3 Gedanken, um mitfühlender mit anderen Menschen umzugehen

Von Ralf Senftleben, gefunden auf www.zeitzuleben.de

Ich habe in der Vergangenheit eine lustige Erfahrung gemacht. Je weniger ich andere Menschen bewerte und verurteile, desto mehr mag ich mich selbst leiden.

Umgekehrt funktioniert es genauso: Wenn ich mich dabei erwische, wie ich schlecht über jemanden denke, dann ist das oft ein Zeichen dafür, dass ich irgendwie aus der Balance geraten bin. Und dann werde ich auch ungeduldig und hart mit mir selbst.

Wie ich andere Menschen behandele und wie ich mich selbst behandele, steht offensichtlich in einem direkten Zusammenhang.

Die Schlussfolgerung daraus wäre: Ich behandele andere einfach immer supernett, dann bin ich automatisch auch nett zu mir selbst. Aber so einfach ist es natürlich nicht.

Es scheint in uns Menschen eingebaut zu sein, andere zu kritisieren, zu bewerten oder zu verurteilen. Das liegt uns irgendwie im Blut. Aber wenn ich andere Menschen verurteile, dann hat das leider oft mehr mit mir selbst zu tun als mit den anderen Menschen. Vielleicht weil das Objekt meiner Bewertung irgendeinen wunden Punkt bei mir berührt hat. Oder weil diese Person mich an jemanden erinnert, mit dem ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Oder vielleicht auch, weil dieser Mensch etwas tut, was ich selbst mich nicht zu tun traue. Oder diese Person lebt etwas, was ich mir insgeheim zu leben wünsche, mir aber selbst nicht erlaube.

Es ist offensichtlich ganz menschlich, über andere Menschen zu urteilen. Jeder macht es manchmal. Ich persönlich auch; oft sogar, ohne es zu merken. Und wir können so vielleicht kurzfristig Druck ablassen. Aber langfristig schaden wir uns dadurch selbst, weil wir mit jeder Wertung und jedem Urteil auch immer uns selbst indirekt im Inneren abstrafen.

Was kann man tun, wenn man damit aufhören möchte? Eine Lösung wäre: Trainieren Sie Ihr Mitgefühl und Ihr Verständnis mit anderen Menschen.

Es ist schwer, gleichzeitig Mitgefühl zu haben und jemanden zu verurteilen oder zu bewerten. Und je öfter Sie verständnisvoll durch die Welt laufen, desto weniger Raum geben Sie dem Teil in Ihnen, der andere Menschen hart und wertend betrachtet.

Trainieren Sie Ihr Mitgefühl. Nicht unbedingt, damit Sie sagen können: „Ich bin ein guter Mensch.“ Tun Sie es lieber aus gesundem Selbstinteresse. Denn je mehr Mitgefühl Sie mit anderen haben, desto besser behandeln Sie sich selbst damit indirekt. Denn je netter Sie auf andere Menschen schauen, desto freundlicher schauen Sie auch auf sich selbst.

Aber wie kann man Mitgefühl trainieren? Vielleicht wäre es ein guter Start, wenn Sie die folgenden drei Gedanken verinnerlichen würden:

Schauen Sie auf die Gemeinsamkeiten

Wir wollen doch alle eigentlich nur das Gleiche: Liebe, Respekt, Sicherheit, Glück, Zufriedenheit, Erfüllung und inneren Frieden spüren.

Machen Sie sich bitte klar, dass nahezu alle Menschen die gleichen Dinge wollen: Wir wollen uns gut fühlen. Wir wollen alle Freude erleben und Schmerz vermeiden.

Der Vorstandsvorsitzende des Weltkonzerns, die Rentnerin von nebenan, der Lehrer, die Kassiererin, der 15-jährige Schüler: Alle wollen sich auf irgendeine Art gut fühlen.

Wir wollen alle das Gleiche. Nur unsere Wege zum Glück sind unterschiedlich. Der eine muss es allen anderen zeigen, damit er sich gut fühlen kann. Ein anderer braucht viel Liebe. Wieder ein anderer will eigentlich nur seine Ruhe. Jeder hat einen anderen Weg zum Glück. Und über diese verschiedenen Wege streiten wir uns dann. Und darüber vergessen wir, dass wir eigentlich alle das Gleiche wollen: Glücklich sein und inneren Frieden erleben.

Je mehr wir auf diese Gemeinsamkeit zwischen uns Menschen schauen, desto besser geht es uns. Und desto eher schaffen wir es, dass wir uns auf unserem Weg zum Glück nicht gegenseitig auch noch das Leben schwer machen. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Was wissen wir schon

Ich weiß eigentlich nichts über andere Menschen.

Wir sehen jemanden. Wir erleben jemanden in einer einzigen Situation. Und schon glauben wir, wir würden ihn oder sie kennen. Wir Menschen neigen dazu, uns unsere Meinung in Sekundenbruchteilen zu bilden und denjenigen in eine unserer Schubladen einzusortieren.

