Wenn Beziehung uns schadet, Teil 2…

Jeder von uns wünscht sich eine erfüllte und glückliche Liebesbeziehung, in der wir so geliebt und akzeptiert werden, wie wir sind und den anderen genauso zurück lieben dürfen, ohne das diese Liebe an Bedingungen geknüpft ist. Für viele scheint das in der heutigen Zeit jedoch ein Traum zu sein, der sich nicht erfüllt. Wir quälen uns in Partnerschaften, die uns ganz offensichtlich nicht gut tun. Alle um uns herum scheinen glücklich zu sein und bei ihnen scheint trotz einiger Probleme die Partnerschaft zu laufen, zumindest lässt sich nach außen hin erkennen, dass trotz allem die Liebe da ist und beide glücklich sind. Wir fragen uns also, was bei uns anders ist, warum wir es nicht auf die Reihe bekommen, wo es bei anderen doch so leicht zu sein scheint.

Manchmal befinden wir uns in Liebesbeziehungen, die uns mehr Schmerz als Liebe und glück bringen, die uns all unseren Schmerz und unsere Ängste fühlen lassen. Wir reden, wir kämpfen, wir lieben, wie verbiegen uns, wir wollen gefallen und etwas ändern, wir erfüllen Bedingungen und tun Dinge, die eigentlich gar nicht zu uns passen und schon lange nicht mehr dem entsprechen, wer wir eigentlich sind und was wir wollen. Mit der Zeit fangen wir an zu vergessen, wer wir sind und was wir wollen und beginnen das Leben eines anderen zu leben, zu seinen Bedingungen und so schnürt sich unsere Kehle immer mehr zu, der Magen krampft sich zusammen, wir können diesen ständigen Schmerz fühlen und fangen irgendwann an zu glauben, dass wäre normal. Alles ist richtig so, es muss so sein und wir haben es nicht anders verdient. Wir glauben wir haben es nicht verdient glücklich zu sein und sind es nicht wert respektvoll behandelt und einfach geliebt zu werden. Dies wird begleitet von der Hoffnung, dass wir nur lange genug durchhalten müssen, sodass wir eines Tages für unsere Mühen belohnt werden und sich alles ändern wird. Irgendwann wird schon alles besser werden.

So wachen wir eines Tages auf, nach einem erneuten Tal der Tränen, voller Kummer und Leid und wissen, dass genau das was wir versucht haben zu vermeiden eigentlich unumgänglich ist, dass wir das was uns bevorsteht durchleben müssen und eigentlich wussten wir auch schon lange, dass dieser Tag kommen würde, vor dem wir uns so sehr bemüht haben die Augen zu verschließen…

 

Eine Leserin schrieb…

 

„Die Beziehung zwischen meinem Mann und mir gestaltete sich von Anfang an recht schwierig, ich wollte das nur nicht wahr haben und sehen. Irgendwie dachte ich, er wäre der perfekte Mann für mich, da er so liebevoll und toll war. Er laß mir jeden Wunsch von den Augen ab und tat Dinge, die ich aus vorangegangenen Beziehungen gar nicht kannte.

 Er hatte gerade eine Trennung erlebt, die bei weitem nichts mehr mit „Wir haben uns im Guten getrennt“ zu tun hatte und ich lebte schon einige Zeit getrennt von meinem vorherigen Partner, aber doch einigermaßen zerstört, auf jeden Fall ohne Selbstachtung und Selbstwertgefühl. Da auch er in seiner Beziehung einiges erlebt hatte, dachte ich, dass bei uns alles anders laufen würde. Ich glaubte, da er verletzt und enttäuscht wurde, weiß er ja wie es sich anfühlt und auf keinen Fall würde er so etwas noch einmal erleben wollen und so würde auch er einen anderen Menschen und besonders den, den er liebt nicht schlecht behandeln. Damals hatte ich noch nicht verstanden, dass ich mich in eine Beziehung zweier brauchender begab, dass sich Dinge eben einfach wiederholen, wenn man nicht irgendwann den Sinn. Es ist ein Kreislauf aus alten Wunden und Verletzungen, der sich immer und immer wiederholt und aus dem ein entrinnen unmöglich zu sein scheint.

