Negative Gefühle in Liebesbeziehungen…

Eine Leserin schrieb:

„Ich wende mich an Euch, weil ich in meiner Beziehung mittlerweile ohne Zuversicht und Energie bin. Lediglich meine innere Stimme und die Überzeugung das Flucht der falsche Weg sei, hält mich davon ab diese zu beenden.

Mein Partner erinnert mich in seinem Verhalten, d.h. in seiner Gestik, Mimik, Verbalität an Menschen unter denen ich gelitten habe. Um genau zu sein, die mich nicht ernst genommen haben in meiner Meinung, Denken, Bedürfnissen, die keine oder nur wenig Rücksicht auf meine Gefühle genommen haben, die mich bevormundet haben oder auch keinen Respekt vor mir hatten (u.a. waren darunter auch Familienmitglieder).

Obwohl ich weiß das mein Partner zu mir steht, mir nichts Böses will und mich liebt (er kennt die oben beschriebene Problematik) schaffe ich es nicht das Vergangene von meinem Partner zu trennen. Oder wie ich es immer sage: Er weckt in mir Assoziationen bzw. negative Emotionen.
Des weiteren kommt noch hinzu, dass ich es nicht fertig bringe über meine Emotionen und Gedanken zu kommunizieren (sobald eine wie oben beschriebene Situation eintrifft), da ich ja aufgrund meiner vergänglichen Erfahrung Angst vor Zurückweisung habe.
Auch aus dem gleichen Grund bringe ich es nicht fertig, meine Wünsche und Bedürfnisse vor ihm zu äußern.

Weitere negative Folgeerscheinungen dieser „Assoziationen“ sind Scham, Neid, Eifersucht.
So fällt es mir sehr schwer mich seinen Freunden zu nähern, sprich ungezwungen vor ihnen sein zu können. Weil auch hier ist die Angst vor Zurückweisung/Demütigung sehr hoch. Auch hier wieder, obwohl ich weiß das ich nichts zu befürchten habe.
Auch begleiten mich gegenüber meinen Partner Ärger und Wut, hervorgerufen oft durch (ungerechtfertigte) Scham und Neid. Weil es mir schwer fällt von ihm einen Rat, eine Be- oder Erklärung anzunehmen, weil meine Assoziationen dann wieder das Gefühl von Bevormundung und Unterlegenheit vermitteln. Und wie es in einem Teufelskreis so ist: Obwohl ich mein Unrecht erkenne, so bin ich außerstande dies zu beenden…“

Liebe beginnt bei Dir

Nur wenn Du Dich selbst so annehmen und lieben kannst, wie Du bist, mit all Deinen guten und vermeintlich schlechten Seiten, mit all Deinen Stärken und Schwächen, nur dann wirst Du auch in der Lage sein ehrlich und aufrichtig zu lieben und kannst von anderen geliebt werden. Selbstakzeptanz und Selbstliebe, einhergehend mit Selbstwert und Selbstvertrauen, sind also der Schlüssel zu einer erfüllten Liebesbeziehung zu Dir selbst und somit auch zu anderen. Was Du über Dich selbst denkst und glaubst, das trägst Du nach außen und auch nur das kann zu Dir zurückkehren.

In Dir sind Glaubensätze verankert, die Du schon als Kind von Deinen Eltern, Großeltern, Geschwistern, Lehrern und Freunden übernommen hast. Sätze wie: „Ich bin nicht gut genug“, „Ich schaffe das nicht“, „Ich bin nicht hübsch genug oder intelligent genug“. Es gibt noch viele weitere, doch kurz gesagt glaubst Du, Du bist nichts, Du kannst nichts und Du wirst auch nie etwas werden. Du vergleichst Dich ständig mit anderen und oftmals schneidest Du dabei schlechter ab. Diese Glaubenssätze führen nicht nur dazu, dass es Dir schlecht geht und Du Dich nicht gut behandelst, sondern das selbe findet auch in Bezug auf andere Menschen statt. Du nörgelst, meckerst, urteilst, kritisierst, wertest ab und beschwerst Dich über alles und jeden. Das führt ganz zwangsläufig zu einem inneren Ungleichgewicht und vor allem dazu, dass Du Dich weit mehr mit dem was andere Denken und tun beschäftigst, als mit Dir selbst. Es ist schließlich auch viel einfacher sich andere Menschen anzusehen und über sie zu urteilen, als bei sich selbst zu bleiben. Viele empfinden, wenn sie das tun, wenn sie sich mit sich selbst beschäftigen, Schuld und Unzulänglichkeit. Sie sehen nur ihre Schwächen und verurteilen sich selbst für die gemachten Fehler, so wie sie es bei anderen auch tun. Doch aus solch einem Denken heraus über sich selbst und andere, kann niemals Liebe entstehen und wachsen.

