Die Welt ist Dein Spiegel…

Die Welt um Dich herum ist ein Spiegel Deiner Selbst…

Heutzutage wird immer und überall gepredigt (und auch ich sage das immer wieder), dass der Schlüssel zu wahrer, bedingungsloser Liebe, die Liebe zu uns selbst ist, dass diese in erster Linie bei uns selbst beginnt. Wenn wir uns selbst nicht lieben, können wir auch einen anderen nicht lieben, nicht in reiner und bedingungsloser Form und wenn wir uns selbst nicht lieben, so können wir auch nicht glauben, dass wir von anderen um unser Selbst willen geliebt werden.

Mir begegnen häufig Menschen, die sich in Therapie befinden oder eine solche schon einmal gemacht haben und wo ihnen das selbe immer und immer wieder gesagt wurde und doch glaube ich manchmal, sie haben es nicht verstanden. Sie gehen auch weiterhin durchs Leben, sind schlecht gelaunt, bis aggressiv und lassen sich von allem und jedem provozieren. Ich höre sie klagen, dass andere für ihr Leid verantwortlich sind und andere Schuld daran haben, dass es ihnen vermeintlich so schlecht geht. Sie sind neidisch und anderen Menschen gegenüber voller Missgunst. Sie glauben Selbstliebe zu praktizieren, indem sie klare Ansprüche und Forderungen, aber nie an sich selbst, sondern an andere stellen. Sie beschuldigen und verurteilen jeden, der nicht so denkt und handelt, wie sie.

Sie glauben Selbstliebe bedeutet für das was sie selbst möchten ein zu stehen und das auch einzufordern. Wenn jemand ihre Erwartungen nicht erfüllt, dann werden sie böse. Sie schimpfen und drohen und wissen sich oft nicht anders zu helfen. Sie glauben, weil sie sich selbst so viel Wert sind und sie sich selbst so sehr lieben, haben sie ein Recht darauf zu fordern, dass alles so zu geschehen hat, wie sie es wünschen. Sie fordern den Respekt und die Achtung anderer ein und sind völlig entsetzt, wenn sich andere ihnen gegenüber nicht so verhalten. Sie verstehen nicht, dass es ihre eigenen Themen, Ängste und Baustellen sind, die sie mit sich herum tragen und die zu ihren Sichtweisen beitragen.

Die Sichtweisen jedoch sind es, die sie daran hindern, die der anderen zu sehen und zu verstehen, die sie daran hindern den anderen auch anders sein zu lassen und die dem entgegen stehen, dass sie mit verschiedensten Situationen gelassen umgehen können. Wer sich selbst wirklich liebt und akzeptiert, wie er ist, der ist auch in der Lage andere zu akzeptieren, wie sie sind, auch wenn sie Dinge vielleicht anders handhaben, als wir selbst und ihre eigenen Sichtweisen vertreten. Wenn wir gelassen bleiben können, wenn wir Ruhe bewahren, wenn wir freundlich auf andere Menschen zugehen können, dann ist das wirklich praktizierte Selbstliebe, denn aus ihr heraus stellen wir keine Forderungen. Wenn wir jedoch Erwartungen an andere haben und ungehalten sind, wenn diese nicht erfüllt werden, dann ist das eher egoistisch, statt es die Liebe zu uns selbst ausdrückt.

Vor allem jedoch ist es so, dass wenn wir anderen stets höflich und zuvorkommend gegenüber treten, dann werden uns ständig Menschen begegnen, die das genauso tun. Sind wir jedoch übellaunig und aggressiv, so begegnen uns ständig Menschen, die genauso reagieren, denn in beiden Fällen reagieren sie auf uns und das was wir ausstrahlen. Hierzu habe ich eine wunderschöne und sehr bekannte Geschichte gefunden, dessen Verfasser mir leider nicht bekannt ist. Sie sagt viel zu diesem Thema aus und trägt ebenso viel Wahrheit in sich. Jeder von uns darf sich frei entscheiden, was er leben möchte, doch denke ich sind es unsere eigenen Sichtweisen, die es uns entweder leichter machen durch Leben zu gehen oder eben schwerer…

305

Der Tempel der tausend Spiegel…

Es gab in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er lag hoch oben auf einem Berg und sein Anblick war gewaltig. Eines Tages kam ein Hund und erklomm den Berg. Er stieg die Stufen des Tempels hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel.

Als er in den Saal der tausend Spiegel kam, sah er tausend Hunde. Er bekam Angst, sträubte das Nackenfell, klemmte den Schwanz zwischen die Beine, knurrte furchtbar und fletschte die Zähne. Und tausend Hunde sträubten das Nackenfell, klemmten die Schwänze zwischen die Beine, knurrten furchtbar und fletschten die Zähne.

Voller Panik rannte der Hund aus dem Tempel und glaubte von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden bestehe.

Einige Zeit später kam ein anderer Hund, der den Berg erklomm. Auch er stieg die Stufen hinauf und betrat den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal mit den tausend Spiegeln kam, sah auch er tausend andere Hunde. Er aber freute sich. Er wedelte mit dem Schwanz, sprang fröhlich hin und her und forderte die Hunde zum Spielen auf.

