Wenn die Beziehung uns schadet… Teil 1

Zu Beginn einer jeden Liebesbeziehung schweben wir auf Wolke 7. Wir haben einen Menschen kennen gelernt, der uns jeden Wunsch von den Augen abzulesen scheint, der uns umgarnt und umwirbt, auf Händen trägt und uns anhimmelt. Das Podest, auf dem wir stehen könnte nicht höher sein, doch in der Kehrseite können wir von ihm auch sehr tief fallen. So haben wir also die rosarote Brille auf der Nase, durch die alles um uns herum nur noch glänzt und schimmert. Wir glauben unseren Traumpartner gefunden zu haben und können uns nicht vorstellen, dass dieses Glück jemals enden könnte. Anzeichen für eventuelle Schwierigkeiten sehen wir nicht, wie nehmen sie nicht wahr.

Gemeinsam unternehmen wir viel miteinander, haben Spaß und bewundern die tollen Seiten des Menschen, der in unser Leben getreten ist. Vielleicht ist er handwerklich sehr begabt, sodass er uns alles mögliche erschaffen kann. Vielleicht sind wir beeindruckt, weil wir so intensive und gute Gespräche führen können. Wir fühlen uns geliebt, wertgeschätzt und respektiert, genießen die Zweisamkeit und möchten die ausgetauschten Zärtlichkeiten und Liebesbekundungen nicht mehr missen. Wir freuen uns auf unseren Partner, vermissen ihn und verbringen gern möglichst jede Minute des Tages mit ihm. Unsere Freunde oder auch Kollegen und Familie bemerken, dass wir vor Glück nur so dahinschweben und das Grinsen in unserem Gesicht nie wieder zu verschwinden scheint.

So bauen wir uns also die Partnerschaft auf, schmieden Zukunftspläne, dass Vertrauen ineinander wächst stetig und es stellt sich ein alltägliches Miteinander ein. Wir bemühen uns sehr um unseren Partner, machen ihm vielleicht Geschenke, kochen etwas, geben ihm Wärme, Zuwendung und schenken ihm unsere volle Aufmerksamkeit. Wir sind geduldig, hören aufmerksam zu, sind bemüht zu unterstützen und zu helfen und sich langsam aber sicher aufzeigende Macken, Fehler und Schwächen des anderen, können wir großzügig übersehen. Schließlich hat sie jeder von uns und da wir wissen, dass wir selbst nicht perfekt und fehlerlos sind, gelingt es uns sehr gut, dasselbe dem anderen ebenfalls zuzugestehen.

An all diese wunderbaren Dinge erinnern wir uns sehr gern und diese sind es, an die wir uns klammern, in Zeiten in denen es Mal nicht so gut läuft. Es gibt keine Liebesbeziehung, in der es diese Zeiten nie geben wird oder schon gegeben hat.

Doch manchmal ist es nicht nur einfach so, dass uns plötzlich die rosarote Brille von der Nase fällt und der Alltag Einzug hält. Man darf durchaus auch von dem anderen Mal genervt sein, sich zurückziehen und ein wenig herumnörgeln. Alles im Rahmen natürlich und ohne den anderen absichtlich zu verletzen. Dass die anfängliche Verliebtheit irgendwann verfliegt und man Dinge als selbstverständlicher wahrnimmt, ist völlig normal. Nicht umsonst gilt es ja sich immer mal wieder um die Beziehung und den Partner zu bemühen, um unsere Liebesbeziehung am Leben zu halten und immer wieder neu aufzufrischen. In einem meiner vorherigen Artikel schrieb ich bereits darüber, was man tun kann, um anderen eine Freude zu machen, da ich glaube, es sind die kleinen und persönlichen Dinge, die wertvoll sind und wirklich zählen.