Die Probleme waren von Anfang an da, doch ich verschloss die Augen und wollte sie nicht sehen. Er konnte seine ehemalige Partnerin nicht loslassen und während wir zusammen waren, gestand er ihr, dass er sie noch über alles liebte, bis zu dem Tag, als das ganze natürlich aufflog. Das erste Mal in dieser Beziehung, dass ich hätte die Augen öffnen müssen, meinen Selbstwert herstellen und gehen müssen, doch ich konnte es nicht. Oft meldete er sich nicht, da seine Arbeit im Vordergrund stand, er log viel und wenn wir verabredet waren, dann kam er einfach nicht, ohne irgendein Bescheid geben oder eine Erklärung und wenn ich daraufhin sauer war, konnte es mir ganz schnell passieren, dass die Beziehung sofort beendet wurde. Damals dachte ich noch, dass läge an den Verletzungen und dem Schmerz der vergangenen Beziehung, heute weiß ich es besser. Trotz aller Schwierigkeiten liebte ich ihn und dachte, ich könnte ihn retten, ihn heilen. So gab ich also meine Wohnung auf, zog in sein Haus und begann in seiner Firma zu arbeiten.

 Wenn ich zurück blicke, muss ich mich immer wieder fragen, wie ich nur so dumm sein konnte, doch heute weiß ich, dass es nichts mit Dummheit zu tun hatte, sondern alles richtig so war und einen Sinn hatte.

 Ich hätte zu dieser Zeit schon erkennen können, was in den nächsten Jahren auf mich zukommen würde, doch ich war blind. Blind und bemüht darum immer das gute zu sehen, mir die guten Seiten vor Augen zu halten und daran zu glauben, dass eines Tages alles gut werden würde und wir glücklich leben könnten. Ich verstand nicht, dass ich mich bereits in einem Kreislauf aus ewigem psychischen Terror und emotionaler Gewalt befand. Oh ja, ich erinnere mich noch sehr gut an diese Zeit. Wir hatten auch schöne und glückliche Zeiten, doch die hielten meist nicht lange an. Spätestens nach vier Wochen gab es immer eine Kehrtwende ins genaue Gegenteil und sobald ich ihn kritisierte und darauf aufmerksam machte, dass ich mich nicht wohl fühlte und Dinge nicht gut fand, ging das Drama los. Ich wurde ignoriert, mit Schweigen und Liebesentzug gestraft und das über Tage, manchmal sogar Wochen. Versuchte ich mit ihn zu reden, befand ich mich in einem Monolog und hatte einen Menschen vor mir, der so tat, als wäre ich gar nicht da. Wenn ich zutiefst traurig war und weinte, ließ ihn das völlig kalt und er ging an mir vorbei, ohne mich zu beachten, schob sich eine Pizza in den Ofen und genoss förmlich mein Leid. Solche Situationen gingen so lange, bis er der Meinung war, ich hätte jetzt genug gebüßt und er kam, als wäre nie etwas gewesen. Doch wehe ich fing wieder ein Gespräch mit ihm an, dass dazu dienen sollte das Ganze zu klären, dann ging es weiter.

 Dem folgten wieder ein paar Wochen, in denen er der perfekte Partner zu sein schien. Liebevoll, bemüht und normal eben. Nach Jahren hatte ich den Eindruck, dass er dieses Drama braucht. Es kehrte nie Ruhe ein, gab keine wirkliche Harmonie und er suchte immer irgendetwas, über das er sich aufregen konnte. Immer wieder gab es Zeiten, in denen plötzlich diese ganzen Aggressionen zum Vorschein kamen und er fing an herum zu schreien und jeden um sich rum zu bevormunden, herabzusetzen, er dachte immer, er sei so viel besser als andere und das was andere tun ist nichts wert. Seine Arbeit (er war selbstständig) stand immer im Vordergrund, dann kam eine ganze Weile gar nichts und dann vielleicht der Rest. Im Haushalt machte er gar nichts, auch nicht an Haus oder Garten, denn er verdiente ja schließlich das Geld. Kritisierte man ihn dafür, gab es Drama. Er stellte seine Bedürfnisse ständig in den Vordergrund, der Planet hatte sich nur um ihn zu drehen. Wenn wir essen gingen, hatte er immer das Handy dabei und stöberte darin, denn schließlich hatte er ja zu arbeiten. Unsere Gespräche, (da wir ja gemeinsam in seiner Firma arbeiteten) drehten sich ausschließlich um die Arbeit und unsere Kunden. Fing ich ein Gespräch zu einem anderen Thema an, saß er plötzlich da, sah mich an und sagte kein einziges Wort mehr. Ich wusste nie was er dachte, doch oft glaubte ich zu sehen, wie unwichtig ihm das alles erschien. Kritisierte ich ihn dafür, gab es Drama… Anfangs unternahmen wir noch so einiges gemeinsam, doch es passierte mir öfter, dass wenn ich einen Ausflug geplant hatte und wir zuvor Streit hatten, dass dieser eben gestrichen wurde. Ich organisierte seine Geburtstagsparty, die er dann absagen wollte, obwohl alles schon stand. Wir waren an Silvester mit Freunden verabredet, doch dieser Abend fand nicht statt, weil er sauer war. Ich schenkte ihm ein Wochenende am Meer, wo er dann nicht hinfahren wollte, mit der Aussage, „Mit Dir fahre ich nirgendwo hin“, Heilig Abend hatte ich eine Gans im Ofen und den Tag schön geplant. Er verschwand einfach, weil er der Meinung war, ich hätte morgens schlechte Laune gehabt, dabei war ich nur müde, da ich bis morgens in meinem Nebenjob gearbeitet hatte. In Entscheidungen bezüglich dessen, was gekauft wird, wurde ich meist nicht mit einbezogen. Er verdiente schließlich das Geld und ist mir keine Rechenschaft schuldig. Regte ich mich auf, gab es das Drama aus Ignoranz, Gleichgültigkeit und Schweigen. Auf Nachrichten bekam ich dann nie eine Antwort, er ging nicht ans Telefon, ich wusste nie wann er nach Hause kommt. War er sauer, musste ich zu Familienfeiern alleine gehen und ich bin in solchen Zeiten dann auch nicht mehr mit in die Firma gefahren, da er tat als wäre ich Luft und all meine Arbeiten übernahm. Hatte ich neue Ideen, egal zu welchen Thema, wurden diese sofort boykottiert und nieder gemacht, es waren schließlich nicht seine Wenn ich jedoch einen Autounfall hatte, dann war er plötzlich wieder der große Retter, der zur Stelle war und alles tat.

