Grenzen setzen hat nichts mit Egoismus zu tun…

Grenzen setzen hat nichts mit Egoismus zu tun…

Viele Menschen beginnen ihre Liebesbeziehungen natürlich aus einem Gefühl der Verliebtheit heraus, was auch völlig richtig ist. Sie möchten viel Zeit mit dem anderen verbringen und sind bereit alles Erdenkliche zu tun, um dem Partner zu zeigen, dass sie ihn lieben. Das tun sie in den unterschiedlichsten Formen. Vielleicht hattest auch Du schon mal einen Freund oder eine Freundin, die einen neuen Partner kennengelernt hatte und plötzlich wie von der Bildfläche verschwunden zu sein schien. Hobbys werden vernachlässigt, Freunde werden weniger kontaktiert und sie beginnen sich völlig für den anderen aufzuopfern. Doch wenn die anfängliche Phase der Verliebtheit vorüber ist, beginnen meist auch die Probleme.

Viele Menschen haben in ihrer Kindheit schon eine typische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau vorgelebt bekommen und sind damit quasi groß geworden. Die Mutter umsorgte den Vater, kochte täglich das Essen, wusch die Wäsche, kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder, ging vielleicht arbeiten und war dennoch jederzeit auch Ratgeber und Ansprechpartner für alle. Der Vater hingegen übernahm die Rolle des Verdieners, versorgte also die Familie, war zuständig für Reparaturen an Auto oder Heim oder auch für Hauskauf oder andere finanzielle Bereiche. Oft war er erst spät abends zu Hause, da er vielleicht Überstunden machen musste, weil das Geld mal wieder nicht reichte. Oder sie wuchsen mit nur einem Elternteil auf, der dann gleich beide Rollen übernahm.

Wer so aufgewachsen ist, hat oft diese Rollenverteilung in sein Erwachsenen Dasein übernommen und häufig sehen derzeit gelebte Liebesbeziehungen genauso aus. Viele trauen sich aus diesen Gründen gar nicht etwas anderes zu machen oder zu leben, weil sie glauben, das wäre nicht richtig.
Sie glauben eine glückliche und erfüllte Liebesbeziehung könnte nur nach diesem Schema ablaufen und funktionieren, denn sie kennen es nicht anders.

Häufig geschieht es aber, dass sie mit der Erfüllung all dieser Pflichten und Aufgaben hoffnungslos überfordert sind und damit unglücklich, unzufrieden und manchmal sogar depressiv werden. Sie leben das, was ein anderer von ihnen erwartet, weil sie es eben so gewohnt sind. Auch in ihrem Umfeld finden sie diese Partnerschaften und fragen sich vielleicht, warum das bei anderen so gut zu funktionieren scheint, bei ihnen selbst jedoch nicht. Das wiederum zerrt sehr am Selbstwertgefühl. Sie glauben dann, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt, reden sich ein, dass sie faul oder dumm wären und das sie einfach nicht gut genug sind, weil sie es eben nicht so leicht und lässig hinbekommen mit all den Anforderungen fertig zu werden, wie sie es in ihrem Umfeld wahrnehmen.

Doch der eigentliche Grund für ihre Überforderung ist, dass sie sich stets und ständig für andere Menschen aufopfern, weil sie glauben, dass müsste so sein und nie gelernt haben Grenzen zu setzen. Viele wissen noch nicht einmal wo ihre eigenen Grenzen eigentlich sind. Sie können sie weder wahrnehmen, noch genau formulieren. Wenn sie es können, scheuen sie den Konflikt. Sie sind stets bemüht darum ihrem Partner zu gefallen und dessen Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen, sodass sie sich selbst dabei völlig vergessen. Sie glauben ein anderer würde sie nur dann lieben können, wenn sie all den Ansprüchen gerecht werden und wenn sie es nicht schaffen, dann meinen sie, sie hätten kein Recht darauf. Sie verurteilen sich selbst dafür. Doch sie leiden dabei auch sehr und wissen vielleicht noch nicht einmal warum. Sie können ihr überfordert sein nicht spüren oder trauen sich nicht mit ihrem Partner darüber zu sprechen. Sie möchten um jeden Preis die Harmonie in ihrer Liebesbeziehung aufrecht erhalten und somit jeden Konflikt vermeiden. Doch das ist unmöglich, denn die Konflikte entstehen schon durch die Unzufriedenheit und das unglücklich sein oder auch die Überforderung mit allem, was von einem verlangt wird. Auch das sie nicht gut für sich selbst sorgen, weil sie sich keine Zeit für sich nehmen und auch mal Dinge tun, die ihnen Spaß machen, kann nur ganz zwangsläufig zu Auseinandersetzungen führen. Wenn sie mit sich selbst und ihrem Leben nicht zufrieden sind oder es ihnen nicht gut geht, kann es auch keine glückliche und erfüllte Partnerschaft geben, da das völlig im Wiederspruch zueinander steht.

