Verständnis…

Die andere Seite sehen und verstehen…

Verständnis für andere Menschen aufzubringen ist etwas, dass sehr hilfreich sein kann und dabei doch gleichzeitig recht schwierig erscheint. Wenn wir verstehen können, warum andere Menschen etwas sagen oder tun, macht das so manche Situation leichter und kann sogar Konflikte vermeiden. Da aber niemand in den anderen hineinsehen und Gedanken lesen kann oder ein miteinander reden nicht stattfindet, ist es zeitweise unmöglich für uns den anderen zu verstehen. Dazu kommt, dass alle Menschen verschieden sind. Jeder für sich handelt nach seinen ganz eigenen Erfahrungen der Vergangenheit, nach dem was er weiß und gelernt hat und vor allem nach seinen eigenen Glaubenssätzen über sich selbst und andere.

Häufig begegnen mir Menschen, die sich mit den unterschiedlichsten Themen befassen. Wenn sie darüber sprechen, was ihnen Sorgen bereitet, hat es fast immer mit einem anderen Menschen zu tun, der etwas gesagt oder getan hat, dass sie nicht verstehen können. Es sind Konflikte entstanden, die im ersten Moment nicht lösbar erscheinen und nur allzu oft beenden sie ihre Schilderungen mit dem Satz, „Ich kann das einfach nicht verstehen.“ Besonders in unseren Liebesbeziehungen ist immer wieder die rede davon, wie wichtig gegenseitiges Verständnis ist, doch wenn es Auseinandersetzungen gibt, dann sind wir oft sehr weit entfernt davon.

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Ein Beispiel: Ein Paar hat sich schon vor längerer Zeit getrennt und beide leben in einer neuen Partnerschaft. Beide stehen noch in regelmäßigem Kontakt, da sie gemeinsame Kinder haben. Nun hat der eine Partner erfahren, dass der andere mit dem neuen Partner und den Kindern ein ganzes Stück weiter weg ziehen wird. Es gab in einer anderen Stadt ein sehr gutes Jobangebot und die Familie möchte dieses annehmen, was einen Umzug unumgänglich macht. Sie möchten gern zusammen bleiben und weiterhin gemeinsam leben, sich eben gleichermaßen um die Kinder kümmern und keine Wochenendbeziehung führen. Als mir der zurückbleibende Partner nun davon erzählte, konnte ich seinen Schmerz darüber sehen und auch, dass er ein Stück verzweifelt war. Er machte sich große Sorgen darüber, wie es nun weitegehen könnte, denn bisher konnte er regelmäßig seine Kinder sehen. Jetzt wusste er allerdings nicht mehr, wie das unter solchen Umständen noch möglich sein sollte. Auch verdiene er nicht so viel, um die enormen Kosten, die Strapazen und auch die Zeit aufbringen zu können, um sich auf den Weg machen und seine Kinder weiterhin in dieser Regelmäßigkeit sehen zu können. Er wurde wütend auf den anderen, da er sich überrannt fühlte. Er glaubte, er sei jetzt völlig hilflos und machtlos und verliert etwas sehr wichtiges in seinem Leben, nämlich seine Kinder. Aus seiner Wut und Hilflosigkeit heraus, begannt er alle Vorschläge die man ihm unterbreitete abzulehnen und zu sagen, dass würde so alles nicht funktionieren. Er sprach ausschließlich davon, wie er die Situation beurteile und wie es ihm dabei geht. Den anderen Part, nämlich die Seite, die wegziehen möchte, stellte er als lieblos, ja sogar als verantwortungslos dar, da sie nur an sich selbst denken würden, jedoch aber nicht an die Kinder. Ihm fehlte hier also jegliches Verständnis für die andere Seite.