Liebe beginnt in erster Linie bei Dir. Sich selbst zu lieben ist die Basis für jede funktionierende Beziehung. Denn wie können wir von anderen erwarten uns zu lieben, wenn wir uns nicht mal selbst ausstehen können? Und wie können wir erwarten, dass andere gut zu uns sind, wenn wir uns selbst so schlecht behandeln? Selbstliebe gibt Dir die innere Kraft Deinen ganz eigenen Weg zu gehen und nicht mehr den Weg anderer. Wenn Du Dich selbst liebst, kannst Du über Dich hinauswachsen und Dir stehen alle Tore und Türen offen, um Dich selbst zu verwirklichen und endlich glücklich zu sein.

Sich selbst zu lieben bedeutet, Grenzen setzen zu können, auch mal „Nein“ zu sagen, wenn man etwas nicht tun möchte. Dafür musst Du Dich nicht rechtfertigen. Es bedeutet auch nicht, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen und ab jetzt nur noch egoistisch durchs Leben zu gehen. Es meint nur, dass Du Dir das Recht zugestehst, Deine eigenen Entscheidungen zu treffen und nur das zu tun, was Du möchtest, nicht aber das was andere von Dir erwarten. Wenn jemand mit einer Bitte an Dich herantritt, Du sie aber nicht erfüllen möchtest, dann genügt ein einfaches „Nein“. Du schuldest niemandem eine Erklärung dafür.

Selbstliebe bedeutet gleichermaßen sich selbst treu zu bleiben. Sie bedeutet, dass Du dich so akzeptierst wie Du bist, denn genau so bist Du gut, richtig und wertvoll. Sie bedeutet sich nicht an anderen zu messen oder sich nicht mit ihnen zu vergleichen. Und im Übrigen ist das auch völlig sinnlos, da es keinen zweiten Menschen auf diesem Planeten gibt, der genauso ist wie Du. Jeder Mensch ist einzigartig und das ist auch wirklich gut so. Jeder Mensch, egal wie er ist oder was er tut, hat etwas Liebenswertes an und in sich. Es gilt nur das zu erkennen.

Selbstliebe bedeutet auch, sich nicht zu verbiegen. Nicht im Beruf, nicht in der Partnerschaft, nicht unter Freunden oder innerhalb der Familie. Eben nirgendwo. Selbstliebe bedeutet stets und ständig genau so zu sein, wie Du bist, denn nur so bist Du authentisch und wirst auch von anderen Menschen so wahrgenommen. Wer sagt, dass es Deine Aufgabe ist, die Bedingungen, Wünsche und Bedürfnisse anderer zu erfüllen? Beginne damit auf Deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu achten und Dir selbst diese auch zu erfüllen.

Schatten der Vergangenheit

Die Dinge, die wir in unserer Kindheit erlebt haben, haben uns geprägt und begleiten uns auch noch in unserem Erwachsenen Leben. Es sind Dinge, die uns widerfahren sind, derer wir uns vielleicht gar nicht mehr bewusst sind oder wir sind es doch und können nicht loslassen und verzeihen, weil wir nicht wissen wie und wie wir damit umgehen können. Sie sind die Schatten unserer Vergangenheit und in jedem Fall begleiten sie uns in unserem heutigen Leben und sind die Ursache so mancher Probleme in unseren Liebesbeziehungen, da viele Menschen bewusst oder unbewusst von dem Partner erwarten, er möge ihre Wunden heilen und ihnen das zu Teil werden lassen, was ihnen als Kind gefehlt hat. Zumeist und in erster Linie ist das die Liebe, die wir von unseren Eltern nicht erhalten haben.

Es sind oft Dinge und Situationen aus unserer Vergangenheit, in denen wir uns hilflos und machtlos einem anderen, oft erwachsenen Menschen ausgesetzt gefühlt haben, die heute immer noch unser Denken und Handeln bestimmen. Manchmal erinnern wir uns an diese Dinge gar nicht mehr und fragen uns nur, warum unsere zwischenmenschlichen Beziehungen so problematisch zu sein scheinen. Wir sehen vielleicht bei anderen, dass es so viel anders und besser läuft und fragen uns, warum uns das nicht auch gelingt, was ganz zwangsläufig zu der Schlussfolgerung führt, dass es an uns liegen muss, dass wir nicht richtig sind und das mit uns etwas nicht stimmt. Einige Menschen leben jedoch auch zu sehr in ihrer Vergangenheit. Sie haben die Taten anderer nicht vergessen, doch auch sie werden von diesen in ihrem derzeitigen Leben beeinflusst und sogar qualvoll heimgesucht. Es sind zumeist Dinge, die uns haben Schmerz fühlen lassen und die in uns ein Gefühl der Ohnmacht auslösten. So sind wir sehr darum bemüht, dafür zu sorgen, dass uns heute so etwas nicht mehr widerfahren kann. Wenn es uns jedoch nicht gelingt, andere Menschen davon abzubringen uns genauso schlecht zu behandeln, dann spüren wir diese Ohnmacht erneut und glauben, dass wir einfach nichts dagegen tun können.

Wenn wir die Probleme in unserer Partnerschaft gern lösen möchten und einen gemeinsamen Weg finden möchten, wo beide sich in ihrer Haut wohl fühlen, dann müssen wir zuerst einmal aufhören den anderen anzuklagen, zu beschuldigen und zu verurteilen. Wir sollten ganz bei uns bleiben und herausfinden, wie diese Problem überhaupt entstanden sind. Oft geben wir dem anderen daran die Schuld, dass es uns in unserer Beziehung nicht gut geht und sagen ihm ganz offen, dass er schuld daran ist. Wir glauben, dass wenn er viele Dinge nicht gesagt oder getan hätte, dann wären wir nicht gekränkt und verletzt. Doch das ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist, dass in unserem Erwachsenen Dasein niemand mehr die Macht und die Möglichkeit hat uns zu verletzen und Schmerzen zuzufügen.

Der erste Schritt wäre also, sich seiner eigenen Worte und Taten bewusst zu werden. Wir können lernen, dass die Verantwortung dafür ganz bei uns liegt und sollten dies anerkennen. Immer nur zu jammern und uns über den anderen zu beklagen, bringt uns kein Stück weiter, denn wir können uns nur selbst ändern, nicht aber den anderen. Auch können wir unsere Macht und Kontrolle über uns selbst wieder übernehmen, denn wir haben tausende Möglichkeiten mit solch schwierig erscheinenden Situationen umzugehen. Wir können uns frei entscheiden, was wir tun möchten. Wir können Grenzen setzen, wir können Kommunikation führen, wir können somit klar und deutlich äußern, was wir möchten und was nicht. Wir können sagen, was wir bereit sind zu tun und was eben nicht und wir können in einer nicht fordernden Haltung dem anderen gegenüberstehen und sagen, was wir uns wünschen. Wir können mit gutem Beispiel vorangehen, dem anderen Respekt und Wertschätzung entgegenbringen, was jedoch nicht gelingt, wenn wir weiterhin in der Opferrolle verharren. So sind wir nämlich nicht mehr in der Lage das gute in dem anderen zu sehen und vielleicht auch seine Bemühungen.

Aus der Opferrolle heraus sehen wir nur alles schwarz und fühlen uns schwach. Die Stärke jedoch, die wir brauchen, liegt in uns selbst und diese gilt es erst einmal zu erkennen. Wir können beginnen uns selbst wertzuschätzen und unsere guten Seiten zu sehen. Wir können uns eingestehen, dass wir nicht vollkommen und fehlerfrei sind und dass wir trotzdem genauso gut und richtig sind. Wenn wir dazu in der Lage sind, dann können wir auch anderen Menschen zugestehen, dass sie ebenfalls Fehler machen, doch ohne sie dafür zu verurteilen. Wir können verstehen, warum der andere sich in der ein oder anderen Situation ganz anders verhält, als wir es vielleicht getan hätten und können ihm gleichzeitig dieses anderssein „erlauben“, ohne verletzt, gekränkt oder wütend zu sein.

Es gibt unzählige Möglichkeiten den Problemen in einer Liebesbeziehung zu begegnen und etwas zu verändern. Jedoch nicht, wenn wir uns als Opfer sehen, denn dann werden wir den Kreislauf aus Problemen und Streit nicht durchbrechen können. Wir werden uns stetig mit dem Gedanken befassen uns zu trennen, doch sollten wir uns fragen, ob wir bereit waren in unseren Bemühungen alles Erdenkliche zu tun, dass es in unserer Liebesbeziehung wieder bergauf gehen kann. In jeder Partnerschaft gibt es „Gute und Schlechte Zeiten“. Jedes lang verheiratete Paar berichtet davon, in jeder langjährigen Partnerschaft findet man die ein oder anderen Probleme. Trennung ist jedoch erst dann eine Überlegung wert, wenn man zuvor alles andere bereits versucht hat. Es gab schließlich Zeiten, als man sich in den anderen verlieben konnte und unendlich viel Gutes an ihm fand. Einen Grund also, warum man mit diesem Menschen zusammen ist und eben nicht mit einem anderen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: