uns dazu zu zwingen alle positiven Gefühle zu erhalten und die negativen versuchen wir in die Verbannung zu schicken, auf das sie doch bitte da bleiben mögen und uns nicht mehr belästigen.

Eine weitverbreitete Technik dazu, ist die Kontrolle der Gedanken. Es wird behauptet, wenn wir unsere Gedanken unter Kontrolle haben, können wir damit auch unsere Gefühle kontrollieren und beeinflussen. Doch das funktioniert nur zu einem Teil und hinzukommt, dass die Gefühle viel älter sind, als das Denken. Der Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte hatte zuerst die Fähigkeit zu fühlen, die teilweise überlebensnotwendig war und erst viel später entwickelte sich die Fähigkeit zu denken. Dazu kommt, dass nur sehr wenige Menschen sich in der Lage sehen, ihre Gedanken zu beobachten und von denen laufen mehrere tausend am Tag durch unseren Kopf, wie in einem Film. Die meisten Menschen sind sich dessen doch noch nicht einmal bewusst und wissen nicht, wie sie es anstellen sollen, inne zu halten und das Schauspiel in ihren Köpfen einmal zu beobachten ohne es zu beurteilen. Das wäre aber notwendig, um überhaupt eine Ahnung zu bekommen, in welchem Zusammenhang Gedanken und Gefühle miteinander stehen. Andererseits haben Menschen, die dazu imstande sind sich ihrer eigenen Gedankenwelt bewusst zu werden, die Erfahrung machen dürfen, dass Gefühle zu kontrollieren, indem man auf seine Gedanken achtet, nur einen kleinen Teil der Wahrheit beinhaltet.

Worum geht es also wirklich? Zum einen lässt sich nicht pauschal sagen, dass es Menschen gibt die fühlen und andere, die „gefühlskalt“ sind und das eben nicht tun. Beide Seiten sind eine in der Kindheit erlernte Strategie, um sich selbst als Kind schützen zu können. Als Kinder waren wir abhängig von der Liebe Erwachsener und ohne sie wären wir gestorben. So entwickelten wir im Laufe der Zeit Strategien, um diese Liebe zu erhalten. Die einen, in dem sie sehr ausgeprägt fühlen, um im Vorfeld schon alles Unheil, das ihnen wiederfahren könnte zu erahnen und die anderen, in dem sie lernten nicht zu fühlen, um alles Schmerzhafte, dass auf sie zukommen könnte eben zu vermeiden. Es ist also keine Frage, ob es um Mädchen oder Jungen geht, Frauen oder Männer, sondern es geht um die erlernte Strategie und unsere Gefühle zeigen uns sehr deutlich, dass wir hinsehen können, was genau Dahinter steckt.

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Somit haben auch alle vermeintlich schlechten Gefühle eine absolute Daseinsberechtigung. Sie gehören genauso zu uns, wie alle schönen Gefühle, die wir empfinden können. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass wir sie unter dieser Erkenntnis ausleben sollen und dürfen. Gerade wenn es sich um Gefühle wie Wut, Zorn, Ärger, Groll usw. handelt ist es absolut destruktiv diese einfach auszuleben, da wir erkannt haben, dass sie nun mal zu uns gehören und das womöglich noch an einem anderen Menschen, von dem wir glauben, er wäre für diese Gefühle in uns verantwortlich.

In erster Linie geht es einfach nur erstmal darum, diese Gefühle da sein zu lassen und zu akzeptieren, dass sie Teil unseres Selbst sind. Sie sind genauso gut und richtig, wie alle positiven Gefühle und bei genauerem Hinsehen, werden wir erkennen, dass sie da sind, um uns Dinge mitzuteilen. Sie machen uns darauf aufmerksam, dass irgendetwas gerade passiert, dass nicht gut für uns ist und das wir verändern könnten. Damit ist wieder nicht gemeint, die Menschen in unserem Umfeld zu verändern, weil wir glauben sie sind daran schuld. Sondern gemeint ist, ganz bei uns selbst zu bleiben, genau hinzusehen und zu spüren, woher denn jedes einzelne Gefühl in uns kommt. Meist liegen sie tief verwurzelt in unserer Vergangenheit. Wir sind uns dessen gar nicht bewusst, doch so einige Ereignisse aus unserer Kindheit, die wir vielleicht auch schon lange vergessen oder verdrängt haben, ziehen sich wie ein roter Faden durch unser Leben. Unsere Gefühle dienen uns also. Sie zeigen uns den Weg und geben uns die Möglichkeit Dinge in uns selbst zu ergründen und eventuell aufzulösen, sodass wir unserem glücklichen und erfüllten Leben immer ein Stück näherkommen können. Sie sind ein Geschenk und wir könnten froh und Dankbar sein sie zu haben, statt uns ständig darum zu bemühen sie verschwinden zu lassen. Durch sie dürfen wir lernen, was es heißt wirklich bedingungslos anzunehmen und zu lieben.

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