Wenn Liebe nicht erwidert wird…

Viele Menschen glauben, dass würde uns nur in jungen Jahren passieren. Als wir Teenies waren, war jeder von uns schon einmal in der Situation, unglücklich verliebt gewesen zu sein. Wir trafen einen Jungen oder ein Mädchen, in das wir unsterblich verliebt waren und es war das Ende der Welt, wenn der andere die Gefühle nicht hatte. Jeder kennt die berühmten Zettel, die wir in Umlauf brachten, auf denen Stand, „Willst Du mit mir gehen? Kreuze an, Ja, Nein, Vielleicht“ und wie unendlich traurig waren wir, wenn dabei ein „Nein“ heraus kam.

Nun glauben viele, dass wäre bei Erwachsenen Menschen gar nicht mehr möglich, doch das ist ein Irrtum und auch wenn wir 30,50 oder 70 Jahre alt sind, können wir uns in einer solchen Situation noch total verrennen, da unsere Gefühle so stark sind und der damit verbundene Schmerz, dass es uns schwer fällt, die Realität wahr zu nehmen und mit solchen Situationen für uns gut umzugehen.

Auch in einer langjährigen Partnerschaft kann es vorkommen, dass einer der Partner sich entliebt und der andere mit seiner Liebe zurück gelassen wird. Beispielsweise lernt einer einen anderen Menschen kennen, dem er sich zuwendet und wegen dem er aus der langjährigen Liebesbeziehung heraus geht. Oder einer der beiden stellt fest, dass alles was er bisher gelebt hat nicht mehr das ist, was er sich für sein Leben vorstellt und gewünscht hat und geht so aus der Liebesbeziehung zu dem anderen heraus.

Die Gründe können die verschiedensten sein und dennoch kommt das gar nicht so selten vor. Wer zurück bleibt und die Liebe für den anderen noch sehr intensiv spüren kann, bleibt meist zurück und fällt in ein unendlich tiefes Loch. In diesen Momenten voller Schmerz und Traurigkeit, gehen uns tausende Gedanken durch den Kopf, wir fühlen uns allein und glauben, wir wären der einzige Mensch auf diesem Planeten, dem es so schlecht geht. Es fühlt sich an, als würde der Schmerz und das Leid niemals verschwinden und als könnten wir nie mehr auch nur einen Funken Glück empfinden. Unsere Gedanken drehen sich im Kreis, um längst vergangene Sachen, um die Dinge, die wir mit dem anderen erlebt und geteilt haben und oft spüren wir die unendliche Sehnsucht nach diesem geliebten Menschen an unserer Seite, der nun nicht mehr da ist und uns so sehr fehlt.

Wenn wir in solch tiefer Trauer gefangen sind, kommt es gar nicht so selten vor, dass wir uns total verrennen. Wir fangen an, an Dinge zu glauben und Dinge in dem anderen zu sehen, die fern jeglicher Realität sind. Aus unserer Sehnsucht heraus kreisen unsere Gedanken ausschließlich um den anderen und wir fangen an uns einzureden, dass dieser geliebte Mensch vielleicht nur etwas Zeit braucht und dann findet er zu uns zurück. Wenn noch Kontakt besteht, dann interpretieren wir in jede nette Geste des anderen etwas hinein, dass uns glauben lässt, dieser Mensch liebt uns noch immer und kommt wieder zurück. Manchmal quält sich der Mensch, der uns verlassen hat auch mit einem schlechten Gewissen, weil er vielleicht sieht, wie schlecht es uns mit der Trennung geht und will uns einfach nur nicht damit allein lassen, sodass er sich bemüht ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen. Wir jedoch glauben, es wäre noch immer Liebe. Manchmal ist der Partner der geht jedoch auch unentschlossen und hat Angst davor, zu bereuen, dass er diesen Weg gegangen ist und so hält er sich das Hintertürchen offen, um uns nicht ganz zu verlieren und ggf. den leichten und bequemen Weg zu uns zurück zu finden. Wir jedoch glauben, der andere würde uns noch immer lieben.

Je mehr wir uns diesen Dingen hingeben, je mehr wir darüber nachdenken, je weniger wir die Realität erkennen, an uns heran lassen und akzeptieren, desto größer tut sich der Abgrund unter uns auf, in den wir hinein zu fallen drohen und die Wände werden immer steiler, sodass es fast unmöglich scheint an ihnen empor zu klettern und den Weg ins Licht zu finden, dass sich an jedem Ende eines Tunnels befindet.

