Der Seitensprung

Fremdgehen muss nicht das Aus bedeuten…

Wenn in einer Liebesbeziehung einer der Partner oder vielleicht sogar beide fremdgehen, führt das ganz zwangsläufig zu großen Problemen innerhalb der Partnerschaft und auf lange Sicht gesehen oftmals zur Trennung. Wenn wir schon einmal betrogen wurden, dann haben wir in unserer derzeitigen Beziehung vielleicht große Angst davor, dass uns das wieder passieren könnte und wir erneut den Schmerz fühlen müssen, den wir schon einmal erlebt haben. Oder wir sind uns bewusst, dass es jedem einmal passieren könnte und werden von Eifersucht gequält, da wir den geliebten Menschen an unserer Seite nicht an einen anderen verlieren möchte. Vielleicht ist unser Partner auch schon einmal fremdgegangen und wir wissen nicht, wie wir damit umgehen und ihm das verzeihen können, wie unsere Beziehung von nun an weiterbestehen und aussehen kann.

In diesem Artikel möchte ich einmal eine ganz andere Sichtweise zum Thema „Fremdgehen“ darstellen, die dem ein oder anderen vielleicht hilft dieses Thema schmerz- und angstfrei zu betrachten.

Viele Menschen scheinen in dem was sie Liebe nennen so etwas wie einen Besitzanspruch an die Person zu sehen, mit der sie zusammen sind und eine Liebesbeziehung pflegen. Bewusst würden sie das verneinen, doch unbewusst verhalten sie sich so. Durch Medien und unsere Glaubenssätze oder allem was wir über Liebe zu wissen glauben, sind wir in dem Glauben aufgewachsen, dass wenn wir wirklich lieben, dann können wir nur einen Menschen lieben und schulden diesem unsere Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Treue und eben alles was zu einer Beziehung dazu gehört. Und so glauben wir, es könnte nur wahre Liebe für einen einzigen Menschen geben. Doch das lässt sich schon in ganz einfacher Weise belegen, da wir die unterschiedlichsten Formen von Beziehung pflegen, zu unseren Eltern und Großeltern, Kindern und Enkelkindern, Freunden, manchmal Haustieren und sie alle lieben wir. Jeden vielleicht auf eine andere Art und Weise, doch wir lieben sie. Schon bei Romeo und Julia, einer der größten und dramatischsten Liebesbeziehungen aller Zeiten, ist der eine bereit für den anderen zu sterben und beide behaupten zuvor, die Gefühle die sie füreinander hegen niemals für einen anderen Menschen empfinden zu können und wenn sie nicht zusammen sein können, dann wollen sie doch eher sterben.

In unseren Liebesbeziehungen heutzutage, scheint es des Öfteren genauso zu laufen, nur mit einem weniger dramatischen Ende, obwohl es sich für viele Menschen fast schon so anfühlt.

Wenn wir Angst davor haben, dass unser Partner uns betrügen könnte, glauben wir vielleicht, dass er aufgrund unserer Beziehung ganz allein uns gehört und nicht das Recht hat die selben Dinge, die er mit uns tut auch mit einem anderen Menschen zu tun. Allein schon die Gedanken daran quälen uns sehr und ganz zwangsläufig führen sie zu Misstrauen und Eifersucht, welche für beide Seiten gleichermaßen unangenehm sind. Es soll jedoch hier an dieser Stelle nicht darum gehen, Polygamie zu befürworten, wobei ich doch sagen muss, dass es in anderen Kulturen Brauch ist, mit mehreren Frauen zusammen zu sein und auch Sex zu haben und keine von den beteiligten Frauen leidet oder geht in dem Maß zu Grunde, wie wir es bei einem Seitensprung empfinden. In diesen Kulturen ist es eine andere Sichtweise der Dinge, die die Menschen damit gut umgehen und leben lässt.