Dieser Hund verließ den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden bestehe, die ihm wohl gesonnen sind.

303

Schon oft konnte ich beobachten, dass diese kleine Geschichte in vielen Facetten sehr wahr ist. Als Beispiel: Neulich war ich im Baumarkt und ein älterer Mann kam wutschnaubend herein. Er hatte sich noch nicht einmal umgesehen und schon herrschte er die nächst beste Verkäuferin an, da er auf der Suche nach einem bestimmten Material war. Für mich war es nicht verwunderlich, dass die Verkäuferin ihn nun genauso behandelte und in dem selben unfreundlichen Ton mit ihm sprach, da sie nicht verstand, was sie denn falsch gemacht hatte. So entbrannte also zwischen beiden eine Art Diskussion bzw. Streit, denn beide fühlten sich ungerecht behandelt und verstanden das Verhalten des anderen nicht.

Wie kann man solche Situationen also vermeiden?

Der Mann, der sich ganz offensichtlich sehr geärgert hatte, bevor er den Baumarkt betrat, hätte die Geschichte lesen sollen. Er hätte erkennen können, dass niemand weiß, was zuvor passiert war und worüber er sich denn geärgert hatte und das niemand eine Schuld daran trägt. Er hätte seine Emotionen unter Kontrolle haben sollen, um sie nicht an jedem X-beliebigen auszulassen, denn er würde wissen, dass ihm das nur noch mehr Ärger bringt. Es gibt nicht ohne Grund das schöne Sprichwort, „Wie es in den Wald rein ruft, so schallt es auch wieder raus.“ Würde er sich selbst lieben und wertschätzen, dann hätte er es gar nicht nötig gehabt seinen Frust an der Verkäuferin auszulassen und es wäre ihm leichter gefallen sich zu beruhigen.

Die Verkäuferin jedoch trägt ebenfalls Verantwortung für die entstandene Situation und den daraus resultierenden Streit. Vielleicht hatte auch sie einen schwierigen Tag und hatte vielleicht Ärger mit dem Chef, sodass es auch ihr nicht möglich war, angemessen auf die Unfreundlichkeit des Kunden zu reagieren. Wenn sie sich selbst lieben würde, wenn sie sich selbst wertschätzen würde, dann wäre ihr klar gewesen, dass die Übellaunigkeit des Kunden gar nichts mit ihr zu tun hatte. Schließlich hatte er eben erst den Laden betreten, also was konnte sie da schon falsch gemacht haben? In dem Bewusstsein hätte sie sich sagen können, „Wer weiß was diesem armen Mann schreckliches widerfahren ist, sodass er jetzt so mit ihr redete…“ Aus dieser Sichtweise und dem Mitgefühl heraus, wäre es ihr gelungen, die Worte und den Tonfall des Mannes nicht persönlich zu nehmen und es wäre ihr viel leichter gefallen, dennoch freundlich zu bleiben. Vielleicht hätten ihre freundlichen Worte ihn sogar besänftigen können und er hätte dann einen freundlichen Menschen vor sich gehabt, bei dem er sich verstanden gefühlt hätte. Vielleicht hätte dieses Verständnis dann dazu geführt, dass sein Tag etwas schöner ausgesehen hätte und seine Laune wäre besser geworden. Sie hätte sich klar machen können, dass sie nicht die Verantwortung für seine Gefühle trägt, doch aber für ihre eigenen.

Auch wenn uns andere Menschen unfreundlich gegenüber treten, so können wir selbst entscheiden, wie wir damit umgehen. Entweder sind wir deren Spiegel und zeigen ihnen so ihr eigenes Verhalten auf, wodurch aber auch wir aus unserer Mitte geraten und uns selbst keinen Gefallen tun. Oder wir entscheiden uns es einfach anders zu machen und vielleicht haben wir so ganz unbewusst die Möglichkeit mit unserer Freundlichkeit und unserer Art mit der Situation umzugehen, einem anderen Menschen zu helfen. Niemals können wir uns jedoch hinstellen und unser eigenes Denken und Handeln mit dem rechtfertigen, wie ein anderer Mensch denkt und handelt…

2 Comments on “Die Welt ist Dein Spiegel…

  1. Da schreibst du (mal wieder) wahre Worte. Wobei auch das wieder ein Punkt ist, an dem ich relativ schnell an meine Grenzen komme. Wenn jemand ungerecht oder gemein zu mir ist (oder auch zu anderen), kann derjenige sich meist schnell auf ein Donnerwetter gefasst machen … Hinterher denke ich dann manchmal, dass ich das auch ruhiger hätte angehen können. Manchmal denke ich aber auch, dass es so genau richtig war …

    Gefällt 1 Person

    • Vielen lieben Dank… 🙂 Es geht ja nicht darum, sich nicht wehren zu dürfen. Ganz im Gegenteil, ein gesundes Grenzen setzen, ist unbedingt notwendig, auf jeden Fall bei Menschen, mit denen man zusammen lebt oder die einem am Herzen liegen. Doch in solchen Situationen, wie beschrieben, sind es doch unsere eigenen Gefühle und Gedanken, die dann schnell ins negative abdriften und oftmals ist es das Ganze gar nicht wert.

      Liebe Grüße Nicole 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: