Die Angst vor Ablehnung

Die Angst vor Ablehnung…

Eine junge Frau, die sich selbst in einer recht schwierigen Zeit und auf dem Weg der Veränderung befand, erzählte mir, dass sie sich in der Vergangenheit mit den Problemen ihrer Liebesbeziehung an Menschen gewandt hatte, die sie für sehr herzlich und mitfühlend hielt und von denen sie glaubte, dass Gespräche mit ihnen sie weiterbringen würden. Hierbei handelte es sich um ein Liebespaar, dass auch schon einige Höhen und Tiefen hinter sich gebracht hatte und so glaubte sie, dass die beiden ein guter Gesprächspartner sein würden, die ihre Lage verstehen könnten.

Sie erzählte den beiden von ihrer Situation und diese hörten aufmerksam zu. Ratschläge gaben sie keine, doch sie berichteten von eigenen Erfahrungen aus ihrer derzeitigen Partnerschaft und auch von denen vergangener Beziehungen. Alle drei sprachen offen über ihre Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche an den anderen und das Paar redete unentwegt davon, dass der Schlüssel ihrer Liebe das ständige arbeiten an der Beziehung wäre und das wichtigste das miteinander reden sei. Als die junge Frau ging, hatte sie das Gefühl einen Ort gefunden zu haben, wo sie verstanden wurde und Menschen mit denselben Ansichten einer Liebesbeziehung vor sich zu haben, wie die, die sie auch hatte. Da sie sich schon längere Zeit mit dem Thema ihrer Liebesbeziehung beschäftigte und schon einiges gelernt hatte, wollte sie den beiden etwas Gutes tun und ihre Erfahrungen mit ihnen teilen. Sie überlegt eine Weile und ein paar Tage später rief sie die beiden an. Sie unterbreitete einige Vorschläge zur Lösung der zwischen ihnen bestehenden Probleme und teilte ihre Gedanken bezüglich der Partnerschaft der beiden mit. Sie sprach von vielen positiven Dingen, die sie herausgehört hatte, aber auch von Gefahren, die sie sehen würde und davon, wie man eventuell anders oder besser mit solchen Situationen umgehen könnte.

Plötzlich waren beide wirklich sauer und reagierten mit großer Ablehnung, nicht nur gegen das was sie gesagt hatte, sondern sie lehnten auch sie als Person ab und wollten mit ihr nichts mehr zu tun haben. Zuerst verstand die junge Frau gar nichts, da sie weder in einer bösen Absicht gehandelt hatte, noch jemanden verletzen wollte. Doch das schien offenbar der Fall zu sein. Sie mochte die beiden sehr und glaubte im ersten Moment, sie hätte sich falsch verhalten und nicht so reden dürfen. Also entschuldigte sie sich bei beiden, doch an der Situation ändert sich nichts mehr. Das Paar brach den Kontakt zu ihr ab und wollte mit ihr einfach nichts mehr zu tun haben. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie verstand, dass dieses Verhalten überhaupt nichts mit ihr zu tun hatte und dass die Ablehnung nicht ihr als Mensch galt, sondern dem was sie tat und sagte. Sie begriff, dass sie mit den Gesprächen über ihre eigene schwierige Zeit in ihrer eigenen Partnerschaft bei den beiden Wunden aufgerissen hatte, von denen sie sich sehr bemühten diese zu vergessen oder nicht wahrzunehmen. Als sie dann auch noch ihre Meinung sagte, fühlten sich beide so sehr angegriffen, dass sie alles Gute, was sie zu sagen hatte nicht mehr hörten und sie dafür verurteilten, dass sie ihnen das gesagt hatte. Sie verstand, dass diese Reaktion ausschließlich mit den beiden und ihren Erfahrungen der Vergangenheit zu tun hatten und das wirkliche Freunde anders reagiert hätten. Wären diese zwei Menschen ernsthaft an ihr interessiert gewesen, dann wären sie in der Lage gewesen sich ihre Meinung einfach anzuhören. Sie hätten sich bedankt und wären dann einfach ihren Weg weitergegangen. Sie hätten aus dem, was sie ihnen sagte mitgenommen, was sie hätten brauchen können und den Rest einfach verworfen. Niemals war die Rede davon, dass ihr Denken oder ihre Meinung die einzig richtige wäre und niemand hatte den beiden gesagt, dass sie sich danach verhalten müssten. In keinem Fall hätten sie jedoch mit dieser direkten Form von Ablehnung reagiert und den Kontakt zu ihr abgebrochen und als sie wusste, dass es nur mit den beiden und nichts mit ihr oder dem was sie sagte zu tun hatte, sondern dass sie nur ein Spiegel der Probleme war, die sich ohnehin schon zwischen den beiden befanden, war sie in der Lage zu akzeptieren, dass diese beiden Menschen nicht zu ihrem Leben dazugehören sollten und sie hörte auf sich schuldig zu fühlen.

