Liebe ist weder Kampf noch Krampf

Liebe ist weder Kampf noch Krampf

Wenn wir einen Menschen treffen, den wir attraktiv und anziehend finden, der unser Interesse geweckt hat und wir ebenfalls seins, beginnt ein Schauspiel, das einem Theaterstück gleicht. Jeder von uns war schon einmal verliebt und immer wieder aufs Neue, empfinden wir dieses Verliebt sein und die damit verbundenen Gefühle als die mit abstand glücklichsten Momente in unserem Leben. Wir treffen einander, führen nächtelange, tiefgreifende Gespräche in denen wir uns verstanden und geborgen fühlen. Wir unternehmen viel zusammen, probieren gemeinsam neue Dinge aus und geben uns viel Mühe um den anderen. Wir machen kleine Geschenke und schenken unserem Gegenüber unsere ganze Aufmerksamkeit. Alles fühlt sich ganz leicht an und die Zeit um uns herum scheint stillzustehen, so als würde es nur diese beiden Menschen auf der Welt geben und sonst nichts. Es wird oft von einer Art Rauschzustand gesprochen, der durch die Hormone in uns ausgelöst wird, ähnlich wie bei einer Droge. Wir glauben in dem anderen alles zu finden, was wir brauchen und uns wünschen, um glücklich zu sein. Dieser Mensch scheint perfekt für uns zu sein und unser Leben wird durch ihn heller, freundlicher und leichter. Manche Menschen blühen in der Phase ihrer Verliebtheit förmlich auf und bekommen auch in ihrem Umfeld gesagt, wie gut sie aussehen, wie gut ihnen der „neue“ Mensch in ihrem Leben tut und wie sehr man sich darüber freue, beide so glücklich zu sehen. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir die Liebe als etwas Erstrebenswertes erachten, etwas sehr Wertvolles, dass wir in unserem Leben haben und behalten möchten und wofür wir bereit sind zu kämpfen und so einiges zu tun. Die Liebe beflügelt uns quasi dazu, einem anderen Menschen alles zu geben, was in uns steckt und wir glauben doch sogar manchmal, dass wir ohne die Liebe des anderen völlig verloren und einsam sind.

Doch die Liebe zwischen zwei Menschen ist weder Kampf, noch Krampf. Zumindest sollte es so nicht sein. Sie sollte leicht und ungezwungen sein, eben einfach da, ohne dass man sich dafür verbiegen muss.

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In meiner Arbeit begegnen mir jedoch immer wieder Menschen, bei denen das ganz und gar nicht der Fall ist. Man könnte schon fast den Eindruck gewinnen, dass sie unter der Liebe zu einem anderen Menschen sehr leiden und ihre eigene Liebe zu diesem anderen als quälend empfinden. Bei einigen von ihnen beginnen die Probleme schon während des Kennenlernens und ziehen sich dann wie ein roter Faden durch die Partnerschaft. Sie sagen dann oft, „Diese Beziehung stand von Anfang an unter keinem guten Stern.“ Das hat folgenden Hintergrund. Irgendwann im Laufe unseres Lebens, haben wir schon die ein oder andere Partnerschaft oder Ehe hinter uns. Heutzutage ist es ja eher selten der Fall, dass man seinen Partner in jungen Jahren kennenlernt und dann bis an sein Lebensende mit diesem einen Menschen zusammenbleibt. Wenn wir nun schon einige Liebesbeziehungen hatten, egal wie lange sie andauerten, dann haben wir auch schlechte Erfahrungen gemacht. Ganz zwangsläufig, denn wenn nicht, dann wären wir mit diesem Menschen ja noch zusammen. In den meisten Fällen sind die Verletzungen, die mit diesen Erfahrungen einhergehen so groß und tiefsitzend, dass sie uns nun in unsere neuen Beziehungen begleiten.

Vielleicht hat uns jemand belogen und betrogen. Vielleicht haben wir das sogar mehrfach erlebt. Vielleicht wurden wir verlassen und das wegen einem anderen vermeintlich besseren Partner. Vielleicht erlebten wir Herabsetzung und Demütigung oder haben uns aufgeopfert, ohne etwas zurück zu bekommen. Vielleicht sind Dinge geschehen oder gesagt worden, die auch wir zutiefst bereuen, sie jedoch nicht mehr zurücknehmen oder ändern konnten. Vielleicht quält und Schuld oder wir lasten diese einem anderen Menschen an. Wir wissen jedoch in jedem Fall noch sehr genau, wie es sich angefühlt hat, als wir so sehr verletzt wurden und wir wissen damit auch sehr genau, was wir alles nicht mehr erfahren und erleben möchten. Und so begegnen wir einem neuen Menschen in unserem Leben voller Ballast und mit schwerem Gepäck und erwarten nun, er möge doch bitte derjenige sein, der uns von all dem befreit. Er soll uns zeigen, dass es auch anders laufen kann, aber generell glauben wir eigentlich gar nicht mehr daran.

