Emotionaler Missbrauch und die Angst vor dem Allein sein…

Natürlich sollte eine Trennung nicht leichtfertig ausgesprochen werden oder als Druckmittel eingesetzt werden. In vielen Fällen lohnt es sich an der Beziehung festzuhalten und sich um diese zu bemühen, daran zu arbeiten. Das funktioniert aber nur, wenn beide Partner auch dazu bereit sind und es wollen. Wenn nur einer etwas verändern möchte und der andere dazu nicht bereit ist oder einer der Partner verzweifelt darauf wartet und darum bittet, dass sich etwas ändert und nichts geschieht, dann ist eine Trennung manchmal unumgänglich und damit der bessere Weg.

Eine Trennung ist niemals leicht, schließlich hat man diesen Menschen einmal geliebt. Man hat sich ein gemeinsames Leben aufgebaut, hatte Zukunftspläne, die man gemeinsam verwirklichen wollte und ganz sicher gibt es auch etliche schöne Erinnerungen, bezüglich der Dinge, die man miteinander geteilt und erlebt hat. Einige von uns haben ein Haus gebaut, andere haben Kinder oder beides. So ist also im Falle einer Trennung nicht nur der Partner aus dem eigenen Leben verschwunden, sondern das Leben an sich ist dann auch völlig auf den Kopf gestellt. Alles, was bis dahin wichtig war, liegt nun in einem riesigen Scherbenhaufen vor uns und wir müssen damit beginnen uns ein komplett neues Leben aufzubauen, uns neu zu orientieren, dass Geschehene verarbeiten, um es hinter uns lassen zu können. Ein Neuanfang steht und bevor.

Weil in manchen Beziehungen eben so viel daran hängt und weil einige von uns große Angst vor dem Alleinsein haben, bleiben sie in Beziehungen, die ganz und gar nicht mehr gesund sind. Frei nach dem Motto, lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. An einer Liebesbeziehung kann man aber nur bis zu einem bestimmten Punkt arbeiten. Es gibt jedoch auch Situationen und Gründe, die eine Trennung unumgänglich machen, z.B. dann, wenn Gewalt im Spiel ist. Bei häuslicher Gewalt in Form von körperlicher Gewalt, ist das vielen Menschen ziemlich klar, doch dasselbe gilt für emotionale Gewalt, die in unseren Liebesbeziehungen weitaus verbreiteter ist. Sie wird von außen kaum wahrgenommen, da sie eben keine sichtbaren Spuren, wie Schrammen oder blaue Flecken hinterlässt. Doch die Wunden und Narben, die auf der Seele entstehen und was diese mit der Psyche eines Menschen macht, ist mindestens genauso verheerend.

Auf der Seite, „Emotionaler Missbrauch“ wurde ein sehr treffender Artikel zu diesem Thema verfasst, der den emotionalen Missbrauch in folgenden Punkten beschreibt bzw. darlegt, wann es sich um diesen handelt.

  • Erniedrigung, Abwertung und Kritik des Partners: auch in Form von dauerndem Nörgeln, Sarkasmus und einer herablassenden Haltung
  • Ablehnung bzw. Bagatellisierung der Gefühle und Bedürfnisse des Partners
  • Dominanz und Kontrolle des Partners
  • emotionale Erpressung
  • Einschüchterung durch Aggression
  • Mobbing
  • psychische Manipulation
  • Drohungen z.B. in der Form dem Partner Gewalt anzutun oder ihn zu verlassen
  • Missbrauch des Partners als emotionalen Mülleimer und Ablassventil
  • bewusstes Lügen und Vorenthalten von Informationen
  • Strafe durch Liebesentzug, Nichtbeachtung und Verweigerung der Kommunikation
  • Isolation des Partners von anderen nahe stehenden Personen
  • Bewusste Überschreitung persönlicher Grenzen

Trotz solch schwieriger Beziehungssituationen, ist es oft ein weiter Weg bis zur Trennung. Gerade wenn wir Angst vor dem Alleinsein haben oder glauben es allein nicht zu schaffen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir in solchen Beziehungen verharren. Dazu kommt, dass derartige Beziehungen dazu führen, dass uns die Selbstachtung und der Selbstwert verloren gehen, was eine der Folgen ist. Einige von uns sind auch schon ohne dem in die Beziehung gegangen. Aus mangelnder Selbstliebe haben sie dann versucht diese von dem Partner zu erhalten. Wir haben uns somit also in einen sich ewig drehenden Kreislauf begeben. Das mangelnde Selbstwertgefühl lässt Grenzen verschwimmen und uns Dinge anders wahrnehmen, als sie wirklich sind. Wir glauben es wäre eine völlig normale Partnerschaft und bei anderen wäre es genauso. Es dauert somit sehr lange, bis wir erkennen, auf welchem ungesunden Weg wir uns befinden. Die Angst vor dem Alleinsein, verstärkt das Ganze noch. Doch was bedeutet es überhaupt, wenn wir Angst davor haben Allein zu sein?

Janett Menzel beschreibt das in ihrem Artikel „Wie man Einsamkeit überwindet & Alleinsein erträgt“ folgendermaßen.

Die Angst allein zu sein oder das Alleinsein an sich, mit dem man nicht zurecht kommt, ist sehr oft lähmend. Wir schämen uns für unsere Bedürftigkeit, wollen vielleicht niemanden unserer Freunde und Familie in deren Leben stören oder haben Erfahrungen gemacht, die Vertrauen erschweren. Für viele, die allein sind, weil ihr Partner verstarb, steht ein plötzliches, unbekanntes Alleinsein auf der Tagesordnung, aus der schnell Einsamkeit wird. Andere leben bereits Jahre allein, blieben unverheiratet, ledig oder geschieden, ohne Kinder. Die Freunde dünnten sich über die Zeit immer mehr aus, lebten ihre Leben. Die Eltern versterben, eventuell ist man Einzelkind.

Wie es zum Alleinsein kam, aus der Einsamkeit wurde, spielt keine Rolle, wenn die innere Leere, die Sehnsucht nach Liebe und Gebrauchtwerden, Teilhaben und Teilsein, Geborgenheit und Wärme sich breit macht.

Naturgemäß versuchen wir, Angst zu vermeiden und abzuwehren. Wir entwickeln im Laufe unseres Lebens viele Strategien, die für uns wirken, um Ängsten aus dem Weg gehen zu können. Man nennt sie die natürlichen Mechanismen der Angstabwehr. Doch bei einigen äußert sich ihre Angst nicht nur in Unsicherheit, und lässt sich somit schwerer bewältigen. Angstphasen können derart intensiv sein, dass sich Panik oder im äußersten Fall sogar Selbstmordgedanken breit machen.

Wenn wir einmal erkannt haben, dass wir uns in einer Beziehung befinden, in der unsere Wünsche, Bedürfnisse und Träume nicht respektiert werden, in der es zu Lieblosigkeiten, Respektlosigkeiten, Herabsetzungen und Demütigungen kommt und wenn wir alles getan haben, es sich dennoch nicht ändert, dann sollten wir keinesfalls darin verharren, nur um nicht Allein sein zu müssen oder wegen den Umständen drum herum. Wir können lernen uns selbst so viel wert zu sein, dass wir keinem anderen Menschen erlauben uns schlecht zu behandeln. Wir können lernen Nein zu sagen und Konsequenzen ziehen. Niemand hat es verdient, derartig mit sich umgehen zu lassen und niemand hat das Recht, mit einem anderen Menschen so umzugehen, schon gar nicht unter dem Deckmantel der Liebe. Auch die Angst vor dem Allein sein können wir überwinden und wenn wir direkt durch sie hindurch gehen, auch so viel dabei lernen.

