Wut

Wenn Du wütend bist, sage und tue gar nichts.

Wut, Zorn, Ärger und Hass sind mindestens genauso mächtige und weit reichende Gefühle, wie alle positiven die wir empfinden können und so sind sie auch genauso schwer zu kontrollieren. Es gibt Menschen, die ein unglaubliches Temperament besitzen und aus denen der Ärger und die Wut sofort heraussprudeln, sobald sie sie empfinden. Doch fühlen sie sich damit oder danach keineswegs besser, sondern sie leiden sehr darunter, denn sie werden von Schuldgefühlen geplagt. Niemals ist es so, dass bei unkontrollierter Wut etwas produktives herauskommen kann und so sagen und tun wir dann häufig Dinge, die uns später leid tun und für die wir uns entschuldigen sollten.

Andere Menschen hingegen finden einfach keinen Zugang zu ihrer Wut. Ihnen würde es nicht passieren, dass sie ganz unkontrolliert auf einen anderen zugehen und ihn mit Vorwürfen bombardieren würden oder aus ihrer Wut heraus ziemlich dumme Dinge tun. Sie fressen alles in sich hinein und machen vieles davon mit sich selbst aus. Doch sind sie deshalb besser dran, weil sie sich so gut beherrschen können und sich somit nicht mit den nachfolgenden Schuldgefühlen auseinandersetzen müssen? Nein. Sie leiden genauso darunter, da sie nur allzu gern dem vermeintlichen Verursacher ihrer Wut mal so richtig die Meinung geigen möchten, doch entweder trauen sie sich nicht, aus Angst vor dem entstehenden Konflikt oder sie finden nicht die richtigen Worte zur richtigen Zeit. Dazu kommt, dass ständiges in sich hineinfressen von Ärger und Wut nachweislich zu diversen körperlichen Leiden führt genauso wie das unkontrollierte Herauslassen und Krankheiten, wie Magengeschwüre oder Depressionen die Folge sein können.

Wer von uns kennt nicht diese berühmte Situation, dass wir uns über unseren Partner, den Chef, die Kollegen oder Freunde geärgert haben, aber erst viel Später fällt uns ein, was wir hätten sagen sollen und können. Das liegt daran, dass wir uns später wieder beruhigt haben und nun mit klarem Kopf die richtigen Worte finden können und uns auch niemand Gegenüber steht, der mit irgendwelchen komischen Argumenten alles zunichte macht, was wir sagen wollen oder uns damit aus der Fassung bringen könnte. Doch an dieser Stelle haken wir das Ganze nicht ab, sondern beginnen uns über uns selbst zu ärgern, dass wir einfach nicht fähig gewesen sind, in dieser Situation mit den nun gewählten Worten zu argumentieren und wir halten und für dumm oder fühlen uns klein.

Dann gibt es aber auch noch die Menschen, die eine weitere Strategie in ihrer Kindheit zu ihrem eigenen Schutz entwickelt haben. Sie unterdrücken ihre Gefühle, sodass sie die Wut an sich eigentlich gar nicht wirklich wahrnehmen oder spüren können. Auch sie sind darum nicht zu beneiden, denn ein derartiges unterdrücken der Gefühle bringt viele Probleme mit sich. Diese Menschen sind nämlich auch nicht in der Lage Gefühle wie Freude, Liebe, Glück und Zufriedenheit wirklich intensiv zu spüren und zu erleben. Ihnen fehlen oft empathische Fähigkeiten und so haben sie Schwierigkeiten sich im Umgang mit anderen gut zurecht zu finden. Häufig sagt man ihnen nach, sie wären gefühlskalt und hätten kein Herz. Dabei sind sie selbst damit sehr unglücklich. Die fehlende Empathie führt dazu, dass sie anderen häufig auf den Schlips treten und andere sich durch ihre Worte und Taten gekränkt fühlen, da sie eine andere Reaktion erwartet haben.