Bilder von der Digitalkamera 469

Viele Menschen sind abhängig von der Zuwendung und Anerkennung anderer. Deshalb fällt es ihnen sehr schwer sich selbst und ihren eigenen Werten treu zu bleiben beziehungsweise erst einmal herauszufinden, was ihre eigenen Werte überhaupt sind.

Wenn wir Angst vor der Ablehnung anderer Menschen haben, dann können wir nicht wir selbst sein. Wir fangen an uns zu verbiegen und uns so zu zeigen, wie andere uns sehen oder haben möchten. Wir fangen an in Rollen zu schlüpfen und uns Masken aufzusetzen, die dazu diesen unsere Fehler und Schwächen zu verbergen und nur alles Gute in uns ans Tageslicht zu bringen, beziehungsweise möchten wir, dass ausschließlich das Gute in uns von anderen Menschen gesehen und wahrgenommen wird. Oft geht damit einher, dass wir nicht in der Lage sind eigene Entscheidungen zu treffen und uns diesbezüglich immer wieder die Meinung anderer einholen. Wir glauben, wenn wir das tun, was andere Menschen tun würden, dann kann uns nichts passieren und wir werden keine Fehler machen, die wir vielleicht später bereuen könnten.

Wenn wir Angst vor Ablehnung haben, dann versuchen wir stets und ständig in allem perfekt zu sein und machen uns abhängig von dem was andere Menschen über uns zu glauben wissen und denken. Wir tun alles was andere auch tun würden oder wir glauben, dass sie es genauso machen würden. Wir versuchen mit niemandem aneinander zu geraten und jeglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, weil wir mit der Kritik eines anderen nur schlecht umgehen können.

Wenn wir Angst vor Ablehnung haben, dann reduzieren wir uns und andere vielleicht auf ihr Äußeres, wir beginnen selbst kritisch mit uns und anderen umzugehen. Manchmal versuchen wir so zu sein wie andere sind, so auszusehen oder uns zu geben wie sie. Oft handelt es sich hierbei um Menschen, die wir bewundern und wertschätzen, die für uns eine Art Vorbild darstellen oder es sind Menschen, die uns so sehr am Herzen liegen, dass wir sie um keinen Preis enttäuschen möchten.

Angst vor Ablehnung bedeutet so zu leben, wie andere uns haben möchten, um ihnen zu gefallen. Wir trauen uns nicht unsere Meinung zu äußern, weil wir glauben der andere könnte diese in Frage stellen oder aufgrund unserer Meinung, die vielleicht ganz anders ist, als die unseres Gegenübers glauben wir, dass er uns nicht mehr mögen oder lieben könnte.

Als Kinder haben wir schon gelernt in bestimmte Rollen zu schlüpfen, um die Liebe und Zuwendung unserer Eltern zu erlangen. Oft war es so, dass falsches Verhalten mit Tadel, Nichtachtung oder Liebesentzug bestraft wurde und wenn wir uns gut und richtig verhielten, dann erhielten wir Wertschätzung und Liebe. So haben wir gelernt, dass wir für die Anerkennung anderer etwas tun müssen und das nur wenn wir uns richtig verhalten, perfekt sind und keine Fehler machen, wir uns vor der Ablehnung und dem Gefühl des Allein seins schützen können. So entwickelte sich unser Ego, unseren Selbstschutzmechanismus, der uns in unserem Erwachsenen Dasein nur allzu oft im Weg steht.

Wenn wir Angst vor Ablehnung haben, dann trauen wir uns viele Dinge nicht zu oder wir trauen uns nicht neue Dinge auszuprobieren, da wir glauben irgendjemand in unserem Leben wird uns dafür verurteilen und sich von uns abwenden. Wir glauben, wenn wir uns nicht liebevoll um andere Menschen in unserem Leben kümmern, sie umsorgen und jederzeit für sie da sind, dann sind wir es nicht wert, dass sie uns lieben. So werden wir schließlich für das was wir tun von ihnen abgelehnt, so glauben wir zumindest, doch in Wahrheit sind wir es selbst, die uns verurteilen und ablehnen.

Wenn wir Angst vor Ablehnung haben, dann glauben wir nicht gut genug zu sein. Wir glauben wir können erst zufrieden und glücklich sein, wenn wir perfekt sind und nur wenn uns andere Menschen diese Bestätigung zukommen lassen, dann können wir uns gut fühlen.