In jeder glücklichen Liebesbeziehung treten Probleme auf. Wir können nicht immer alles so sehen, wie es unser Partner sieht, können nicht immer einer Meinung sein. Über manche Dinge, die unser Partner gesagt hat, sind wir vielleicht in ersten Moment wütend, enttäuscht oder verletzt oder auch wir haben etwas derartiges gesagt oder getan, natürlich in keiner bösen Absicht. In einer gut funktionierenden Liebesbeziehung können derartige Problem aus der Welt geschafft werden, indem wir uns unserem Partner erklären und auch ihm aufmerksam zuhören. Indem wir nicht nur unseren Standpunkt darstellen und vertreten, ohne auch nur ein Stück davon abzuweichen, sondern genauso den des anderen respektieren und akzeptieren können, auch wenn er dem unseren gerade nicht entspricht.

Eine Diskussion oder ein Streit kann durchaus eine Bereicherung für eine Partnerschaft sein, wobei die Art und Weise wie diskutiert oder gestritten wird eine nicht unwichtige Rolle spielt. Ein Paar, dass nie aneinander gerät oder nie über irgendetwas streitet, lebt in der Regel auch nicht in einer gesunden Partnerschaft. Entweder gibt es einen Teil, der sich völlig untergeordnet hat oder beide haben sich nichts mehr zu sagen, was auf keine guten Verlauf der Liebesbeziehung hindeutet. An den Problemen der Partnerschaft wachsen wir gemeinsam. Wir lernen uns noch besser und intensiver kennen, genauso wie unser Gegenüber und wenn wir diese bewältigen können, dass schweißt uns das enger zusammen und kann somit etwas durchaus sehr positives für die Liebesbeziehung bringen.

Es gibt in einigen Partnerschaften aber auch Situationen, die irgendwann nicht mehr tragbar sind, da sie für den, der sie ertragen muss nur sehr schwer auszuhalten sind. Zu diesen gehört zum Beispiel, wenn einer der beiden Partner den anderen immer wieder mit Schweigen und Ignoranz straft. Diese führen dann ganz zwangsläufig zu einer Trennung und wenn man diese aus welchen Gründen auch immer nicht vollzieht, dann machen sie unsere Seele kaputt, es entsteht ein ungeheurer Leidensdruck und unser Selbstwertgefühl wird immer kleiner, was uns schlussendlich in jedem Fall nicht gut tut, ja sogar extrem schadet.

Manche Menschen leben in solch schädigenden Beziehungen oder haben bereits eine solche hinter sich. Man nennt sie toxische Beziehungen, obwohl ich diesen Begriff für ein wenig umstritten halte. Die einen sagen es gibt sie, die anderen sagen es gibt sie nicht. Gemeint ist damit folgendes:

Es gibt Menschen, die aufgrund ihres Selbsthasses und mangelnden Selbstwertes das ständige Bedürfnis haben ihren Partner zu erniedrigen, zu demütigen und zu quälen. Diese Menschen sind keinesfalls ausschließlich böse, ganz im Gegenteil, sie weisen viele Qualitäten auf, wie Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Erfolg, Charme und sie können die liebevollsten Menschen sein. Doch letzteres ist dabei nur Mittel zum Zweck. Ist dieser Selbsthass gepaart mit fehlender Empathie, so wird es für den Partner, der mit einem solchen Menschen zusammenlebt irgendwann sehr eng.

So kommt es in solchen Liebesbeziehungen beispielsweise zu einem Problem. Wir haben etwas auf dem Herzen, da unser Partner etwas gesagt oder getan hat, dass uns verletzt hat und möchten das nun gern in einem Gespräch erörtern und klären. Haben wir jedoch solch einen Typ Menschen vor uns, wird es zu keinem Gespräch kommen. Weder jetzt noch später. Diese Menschen hassen es, wenn man sie kritisiert. Eine meiner Leserinnen erzählte mir folgendes:

