Missverständnisse

Mit Missverständnissen umgehen…

Missverständnisse gibt es bei allen möglichen Themen und in allen zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie sind nicht nur verbaler Natur, sondern entstehen häufig durch unser Handeln und unsere Reaktionen auf bestimmte Ereignisse. Das liegt vor allem daran, dass wir alle grundverschieden und einzigartig sind. Sowohl in dem was wir sind, als auch in dem was wir denken und tun. Unsere Sichtweisen und Meinungen hängen vor allem mit unseren Vorstellungen, Werten und Erfahrungen zusammen und da das sehr individuelle Dinge sind, können andere Menschen nicht erahnen, was in uns vorgeht. Besonders verheerende Auswirkungen können Missverständnisse jedoch in unseren Liebesbeziehungen haben, da hier der Kontakt beider Partner sehr eng und emotional vonstatten geht.

Aufgrund dessen gelingt es uns eher seltener, gemachte Aussagen des anderen, die uns vielleicht getroffen oder verletzt haben einfach so stehen zu lassen. Wir beurteilen die Ereignisse emotional und es fällt uns schwer die andere Seite zu sehen und zu verstehen. Weil wir Gefühle für den anderen haben, machen wir uns eher Gedanken über das was er sagt und denkt, als wir es vielleicht bei einem Geschäftspartner oder gar einem Fremden tun würden. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die zu Missverständnissen führen, doch häufen diese sich an, wird daraus ein handfester Streit. Jeder von uns kennt doch bestimmt die Situation, dass wenn man nach einem Streit über alles gesprochen hat, sich eingesteht, wie dumm dieser war, da es so einfach gewesen wäre ihn zu vermeiden. Wir erkennen dann häufig, dass es sich nur um ein Missverständnis handelt, dass zu dieser meist schmerzlichen Situation geführt hat.

Nehmen wir ein Beispiel:

Ein junger Mann und eine junge Frau haben sich vor einigen Wochen kennen gelernt und waren schon einige Male miteinander verabredet. Sie führten gute Gespräche, verstanden sich gut und hatten gemeinsam sehr viel Spaß. Beide erwarten nun sehnsüchtig ihre nächste Verabredung und freuen sich darauf. So sitzt der junge Mann also in einem Cafe und wartet auf Auserwählte. Nachdem sie eine Stunde nach dem verabredeten Termin immer noch nicht am Treffpunkt erschienen war, ging er völlig enttäuscht und frustriert nach Hause. Erst nach einer weiteren Stunde kommt von ihr eine kurze Nachricht, dass sie sich entschuldige, doch sie konnte die Verabredung nicht wahrnehmen. Weitere Erklärungen gab sie dazu aber nicht ab. Der junge Mann verstand das nicht und fing an sich Gedanken zu machen. Diese Gedanken waren in keiner Form positiv. Er glaubte die junge Frau hätte kein Interesse mehr an ihm und noch viel mehr ärgerte er sich darüber, dass sie sich nicht rechtzeitig gemeldet hatte, um die Verabredung abzusagen. Er fühlte sich gedemütigt, da sie ihn dort hin bestellt und dann einfach sitzen gelassen hatte. Auch das sie nur kurze Worte der Entschuldigung in Form einer Nachricht fand, statt ihm eine Erklärung zu liefern, war für ihn ein eindeutiges Zeichen des mangelnden Interesses ihrerseits. Die junge Frau jedoch wurde sehr kurzfristig von ihrem Chef in ein Meeting einberufen worden, da sie sich mit den besprochenen Projekten bestens vertraut war. Dieses Meeting dauerte so lange, dass sie ihre Verabredung nicht wahrnehmen konnte und es für sie auch keine Möglichkeit gab, während dessen diese abzusagen. Nach Beendigung schickte sie im deshalb eine kurze Nachricht, um ihm zu zeigen, dass sie es nicht vergessen hatte und an ihn dachte. Eine ausführliche Erklärung wollte sie ihm in einem Gespräch geben, da sie alles andere für zu unpersönlich hielt. Als sie ihn jedoch nach einem nächsten Treffen fragte, war er sehr kurz angebunden und sagte ihr, er habe keine Zeit. Nun hatte auch sie die Gedanken, dass er sein Interesse an ihr verloren hatte und war genauso enttäuscht.

So kristallisierten sich also aufgrund von Missverständnissen die ersten Probleme zwischen den beiden heraus. Es kam dennoch zu einem weiteren Treffen und als beide ihren Standpunkt darlegten, mussten sie darüber lachen, welch eigenartige Gedanken sie sich gemacht hatten und wie wenig zutreffend diese aus Sicht des anderen gewesen waren.

