Vertrauen muss nicht schwer sein…

Vertrauen…

Mit dem Vertrauen ist das so eine Sache. Ich kann gar nicht sagen, was ich als wichtiger erachte. Das Vertrauen in uns selbst und unsere Fähigkeiten, das Vertrauen in das Leben und all seine Geschenke, die es für uns parat hält oder aber das Vertrauen zu anderen, entweder schon in unserem Leben befindlichen Menschen oder aber denen, die uns neu begegnen und ein Stück unseres Weges mit uns gehen.

In der Geschichte, „Das perfekte Herz“, ist es schon sehr treffend beschrieben, finde ich. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen, jeder von uns trägt Narben auf seiner Seele und seinem Herzen und jeder von uns geht auf ganz unterschiedliche Weise damit um.

Leider begegnen mit sehr häufig Menschen, die nicht mehr oder weniger Narben mit sich tragen, doch ihnen fällt es einfach schwer, Vertrauen zu fassen. Es spielt dabei wieder keine Rolle, um welche Form des Vertrauens es sich dabei handelt, denn oft betrifft es jeden, der oben beschriebenen Bereiche.

Je älter wir werden, desto mehr Menschen sind uns in unserem Leben begegnet. Wir leben die unterschiedlichsten Beziehungen, zu den verschiedensten Menschen und am schwierigsten erscheinen uns wohl oft unsere Liebesbeziehungen. Heutzutage ist es eben nicht mehr so, dass wir unseren Partner in jungen Jahren kennen lernen und dann den Rest unseres Lebens mit ihm verbringen. Das ist wohl eher die Ausnahme. Wahrscheinlicher ist es, dass wir schon die ein oder andere Beziehung hinter uns haben und somit auch so einige Enttäuschungen, denn wäre das nicht der Fall, dann wären wir mit diesem Menschen ja immer noch zusammen.

Eine Liebesbeziehung, die in die Brüche gegangen ist, hinterlässt immer Spuren in uns und häufig tiefe Wunden, die wie in der Geschichte beschrieben eben zu Narben werden. Wir sind nur oft nicht in der Lage zu erkennen, dass jede einzelne dieser Wunden und Narben uns zu dem Menschen hat werden lassen, der wir heute sind. Ich meine damit aber keinesfalls die Rechtfertigung mancher, dass sie heutzutage so kalt und gefühllos sein müssen, weil sie zu viel in ihrem Leben erlebt haben und dies als Rechtfertigung für ihr gemeines Verhalten einem anderen gegenüber benutzen. Jedes Ereignis und jede Erfahrung in unserem Leben, lässt uns stärker werden und wachsen und dennoch sollten wir niemals verlernen zu Vertrauen.

Ein klassisches Beispiel. Eine Liebesbeziehung ging in die Brüche, weil wir erfahren haben, dass der andere uns betrogen hat. Einer der Partner wendete sich einem anderen zu und wir bleiben verletzt zurück. Ein Seitensprung, eine Affäre oder gar wenn wir wegen des anderen Menschen, den unser Partner in sein Leben und in sein Herz gelassen hat, verlassen werden, ist zunächst immer eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die eben diese tief sitzenden Wunden hinterlässt, aus denen später Narben werden. Doch ist es deshalb der richtige Weg, den nächsten Menschen, der in unser Leben tritt dafür zu bestrafen?

Oft läuft das folgendermaßen ab. Wir lernen einen neuen Partner kennen, beginnen eine neue Liebesbeziehung und sobald wir uns im Netz unserer eigenen Gefühle für den anderen gefangen sehen, bekommen wir Panik. Einige versuchen sogar die Gefühle, die zu einer Liebesbeziehung dazu gehören gar nicht erst entstehen zu lassen, aus Angst davor erneut verletzt und enttäuscht zu werden. Wieder andere tauschen sich mit dem neuen Partner über erlebtes aus und erwarten nun ganz selbstverständlich von diesem, dass er alles erdenkliche tun möge, um das uns das nicht wieder passiert. Schließlich muss dieser ja nun wissen, dass wir unendlich gelitten haben und da er und beteuert, er würde uns lieben, liegt es nun in seiner Zuständigkeit, dafür zu sorgen, dass unsere tiefen Wunden heilen können.