Eine unerwiderte Liebe, wenn wir diese nicht akzeptieren und die Dinge sehen, die sich dahinter verbergen, kann für uns schwere Folgen haben. Es können sich daraus Depressionen entwickeln, wir fühlen uns dann nicht mehr im Stande, den Alltag zu bewältigen und uns um die Dinge zu kümmern, die im Leben wichtig sind. Aus tiefer Trauer und dem Gefühl des Alleinseins, bemerken wir nicht mehr, dass wir Menschen in unserem Leben haben, die uns so lieben und akzeptieren, wie wir sind. Wir können die Gründe nicht sehen, die zur Trennung führten und können so mit auch nicht loslassen. Und manchmal ist der Schmerz und das Leid auch so groß, dass wir beginnen den anderen zu hassen, weil wir ihm die Schuld daran geben, dass wir uns so elend fühlen und dieses Drama für uns niemals ein Ende zu nehmen scheint.

Was können wir jetzt also tun, um mit solch einer Situation für uns gut und gesund umzugehen und alles möglichst schnell zu überwinden, sodass wir in unser neues Leben starten können?

Zu allererst ist es sehr wichtig, den Ist-Zustand erst einmal zu akzeptieren. Damit sind selbstverständlich nicht die Gefühle verschwunden, doch so machen wir den ersten Schritt. Natürlich dürfen wir die Liebesbeziehung mit dem Menschen, der sich an unserer Seite befand das ein oder andere Mal Revue passieren lassen. Das müssen wir sogar, um zu erkennen, was wir lernen durften und noch sollen und welche Geschenke in hässlicher Verpackung sich hinter dieser Trennung verbergen. Keinesfalls sollten wir das unter dem Aspekt der Sehnsucht tun, denn der Mensch nach dem wir uns sehnen, existierte schon eine ganze Weile vor der Trennung nicht mehr in unserem Leben. Wir neigen dazu, aus dieser Sehnsucht heraus nur das Gute des anderen zu sehen oder uns die Anfangszeit vorzustellen, in der wir so unbeschwert und glücklich mit dem anderen waren.

Es gibt jedoch Gründe, die zur Trennung führten und wenn wir diese verstehen, dann können wir begreifen, dass der Mensch, nach dem wir uns sehnen schon lange nicht mehr da ist. Schon während der Partnerschaft ist er gegangen und wir waren auch schon zuvor sehr weit entfernt von ihm.

Es bringt auch rein gar nichts, sich oder dem anderen die Schuld zuzuweisen. Alles im Leben hat einen Sinn und so dürfen wir davon ausgehen, das etwas altes endet, um das etwas neues, noch viel schöneres entstehen kann.

Manchmal geschieht es, dass wir in unserer Verzweiflung über den Verlust des anderen, beginnen den anderen zu stalken oder gar zu betteln, dieser möge doch bitte bei uns bleiben, denn ohne ihn hätte unser Leben keinen Sinn. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus und wir sollten uns bewusst machen, dass niemand, aber auch wirklich niemand und die Liebe eines anderen betteln oder gar kämpfen sollte. Liebe ist etwas, dass ganz selbstverständlich geschieht, sie ist eben einfach da. Und sie lässt uns Dinge zustande bringen, die wir zuvor nicht für möglich hielten. Jedoch ist es nicht die Liebe, die wir für den anderen empfinden, die uns das tun lässt, sondern die Liebe, die wir selbst in uns tragen. Wenn wir das verstehen, dann können wir erkennen, dass jede Trennung, jedes Verlassen werden uns unglaublich viele Chancen und Möglichkeiten aufzeigt, wie wir an uns selbst und an dem geschehenen wachsen und dazu lernen können.

Liebe ist niemals Kampf oder Krampf, Liebe ist immer ganz leicht.

Um dem sich vor uns auftuenden Abgrund entfliehen zu können, ist es wichtig nicht in ständiges Selbstmitleid zu verfallen und den lieben langen Tag zu jammern. Ja, wir dürfen uns Zeit am Tag einräumen, in der wir das erleben, in der wir unsere Gefühle und alles was damit zusammenhängt spüren. Schmerz, Trauer, Wut, Zorn, Selbstmitleid usw. Doch diese Zeit sollte nur einen kleinen Teil des Tages in Anspruch nehmen. In dieser Zeit dürfen ebenfalls so viele Tränen fließen, dass man das Gefühl bekommt, in einem Meer daraus zu ertrinken. Doch dann müssen wir uns zwingen. Wir müssen uns aufrappeln, müssen vorwärts gehen, dürfen neues erleben und neue Wege gehen. Wir können uns frei entscheiden, was wir möchten und welches Leben wir uns jetzt für uns ersinnen. Völlig frei und unabhängig, von dem Menschen, der uns bisher begleitet hat.

