Positive Psychologie

Von Dr. Katharina Tempel

Die Positive Psychologie ist eine junge Teildisziplin der akademischen Psychologie. Was genau sich dahinter verbirgt und warum wir eine Positive Psychologie brauchen, erfährst du hier.

Was ist Positive Psychologie?

Positive Psychologie ist die Wissenschaft vom gelingenden Leben!

  • Was stärkt den Menschen?
  • Wie kann man Lebensfreude steigern?
  • Ist Optimismus erlernbar?
  • Wie gelingen positive Beziehungen und was macht das Leben lebenswerter?

Diese und weitere Fragen werden seit dem neuen Jahrtausend unter dem Dach der Positiven Psychologie erforscht.

Damit zielt die Positive Psychologie auf die Förderung von Lebenszufriedenheit und die Erforschung der positiven Seiten des Menschseins ab. Gleichzeitig rückt sie aber auch die Stärkung psychologischer Widerstandskraft (Resilienz) und die Vorbeugung von Burnout und anderen psychischen Störungen in den Vordergrund.

Die Positive Psychologie ist ein relativ neuer Forschungsschwerpunkt innerhalb der akademischen Psychologie.

Ihre Übungen und Interventionen beruhen auf wissenschaftlich fundierten Theorien, Konzepten und Modellen.

Damit ergänzt sie bisherige psychologische Verfahren durch eine Vielzahl neuer Techniken und Ansätze.

Warum brauchen wir Positive Psychologie?

Noch nie waren wir so reich, so gesund und so gut gebildet wie heute… und noch nie waren wir so unglücklich.

Obwohl sich unser Einkommen und unsere Lebensqualität in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbessert haben, sind wir nicht im gleichen Maße zufriedener und glücklicher geworden.

Im Gegenteil!

Psychische Störungen sind weiterhin auf dem Vormarsch.

Depressionen und das Burnout-Syndrom werden zu Volkskrankheiten deklariert und der Anteil an Fehltagen auf Grund von psychischen Problemen hat ein neues Höchstmaß erreicht. Es scheint als wären wir heute mehr denn je auf der Suche;

Auf der Suche nach einem glücklichen und erfüllten Leben, auf der Suche nach dem Sinn hinter allem und auf der Suche nach uns selbst.

Die herkömmliche Psychologie konnte uns dabei bisher nicht weiterhelfen.

Sie ist, genau wie die Medizin, in erster Linie gewachsen um Menschen von Krankheiten zu befreien und wieder „funktionstüchtig“ zu machen.

Aber Gesundheit ist weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit.

Nicht unglücklich heißt nicht noch lange nicht glücklich

Bereits 1946 definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als einen Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.

Demnach reicht das Fehlen einer psychischen Störung noch lange nicht aus, um ein gelingendes Leben zu führen. Anders ausgedrückt: Nur weil jemand nicht depressiv ist und an Selbstmord denkt, ist er noch lange nicht glücklich.

“To live is the rarest thing in the world. Most people exist, that is all” – Oscar Wilde

Insbesondere im westlichen Kulturkreis spielte die Förderung von Gesundheit und Wohlergehen jedoch über lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle.

Die akademische Psychologie z.B. beschäftigte sich vorrangig mit den negativen Seiten des Menschseins.

  • Im Fokus der klinischen Psychologie stand die Heilung psychischer Störung oder die Therapie von Mängeln.
  • Die soziale Psychologie beschäftigte sich mit Vorurteilen, Rassismus oder Aggressionen und
  • in der kognitiven Psychologie diagnostizierte man Denkfehler oder ergründete die Ursachen schlechter Entscheidungen.

Inzwischen kennen wir die Gründe für unterlassene Hilfeleistungen und wissen um die Fähigkeiten des Menschen zu hassen, zu morden und zu zerstören.

Doch wissen wir vergleichsweise wenig über die Fähigkeit des Menschen zu lieben, zu hoffen oder zu helfen.

Warum engagieren sich Menschen für andere oder ringen um hohe Ideale? Wie ist es möglich, dass manche Menschen selbst im Angesicht größter Widrigkeiten über sich hinaus wachsen und ihre Lebensfreude bewahren?

Wie ist die Positive Psychologie entstanden?

Dieses Ungleichgewicht erkannte Ende des letzten Jahrtausends u.a. der amerikanische Psychologe Martin Seligman. Als er 1998 zum Präsidenten der American Psychological Association berufen wurde, forderte er eine Neuausrichtung der akademischen Psychologie.

Diese sollte nicht länger nur auf die Defizite fokussieren sondern beide Seiten der Medaille betrachten.

Damit ging es nicht mehr nur darum, psychisch gestörte Menschen wieder auf ein funktionstaugliches Niveau zu bringen, sondern auch der breiten Masse von relativ gesunden Menschen zu mehr Wohlbefinden und Erfüllung zu verhelfen.

Die Positive Psychologie in ihrer heutigen Form war geboren.

Neben Martin Seligman wird auch Ed Diener, auf Grund seiner Verdienste in der Erforschung des subjektiven Wohlbefindens, häufig als Gründervater der Positiven Psychologie genannt.

Obwohl die Positive Psychologie noch eine junge Disziplin ist, werden ihre Erkenntnisse bereits in verschiedenen Bereichen praktisch angewendet.

So z.B. in Coaching und Therapie, in der Unternehmensführung, aber auch in Bildung und Erziehung.

Nach und nach findet die Positive Psychologie auch Einzug in die Universitäten.

Studiengänge für Positive Psychologie wurden gegründet, wissenschaftliche Zeitschriften ins Leben gerufen, regelmäßige Kongresse abgehalten und erste Ausbildungen in Positiver Psychologie sprießen aus dem Boden.

Weiterführende Informationen gibt es u.a. beim Deutschsprachigen Dachverband für PP e.V.

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