Auf  www.simonesauter.com finden wir einen Artikel, der ein paar Soforthilfestrategien an die Hand gibt.

  1. Durchatmen

Leg dich auf den Rücken, deine linke Hand auf dein Herz, deine rechte auf deinen Bauch. Atme tief ein und aus. Atme langsam und bewusst und konzentriere dich auf deinen Körper und deine Atmung und nicht auf deine Angst.

Versuche im Hier und Jetzt zu sein, fokussiere dich auf deine Atmung und du wirst sehen, dass du ruhiger wirst.

  1. Analysiere die Situation

Wenn du dich beruhigt hast, und wieder Frau deiner Sinne bist, dann analysiere die Situation. Warum hast du Angst? Worum geht es überhaupt? Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Situation genauso eintritt?

Du wirst sehen, dass du mit etwas Abstand feststellen wirst, dass alles halb so schlimm ist wie du es dir ausmalst. Natürlich wirst du nicht von jetzt auf gleich von deiner Angst befreit sein, aber es ist eine Strategie, die dir vor Augen führt was genau gerade passiert. Und du gibst dir die Chance deine Ängste und deine Situation zu relativieren.

  1. Bewusste Konfrontation mit der Situation

Es kann dir auch helfen, wenn du dir die schlimme Situation vorstellt, aber nicht in der Panik, sondern bei vollem Bewusstsein. Frage dich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Wenn es eintreten würde, was würde passieren? Was wären deine nächsten Schritte?

In den meisten verlieren wir uns in unserem Angstzustand und vergessen vollkommen die Situation auf lange Sicht zu betrachten. Meistens würde durch das Eintreten der Situation eine tiefe Traurigkeit folgen.

Lass mir dir sagen: Selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass deine Angst eintritt und du tieftraurig bist, auch diese Emotion wird vorübergehen. Sie wird auch kein Dauerzustand sein und du wirst es überleben. Das klingt jetzt einfach, das wäre es sicher nicht, und das weiß ich.

Aber vergiss niemals: What doesn’t kill you makes you stronger!

  1. Sprich mit jemandem, der dich versteht

Oftmals hilft uns eine objektive Sichtweise auf unsere Ängste. Jemand, der uns hilft sie zu relativieren. Das kann deine Schwester, dein bester Freund oder auch deine Mama sein. Wenn du das Gefühl hast, dass keiner von ihnen tatsächlich objektiv ist, kannst du Dich auch an einen Therapeuten wenden.

Ein Therapeut ist in der Lage die Ursachen unserer Ängste mit uns zu erarbeiten und zeigt uns Möglichkeiten auf, wie wir damit umgehen können.

Es gibt im Internet jedoch auch noch sehr viele andere Möglichkeiten und Seiten, auf denen man sich informieren kann. So wie die Menschen verschieden sind, sind es auch ihre Situationen und hier kann sich jeder, die für ihn passende Strategie heraussuchen oder sich Hilfe holen.

Wenn wir unsere Ängste überwinden können, in der Lage sind unser Selbstwertgefühl zu erhalten oder auch zu erneuern, wenn wir glauben, dass alles einen Sinn hat und ein Stück weit auf das Leben vertrauen, dann können wir durchaus gestärkt aus einer solchen Beziehung hervorgehen. Es gibt niemals nur diesen einen Menschen, von dem wir glauben, wir könnten nur mit ihm glücklich sein. In erster Linie können wir lernen mit uns selbst glücklich und zufrieden zu sein und nur dann können wir auch in eine neue, erfüllte und uns gut tuende Liebesbeziehung starten. Wenn wir nichts für uns tun und nicht auf uns achten, wird sich dieser ewige Kreislauf immer und immer wiederholen. Wir sind es wert und haben es verdient in einer Partnerschaft liebevoll und respektvoll behandelt zu werden und wenn das nicht gegeben ist, dann ist eine Trennung unumgänglich…

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