Grenzen setzen innerhalb einer Partnerschaft ist keinesfalls egoistisch, es meint aber auch nicht, Regeln aufzustellen, die der andere zu befolgen hat. Oder gar zu drohen, in dem man sagt, wenn Du nicht tust, was ich möchte, dann hat das Konsequenzen. Das ist nicht der richtige Weg. Grenzen zu setzen bedeutet in erster Linie, dass man sich erst einmal bewusst darüber wird, wo die eigenen Grenzen überhaupt liegen und was sie mit einem selbst zu tun haben. Wenn man das herausgefunden hat, dann hat man den ersten Schritt getan. Oft ist es so, dass Grenzen die wir haben aus Erfahrungen in der Vergangenheit entstanden sind. Diese sind jedoch variabel und sollten nicht in jede weitere Partnerschaft übernommen werden.

Beispiel: In einer vorangegangenen Partnerschaft ist Dein Partner fremdgegangen. Wenn dann Dein jetziger Partner nun ständig am Handy sitzt und mit einer Kollegin schreibt, dann klingeln bei Dir alle Alarmglocken. In Deinem Kopf beginnt ein Film abzulaufen. Du möchtest um jeden Preis vermeiden, dass Du solch einen Schmerz noch einmal durchleben musst und beginnst jetzt eine Grenze zu setzen, in dem Du Deinem Partner bittest das Schreiben mit der Kollegin sein zu lassen. Vielleicht sogar mit dem Satz, „Wenn Du mich wirklich liebst, dann sollte das kein Problem sein.“ Nicht nur dass das keine wirkliche Grenze ist, sondern Erpressung, es löst auch Dein Problem nicht. Dein Partner hält sich eventuell daran oder er macht es heimlich, was für Dich eine ganz klare Verletzung der gesetzten Grenze wäre und zu riesen Streit, vor allem aber zu Enttäuschung und zu Misstrauen führen würde. Hier wäre es also ratsamer, Du würdest an Deinem Selbstwertgefühl arbeiten und lernen neu zu vertrauen. Nur weil Dein Ex Dir fremdgegangen ist, heißt das nicht, dass Dein jetziger Partner das auch tut.

Grenzen zu setzen meint viel mehr, dass Du eben nicht mehr all das tut was andere von Dir Verlangen oder erwarten oder worum sie Dich bitten. Ganz klar Stellung zu beziehen und „Nein“ zu sagen. Es ist dabei egal, ob es den Partner, die eigenen Kinder oder Freunde, Kollegen und Familie betrifft. Wenn Du immer nur „Ja“ sagst, obwohl Du die Dinge, die sie von Dir verlangen oder um die sie Dich bitten, gar nicht erfüllen möchtest oder kannst, dann ist das ein ganz klares „Nein“ zu Dir. Vielleicht traust Du Dich nicht, weil Du mit der Reaktion der anderen auf Deine gesetzten Grenzen nicht besonders gut umgehen kannst, doch das kann man lernen. Gerade wenn Du jahrelang jemand gewesen bist, der sich ständig für andere aufgeopfert hat und sich selbst dabei völlig vergessen hat, ist es jetzt vielleicht an der Zeit daran etwas zu ändern. Nur Du bist dazu in der Lage, das kann niemand anders für Dich erledigen. Glaube bitte nicht, dass Dein Grenzen setzen bei anderen immer gut ankommt oder Du dafür Verständnis erwarten kannst. Gerade wenn Du es lange nicht getan hast, sind andere damit völlig überfordert, weil sie es anders von Dir kennen und gewöhnt sind und es fällt damit umso schwerer, Dir Verständnis entgegen zu bringen. Doch nur wenn Du hinter dem stehst, was Du möchtest und das auch vertrittst, wird sich für Dich etwas verändern und damit auch um Dich herum.

Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest und Begleitung auf diesem Weg wünschst, tritt gern mit mir in Kontakt. Auf meiner Website findest Du weitere Artikel, gern kannst Du Fragen stellen oder auch Deine Sichtweise in die Kommentare schreiben.

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