„Wenn es zwischen mir und meinem Mann zu einem Problem kommt, kann ich niemals mit ihm darüber sprechen. Sobald ich auch nur die ersten drei Sätze geäußert habe, geht das Drama los. Er sieht mich nicht an und starrt stur zum Fernseher oder auf den PC. Er sagt absolut nicht, antwortet nicht auf Fragen. Dieses so genannte Gespräch ist ein absoluter Monolog meinerseits. Ich empfinde es als sehr respektlos und demütigend, da dieses Verhalten ausschließlich Gleichgültigkeit demonstriert. Durch das Schweigen weiß ich nie, was er gerade denkt, ob er die selbe Meinung vertritt oder anderer Meinung ist und es ist somit auch keine Lösung des Konfliktes in Sicht oder auch nur eine Annäherung oder ein Kompromiss möglich. Ich fühle mich dann jeder Mal sehr verletzt und gekränkt, da ich dieses Verhalten absolut nicht verstehen kann. Es gibt absolut nichts, dass ich tun oder sagen könnte, um auch nur ein einziges Wort aus ihm heraus zu bekommen. Doch dem ist nicht genug. Habe ich es mir erlaubt ihn in irgendeiner Weise zu kritisieren, ignoriert er mich Tagelang, ja manchmal sogar Wochen. Er redet kein einziges Wort mit mir, verabschiedet sich nicht, wenn er zur Arbeit geht, begrüßt mich nicht, wenn er nach Hause kommt, kommt erst nachts irgendwann nach Hause, antwortet nicht auf Nachrichten und geht auch nicht ans Telefon. Er läuft einfach an mir vorbei, wenn er da ist, so als wäre ich gar nicht da. Er würdigt mich keines Blickes und wenn ich dann erneut versuche ein Gespräch mit ihm zu führen, dann dreht er sich schon nach ein zwei Sätzen um und geht einfach. Er lässt mich stehen. Eiskalt. Irgendwann, wenn er beschlossen hat, dass er  mich jetzt genügend gestraft hat, dann tut er plötzlich so, als ob nie etwas gewesen wäre und wehe ich fange von diesem Thema erneut an. Dann geht das ganze Spiel in die nächste Runde. Diese Situationen erlebe ich nicht nur ein oder zwei Mal, sondern so ist es jedes Mal, wenn für mich ein Problem entsteht. So geht es jetzt seit Jahren. Ich habe oft gesessen und geweint, weil ich dieses Verhalten nicht verstehen konnte und ich mich selbst weder geliebt, noch verstanden fühlte. Er hingegen lief dann einfach an mir vorbei, schob sich eine Pizza in den Ofen und seinem Gesicht entsprang ein Ausdruck völliger Zufriedenheit und Genugtuung. Er freute sich daran, dass es mir so schlecht ging. Manchmal, gerade in unserer Anfangszeit kam es sogar vor, dass ich hinging und mich zig Mal für Dinge entschuldigte, die ich meines Erachtens nach gar nicht falsch gemacht habe, nur dass er wieder mit mir redete. Doch auch das brachte gar nichts, ganz im Gegenteil, es verlängerte die Zeit in der ich mit Nichtachtung, Liebesentzug und Ignoranz gestraft wurde sogar noch…“

 Nach vielen Jahren der Demütigung und Herabsetzung schaffte sie es, sich von ihrem Mann zu trennen, doch der Weg dahin war sehr schwer und begleitet von vielen Tränen. Sie musste zuvor sehr viel über sich selbst lernen und an sich selbst arbeiten, an ihren Gedanken und Glaubenssätzen über sich selbst, bevor es ihr gelang zu gehen. Fakt ist jedoch, dass diese Liebesbeziehung große Narben auf ihrer Seele hinterlassen hat und sie nur langsam den Weg zu sich selbst zurück fand.

Da es sich hier um ein sehr weit reichendes Thema handelt, mit noch einigen weiteren Situationen und Beispielen, wird es weitere Artikel zu dieser bestimmten Form einer Persönlichkeit und dem Leben mit einem derartigen Menschen geben.

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