Betrachten wir zuerst einmal das Gefühl von Eifersucht. Es entsteht aus unseren negativen Gedanken und Glaubenssätzen über uns selbst und andere. Sind wir eifersüchtig, so glauben wir nicht gut genug zu sein, nicht attraktiv oder intelligent genug und wir haben Angst davor etwas zu verlieren, von dem wir glauben, dass wir es unbedingt brauchen. Wir vergleichen uns mit anderen in einer negativen und ungesunden Weise und wir meinen, dass wenn unser Partner fremdgeht, kann das nur an uns liegen. Wir haben etwas nicht richtig gemacht, uns fehlverhalten oder es gibt in jedem Fall Menschen, die etwas haben, was wir nicht bieten können. Somit sehen wir zwar all unsere Makel und Schwächen, jedoch nicht das was uns wirklich ausmacht und was wir zu bieten haben. Des weiteren können wir nicht in die Zukunft sehen und können nicht wissen, ob unser Partner uns betrügen wird oder nicht. Wir sind also eifersüchtig und machen uns wegen etwas Gedanken, dass in der Zukunft liegt, von dem wir aber nicht wissen, ob es überhaupt jemals passieren wird. Manchmal reicht es auch schon, dass wir die Erfahrung in einer vorangegangenen Beziehung gemacht haben. Wir haben uns Elend gefühlt, weil wir nicht verstanden, warum das passieren konnte.

Vielleicht hat sich der geliebte Mensch nach dem Seitensprung oder der Affäre sogar diesem anderen Menschen zugewandt und wir wurden allein, hilflos und voller Schmerz zurück gelassen, weil wir uns die Schuld daran gaben und uns ständig fragten, was dieser andere Mensch hatte, das wir nicht haben. Wir wussten es derzeit noch nicht besser. Doch aus dieser Erfahrung heraus, versuchen wir jetzt den Schmerz zu vermeiden., der uns wiederfahren ist. Um jeden Preis möchten wir verhindern, dass uns derartiges erneut wiederfahren kann und so sind wir kontrollierend, wollen immer wissen, wo sich unser Partner aufhält und mit wem und was er gerade macht. Wir sind eben eifersüchtig und zerstören damit nicht nur unser Wohlbefinden, sondern auch das unseres Partners und unserer Liebesbeziehung.

Angenommen, der geliebte Mensch, mit dem wir uns in einer Liebesbeziehung befinden, hat uns bereits betrogen. Ob einmalig oder in Form einer Affäre, spielt erstmal keine Rolle. Wir empfinden Schmerz, Wut, Hass, Zorn, Verachtung, manchmal sogar Ekel und in jedem Fall können wir nicht verstehen, warum der andere uns das antun konnte. Wir möchten gern stundenlang darüber reden und ergründen, wie es dazu kommen konnte, während der andere viel lieber den Mantel des Schweigens darüber ausbreiten möchte. Wir löchern ihn mit Fragen, weil wir Dinge erfahren wollen, die wir aber eigentlich gar nicht wissen möchten und wenn wir die Antworten bekommen, dann fühlen wir uns noch viel elender, da wir glauben selbst dafür oder zumindest mitverantwortlich zu sein. In der Regel trifft es auch zu, dass es Gründe für das Fremdgehen gibt und auch der, der betrogen wurde, manchmal in seinem Verhalten dem anderen gegenüber dazu beigetragen hat. Das sind Dinge, die man in einem Gespräch durchaus erörtern kann, wenn man sich denn dazu entschieden hat, dass die Beziehung weitergehen soll.

Doch diese Entscheidung muss man erstmal treffen und dafür sollte man die gesamte Beziehung in Frage stellen und sich klar darüber werden, was man von sich selbst und in seiner eigenen Zukunft erwartet und ob man diesen Weg gemeinsam mit dem anderen Menschen gehen möchte und kann. Wenn man sich für das Weiterführen der Beziehung entschieden hat, dann muss man das mit allen Konsequenzen tun, welche bedeuten, neues Vertrauen zu erlangen und dem Partner sein Fremdgehen wirklich zu verzeihen und damit in der Partnerschaft einen Neubeginn zu wagen.

Was passiert jedoch wirklich, wenn einer der beiden Partner fremdgeht?

In erster Linie können wir uns frei dazu entscheiden, was wir in dem Moment glauben und denken möchten, wenn wir davon erfahren. Natürlich sind wir zuerst vielleicht enttäuscht und schockiert und wollen es nicht glauben. Doch wir können uns dazu entscheiden nicht unter dem zu leiden, was ein anderer Mensch getan hat, indem wir uns sagen, dass es nichts mit uns zu tun hat. Die Entscheidung zu „betrügen“ hat in erster Linie der andere getroffen, ohne unser dazutun und auch er hatte in der Situation die Wahl und muss somit die Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Wir brauchen uns nicht mit Gedanken zu quälen, was der andere alles hat, dass wir nicht haben, ob er besser aussieht, mehr für den anderen tut oder intelligenter ist.

Jeder Mensch ist in seinem Sein einzigartig und es wird niemals zwei Menschen geben, die einander gleichen. So haben also auch wir Dinge zu bieten, die der andere nicht haben und nicht geben kann, so wie dieser das ebenfalls hat. Kommt es in langjährigen Beziehungen vor, dass einer der Partner eine Affäre beginnt, können wir uns sicherlich fragen, ob wir ihm in der Vergangenheit seine Bedürfnisse so erfüllen konnten, wie er sie brauchte oder ob wir überhaupt dazu bereit sind, ihm diese in der Form zu erfüllen. Doch manchmal gehen Menschen auch aus ganz eigenen und persönlichen Gründen und Ursachen fremd, ohne das wir überhaupt etwas dazu getan haben. Zum Beispiel gibt es Menschen, die darin, dass sie ständig Sex mit anderen haben ihre Bestätigung und Liebe finden, die sie sich selbst aber nicht in der Lage sind zu geben. Sie brauchen Sex von anderen vielleicht auch, weil sie sich ohne dem nicht gut fühlen. Aber auch das bedeutet, dass sie nie gelernt haben mit sich selbst glücklich zu sein und ihr Selbstwertgefühl nicht ausreicht, um einem Partner wirklich treu zu bleiben.

Menschen mit einem gesunden Selbstwert, mit Selbstliebe und Selbstachtung, würden zuerst mit ihrem Partner über Probleme sprechen und erst wenn diese nicht zu lösen scheinen, sich trennen und nach einem anderen Partner Ausschau halten. Sie würden sich nicht dazu verführen lassen, den anderen zu hintergehen, da sie selbst andere so behandeln, wie sie auch behandelt werden möchten, was ein Lügen ausschließen würde. Manche Menschen sind auch mit ihrem Leben total unzufrieden, aber nicht in der Lage sich mit ihren inneren Gefühlen auseinanderzusetzen, um zu schauen, woher diese Unzufriedenheit kommt.

So sehnen sie sich vielleicht nach mehr Abwechslung und Abenteuer in ihrem Leben und glauben das in einer Affäre zu finden. Anfangs ist das vielleicht auch der Fall, doch mit der Zeit stellen sie fest, dass ihre Unzufriedenheit und die innere Leere zu ihnen zurückkommen und das gar nichts mit uns zu tun hatte. Warum sollten wir dann also glauben, dass es mit uns zu tun hat oder es unsere Schuld gewesen wäre? Und zu guter Letzt haben wir auch nicht den Anspruch an einem anderen Menschen. Wir haben nicht das Recht ihm zu sagen oder vorzuschreiben, was man zu tun und zu lassen hat. Sicherlich gibt es in Beziehungen einige Absprachen, von denen wir erwarten, dass sich der andere daran hält. Doch wenn wir wirklich lieben, dann erwarten wir gar nichts. Dann lassen wir den anderen frei entscheiden und glauben daran, dass alles und jeder, der oder das in unser Leben gehört auch da ist und dableiben wird. Ohne unseren Einfluss unser Handeln oder Drängen in diese Richtung. Nur wenn wir loslassen können was wir lieben, so wird es bei uns bleiben, ganz freiwillig und ohne Zwang.