Und wenn jemand in unserer Schublade ist, kommt er da so schnell nicht wieder raus, denn leider hat unser Wahrnehmungsapparat die Tendenz, Eindrücke wegzufiltern, die unserer bestehenden Meinung zuwiderlaufen. Und gleichzeitig nehmen wir Informationen eher wahr, die unser bestehendes Bild von jemandem bestätigen.

Einmal in der Schublade, braucht es schon einen richtig heftigen Gegenbeweis, damit man wieder aus der Lade herausgenommen wird.

Machen Sie sich deswegen bitte immer wieder klar: Was Sie über einen anderen Menschen zu wissen glauben, ist nur ein kleiner Bruchteil dessen, was diesen Menschen ausmacht.

Vielleicht ist er in einem anderen Umfeld ganz anders. Vielleicht tut sie ganz viel Gutes, ohne dass sie darüber spricht. Vielleicht ist dieser Mensch tatsächlich ganz anders, als Sie ihn wahrnehmen, weil Sie mit einem Tunnelblick nur auf den einen Aspekt bei diesem Menschen starren, der Sie gerade wahnsinnig macht.

Machen Sie sich klar, dass Sie mächtige Wahrnehmungsfilter haben, die verhindern, dass Sie die Welt und auch die Menschen darin in ihrer Vollständigkeit wahrnehmen.

Wir sehen andere Menschen oft tatsächlich nicht so, wie sie sind, wir sehen sie vielmehr so, wie WIR SELBST sind.

Machen Sie sich deswegen bitte oft klar: Sie wissen eigentlich nicht viel über den anderen. Insbesondere dann, wenn Sie glauben, dass Sie jemanden kennen.

Ich bin alles, nur nicht perfekt

Niemand von uns ist perfekt – die anderen nicht – und ich auch nicht.

Es ist ein beliebtes Spiel unter uns, mit dem Finger auf die Schwächen anderer Menschen zu zeigen.

Nicht selten tun wir das, um uns selbst zu beweisen, dass da jemand noch schlechter, noch fauler oder noch weniger liebenswert ist als wir selbst. Wir suchen oft nach den Schwächen von Menschen, um uns selbst aufzuwerten.

Oft tun wir es auch, um ein Gefühl von Gemeinsamkeit mit anderen herzustellen, denn was verbindet mehr, als zusammen über jemanden herzuziehen, der gerade nicht im Raum ist und sich nicht wehren kann.

Dabei vergessen wir aber, dass wir uns selbst jedes Mal abwerten, wenn wir schlecht über jemanden reden oder wenn wir auch nur schlecht über jemanden denken. Denn irgendwo tief in uns selbst wissen wir, dass wir selbst auch nicht perfekt sind und unsere Schwächen haben. Oft sogar die gleichen Schwächen, die wir an anderen kritisieren oder über die wir uns bei anderen lustig machen.

Unbewusst reiben wir uns selbst Salz in unsere eigenen Wunden, wenn wir über andere lästern, selbst wenn wir an der Oberfläche Spaß an der Lästerei haben.

Deswegen wäre meine Empfehlung: Schauen Sie lieber öfter auf die positiven Seiten anderer Menschen. Und machen Sie nicht mehr mit, wenn gelästert wird. Sprechen Sie lieber über sich, darüber, was Ihnen wichtig ist, was Sie fühlen, über das Gute in der Welt oder darüber, was Sie gerade Schönes erlebt haben.

Oder suchen Sie gezielt nach den Vorzügen anderer Menschen. Schauen Sie auf die guten Seiten, statt auf das, was man kritisieren oder belächeln kann.

  • Was kann dieser Mensch wirklich gut?
  • Was mag ich an diesem Menschen?
  • Was mögen andere an diesem Menschen?
  • Wann hat er oder sie etwas Gutes getan?

Schauen Sie auf die positiven Seiten anderer Menschen und Sie schaffen es dadurch vielleicht auch öfter, Ihre eigenen Stärken zu sehen. Und Sie verzeihen sich dann vielleicht auch öfter Ihre eigenen Unzulänglichkeiten.

Denn schließlich ist niemand von uns perfekt: ich nicht – Sie nicht – und alle anderen auch nicht.

Wenn Sie diese drei Gedanken öfter im Kopf bewegen, könnte sich über die Zeit auch Ihre Einstellung zu sich selbst verändern.

  • „Wir wollen doch alle eigentlich nur das Gleiche: Liebe, Respekt, Sicherheit, Glück, Zufriedenheit, Erfüllung und inneren Frieden spüren.“
  • „Ich weiß eigentlich nichts über andere Menschen.“
  • „Niemand von uns ist perfekt – die anderen nicht – und ich auch nicht.“

2 Comments on “3 Gedanken, um mitfühlender mit anderen Menschen umzugehen

  1. Ich hab neulich in einem Film gehört: Jeder Mensch, dem man begegnet, kämpft einen inneren Kampf mit sich“ (oder so ähnlich). Man glaubt immer, fast allen geht es gut und keiner kennt den Kummer, den man selber mit sich trägt. Das ist Blödsinn. Wenn den Gedanken oben wieder in mein Bewusstsein lasse, stimmt mich das sehr milde gegenüber meinen Mitmenschen. 🙂

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