Wut und die Vergänglichkeit…

Wut ist wohl eines der negativen Gefühle, die wir empfinden können, mit den weitreichendsten Konsequenzen, wenn wir nicht lernen achtsam mit ihr umzugehen. Dabei gibt es für meine Begriffe verschiedene Formen von Wut, sowie verschiedene Intensitäten, bzw. Abstufungen. Auch geht jeder für sich selbst mit Wut anders um, denn es gibt diejenigen von uns, die ihre Wut gar nicht wirklich spüren können und sie als erlernte Strategie der Kindheit einfach beiseite schieben und diejenigen, die dieses Gefühl so intensiv wahrnehmen, dass sie glauben von der Wut beherrscht und kontrolliert zu werden und noch nicht mal etwas dagegen tun zu können, zumindest wissen sie nicht wie.

In beiden Fällen ist die Wut weder gut für uns noch für andere, denn wenn wir sie ständig herunterschlucken und in uns hinein fressen, dann kann das ziemlich gravierende psychische, sowie auch körperliche Folgen haben, in Form von ernsthaften Erkrankungen. Diese zwingen uns dann förmlich dazu, uns mit genau diesem Thema auseinander zu setzen und genauer hinzusehen.

Im zweiten Fall, nämlich der unkontrollierten Wut, sieht es aber nicht viel besser aus. Seiner Wut freien Lauf und sie heraus zu lassen, ist in den meisten Fällen eher kontraproduktiv, denn oftmals veranlasst sie uns dazu Dinge zu tun und zu sagen, die uns später leid tun. In jedem Fall schaden und verletzen wir damit nicht nur andere, sondern in erster Linie uns selbst. Mit den aus Wut entstandenen Missetaten kommen nämlich die Schuldgefühle und da wir nicht wissen, wie wir die Wut kontrollieren können oder gesund für uns und andere damit umgehen können, bewegen wir uns in einen Teufelskreis, denn die nächste Situation wird kommen, die uns erneut wütend werden und außer Kontrolle geraten lässt.

Nun ist natürlich jeder Mensch anders und wenn wir davon sprechen, außer Kontrolle zu geraten, dann stellt sich jeder den schreienden Koleriker, der stets und ständig wegen jeder Kleinigkeit am ausrasten ist und gleich im selben Augenblick, will uns unser Ego weis machen, dass wir ja nicht so sind, also ist es mit unserer Wut auch nicht so schlimm. Das dient dazu, dass wir uns nicht so anders fühlen und glauben halbwegs normal zu sein. Dennoch leiden wir, denn jedes einzelne Mal, wenn wir diese Wut spüren, bekommen wir Angst und wissen einfach nicht, was wir tun sollen.

Wut ist ein so beängstigendes und starkes Gefühl, dass wir sehr bemüht darum sind es immer und immer wieder möglichst schnell wieder loszuwerden oder es gar nicht erst aufkommen zu lassen. So behandeln im übrigen die meisten von uns all ihre negativen Gefühle. Alles schöne wollen wir erleben und wahrnehmen, doch alles negative darf von uns fern bleiben und damit wollen wir nichts zu tun haben und uns schon gar nicht damit auseinandersetzen.

Natürlich spielt auch die Situation in der wir uns befinden oder die Person die vor uns steht und auf die wir wütend sind eine entscheidende Rolle. Je näher uns die Menschen stehen, je m ehr Gefühle wir ihnen entgegen bringen, desto intensiver spüren wir das Gefühl Wut und desto schwerer fällt es uns sie auch wieder loszulassen. Das liegt zum einen daran, dass uns Wut eine klare Sicht auf die Dinge vernebelt und es uns quasi unmöglich macht einen neutralen und hilfreichen Gedanken zu fassen. Schließlich sind wir mitten drin, fühlen uns angegriffen, zu unrecht kritisiert, schlecht behandelt oder auf sonst eine Weise schlecht und der Ungerechtigkeit ausgeliefert. Mit der Wut geht nämlich schnell auch Verzweiflung und Hilflosigkeit einher, da wir weder an einer vergangenen Situation etwas ändern können, noch an dem Denken und Handeln eines anderen Menschen und so fühlen wir uns Hilflos und mit der Wut allein gelassen.