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An dieser Stelle wäre es aber sehr hilfreich, er würde sich neben sich selbst stellen und auch die andere Seite betrachten. Der Umzug der Familie seiner Kinder, dient keinesfalls dazu die Kinder von ihm zu entfremden oder sie ihm gar wegzunehmen. Es wurde bereits gesagt, dass man Verständnis für seine Lage hätte und bereit wäre gemeinsam nach einer, für alle Seiten passenden Lösung zu suchen. Die Familie zieht weg, da der Job, den sie in ihrer derzeitigen Stadt hatten gekündigt wurde. Das Geld war ohnehin sehr knapp und hat kaum gereicht die Familie gut zu versorgen, geschweige denn den Kindern auch mal etwas außer der Reihe zu ermöglichen. Außerdem ist einer von beiden in der neuen Stadt aufgewachsen und kennt sich dort aus. Es gibt dort also auch Familienangehörige, die unterstützen können und sich ebenfalls freuen die Kinder nun öfter bei sich haben zu dürfen. Ein gemeinsamer Umzug dorthin würde auch Zeit und Geldersparnis bedeuten, da ein Pendeln von beidem sehr viel in Anspruch nehmen würde. Würde der zurückbleibende Part nun diese Seite betrachten, könnte er entweder sagen, dass das nicht sein Problem wäre, was ihn kein Stück weiter bringen würde oder er könnte sich bemühen die andere Seite zu verstehen. Eben das niemand etwas tut, um seine Kinder von ihm zu entfremden oder ihm gar wegzunehmen und das dabei seine Sorgen und Ängste auch schon bedacht wurden. Dieses Verständnis würde dann dazu beitragen, dass alle sich gemeinsam an einen Tisch setzen könnten, um zu überlegen, was man tun könnte um allen gerecht zu werden. Er würde sich dann vielleicht einigen können, dass jeder eine halbe Strecke fährt, um die Kinder zu bringen und zu holen. Er selbst hat auch Verwandte dort, die das ein oder andere Mal unterstützend mitwirken könnten. Es gibt so viele Verschiedene Möglichkeiten diese Situation für alle Beteiligten gut zu lösen, was aber nur geschehen kann, wenn man den anderen auch versteht in dem was er sagt und tut. Andernfalls ist man für Lösungsvorschläge gar nicht offen, da man die ganze Zeit nur seine eigene Sichtweise vertritt, auf den eigenen Standpunkt besteht und sich damit selbst Steine in den Weg legt.

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Ein weiteres Beispiel:

Wieder geht es um ein Paar, dass sich vor einem Jahr bereits getrennt hat. Der Mann lebt mittlerweile mit einer neuen Partnerin zusammen, das gemeinsame Kind blieb bei der Mutter. Wie es in vielen Partnerschaften, bzw. nach einer Trennung der Fall ist, entstand ein Streit um das gemeinsame Kind. Die Mutter verweigert jeglichen Kontakt zu dem Kind und sorgt mit immer neu erdachten Strategien für Unruhe und Auseinandersetzungen. Der Vater fühlt sich einigermaßen hilflos, da er den Kontakt zu seinem Kind gern hätte, es vermisst und weiß nicht so recht, was er tun kann, um an dieser Situation etwas zu ändern. Eines Tages rief mich die neue Partnerin an, doch recht wütend und auch einigermaßen Verzweifelt. Sie schilderte mir was vorgefallen war und fragte, ob es nicht Sinn machen würde, wenn sie einmal das Gespräch mit der Mutter suchen würde. Da ich bemerkte, wie sehr sie sich ärgerte und wie wenig sie das was die Mutter sagte und tat verstehen konnte, riet ich ihr davon ab. Hätte sie mit dieser Gefühlslage versucht ein Gespräch zu führen, wäre das nur in neuen Streit ausgeartet und niemandem wäre in dieser Situation geholfen gewesen. Im Gegenteil. Es ist wahrscheinlicher, dass es sich noch verschlimmert hätte, da sich nun jemand „Fremdes“ in den Konflikt der beiden eingemischt hätte. Ich versuchte ihr also zu erklären, dass die Mutter vielleicht gar nicht aus dieser Böswilligkeit, die ihr unterstellt wurde handelte. Es ist viel wahrscheinlicher, dass sie ganz andere Motive für sich hatte oder das ganze Geschehen anders wahrnahm, als die beiden.

