Deine Gedanken werden zu Deinen Gefühlen und lassen Dich handeln…

„Es sind nicht die Dinge, die uns beruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.“ – so formulierte es der griechische Philosoph Epiktet, um die eigene Welt- und Lebensanschauung zu relativieren. Diese Ansicht hilft uns im Alltag gelassener zu werden und die eigenen Gedanken und Emotionen zu kontrollieren.

Unsere Gedanken beeinflussen unsere Gefühle und diese wiederum bestimmen unser Handeln, zumindest dann, wenn wir das was in unseren Köpfen so vor sich geht unbeobachtet lassen und nicht darauf achten.

Die meisten Menschen sind sich dessen nur gar nicht bewusst. Klar ist, dass wir jeden Tag tausende von Gedanken denken und oftmals sind es immer und immer wieder die selben Gedanken, die sich wie eine Schleife in unseren Köpfen bewegen. Nur nehmen wir sie nicht wahr, denn um jeden einzelnen Gedanken erfassen zu können, sind es auch einfach zu viele.

Doch nicht nur, dass wir unser Denken nicht wahrnehmen und nicht  beachten, wir glauben auch, dass wir unsere Gedanken sind. Das bedeutet in etwa so viel, dass wir das was wir denken als die einzige Wahrheit wahrnehmen. Oft erlebe ich, dass Menschen ihre Meinung (also ihre Gedanken) äußern und darauf eine absolute Allgemeingültigkeit erheben. Sie glauben, dass das was sie über eine bestimmte Person oder Situation denken das einzig richtige ist und es ist teilweise sehr schwer sie von etwas anderem zu überzeugen. Solch Engstirnigkeit resulktiert in der Regel daraus, wenn wir uns mit unseren Gedanken identifizieren und glauben, dass wir unsere Gedanken sind.

„Wissenschaft im Dialog“ schreibt dazu:

Gedanken sind ein Produkt des Gehirns in der Wechselwirkung mit seiner Umgebung und sich selbst. Sie entstehen beim Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Fühlen genauso wie beim Nachdenken im stillen Kämmerlein und sogar beim Schlafen. Mit dem Thema Denken beschäftigen sich unter anderen Neurowissenschaftler. Für sie ist klar: Wenn wir denken, dann deshalb, weil Hirnprozesse ablaufen. Und Hirnprozesse, das sind komplizierte Interaktionen zwischen Nervenzellen im Gehirn. Besonders interessante und relevante Gedanken speichert unser Gehirn für die Zukunft – sie werden zu Erinnerungen.

Gedanken sind also das Resultat aus unseren Erfahrungen und allem was wir unser Leben lang lernen und sie werden von allen möglichen Äußerem Umständen beeinflusst. Manchmal bewusst, oftmals unbewusst. So stellt sich einem die Frage, wenn wir alle doch so sehr unterschiedliche Erfahrungen machen und seit unserer Kindheit tausend verschiedene Dinge lernen, wie können wir dann glauben, dass unsere Gedanken die einzig richtigen sind?

Durch unsere heutige Zeit, in der wir von einem Termin zum anderen hetzen, versuchen Beruf, den damit verbunden Erfolg, Finanzen, Familie, Freizeit und Hobbys unter einen Hut zu bekommen, haben wir oft gar keine Zeit unsere Gedanken wirklich wahr zu nehmen. Wir denken eben, aber was genau wir da eigentlich zusammen denken, ist uns meistens gar nicht klar. Jeder von uns könnte sich einmal die Zeit nehmen und nur eine halbe Stunde am Tag einmal beobachten, über was er sich so alles Gedanken macht. Oftmals sind es nämlich Gedanken über Vergangenes oder über noch nicht geschehenes und somit rennt das Leben an uns vorbei. Vergangenes können wir nicht mehr ändern und zukünftiges ist noch nicht da und dennoch beschäftigen wir uns in Gedanken rund um die Uhr damit…

