Mitgefühl und Mitleid…

Mitfühlen heißt nicht mitleiden,
Mitgefühl ist etwas anderes als Mitleid.

Wenn wir Frieden und Freude in unserem Leben erschaffen wollen, dürfen wir lernen, die Menschen um uns herum fühlend mit unserem Herzen zu verstehen, sie anzunehmen und sie als Mitschöpfer auf Augenhöhe zu respektieren.

Wenn ihr Schicksal und ihr Schmerz auch in uns einen Schmerz auslöst und wir mit ihnen leiden, dann ist es IMMER unser eigener Schmerz, der auf unsere Annahme und unser Fühlen, unser Mitgefühl wartet. Solange wir am Leid anderer selbst leiden, sind wir unbewusst Opfer unseres eigenen Schmerzes, der auf Heilung durch uns selbst wartet.

Mitleid führt (ähnlich wie die Verachtung) dazu, dass wir uns über den anderen erheben und ihm nicht auf Augenhöhe begegnen, ihn und seinen Weg nicht respektieren und ihn ermutigen können, sein Schicksal zu wenden. Mitleid macht den anderen kleiner und schwächt ihn.

Mitfühlen heißt, sich mit offenem Herzen hineinfühlen können in die Gefühle und Sichtweisen des anderen, aber nicht in sie hineinzufallen und zu übernehmen. Das ist eine Haltung auf Augenhöhe und stärkt und ermutigt den anderen.

Robert Betz

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Mitgefühl

Auszug aus Verwandle Dein Leben des Ehrwürdigen Geshe Kelsang Gyatso .

Mitgefühl ist die eigentliche Essenz eines spirituellen Lebens und die Hauptpraxis derjenigen, die ihr Leben der Erlangung der Erleuchtung widmen. Es ist der Ursprung der Drei Erhabenen Juwelen – Buddha, Dharma und Sangha.

Es ist der Ursprung Buddhas, weil alle Buddhas aus Mitgefühl hervorgehen. Es ist der Ursprung des Dharmas, weil Buddhas ausschließlich aus Mitgefühl für andere Dharma-Unterweisungen erteilen. Es ist der Ursprung des Sanghas, weil wir durch Zuhören und Praktizieren von Dharma-Unterweisungen, die aus Mitgefühl gegeben wurden, zu Sangha oder Höheren Wesen werden.

Was genau ist Mitgefühl? Mitgefühl ist ein Geist, der durch die Wertschätzung anderer Lebewesen motiviert ist und sich wünscht, sie von ihren Leiden zu erlösen.

Es ist möglich, dass wir aus einer selbstsüchtigen Absicht heraus wünschen, dass eine andere Person von ihrem Leiden befreit wird; das kommt in Beziehungen, die in erster Linie auf Anhaftung beruhen, oft vor. Ist unser Freund zum Beispiel krank oder deprimiert, so wünschen wir uns vielleicht, dass er sich schnell erholt, so dass wir seine Gesellschaft wieder genießen können. Dieser Wunsch aber ist im Grunde ichbezogen und kein wahres Mitgefühl. Wahres Mitgefühl beruht zwangsläufig auf der Wertschätzung anderer.

Obwohl wir bereits einen gewissen Grad an Mitgefühl besitzen, ist es zur Zeit sehr voreingenommen und begrenzt. Wenn unsere Familie und unsere Freunde leiden, entwickeln wir leicht Mitgefühl für sie, doch wir finden es viel schwieriger, Sympathie für scheinbar unangenehme Leute oder auch für Fremde zu empfinden.

Außerdem haben wir Mitgefühl für diejenigen, die an manifesten Schmerzen leiden, aber nicht für diejenigen, die in guten Verhältnissen leben und ganz besonders nicht für diejenigen, die schädliche Handlungen begehen.

Wenn wir wirklich unser Potential verwirklichen möchten, indem wir volle Erleuchtung erlangen, müssen wir den Rahmen unseres Mitgefühls ausdehnen, bis er alle Lebewesen ohne Ausnahme umfasst, genauso wie eine liebende Mutter Mitgefühl für alle ihre Kinder empfindet, unabhängig davon, ob sie sich gut oder schlecht benehmen.

Dieses allumfassende Mitgefühl ist das Herz des Mahayana-Buddhismus. Im Gegensatz zu unserem jetzigen, begrenzten Mitgefühl, dem Mitgefühl, das ab und zu ganz natürlich entsteht, muss allumfassendes Mitgefühl durch Schulung über lange Zeit hinweg entwickelt werden.

Um mehr über Mitgefühl zu erfahren, siehe die Bücher Acht Schritte zum Glück, Allumfassendes Mitgefühl und Sinnvoll zu betrachten.

Quelle: https://kadampa.org/de/reference/mitgefuehl

3 Comments on “Mitgefühl und Mitleid…

  1. Das ist natürlich wirklich eine sehr hoher Anspruch und eine große Herausforderung, Mitgefühl für Menschen zu haben, die man vielleicht nicht mag oder die vielleicht tatsächlich etwas Schlimmes getan haben. Ich bin ein sehr empathischer Mensch, aber irgendwann ist eine innere Grenze da. Ist es menschlich, über diese Grenze noch hinauszuwachsen? Ist es überhaupt möglich? Manchmal frage ich mich auch, ob es tatsächlich erstrebenswert ist …
    Aber das sind wieder sehr gute Gedanken, die du da mit auf den Weg gibst 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Vielen lieben Dank. 🙂 Ich denke, das darf jeder für sich selbst entscheiden, wie weit er mit geht, wieviel er lernen und üben möchte und wo die persönlichen Grenzen liegen. Wichtig finde ich nur, nicht stehen zu bleiben und immer wieder ein kleines Stück über sich hinaus zu wachsen bzw. sich überhaupt darum zu bemühen. Danke für Deine Worte. 🙂

      Liebe Grüße Nicole

      Gefällt 1 Person

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