Ist es dann aber nicht so, dass wir ihm somit die ganze Verantwortung für uns selbst abtreten, ihm eine Last aufbürden, die er gar nicht tragen kann? Wie ich bereits sagte, hat jeder sein Päckchen zu tragen und jetzt verlangen wir von dem anderen, dass er unseres auch noch mit trägt, also die doppelte Last. Ist das nicht ein wenig viel verlangt? Wäre es nicht eher unsere eigene Aufgabe und Verantwortung mit unseren Wunden und Narben gut umzugehen und dafür zu Sorgen, dass diese heilen können? Ich denke schon.

Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch ist in seinem Sein einzigartig. Wir werden auch niemals zwei Bäume, zwei Pflanzen oder Tiere finden, die einander hundert Prozent gleichen. Selbst Zwillinge sind auf ihre Weise verschieden.

Wenn wir nun also einen neuen Menschen, einen potentiellen Partner in unser Leben kommen lassen, dann dürfen wir lernen, auch diesem zu vertrauen. Wir sollten ihm kein Misstrauen entgegen bringen, weil zuvor in unserem Leben ein anderer Mensch Dinge getan hat, die uns verletzten. Wir sollten uns die Mühe machen, den vor uns stehenden Menschen, der ja irgendwas an sich hat, das uns gefällt, auch wirklich kennen zu lernen, wir sollten ihm eine Chance geben. Niemals sollten wir einen anderen Menschen beurteilen oder gar verurteilen, weil wir unser erlebtes in die Beurteilung mit einfließen lassen. Nur weil wir einmal oder vielleicht auch fünf Mal betrogen wurden, bedeutet das nicht, dass uns das immer und immer wieder mit jedem anderen Menschen genauso ergeht.

Neues Vertrauen zu finden, ist nicht immer leicht. Oft macht sich Panik in uns breit, gerade wenn wir feststellen, dass uns Menschen begegnen, die wir mögen. Manchmal sind unsere Gefühle auch so stark, dass wir einfach Angst bekommen, doch sollten wir uns von ihr nicht überwältigen lassen. Wenn wir glauben, dass alle Menschen schlecht oder böse und nur egoistisch sind, dann haben wir keine Chance mehr die guten Seiten der Menschen zu sehen und werden aus unserem Misstrauen jedem einzelnen gegenüber handeln.

Menschen sind aber niemals von Grund auf schlecht. In jedem steckt etwas gutes, egal was er auch für furchtbare Dinge getan hat. Es ist wie mit dem Yin und Yan. Nichts kann ohne seinen Gegensatz bestehen, so auch nicht gut oder böse. Das würde also bedeuten, dass in jedem von uns Gutes, sowie auch Böses steckt und wenn wir mal tief in uns hinein horchen und ehrlich mit uns selbst umgehen, dann wissen wir, dass jeder von uns einem anderen Menschen schon mal unrecht getan hat. Bewusst oder unbewusst, absichtlich oder unabsichtlich. Doch irgendwann haben wir alle schon mal einen anderen verletzt, vielleicht sogar tiefer, als uns eigentlich klar war.

Doch vielleicht hat uns das wachsen und reifen lassen und wir gehen bewusster mit bestimmten Situationen um, sodass wir uns bemühen, anderen kein Leid zuzufügen. Warum soll es keine anderen Menschen geben, denen es genauso geht und die mit ihren bisherigen Lebenserfahrungen genauso umgehen? Das bedeutet nicht, dass wir uns alles gefallen lassen müssen oder es anderen Menschen erlauben sollen uns schlecht zu behandeln. Es ist wichtig zu lernen, Grenzen zu setzen und wenn diese häufig überschritten werden, dann gehört dieser Mensch dann vielleicht zu denen, die nicht so gut in unser Leben passen. Deshalb sind es trotzdem keine schlechten Menschen. Sie gehen eben nur anders mit dem Päckchen das sie mit sich tragen um oder haben vielleicht auch nicht gelernt, wie sie es besser machen können. Das sollte uns jedoch nicht davon abhalten, wieder andere und neue Menschen in unser Leben zu lassen und ihnen mit genau dem selben Vertrauen zu begegnen, dass wir aufbringen konnten, bevor wir die ein oder anderen Wunden erfuhren und bevor es die Narben gab, die wir heute in uns tragen.