Des weiteren sind wir oft nicht in der Lage, die Wut als ein Gefühl, denn mehr ist es eigentlich nicht, auch wieder gehen zu lassen. All unsere Gefühle, sowie auch unsere alltäglichen Situationen sind vergänglich, nur haften wir ihnen immer an. Bei all unseren schönen Gefühlen tun wir das sehr gern, denn wir wollen uns ja, möglichst rund um die Uhr, gut und glücklich fühlen. So schwelgen wir in Erinnerungen, über den letzten Urlaub, eine gute Party, den schönen Sommerspaziergang und trauern all diesen schönen Dingen hinterher, wenn wir sie gerade nicht haben können.

Genauso ist es mit der Wut auch. Wenn wir sie aufkommen lassen würden, sie als solche wahrnehmen und kurz hinschauen, woher sie eigentlich kommt und was sie uns sagen will, wenn wir also kurz innehalten und uns die Zeit nehmen durchzuatmen und dieses Gefühl nur wahrzunehmen und sonst einfach nichts tun, dann wären wir auch recht schnell in der Lage sie weiterziehen und vergehen zu lassen. Stattdessen haften wir ihr an. Zuerst suchen wir uns einen Schuldigen, den wir dafür verantwortlich machen, denn schließlich muss ja jemand Schuld daran sein, weil wir glauben er hat uns wütend gemacht. Das liegt daran, dass nur wenige Menschen die Verantwortung für ihre eigenen Gefühle übernehmen und somit auch nicht in der Lage sind für sie zu sorgen. Wenn wir wütend sind ist es auch umso schwerer einen klaren Gedanken zu fassen, was die Sache natürlich nicht erleichtert.

Nachdem der Schuldige, der für unsere Wut verantwortlich ist nun also feststeht, durchleben wir die Situation bzw. das Unrecht, welches wir glauben erfahren zu haben immer und immer wieder in unseren Gedanken und überlegen uns, was wir hätten sagen oder tun können, um das Ganze zu vermeiden. Wir ärgern uns dann vielleicht zusätzlich noch über uns selbst, weil wir nicht gleich das richtige gesagt oder getan haben und es uns später erst einfiel. Oder wir ärgern uns, weil wir spontan reagiert haben, genau über das, was wir gesagt oder getan haben, weil wir vielleicht einem anderen gegenüber damit sehr ungerecht waren. Auf diese Weise werden wir unsere Wut aber nicht loswerden, sondern sie steigert sich und entweder führt das zu der Sprichwörtlichen Explosion oder für die unter uns, die immer alles in sich hineinfressen, sie werden wegen einer Kleinigkeit ausrasten, die kein Mensch nachvollziehen kann oder laufen ständig schlecht gelaunt und zornig durch die Gegend, denn das Gefühl ist letztendlich da und so oder so wird es ohne unser dazu tun auch nicht verschwinden.

Tja und nun?

Mit seinen eigenen Gefühlen umgehen zu können und für sie Verantwortung zu übernehmen, ist kein Prozess, der von heute auf morgen geschieht. Es ist meist ein langer Weg und erfordert auf jeden Fall die Bereitschaft an sich selbst zu wachsen und immer wieder zu lernen. Jeden Tag aufs neue. Haben wir auch einmal die Situation gemeistert und unsere Wut in den Griff bekommen, bedeutet das nicht, dass wir es geschafft haben und von da an nie mehr etwas tun müssen. Die nächste Situation kommt, so wie es sicher ist, dass der nächste Tag kommt und jedes Mal wird es anders sein, mal schwerer und mal leichter, doch je mehr wir lernen und je öfter wir üben, des so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir es annähernd jedes Mal gut meistern können.

Dazu gehört auch sich Rückschläge zu verzeihen, immer bemüht zu sein, sein Bestes zu geben, aber trotzdem nicht aufzugeben und sich selbst zu verurteilen, wenn wir doch mal wieder anders reagiert haben, als wir es uns vorgenommen haben oder von uns selbst erwartet hätten.

Wenn wir wütend sind, können wir uns frei entscheiden. Der Buddha sagt dazu zwei Dinge:

„Wut ist wie eine glühende Kohle, die wir in die Hand nehmen und nach jemandem werfen. Wir verletzen uns nur selbst.“

Und…

„Wenn Du wütend bist, sage und tue gar nichts…“

Letzteres halte ich für einen  sehr weisen Rat, denn Wut ist kein guter Berater. Wenn wir Wut spüren, dann können wir uns entscheiden inne zu halten und zu schauen, woher diese Wut kommt. Oftmals hat es nämlich gar nichts mit unserem Gegenüber zu tun, sondern resultiert aus vergangenen Erfahrungen und Ereignissen, gar aus Erlebnissen unserer Kindheit, als wir wirklich noch hilflos und machtlos anderen Menschen ausgeliefert waren. Dazu gehört aber auch, dass wir uns entscheiden ganz bei uns zu bleiben und die Verantwortung für das in uns entstandene Gefühl zu übernehmen. Ob der andere auch wütend ist oder was er gesagt und getan hat, spielt dabei keine Rolle, denn das Gefühl Wut, mit dem wir zu kämpfen haben, befindet sich in uns. Wir können uns entscheiden, das Gefühl der Wut genauso anzunehmen, wie wir das mit allen schönen Gefühlen auch tun. Es ist da und es gehört dazu. Wie sollten wir den Freude, Glück und Liebe empfinden können, ohne auch deren Gegensätze zu kennen und ohne das eine kann das andere nicht bestehen. In letzter Konsequenz ist es auch nur eine Gefühl und genauso vergänglich wie alle anderen Gefühle auch. Ich zumindest kenne keinen Menschen, der 24 Stunden am Tag rund um die Uhr glücklich ist, sowie ich auch keinen kenne, der genauso lange wütend ist.

Im Internet findet man jede Menge Sofortmaßnahmen, darüber, was man alles tun kann, wenn man wütend ist und dafür, dass die Wut so schnell wie möglich verschwindet. Ich glaube jedoch, sie alle funktionieren nur bedingt, was abhängig von jedem einzelnen Menschen ist, denn wir sind alle verschieden. Was wie ich glaube aber wirklich funktioniert ist achtsam zu sein. Achtsam auf die eigenen Gedanken zu achten, die wir so denken, wenn wir wütend sind und diese Gedanken denken wir dann nicht nur einmal, sondern hundert oder tausend Mal. Wer sich selbst schon einmal beim Denken zugehört hat, der weiß wovon ich rede. Immer und immer wieder könnten wir dem vermeintlichen Verursacher unserer Wut sonst was antun und wünschen ihm alles Mögliche an den Hals. Doch genügt es nicht, wenn wir das einmal tun oder auch zwei oder fünf Mal und können wir das nicht beim Paprika schneiden fürs Abendessen tun, ganz still heimlich und leise, wo wir niemandem damit schaden oder ihm weh tun?

Sind wir denn sicher, dass alles was wir darüber denken wirklich richtig ist? Ist unsere Sichtweise die einzig richtige? Hat der andere das denn wirklich mit Absicht getan oder hat unsere Verletztheit nicht ihren Ursprung ganz woanders, vielleicht sogar in einer Begebenheit, die wir lange vergessen hatten?

Und wenn wir das alles so durchdacht haben und für uns selbst gesagt haben, was wir zu sagen hatten, dann können wir uns entscheiden loszulassen. Die Wut an sich, die Situation oder den Menschen, der sie in uns hervorgerufen hat und alle Gedanken, die damit zusammen hängen. Von unserer Wut können wir lernen, viel über uns selbst, von dem was wir in uns tragen und noch zu bewältigen haben, denn sind wir erwachsen, gibt es niemanden mehr, der uns Schmerzen zufügen kann. Das tun ganz allein wir und das zu erkennen, sich mit dem auseinanderzusetzen und damit zu arbeiten, jeden einzelnen Tag, erfordert doch schon jede Menge Mut und verdient Respekt. Wer von uns ist schon stets und ständig in der Lage immer bei sich selbst zu bleiben und dort die Türen zu öffnen und genau hinzusehen?

Wäre das immer ganz leicht, würde es keine intensive Arbeit bedeuten und würde jeder von uns das so praktizieren, immer und überall, dann hätten wir im Handumdrehen eine bessere Welt geschaffen so glaube ich.

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