Diese Tatsache an sich ist erst einmal gar nicht so schlimm. Es ist eine Gegebenheit, dass wir denken und so ohne weiteres lässt sich daran auch nichts ändern. Das wirklich schlimme daran ist, dass unsere Gedanken unsere Gefühle hervorrufen oder zumindest beeinflussen und das obwohl in der Evolution die Gefühle schon viel älter sind, als das Denken und es zur Zeit der Neandertaler wahrscheinlich auch zwingend notwendig war, überlebenswichtig, dass wir uns auf unser Gefühl (auch manchmal den Instinkt genannt) verlassen konnten. Jetzt gibt es aber nicht nur den Instinkt, der uns bestimmte Dinge fühlen lässt, sondern wir erleben ganz konkrete und greifbare Gefühle, die positiver Art sein können, wie Freude, Liebe, Zuversicht, Glück, innere Zufriedenheit und wir erleben scheinbar negative Gefühle, wie Angst, Zorn, Wut oder auch nur Ärger, die genau wie unsere positiven Gefühle aus unserem Denken und den dementsprechenden Bewertungen der Situationen resultieren.

Ein Beispiel:

Ein Kunde kommt völlig aufgebracht und verärgert bzw. schlecht gelaunt in den Laden und lässt seine schlechte Laune an uns aus. Er ist unfreundlich, meckert rum und scheint einfach kein freundliches Wort zu finden. Wenn wir denken, dass wir ja eigentlich gar nicht wissen, was wir falsch gemacht haben und er kein Recht hat in solch einem Ton mit uns zu sprechen, ja wenn wir uns von ihm ungerecht behandelt fühlen, dann beginnen wir uns zu ärgern und es wird uns schwer fallen diesem Kunden gegenüber friedfertig, freundlich und gelassen gegenüber zu treten. Wenn wir aber denken, dass dieser arme Mann sicher einen schweren Tag hatte und ihm bestimmt etwas Schlimmes passiert ist, über das er sich sehr ärgerte, dann ist es viel leichter Mitgefühl zu empfinden und diesem Menschen gegenüber auch genau so zu reagieren. Mit Verständnis und Mitgefühl…

So wie in diesem kleinen Beispiel ist es aber in vielen anderen Bereichen auch.

Die Gedanken und Bewertungen über äußere Umstände, UNSERE Gedanken und Bewertungen sind dafür verantwortlich, ob wir uns gut oder schlecht dabei fühlen. Gedanken beeinflussen unsere Gefühle und viel schlimmer ist, dass sie häufig gar nicht wahr sind. Nehmen wir also ein anderes Beispiel:

Wir haben uns über einen anderen Menschen geärgert. Er oder sie hat etwas getan oder gesagt, dass uns verletzt und in uns das Gefühl von Ärger oder sogar Wut hervorgerufen hat. Je nachdem welche Bedeutung dieser Mensch für uns hat, desto intensiver empfinden wir den Ärger über ihn und die entstandene Situation. Doch hat dieser Mensch das wirklich mit Absicht getan? Hat er die Worte wirklich ausgesprochen, um uns zu verletzen und zu kränken? Oder sind wir nicht viel eher selbst verantwortlich dafür, wie wir über die Situation und diesen Menschen denken und fühlen wir uns nicht nur mies, weil wir diese negativen Gedanken, ohne jegliches Mitgefühl uns selbst oder dem anderen gegenüber hegen?

Manchmal kommt es auch vor, dass wir andere Menschen für unser Wohlbefinden verantwortlich machen, insbesondere Menschen die uns gut kennen und mit denen wir viel Zeit verbringen. So stehen wir morgens vielleicht schlecht gelaunt auf, eben weil der Tag so grau ist und der Kaffee seinen Zweck nicht erfüllt hat. Nun erwarten wir von unserem Partner, er möge doch bitte dafür sorgen, dass wir uns besser fühlen. Da er vielleicht aber spät dran ist und in Eile, bekommt er gar nicht mit, wie wir uns gerade fühlen oder dass wir schlecht drauf sind.

Er verabschiedet sich hastig und schon ist er aus dem Haus. Wir interpretieren sein Verhalten als Desinteresse und glauben nun ihm nicht wichtig genug zu sein, da er nicht bemerkt hat, was wir uns gerade von ihm wünschen oder brauchen. Wir glauben, dass dieser Mensch uns lange und gut genug kennt und es eigentlich ja sehen und wissen müsste, was uns fehlt. Das selbe geschieht uns im Laufe des Tages vielleicht auch noch mit Kollegen und Freunden und so gehen wir auch in diesem Fall deprimiert und schlecht gelaunt am Ende des Tages zu Bett und sagen uns vielleicht, dass wir es zu Beginn dieses „furchtbaren“ Tages ja eigentlich schon geahnt haben. Wir wussten, wie der laufen würde.

