Innere Unzufriedenheit, eine Belastungsprobe für Beziehungen…

Langanhaltende innere Unruhe und Unzufriedenheit, sind nicht nur für den Betroffenen quälend, sondern ebenso für sein Umfeld, insbesondere die Menschen, die uns lieben oder Nahe stehen.

Ab und zu Mal schlecht gelaunt zu sein ist etwas anderes, denn niemand kann täglich mit einem Dauergrinsen im Gesicht durchs Leben gehen und so tun, als würden rosa Wolken und bunte Blümchen um uns herum schweben. Doch eine tiefsitzende innere Unzufriedenheit, kann bisweilen wirkliche Probleme verursachen, besonders dann, wenn wir nicht hinhören oder hinsehen und Ihrer Ursache nicht auf den Grund gehen.

Dort beginnt jedoch schon das Dilemma, denn nur wenige Menschen sind tatsächlich in der Lage ihren Gefühlen nachzuspüren und wenn es sich dann auch noch um solch negative handelt, beginnen wir in erster Linie die Schuld bei anderen zu suchen. Wir glauben schließlich, dass unsere innere Unzufriedenheit ihre Ursachen nur im Außen haben kann und gerade in unseren Liebesbeziehungen kann dies zu fatalen Problemen führen. Wir sind nicht gut drauf und nicht nur, dass wir beginnen den anderen zu beschuldigen, wir tendieren oftmals dazu unsere schlechten Gefühle an ihm auszulassen, da wir uns nichts sehnlicher wünschen, als dass es uns besser ginge. Wir kritisieren und klagen an, allein schon unser Gesichtsausdruck, wenn wir oder unser Partner nach Hause kommen, spricht Bände und bei manchen gewinnt man den Eindruck, dass sie glauben, wenn es ihnen nicht gut geht, dann darf es dem anderen auch nicht gut gehen.

Wir versprühen schlechte Stimmung, brechen einen Streit vom Zaun, neiden dem anderen seine gute Laune oder sein glücklich sein, da wir uns ja so elend fühlen. In der Regel gibt es auch immer etwas das wir an dem anderen finden können, um unserem Frust freien Lauf zu lassen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Hält der Zustand der inneren Unzufriedenheit eine Zeit lang an, dann neiden wir anderen Menschen vielleicht nicht nur ihr glücklich sein, sondern auch ihre Erfolge und statt sie in ihren Tun zu unterstützen, boykottieren wir alles am anderen, dass dazu beiträgt, dass er sich wohl fühlt. Eine echte Belastungsprobe für jede Liebesbeziehung, aber auch andere Bereiche des Lebens, wie Freundschaften, Geschäftsbeziehungen oder auch die zu unseren Kindern und anderen uns nahe stehenden Menschen.

Wenn wir dann nach einiger Zeit merken, dass wir mit unserem ständigen Genörgel überall auf Gegenwehr und Probleme stoßen, dann sollten wir denen, die uns offen ihre Sicht mitteilen dankbar sein, denn sie sind unser Spiegel und wir können beginnen, uns mit uns selbst zu beschäftigen und herauszufinden, was wir denn nun eigentlich brauchen und wollen. Das gelingt uns jedoch nur, wenn wir aufhören andere zu beschuldigen und die Verantwortung für uns, unser Leben und unsere Gefühle zu übernehmen, statt von anderen zu erwarten, dass sie irgendetwas tun, um das wir uns besser fühlen.

An sich ist innere Unzufriedenheit nichts Schlechtes. Sie zeigt dir, dass es Zeit ist, dein Leben zu verändern, dass du so nicht mehr zufrieden bist und dass etwas getan werden muss.

Eigentlich ist Unzufriedenheit also sehr hilfreich.

Das Problem ist nur, dass sich innere Unzufriedenheit häufig total schwammig äußert. D.h. obwohl sie ihren Ursprung in einen oder zwei ganz konkreten Bereichen hat, schwappt sie auch auf alle anderen Bereiche deines Lebens über.

Unzufriedenheit, Probleme und Leiden entstehen also, wenn die erlebte Wirklichkeit mit dem Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit zusammenfällt. Damit ist klar, dass wir um die Unzufriedenheit zu beenden mit Wünschen, Wollen und Hoffen aufhören müssen.

Man könnte denken, dass dies ein Aufruf sei, sich fatalistisch seinen Problemen zu ergeben und passiv alles zu erdulden. Aber Probleme dürfen natürlich gelöst werden. Der Durstige soll und muss trinken. Wir können konkret über äußere Lösungen nachdenken. Wir dürfen bloß psychisch nicht versuchen, diesem Moment zu entfliehen.

Wenn wir diesen Moment zumindest solange er da ist, voll akzeptieren, hört der Widerstand gegen ihn auf. Damit hört auch die leidvolle Spannung auf. Was bleibt, ist dieser reale Moment und auch wenn er sich gerade unangenehm anfühlt, ist es von der Natur eigentlich geplant, dass wir ihm begegnen, ihn integrieren und an ihm wachsen.

Das mehr oder weniger subtile Vermeiden dieses Moments, bzw. das Suchen nach einem besseren, ist uns im Alltag derart zur Gewohnheit geworden, dass unser Verstand nicht mehr still steht. Er ist unaufhörlich in Bewegung, sucht, vergleicht, bewertet, kommentiert – und wiederholt dabei dieselben alten Gedanken jeden Tag hundertmal.

Diese Geschäftigkeit soll verhindern, dass wir diesen Moment wirklich erleben. Wir haben uns unbewusst, zerrissen und rastlos gemacht. Selbst bei schönen Momenten wüten die Gedanken, terrorisieren uns, machen uns Vorwürfe, treiben uns an. Innerer Frieden und Stille sind uns gänzlich unbekannt geworden.

Dabei müssen wir bloß mit dem Wollen, dem Suchen aufhören um Stille zu finden. Einfach diesem Moment nackt begegnen. Ihn so annehmen wie er sich gerade zeigt. Mit ihm in Frieden sein.

Das Leben ist hier und jetzt. Es ist das einzige, was existiert. Es ist unmöglich, dass irgendetwas außerhalb des gegenwärtigen Augenblicks geschieht oder ist. Alles, was in der Vergangenheit geschah, ist damals im Jetzt geschehen. Und alles, was je in der Zukunft geschehen wird, geschieht dann dort im gegenwärtigen Augenblick. Doch die meisten Menschen leben fast ausschließlich in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

Durch das Leben in der Vergangenheit können wir unsere Identität, unser Ich-Gefühl, also das Ego stärken. Wir schwelgen vielleicht in schönen Erinnerungen an vergangene Erlebnisse, an alle unsere tollen Errungenschaften. Oder es plagen uns Gedanken darüber, wie wir hätten besser handeln können. Wären wir doch bloß nicht an diesem sondern an jenem Ort gewesen! Hätten wir nur das nicht gesagt, sondern uns anders ausgedrückt! Hätten wir doch besser in dieser Weise gehandelt und nicht in derjenigen, die uns zu dem jetzigen Leben geführt hat! Dann wären wir mit unserem Leben bestimmt nicht so unzufrieden, dann wäre unser Leben jetzt wohl viel besser und viel leichter.
Offensichtlich stimmt das nicht.

Das Leben, das auf die Zukunft ausgerichtet ist, kann uns mit Hoffnung erfüllen und verspricht uns möglicherweise die Erlösung von allen unseren Schmerzen, Sorgen und Nöten, denen wir momentan ausgesetzt sind. Oder wir befürchten eine Verschlechterung unserer Lebenssituation in der Zukunft. Wir sorgen uns beispielsweise um unsere Gesundheit, unsere finanzielle Situation im Alter oder den Erhalt unserer Beziehungen. Wir glauben zum Beispiel: Wenn wir dieses oder jenes erreicht haben, dann werden wir glücklich sein.
Auch das ist eine Fehleinschätzung. Das Glück kann eben nur im gegenwärtigen Augenblick erfahren werden.

Alleine in der Gegenwart findet das gesamte Leben statt, nur hier können wir leben und handeln. Unser Leben ist und war immer jetzt. Und für das spirituelle Leben ist dieses Jetzt von immenser Bedeutung. Denn nur über den gegenwärtigen Augenblick können wir den Zugang zum inneren Sein, zu unserem wahren Selbst erhalten.

„Unser wahres Zuhause ist der gegenwärtige Augenblick. Wenn wir wirklich im gegenwärtigen Augenblick leben, verschwinden unsere Sorgen und Nöte und wir entdecken das Leben mit all seinen Wundern. „

Thich Nhat Hanh (buddhistischer Mönch, Schriftsteller und Lyriker)

One Comment on “Innere Unzufriedenheit, eine Belastungsprobe für Beziehungen…

  1. Ich habe eine Freundin, die ist auch immer eher unzufrieden, obwohl die Umstände ihres Lebens sich in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch geändert haben: Aber ob mit belastenden Partner, ohne Partner oder mit nettem Partner, im Job nicht anerkannt oder mit Beförderung – der Unzufriedenheitsgrad ist gefühlt immer gleich. Voll schade… Steht sich da voll selbst im Weg.

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