Wenn wir Angst vor Ablehnung haben, dann lehnen wir uns selbst in erster Linie ab, weil wir uns nicht so akzeptieren können wie wir sind und nicht glauben können, dass wir mit all unseren Seiten, auch mit allen Schatten vollkommen, perfekt und liebenswert sind. Wenn wir uns selbst ablehnen, verurteilen wir auch andere. Nur wenige Menschen sind in der Lage bei sich selbst zu bleiben und sich zu fragen, welche die Seiten und Eigenschaften es sind, die sie an sich selbst verurteilen und am liebsten ausradieren würden. Sie wollen nicht wissen, welche die Eigenschaften und Glaubenssätze in ihnen selbst es sind, die sie versuchen hinter Masken zu verbergen und andere Menschen nicht sehen zu lassen.

Doch gerade in unseren Liebesbeziehungen können wir diese Seiten nicht auf Dauer verbergen. Je länger wir mit einem Menschen zusammen sind, desto mehr gelingt es ihm in uns hinein zu sehen. Wir haben Angst davor, dass dieser Mensch, für den wir so tiefe Gefühle hegen uns durchschauen könnte, dass es ihm gelingen würde hinter unsere Masken zu sehen und wir versuchen wieder und wieder unsere vermeintlich schlechten Seiten zu verbergen, doch das ist aussichtlos. Wir fürchten die Ablehnung des andern so sehr, dass wir nicht in der Lage sind die Ablehnung uns selbst gegenüber zu erkennen und die Aspekte in uns, die wir für nicht liebenswert halten.

In dem Moment, in dem wir glauben ein anderer Mensch hätte uns durchschaut oder wo ein anderer uns offen seine Ablehnung gegenüber bringt, fangen wir an zu kämpfen, da wir den Schmerz der mit dieser Ablehnung einhergeht nicht fühlen wollen. Entweder fangen wir an uns zugunsten des anderen zu verändern, sodass er mit uns zufrieden sein kann. Wir passen uns also an und ordnen uns seinen Wünschen und Bedürfnissen oder seinen Werten und Anschauungen unter. Oder wir beginnen einen Kampf, der eigentlich ein Kampf gegen uns selbst ist und nicht gegen den, der uns ablehnt. Wir verurteilen ihn, machen Schuldzuweisungen, kritisieren oder werten ihn ab, nur das wir uns besser fühlen können. Ganz offen oder auch innerlich rechtfertigen wir uns, versuchen uns zu erklären und fühlen uns verletzt, weil wir glauben der andere würde uns gar nicht wirklich so sehen können, wie wir sind. Wir ärgern uns darüber, dass dieser Mensch so von uns denkt. Wir reduzieren den anderen auf seine Schwächen und Fehler, weil wir das eigentlich mit uns selbst tun und versuchen ihm klar zu machen, dass auch er selbst nicht perfekt ist.

In jedem Fall ist es jedoch so, dass der einzige Mensch der unter der Ablehnung leidet wir selber sind und nicht der Mensch, der uns für irgendetwas das wir gesagt, getan haben oder sind, ablehnt.

Wie können wir jetzt also mit der Ablehnung anderer Menschen umgehen und die Angst davor abgelehnt zu werden verlieren?

Bilder von der Digitalkamera 385

Ganz einfach indem wir anfangen uns selbst zu lieben. Wir können in erster Linie erkennen, dass der Schlüssel zu einem guten Miteinander in uns selbst liegt und darin, wie wir uns selbst behandeln und von uns denken. Wenn wir davon überzeugt sind, dass wir so wie wir sind einzigartig, perfekt und liebenswert sind, dann macht uns die Ablehnung eines anderen Menschen nichts mehr aus. Wir sind nicht auf seine Zuwendung und Anerkennung angewiesen und können ganz allein aus der Liebe zu uns selbst heraus existieren. Wir brauchen in keine Rollen mehr zu schlüpfen oder irgendwelche Masken zu tragen, damit andere uns mögen, sondern wir können ganz wir selbst sein. Wenn wir uns selbst lieben, dann können wir jedem anderen Menschen seine ganz eigene Meinung zugestehen, auch wenn sie unserer Überzeugung nicht entspricht und auch wenn uns jemand für das was wir denken oder tun nicht leiden kann.  Wir erheben auf unsere Meinung, auf unsere Ansichten und Werte keine Allgemeingültigkeit und versuchen nicht den anderen davon zu überzeugen, dass wir im Recht sind und er ist es nicht. Wenn wir uns selbst so akzeptieren, wie wir sind, dann fällt es uns nicht schwer mit der Ablehnung anderer umzugehen, da wir uns sagen, dass es ihre eigenen Erfahrungen und Glaubenssätze sind, die sie uns verurteilen und kritisieren lassen und wir wissen, dass sie sich damit selbst ablehnen. Wie in vielen anderen Situationen auch ist die Liebe zu uns selbst und die Anerkennung, die wir uns selbst gegenüberbringen, für das was wir sind und was uns ausmacht der Schlüssel zu guten zwischenmenschlichen Beziehungen und der Weg raus aus Schmerz und Leid, von dem wir glauben, dass andere Menschen in der Lage wären uns diesen zuzufügen.

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