Für mich war es ersichtlich, dass es ihr auf keinen Fall mit dieser Situation gut zu gehen schien. Sie scheint doch sehr zu leiden. Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung dessen, was um ihn herum geschieht und jeder geht damit mit auch anders um und reagiert anders darauf. So sieht sie vielleicht Dinge, die noch gar nicht bekannt sind oder über die noch nicht gesprochen wurde und versucht auf diese Art und Weise sich und ihr Kind zu schützen. Vielleicht sind innerhalb der Partnerschaft Dinge vorgefallen, die sie sehr getroffen und verletzt haben. Da es nie ein klärendes Gespräch darüber gab, ist sie vielleicht nicht in der Lage diese Verletzungen hinter sich zu lassen. Es könnte auch sein, dass sie viel Schuld sich selbst und ihrem Kind gegenüber in sich trägt, was sie jetzt so entscheiden und handeln lässt. Diese Verhaltensmuster, die beschrieben wurden, können die verschiedensten Ursachen haben und müssen noch nicht einmal mit dem Ex-Partner oder seiner neuen Partnerin zu tun haben. In keinem Fall jedoch würden Vorwürfe des Vaters oder ein „Einmischen“ der neuen Partnerin dazu beitragen, dass sie sich anders verhalten würde, da niemand die Gründe dafür kennt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es ihr mit all dem mindestens genauso schlecht geht, wie dem Vater und der neuen Partnerin auch. Diese Erklärung führte dazu, dass die junge Frau ein Verständnis für die Mutter entwickeln konnte und zum Teil tat sie ihr sogar leid. Ihre Gefühle darüber änderten sich also durch ihr Verständnis und so konnte sie sich besser fühlen, da sie nun verstand, dass das was die Mutter tat nichts mit ihrem Partner oder ihr selbst zu tun hatte, sondern Dinge betraf, die die Mutter mit sich selbst ausmachen musste.

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Wenn wir uns also darum bemühen, nicht nur unsere Sichtweise zu betrachten, sondern auch die des anderen zu sehen und zu verstehen, dann können so einige Auseinandersetzungen vermieden werden. Das ist jedoch nicht immer so leicht, wie es sich anhört, da in den meisten Situationen unsere eigenen Emotionen sehr hoch kochen und uns damit einen Strich durch die Rechnung machen. Dennoch gibt es in Konflikten immer zwei Parteien (Oder mehr) und damit zwei Sichtweisen, die sehr unterschiedlich sein können. Wir können zum Beispiel versuchen, uns in die Lage des anderen zu versetzen und uns fragen, was wir an seiner Stelle denken, fühlen und tun würden. Vielleicht würden wir genauso reagieren oder uns genauso verhalten. Dieses Verständnis hilft uns dabei, selbst mit der Situation besser umgehen zu können und es trägt zur Lösungsfindung bei. Verständnis zu haben bedeutet nicht, dass wir alles gut finden müssen, was der andere tut. Aber manchmal erkennen wir dadurch, dass es gar nichts mit uns zu tun hat und sind dann eher zu Kompromissen bereit. Verständnis kann auch der Motor dafür sein, dass wir unsere eigenen Überzeugungen noch einmal überdenken und zu der Erkenntnis kommen, dass auch wir uns anders verhalten könnten. In jedem Fall ist Verständnis aber etwas, dass uns nicht immer gleich oder leicht gelingt, uns aber davor bewahren kann, dass wir selbst Dinge sagen oder tun, die uns im Nachhinein leid tun könnten. Wenn wir einem anderen Menschen Verständnis gegenüber bringen, dann gelingt es diesem vielleicht eher sich uns zu öffnen und so können wir gemeinsam die entstandenen Probleme lösen.

Manchmal tut es uns selbst auch einfach nur gut, wenn wir mit jemandem sprechen können, der uns zuhört und uns versteht. Dabei können wir bedenken, dass andere Menschen das genauso empfinden. Dass auch sie sich besser und wohler mit uns fühlen, wenn wir sie verstehen. Verständnis zu haben und zu zeigen, ist immer auch ein Ausdruck von Liebe. Entweder einem anderen Menschen gegenüber oder uns selbst. Wenn wir Verständnis für andere haben können, macht uns das nicht zu besseren Menschen, nur weil andere das vielleicht nicht können. Doch es zeichnet uns und unsere Bereitschaft zu lernen aus. Es hilft uns mehr über andere zu erfahren und auch über das was sie bewegt und so können wir in anderen Situationen vielleicht noch besser reagieren, ohne dabei mit „schlechten“ Gefühlen zurück zu bleiben. Nur wenn wir Verständnis für uns selbst und den anderen haben, dann können daraus wundervolle und einfühlsame Gespräche entstehen, die für beide Seiten einen Gewinn und ein Wachsen an der Situation bedeuten.

Wenn auch ihr Beispiele dafür habt, wo euch aufgefallen ist, dass euer Verständnis für einen anderen Menschen etwas bewirken konnte, dann schreibt mir das gern in die Kommentare. Oder auch eigene Erfahrungen, wo ihr euch mehr Verständnis von einem anderen gewünscht hättet, was es bewirkt hat, als ihr es vielleicht sogar bekamt.

One Comment on “Verständnis…

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