 Es gab noch so sehr viele andere Beispiele, doch letztendlich erkannte ich, dass ich mich in einer Beziehung aus niemals enden wollendem Drama und Machtspielen befand und ich entschied mich zu gehen. Heute glaube ich jedoch, dass alles einen Zweck erfüllt hat, nämlich den mich selbst wieder zu finden. Ich hasse ihn nicht, bin ihm sogar für unendlich vieles Dankbar. Ich gebe ihm an nichts die Schuld, verbinde mit dieser Beziehung genauso viel schönes, wie ich weiß dass es Tränen und Schmerz gab. Doch das alles hat mir meinen Weg gezeigt und ich konnte durch ihn erkennen, wer ich wirklich bin…“

 Gehen wir in eine Beziehung, ohne Selbstwert, Selbstachtung und vor allem ohne die Liebe zu uns selbst, dann tun wir das als ein „Brauchender“. Wir brauchen die Liebe und Zuwendung eines anderen, um uns geliebt und vollständig zu fühlen. Kann uns der andere diese Liebe jedoch nicht geben, fühlen wir uns wertlos und völlig allein. Wir glauben es ohne den anderen nicht zu schaffen, wir glauben seine Liebe zu brauchen, da wir sonst nicht glücklich sein können. Oftmals treffen hier aber zwei Gleichgesinnte aufeinander, zwei Bettler, die einander brauchen, um sich komplett und gut zu fühlen und den eigentlichen Schmerz, dass Drama welches sich hinter der Bühne abspielt nicht sehen und fühlen zu müssen. Wir merken nicht, dass wir uns so in einer Spirale aus Herabsetzung, Respektlosigkeit und Lieblosigkeit bewegen, bis wir eines Tages erkennen, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als uns mit unseren eigenen Themen zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, um diesem Teufelskreis zu entfliehen. Wir beschuldigen und verurteilen den anderen, doch eigentlich beschuldigen und verurteilen wir uns selbst. Der Partner ist unser Spiegel, der uns genau zeigt, wo unsere eigenen Dramen verborgen liegen, wir müssen nur hinsehen und fühlen.

Wenn wir nicht erkennen, was hinter unseren eigenen Masken geschieht und nicht beginnen Ursachenforschung zu betreiben, können wir uns zwar dennoch voller Hass aus diesen uns nicht gut tuenden Beziehungen lösen, doch werden wir immer und immer wieder den einen Retter brauchen, der uns befreit. So begeben wir uns in die nächste und nächste und nächste Liebesbeziehung und wundern uns, dass ja so gar nichts anders zu sein scheint und wir glauben die selben Geschichten immer wieder zu erleben, nur mit einem anderen Menschen und auf eine andere Weise. Solange, bis wir verstanden haben, dass wenn wir uns selbst nicht annehmen und lieben, bedingungslos und so wie wir sind, wird das auch niemals ein anderer für uns tun können. In solchen vermeintlich „toxischen Beziehungen“, liegen Geschenke, die es auszupacken gilt. Erst wenn wir das verstehen, werden wir das glückliche und erfüllte Leben führen, nach dem wir uns immer so sehr gesehnt haben.

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