Wenn etwas Neues beginnt…

Wenn wir jahrelang mit unserem Partner zusammen gelebt haben und es zu einer Trennung kommt, dann ist das für viele von uns wirklich sehr schwer. Für den der geht genauso, wie für den der verlassen wird. Ich halte es für unglaublich wichtig, dass man Vertrauen in sich selbst und Vertrauen in das Leben findet, um diesen Weg gehen zu können. Eine Leserin beschreibt das so:

Ich fühlte mich so müde und erschöpft und doch war ich auch so glücklich und Dankbar zugleich. In meiner Beziehung gab es schon immer Probleme, mal mehr mal weniger, wie das eben so ist, bis die ganzen Verletzungen so groß und viel an der Zahl wurden, dass es einfach nicht mehr ging. Wie oft habe ich Tränen vergossen und mir gesagt, wenn ich doch nur anders sein könnte, dann würde alles besser funktionieren, dann würden wir endlich glücklich sein.

Heute weiß ich, dass das alles nichts mit mir zu tun hatte, dass alles was geschehen war nur das widerspiegelte, was in mir vorging. Ich hatte oft zu große Angst, um mich von ihm zu trennen. Angst davor allein zu sein, kein neues zu Hause zu finden, Angst es allein nicht zu schaffen oder niemanden mehr zu finden, der mich lieben würde, so wie ich bin. Dazu kamen ein Haus und ein großer Garten und finanziell ging es mir sehr gut, sodass ich mich oft auch noch für undankbar hielt, weil mir das alles nicht reichte. Ich fühlte mich so oft allein und wertlos, in allem was geschah, bis ich eines Tages verstand, dass ich es war, die sich nicht genug liebte, die sich selbst nicht respektierte und aus dem heraus es immer wieder erlaubte, dass Grenzen ständig überschritten wurden.

So entschied ich mich zu gehen. Ich fand ein kleines Haus, mit einem kleinen Garten, doch noch bevor es zum Besichtigungstermin kam, sagte ich ab. Er beteuerte mir seine Liebe und in mir keimte immer noch die Hoffnung, dass sich eines Tages etwas ändern würde. So gehorchte ich einmal mehr meinen Ängsten die Zukunft betreffend, sagte den Termin ab und entschied mich für die Beziehung…

Die großen Versprechungen hielten genau eine Woche an und sofort befanden wir uns wieder in dem alten Trott und dem ganzen dazugehörigen Drama. Doch ich sagte mir, „Du hast Dich entschieden und jetzt musst Du dazu stehen und da durch. Gib ihm etwas Zeit. Bestimmt ändert sich das wieder und irgendwann wird alles gut. Du musst nur noch etwas Geduld haben und durchhalten“…

Drei Monate später der große Knall. Es war als hätte mir jemand ein Messer in den Rücken gerammt, die Hoffnung starb und die Enttäuschung darüber zu erkennen, dass diese Liebe nun entgültig gescheitert war, war unendlich groß. Zwei ganze Tage rannen die Tränen unaufhörlich über mein Gesicht. Ich war so unendlich traurig, weil ich erkannte, dass es keinen Weg mehr gab, um diese Beziehung am Leben zu erhalten und schlussendlich entschied ich mich, dass es nun Zeit war mit dem kämpfen aufzuhören.

Plötzlich änderte sich so vieles und alles erschien mir auf einmal ganz leicht. Meine ganzen Ängste waren schlagartig wieder da und drohten mich erneut gefangen zu nehmen und zu lähmen. Doch diesmal erkannte ich, dass ich nicht die Angst war, sondern einfach nur Angst hatte und ich fragte mich, „warum eigentlich?“ Wovor hatte ich so schreckliche Angst, dass ich glaubte mich niemals von diesem Mann abwenden und trennen zu können?

Es waren meine Erfahrungen. Meine Erinnerungen an Vergangenes, an längst unwiderruflich Geschehenes, längst auch Vergessenes. Ich hatte in den Jahren völlig vergessen, dass ich schon zuvor in der Lage gewesen war, schwere Situationen zu meistern und die Fähigkeit habe Probleme zu lösen, weil ich immer alle Antworten schon in mir trage. Ich hatte einfach völlig vergessen, dass ich mir selbst vertrauen kann und in das Leben Vertrauen habe, weil ich weiß, dass sich schon alles findet. Schließlich glaubte ich doch immer, dass alles im Leben einen Sinn hat, dass alles einem Zweck dient und wir auf dieser Welt sind, um zu lernen und unser Glück zu finden. Die Liebe die wir in uns tragen, hilft uns dabei und zeigt uns den Weg.

Je mehr ich über all die Dinge, die mir im Leben wertvoll sind nachdachte, desto mehr Dankbarkeit empfand ich, da ich so vieles in dieser Beziehung gelernt hatte, vor allem über mich selbst. Ohne ihn wäre ich niemals in der Lage gewesen, den Weg zurück zu mir zu finden und mich zu trauen mein eigenes Leben zu leben, nach all meinen Vorstellungen und Wünschen. Ich hätte mich nicht getraut meinen eigenen Weg zu gehen.

So beschloss ich also, mitten durch meine größten Ängste hindurch zu gehen und rief den Besitzer des Hauses noch einmal an. Eigentlich rechnete ich nicht mehr damit, dass es noch frei war, denn schließlich waren seither Monate vergangen. Doch das war es noch und ich empfand es wie einen Wink des Schicksals, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen hatte und das dieser der Weg in mein glückliches und erfülltes Leben sein würde. In dem Moment, als er sagte, das Haus wäre noch frei, da wusste ich tief in mir drin schon, dass ich dort einziehen würde und das es mein ganz eigenes wunderschönes, kleines Reich sein würde.

Ich machte mir keine Gedanken, ob der Besitzer mich als Mieter vielleicht ablehnen könnte. Auch nicht darüber, dass es mir dort nicht gefallen könnte oder ich eine Ruine betreten würde. Auch über andere Probleme, die auftreten könnten, machte ich mir keine Sorgen, denn tief in mir drin fühlte ich ein unglaubliches Vertrauen.

So kam also der Tag der Besichtigung und es war, als hätte dieses wunderschöne kleine Haus einfach nur auf mich gewartet. Was ich mir zuvor ausgemalt und vorgestellt hatte, das sah ich nun plötzlich vor mir. Ein kleiner Garten mit einer kleinen Sitzecke, das Haus innen einfach alt. Dielenfußboden, alte Holzbalken, Steinwände, ja selbst die Möbel, die sich noch darin befanden, waren alt, schwer und verschnörkelt, wie in einem Bauernhaus und genau diese Sachen liebe ich so sehr. Für mich haben sie Charakter und erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Alles war so perfekt und ich war natürlich sehr glücklich. Der Besitzer und ich verstanden uns auf Anhieb sehr gut und es bedurfte nicht vieler Worte, bis wir uns einig wurden. So stand einem Einzug und dem beginn meines neuen Leben nichts mehr im Weg.

Ich wurde schon so oft gefragt, wann der richtige Zeitpunkt für eine Trennung gekommen ist und wann man das weiß. Heute würde ich antworten, „Dann wenn es leicht ist, wenn sich nichts mehr wie ein Kampf anfühlt, wenn sich alle Dinge zusammenfügen, man auf sich selbst und das Leben vertraut. Das innere Gefühl sagt einem dann schon, dass es der richtige Weg ist.“

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