Doch trotz allem kann man den guten und gesunden Umgang mit negativen Gefühlen wie dem des wütend seins durchaus lernen.

Was ist denn Wut eigentlich?

Ich fand eine recht treffende Definition, geschrieben von Billy Eduard Albert Meier. Natürlich kann man diese Definition nicht pauschal auf jeden Menschen legen, denn dazu sind wir alle zu verschieden und jeder in seiner Art und Weise einzigartig. Doch ich denke die ein oder andere Beschreibung hat doch jeder schon einmal erfahren dürfen.

Wut ist in ihrer Definition ein heftiger, unbeherrschter und bis zur Raserei führender Ausbruch von unkontrollierten wilden Gedanken und deren Gefühlen sowie der Emotionen. Die Emotionen dürfen dabei nicht mit den Gefühlen gleichgesetzt werden, denn dabei handelt es sich um zwei grundverschiedene Dinge, wobei aus lange gepflegten falschen Gedanken und Gefühlen sich erst Emotionen entwickeln, die dann bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit durchbrechen und zur Geltung kommen. Wut ist also emotional bedingt und wird hervorgerufen, wenn durch irgendwelche Vorkommnisse, Worte, Reden, Handlungen, Taten, Schaden oder Verlust usw., Ärger in Erscheinung tritt. Die Wut bringt sich durch eine verzerrte Miene, Wutröte im Gesicht sowie durch böse und unbeherrschte Worte, durch unkontrollierte Gestikulation und oft sehr schwerwiegende Taten und Raserei zum Ausdruck. Bei einem Wutzustand wird von einer aufgestauten, von einer dumpfen, brüllenden, brennenden, heillosen und von einer heulenden oder sinnlosen, von einer rasenden, wilden, irren, besinnungslosen, hineingefressenen, tobenden, von einer geifernden, schäumenden oder kochenden Wut usw. gesprochen. Zu nennen ist auch die Berserkerwut, die in der Regel in einer rasenden Wüterei und manchmal auch in einer Wutversessenheit ausartet, was oft auch mit einem Wutgeheul und mit Schaum vor dem Mund verbunden ist.

Buddha sagte bereits:

„Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei.“

Für meine Begriffe verhält es sich mit der Wut genau so und deshalb ist es ratsam in dem Moment wo wir wütend sind erst einmal gar nichts zu sagen und auch nichts zu tun, sondern einfach die Situation zu verlassen. Sicherlich ist das leichter gesagt, als getan, doch je öfter wir das üben und praktizieren, desto leichter gelingt es uns. Es spielt dabei keine Rolle, ob wir jemand sind, der temperamentvoll ist oder jemand, der alles in sich hineinfrisst. Wenn wir wütend sind, sehen wir unmöglich die Dinge richtig und aus allen Perspektiven, sondern ausschließlich aus unserer Sicht. Doch ist unsere Sicht der Dinge nicht immer die richtige oder einzig wahre. Es gibt so viele Möglichkeiten die Dinge zu sehen oder Perspektiven aus denen wir entstandene Situationen und andere Menschen betrachten können.

Die Situation zu verlassen verschafft und Zeit, um uns selbst und unsere Gefühle zu sortieren und unsere Wahrnehmung des ganzen zu überdenken. Wir können uns und unsere Gedanken beruhigen und haben oft später noch die Gelegenheit angemessen mit der entstandenen Situation umzugehen und beispielsweise ein Gespräch zu suchen oder nach den Beweggründen des Gegenüber zu fragen. Nicht selten geschieht es auch, dass wenn wir uns beruhigt haben, das ganze Drama gar nicht mehr so wichtig erscheint. Das Thema oder die Situation ist dann eine Auseinadersetzung oder gar Streit nicht mehr wert und wir entscheiden uns, es auf sich beruhen zu lassen. Diese Entscheidung haben dann aber wir selbst ganz bewusst und für uns getroffen und haben uns nicht durch die Worte oder Taten eines anderen zu emotionalen Reaktionen hinreißen lassen, die wir im Nachhinein vielleicht bereuen. Solch eine Entscheidung können wir aber nur treffen, wenn wir ruhig und klar denken können, was im Moment der Wut, aufgrund verschiedener Reaktionen im Gehirn einfach nicht möglich ist.

Für diejenigen unter uns, denen es schwer fällt ihr Temperament zu zügeln, habe ich ein paar erste Hilfe Tipps, die sie anwenden können und die sich automatisieren, je öfter wir sie anwenden.

Wenn wir wütend sind, können wir uns vom Gegenüber etwas Zeit erbitten. Wir bemühen uns also in erster Linie höflich zu bleiben, auch wenn uns gerade nicht danach ist. So können wir uns eine Pause nehmen und 5 Minuten (oder wer kann auch länger) vor die Tür gehen, um uns zu beruhigen. Wir können sagen, dass wir derzeit so einer solch ausartenden Diskussion nicht bereit sind, dass aber gern zu einem späteren Zeitpunkt klären werden.

Wir können lernen, Dinge die andere Menschen sagen oder tun nicht persönlich zu nehmen. Oft ist es so, wenn uns jemand anschreit oder ungerecht behandelt, dass es gar nichts mit uns zu tun hat, sondern ausschließlich mit demjenigen selbst. Vielleicht hat er finanzielle oder familiäre Probleme, vielleicht ist er krank und fühlt sich nicht gut. So möchte er uns vielleicht gar nichts Böses, sondern könnte eigentlich unsere Gesellschaft oder einen Zuhörer gut brauchen. Wir wissen nicht was andere Menschen denken oder warum sie bestimmte Dinge tun, doch wir sind in der Lage dies herauszufinden und zu hinterfragen. Wir müssen nicht wütend sein, weil wir uns ungerecht behandelt fühlen, denn meistens steckt etwas ganz anderes dahinter, als wir auf den ersten Blick sehen können.

Wenn wir wütend werden, hat das auch oft mit unserem eigenen Selbstwert und dem was wir von uns selbst glauben zu tun. Meist sind die Gedanken über uns selbst nicht besonders wohlwollend und positiv und so fühlen wir uns gekränkt und verletzt, wenn jemand den Wunden Punkt getroffen hat. Wir können uns also Fragen, was genau hinter der Bühne eigentlich wirklich passiert. Wut ist kein Gefühl, dass wir zwingend weg machen müssen, sie ist viel mehr unser Diener und zeigt uns, wenn etwas nicht richtig läuft. Doch das was nicht richtig läuft, hat oft mit uns selbst und unseren Glaubenssätzen oder Erfahrungen zu tun. Deshalb können wir, wenn wir wütend sind uns einmal hinsetzen und genau hinsehen, woher diese Wut eigentlich kommt. Warum werden wir wütend? Was denken wir wirklich darüber und was hat der andere in uns ausgelöst, sodass wir wütend werden konnten.

Wenn wir das tun, befinden wir uns nicht mehr in der Opferhaltung und können niemand anderes für unser Unwohlsein verantwortlich machen. Wir übernehmen so selbst die Verantwortung und können uns frei entscheiden, wie lange wir die Wut noch mit uns herumtragen möchten oder ob es nicht mehr Sinn macht, sich mit wichtigeren und schöneren Dingen des Lebens zu beschäftigen.

Gelingt es uns so über die Dinge zu denken, dann verfliegt die Wut von ganz allein und wir fühlen uns wieder glücklich und frei. Die Wut ist nicht unser Feind und wir sollten sie auch nicht als diesen betrachten oder behandeln. Sie ist lediglich dazu da uns etwas zu sagen, wo wir genau hinhören können. Sie hilft uns zu erkennen, was wir zuvor nicht sehen konnten und als Gefühl hat sie genauso ihre Daseinsberechtigung, wie auch alle schönen und positiven Gefühle und von denen möchten wir ja auch nicht, dass sie einfach verschwinden.

2 Comments on “Wut

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