Der Schmerz und das Leid, das wir empfinden, wenn wir verlassen wurden, hat ganz oft sehr wenig mit dem anderen zu tun und so sehr viel mit uns. Oft sind es die Ängste, die wir in uns tragen, die uns glauben lassen, dass wir nie wieder glücklich sein werden. Alte, jahrelang erlernte Glaubenssätze, die wir in uns selbst tragen, die wir jedoch nicht erkennen, führen dazu, dass wir uns in einem Hamsterrad bewegen und einfach nicht den Sprung hinaus wagen. Nicht weil wir es nicht können, sondern weil wir uns nicht trauen.

Wir haben Angst vor dem Allein sein oder Schwierigkeiten damit, wenn sich Dinge verändern. Wir erkennen nicht, dass wir uns selbst ebenfalls in alten Gewohnheiten, Vertrautheiten oder Zusammengehörigkeitsgefühl ergeben haben und dass wir niemals dazu bereit waren, die uns so lieb gewonnene Comfortzone zu verlassen.

Wenn wir jedoch erkennen, welche Themen die zuletzt geführte Liebesbeziehung und auch die Trennung in uns anspricht, dann ist es viel leichter, diesem so groß erscheinenden Loch, dass sich vor uns aufgetan hat, zu entfliehen.

Unabdingbar in dieser Situation ist es, uns nicht mit dem anderen zu beschäftigen, sondern mit uns selbst. Wir können uns sollten unser Selbstwertgefühl stärken und daran glauben und festhalten, dass wir genau so richtig sind, wie wir eben sind. Jeder Mensch ist einzigartig und in dem Großartig und liebenswert, mit seinen Fehlern, Macken und Schwächen. Nur halten wir uns zumeist diese vor Augen und sind unser schärfster Kritiker, statt liebevoll und freundlich mit uns umzugehen, wie wir es für einen guten Freund auch tun würden. Wir verurteilen uns, beschuldigen und strafen uns selbst, doch das alles vergrößert das Leid nur noch. Jeder Mensch trägt aber ganz viele wundervolle, schöne und liebenswerte Eigenschaften in sich. Diese gilt es zu erkennen und für unsere Fehler und Schwächen, dürfen wir Verständnis uns selbst gegenüber haben. Wir sollten lernen, uns selbst der beste Freund zu sein und uns selbst die Liebe zu geben, die wir verdienen.

Wenn zwei Menschen sich trennen, ist niemand Schuld. Wir haben eine gewisse Zeit mit einem Menschen verbracht, einfach um zu lernen, vor allem über uns selbst. Geht eine Beziehung zu Ende, packen wir das Geschenk aus, das sich dahinter verbirgt und lernen wieder. Und dann gehen wir weiter. Das Leben schickt uns niemals etwas, um uns leiden zu lassen oder zu strafen. Es ist voller Schönheit, Liebe und Weisheit und dient dazu, dass wir zu uns selbst zurück finden. Aus diesem Wissen, aus allem was wir lernen, können wir ein selbst bestimmtes Leben führen, dass nicht irgendeinem Zweck dient, sondern einzig und allein der Liebe und der Fülle in uns dient und in dem wir alles erschaffen können, was wir nur möchten. Wir müssen uns dem gegenüber nur öffnen.

Wir dürfen Vertrauen lernen. Nicht in das was andere Menschen sagen oder tun, wir sollten auch niemals unser Glück von dem anhängig machen. Wir dürfen lernen uns selbst zu vertrauen, uns selbst zu lieben und vor allem Vertrauen in das Leben zu finden, denn nicht, absolut gar nichts, geschieht ohne Grund. Wenn wir all diese Dinge sehen können, so gelingt es uns auch in der Situation des verlassen Werdens, durch den damit verbundenen Schmerz hindurch zu gehen, ihn zu spüren und alles was sich damit uns eröffnet zu sehen. So haben wir durch all diesen Schmerz und die damit verbundenen Geschenke, die Chance ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Eine stabile, glückliche und erfüllte Liebesbeziehung, beginnt zuerst bei uns selbst…

2 Comments on “Wenn Liebe nicht erwidert wird…

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