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Wir sind voller Misstrauen und Angst, hinterfragen alles und versuchen womöglich unsere eigenen Gefühle für diesen neuen Menschen in unserem Leben zu unterdrücken und sie nicht wirklich entflammen zu lassen, weil wir glauben, so könnten wir uns vor neuen Verletzungen schützen. Irgendwann gelingt uns das jedoch nicht mehr, also entstehen Gespräche über unsere Vergangenheit. Wir berichten von unseren Erfahrungen und der andere tut das vielleicht auch. So stellt sich dann heraus, dass beide schon ähnliche Dinge und ähnliche Verletzungen erfahren haben und auf dieser Tatsache entwickelt sich bei uns neues Vertrauen. Wir glauben, wenn der andere so etwas auch durchgemacht hat, dann wird er ja nicht wollen, dass ihm das nochmal passiert. Er wird also alles tun, dass es bei uns anders wird, denn schließlich weiß er ja, wie es sich anfühlt, wenn so etwas passiert. Wir bemerken aber nicht, dass zu diesem Zeitpunkt unsere beginnende Liebesbeziehung wirklich unter keinem Guten Stern steht. Wir beginnen hier ein neues Drama zu schreiben.

In dem Moment, in dem wir glauben, der andere Mensch in unserem Leben könne unsere Wunden heilen, da er anscheinend die selben hat, unterliegen wir einem Irrtum und so wird die Liebe zu einem Kampf und Krampf. Wir geben damit die Kontrolle und die Macht, sogar die Verantwortung an einen anderen ab. Der andere wird aber nicht in der Lage sein all das zu tragen und erst recht nicht, wenn seine Erfahrungen der Vergangenheit ähnliche sind. Es entstehen dadurch nicht nur jede Menge Erwartungen, die der andere gar nicht erfüllen kann, sondern gleichzeitig werden wir wieder und wieder enttäuscht sein. Wir fühlen uns in unseren falschen Glaubenssätzen bestätigt und werden mit ihnen auch in die nächste und nächste und nächste Partnerschaft gehen, wenn wir nicht lernen, dass die Verantwortung für unsere alten Wunden ganz allein bei uns selbst liegt und niemals bei einem anderen. Wir selbst sind in der Lage genau hinzusehen und uns mit all den Dingen in uns selbst auseinander zu setzen. Und nur dieses bei uns selbst bleiben wird dazu führen, dass wir heilen können.

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Wenn wir verlassen wurden, müssen wir allein unsere Angst vor dem Verlassen werden überwinden. Vielleicht können wir es auch nicht besonders gut ertragen mit uns allein zu sein. Dann müssten wir zuerst das lernen, bevor wir in eine neue Liebesbeziehung gehen. Wurden wir belogen, müssen wir lernen zu vertrauen, denn nicht alle Menschen sind gleich. Wurden wir betrogen, müssen wir verstehen, dass das nichts mit uns zu tun hatte, sondern ausschließlich mit dem Menschen, der betrogen hat. Wurden wir gedemütigt und herabgesetzt, obliegt es uns zu sagen, wir selber haben dies zugelassen, da wir noch nicht wussten, wie wir damit für uns gesund und gut umgehen können. Wir können aus allen bisherigen Erfahrungen, den guten, sowie den schlechten etwas lernen. Sie alle sind Geschenke, die es nur auszupacken gilt. Tun wir das jedoch nicht und schauen wir immer nur auf den anderen, dann verbauen wir uns selbst die Chance auf ein glückliches und erfülltes Leben. Wir können nicht erwarten, dass wir in einem anderen Menschen das finden, was wir glauben zu brauchen. Wir können nicht sagen, es wäre seine Pflicht und behaupten, wenn er uns wirklich lieben würde, würde er uns all das geben, was uns bisher gefehlt hat. Ja, an einer langjährigen und funktionierenden Liebesbeziehung sollte man arbeiten. Diese Arbeit daran meint aber ausschließlich uns selbst und nicht die Arbeit an dem anderen. Nur wenn wir mit uns im Reinen sind, dann können wir es uns erlauben einen anderen Menschen so sein zu lassen, wie er ist, ohne Erwartungen zu haben oder ihm eine Last aufzubürden, die er gar nicht tragen kann.

Gern könnt ihr mir eure Geschichten erzählen und eure Erfahrungen schildern, wie es euch bisher ergangen ist. Welche Erfahrungen habt ihr machen dürfen und was konntet ihr vielleicht daraus lernen? In wieweit hat das euer Leben und eure Beziehungen vielleicht verändert? Ich freue mich auf eure Kommentare…

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