Wir müssen nicht kämpfen oder uns verbiegen, um einen Menschen der uns am Herz liegt nicht an einen anderen zu verlieren. Wenn dieser Mensch zu uns gehört, dann bleibt er von ganz allein. Alles andere würde bedeuten, dass wir uns selbst nicht genug wert sind. Es gibt zum Beispiel auch Menschen, die einen Partner haben, der bereits in einer Partnerschaft lebt. Diesen lieben sie dann auch und sind quasi bereit ihn zu teilen. Natürlich kann das nicht jeder auf Dauer, aber es gibt Menschen, die es doch können und das sind vielleicht die, die mit sich selbst ebenso gut allein sein können, wie sie gern mit anderen zusammen sind. Sie lieben den anderen nicht, weil er eigentlich einen anderen Partner hat, sondern sie lieben die Qualitäten und Eigenschaften des anderen, von denen sie glauben, ihr Leben damit bereichert zu sehen. Auch hier kann sich jeder frei dazu entscheiden, wie weit er geht und wie lange er diesen „Zustand“ tragen kann.

Andere Menschen wiederum leben in offenen Beziehungen und sehen sogar das „Fremdgehen“ des Partners als eine Bereicherung für ihre Liebesbeziehung. Sie sind ebenso in der Lage den anderen so sein zu lassen, wie er ist und das leben zu lassen, was er gerne leben möchte und sie zweifeln dennoch nicht an der Liebe füreinander, die ja auch bei ihnen vorhanden ist. Sie haben sogar mehr Vertrauen in den anderen, als monogam lebende Paare oftmals, da sie keine Verlust- oder Trennungsängste verspüren.

Wenn jemand in einer Partnerschaft fremdgeht, muss das keinesfalls das Aus einer Beziehung bedeuten und es ist auch nicht das unglaubliche Vergehen, wie es allseits immer dargestellt wird, da es ganz verschiedene Gründe und Ursachen haben kann. Manchmal hat der Fremdgehende vielleicht einen Fehler gemacht, welcher ihn jedoch nicht als Menschen ausmacht und bestimmt, wer oder was er ist. Demzufolge sollten wir ihn auch nicht darauf reduzieren oder dafür verurteilen, ohne wirklich zu wissen, wo seine Gründe liegen.

Oftmals können wir auch erleben, dass Partnerschaften nach einem Seitensprung zu neuem Leben erwachen und danach viel besser laufen als vorher. Niemand kann pauschal sagen, was richtig oder falsch ist, wer sich richtig oder falsch verhalten hat oder was erlaubt und was nicht erlaubt ist und es gibt auch keinen Grund einen tiefgehenden Schmerz zu empfinden, wenn etwas Ähnliches in der Partnerschaft vorgekommen ist.

Alles was uns im Leben passiert hat einen Sinn und aus allem können wir lernen. Aus vermeintlich schlechten und schmerzhaften Dingen entstehen wundervolle Sachen. Im Fall des Fremdgehens kann es sogar so sein, dass wir im Nachhinein froh sind, dass uns das passiert ist. Vielleicht hätten wir uns ohne dem nie von diesem Partner getrennt und hätten nicht den wundervollen Menschen kennengelernt, der sich jetzt an unserer Seite befindet und noch viel mehr zu geben und zu bieten hat, als wir es zuvor gewagt hätten zu träumen. Alles ist zu irgendetwas gut. Man muss es nur erkennen und sehen.

3 Comments on “Der Seitensprung

    • Das kann ich mir vorstellen und das ist in den meisten Beziehungen mit einer Krise verbunden. Doch wenn ihr es geschafft habt, dann habt ihr diese gemeinsam überwunden und das ist großartig. Trotz aller Schwere hat euch das auch zusammen geschweist denke ich und so kann etwas neues und wundervolles daraus erwachsen. Ich wünsche euch alles erdenklich gute dabei. 🙂

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  1. Der Mensch blickt in die Zeit zurück und sieht, sein Unglück war sein Glück!
    Eugen Roth

    Ich habe mich getrennt und das war MEIN Glück ….
    Segen und liebe Grüße
    M.M.

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