Grundsätzlich ist es häufig so, dass wenn ein anderer Mensch uns schlecht behandelt oder ungerecht ist oder Dinge tut, die uns verletzen, dann ist es entweder unsere eigene Interpretation und Sichtweise, die uns verletzt sein lässt oder aber der andere hat in sich drin so viel Trauer, Leid und Schmerz zu tragen, dass er sich gar nicht anders verhalten kann.

Das gilt es in solchen Momenten herauszufinden und das sind die Geschenke, die sich hinter all dem verbergen, die es auszupacken gilt. Zugegeben, manchmal haben sie eine sehr hässliche Verpackung und dennoch sind es Geschenke, die uns das Leben macht, um uns wachsen zu lassen. Niemand wird jedoch an sich selbst oder mit anderen wachsen können, wenn er versucht bestimmte Dinge in seinem Leben zu verhindern, indem er anderen sein Vertrauen entzieht. Eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall, da wir uns damit selbst im Weg stehen und es uns versagen vielleicht die schönsten und reichsten Erfahrungen machen zu können, die aus der tiefen Liebe entstehen, die wir empfinden können.

Die Liebe in uns ist ohnehin der Motor für alles, der uns auch durch vermeintlich schwierige Zeiten trägt. Sie lässt uns gutmütig sein, manchmal auch ehrfürchtig und demütig, aber sie hilft uns auch zu verzeihen. Verzeihen können wir den Menschen, die sich in unserem Leben befanden und uns unsere Narben zufügten. Schätzen können wir die, die uns ein Stück des Weges begleitet haben oder es noch tun und die uns genau dieselbe Liebe schenken, die wir ihnen auch entgegen bringen. Vertrauen dürfen wir allen Menschen, solange wir sie nicht gut genug kennen, um eindeutig zu wissen, dass sie unseres Vertrauens nicht wert sind und selbst dann haben wir tausend Möglichkeiten unseren Weg weiter zu gehen…

2 Comments on “Vertrauen muss nicht schwer sein…

  1. Ja, je älter wir werden, umso mehr Erfahrungen und „Altlasten“ tragen wir mit uns herum. Das macht es dann manchmal schwierig, in bestimmten Situationen gelassen zu bleiben. Ich finde, dass erstrebenswerteste Vertrauen ist das Vertrauen in das Leben … dass schon alles irgendwie Sinn ergibt und dass es sich immer wieder lohnt zu vertrauen. Ist aber nicht immer leicht …

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    • Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. 🙂 Versehentlich habe ich gerade einen falschen Button angeklickt, aber glücklicherweise konnte ich es wieder finden. 🙂 Ja, ich sehe es genauso wie Du. Für mich selbst erachte ich das Vertrauen in das Leben als das wichtigste, dennoch zusammengehörig mit dem Vertrauen in mich selbst und meine Fähigkeiten und auch das Vertrauen in andere Menschen. Mir gelingt alles mittlerweile gleichermaßen gut, da ich in meinem Leben bisher lernen durfte, dass vieles dadurch viel leichter ist. Aber Du hast recht, das war auch für mich nicht immer leicht. Doch je mehr ich erfuhr, dass sich immer alles zum Guten wendet und alles einen Sinn hat, desto besser konnte ich Vertrauen finden. Ich wünschte mir noch sehr viel mehr Menschen könnten das so erfahren und erleben.

      Liebe Grüße Nicole 🙂

      Gefällt 1 Person

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