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Ein weiteres klassisches Beispiel:

Ein verheiratetes Paar… Ihr ist aufgefallen, dass sie und ihr Mann in der letzten Zeit wenig miteinander unternommen haben oder nur wenig gemeinsame Zeit verbracht haben, da beide beruflich sehr eingespannt sind. So beschloss sie also am Abend ihm sein Lieblingsessen zu kochen, den Tisch schön zu decken und für eine gemütliche Atmosphäre zu sorgen, sodass sie mal wieder einen netten Abend zu zweit verbringen konnten. Als Ihr Mann von der Arbeit nach Hause kam, war an seinem Gesichtsausdruck schon zu erkennen, dass er schlechte Laune hatte. Er bedachte seine Frau mit einem kurzen „Hallo Liebling“, gab ihr einen Kuss und zog sich an seinen Computer zurück, um weiter zu arbeiten. Er bemerkte weder wie hübsch sie sich hergerichtet hatte, noch den schön gedeckten Tisch oder die aufgestellten Kerzen. Seine Frau blieb also erst einmal sehr enttäusch zurück und sogleich verwandelte sich diese Enttäuschung in Wut. Sie dachte, er sei ein oberflächlicher und egoistischer Rüpel, der es nicht zu schätzen wusste, was sie für ihn getan hatte. Also ging sie zu ihm und begann ihm einige Vorwürfe zu machen. Er jedoch hatte einen sehr bescheidenen Tag im Büro. Es gab eine riesige Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten, da er den Termin zur Fertigstellung eines wichtigen Projektes nicht einhalten konnte. Ganz unverschuldet geriet er in diese Situation, hatte nun aber den Stress und Ärger am Hals, da der neue Termin zur Fertigstellung für den folgenden Tag angesetzt war. So ärgerte er sich sehr über die Ungerechtigkeiten des Tages, über das was sein Chef zu ihm gesagt hatte und überlegte nun, wie er es anstellen konnte, den Abgabetermin einzuhalten und was dafür alles nötig wäre. Als nun seine Frau vor ihm stand und ihn mit Vorwürfen bombardierte, lief auch bei ihm das Fass über und so kam es zwischen den beiden zu einem heftigen Streit…

Natürlich versöhnten sich die beiden später wieder und entschuldigten sich gegenseitig, dass sie so wenig Verständnis für den anderen gehabt hatten, bekundeten sich ihre Liebe und so war die Sache dann vom Tisch.

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Die Frage ist nun, ob man diese beiden Situationen im Vorfeld hätte vermeiden können und ich denke …Nein… Natürlich muss es in solchen Situationen nicht zwangsläufig zu einem Streit kommen, doch die Missverständnisse sind eben da und lassen sich meiner Meinung nach auch nicht vermeiden. Im Internet kann man überall nachlesen, mit welchen Strategien man ihnen aus dem Weg gehen kann, doch ich glaube das ist nicht immer zu realisieren. Gerade wenn wir Situationen ausgesetzt sind, in denen wir Stress empfinden oder auch Ärger und Zorn, fällt es uns umso schwerer die Situationen objektiv zu beurteilen und uns in die Lage des anderen zu versetzen. Unsere Gedanken kreisen um uns und unsere Person und so gelingt es uns nur schlecht in diesen Momenten daran zu denken, wie der andere sich fühlen könnte oder was seine Beweggründe wären. Dazu kommt, dass wir alle keine Gedanken lesen können (was viele von uns jedoch von dem anderen erwarten) und so können wir oft gar nicht wissen, welche Gründe ihn zu seinem Handeln bewegt haben.

Was können wir nun also tun, um mit solch entstandenen Situationen möglichst gut umzugehen?

Zuerst sollten wir nicht dahin verfallen uns unseren Selbstzweifeln hinzugeben, die nun mal jeder mit sich herum trägt. Wir können uns bemühen, die Dinge, die ein anderer tut oder sagt nicht in erster Linie persönlich zu nehmen. In so vielen Fällen hat das Denken und Handeln eines anderen nicht mit uns zu tun, sondern nur mit ihm selbst. Des weiteren können wir uns bemühen unsere Gedanken in solchen Momenten auf etwas Positives zu lenken, statt uns das scheinbar unmögliche Benehmen des anderen vor Augen zu halten. Wir können uns Zeit verschaffen, um uns zu beruhigen, denn nur wenn wir nicht mehr aufgebracht oder wütend sind, gelingt es uns die Situation realistisch zu betrachten und auch die Sichtweise des anderen zu bedenken. Vor allem können wir dann später das Gespräch suchen. Wir können uns und unser Empfinden darüber erklären, wir können dem anderen zuhören und ihn nach seinen Beweggründen fragen. In einem ruhigen Gespräch und mit ein wenig Verständnis für die andere Seite (und unter dem Aspekt, dass jeder Mensch anders denkt, fühlt und handelt), lassen sich solch entstandene Situationen, natürlich nur mit ruhigen Worten ganz leicht wieder auflösen. Wir müssen nichts in uns hineinfressen und im ersten Moment das Ganze so stehen zu lassen ist auch kein Freibrief dafür, dass der andere immer wieder mit uns so umgehen darf. Doch häufig lösen sich solche Dinge in Wohlgefallen auf, da (wie zumindest in den oberen Beispielen) niemand wirklich etwas für die Situation konnte und auch in keiner bösen Absicht gehandelt hat. Es ist eine Zusammenfügung aus Missverständnissen, die zu einer Auseinandersetzung geführt hat. Meinem Erachten nach ist das auch gar nicht schlimm und aufgrund der Verschiedenheit der Menschen oft unumgänglich.

Trotzdem können wir uns bemühen und lernen mit den alltäglichen Missverständnissen, die es nun mal in jeder zwischenmenschlichen Beziehung gibt, gut umzugehen, ohne dass sich jemand gekränkt, verletzt oder herabgesetzt fühlen muss.

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