Doch sind unsere Bewertungen und Gedanken in diesen Dingen und den Menschen gegenüber wirklich richtig? Interessieren sie sich wirklich nicht für uns und unser Befinden oder ist es nicht eher so, dass sie ohnehin nichts hätten für uns tun können, solange unsere Gedanken in diesen negativen Gefilden schweifen?

Deine Gedanken sind nichts anderes, als Gespräche, die du mit dir selbst führst. Die Art und Weise, wie du mit dir selbst sprichst und welche Filme du routinemäßig in deinem Kopf ablaufen lässt, bestimmt deine Gedanken.

Gedanken führen immer zu Gefühlen. Indem du dich einmal fragst, wie du dich so den ganzen Tag fühlst kannst du ziemlich sicher darauf schließen, was du für Gedanken hast.
Es sollte niemanden verwunden, dass er sein Leben zu einem großen Teil in Angst verbringt, wenn ständig Bilder in seinem Kopf ablaufen, wie ihm oder seiner Familie etwas zustößt. Redest du dir ständig ein, dass du “bloß vorsichtig sein musst” und dass “man nie wissen kann, was die Menschen so im Schilde führen”, dann ist es kein Wunder dass du angespannt und vorsichtig durch dein Leben gehst.

So erscheint es doch sehr sinnvoll, seine Gedanken abschalten zu wollen. Immerhin entstehen dann keine unschönen Bilder mehr im Kopf und wir fühlen uns direkt besser. Nur haben unsere Gedanken leider keinen Schalter, mit dem sie sich einfach mal so abschalten lassen.

Wir können zwar nicht wirklich unsere Gedanken abschalten, jedoch können wir lernen, bewusst und achtsam mit ihnen umzugehen. Entweder lassen wir unsere Gedanken komplett unkontrolliert von der Leine und sie irgendwo weit entfernt von unserer Aufmerksamkeit ihr Unwesen treiben. Das führt dann dazu, dass wir uns ständig wundern, wieso wir so ängstlich, wütend oder schüchtern sind. Oder aber wir entscheiden uns, unseren Gedanken unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken und sie zu beobachten.

Dazu gilt es, unsere Bewusstheit zu stärken und eine etwas andere Herangehensweise zu wählen. Wir nehmen jetzt nämlich die Beobachterrolle ein, anstatt uns komplett mit unseren Gedanken zu identifizieren.

Du kannst dir das so vorstellen, als wenn du dich in ein Theater setzt und dem wilden Treiben vorne auf der Bühne einmal genauer zusiehst. Du schaust dir das Stück an, du nimmst alles ganz genau wahr, aber du weißt immer, dass du selbst kein Teil dieser Aufführung bist. Du bist derjenige, der in den Zuschauerrängen sitzt.

Anstatt deine Gedanken abschalten zu wollen, kannst du sie so beobachten. Die Herangehensweise vieler Menschen ist, direkt nach dem Betreten des Theaters direkt auf die Bühne zu stürmen und ein Teil des Stückes zu werden. Sie lassen sich voll in die turbulente Handlung hineinziehen und vergessen dabei, dass das alles nur ein Theaterstück ist.

Wenn du bewusst genug für deine eigenen Gedanken geworden bist, so kannst du sie auch verändern. Du hast als Mensch die Fähigkeit selbst zu entscheiden, was du denkst. Glaube bloß nicht, dass es gottgegeben sei, was du denkst und das eine andere Art zu denken “nicht du selbst” wärst. Das stimmt nicht. Du hast dir diese Art zu denken irgendwann einmal angewöhnt.

Somit liegt es in Deiner Hand Deine Gedanken zu beobachten und zu verändern und damit auch Einfluss auf Deine Gefühle zu nehmen und die daraus resultierenden Handlungen zu verändern. Allein schon dieses Bewusstsein und die Erfahrung bzw. Erkenntnis, welche Gedanken für welche Gefühle verantwortlich sind, gibt uns die Möglichkeit so einiges in unserem Leben positiver zu gestalten und gelassener zu nehmen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: