Achtsamkeit auf unsere Gedanken…

Wir denken jeden Tag die unterschiedlichsten Gedanken und davon tausende. Wenn wir morgens aufwachen, denken wir, den ganzen Tag lang denken wir und wenn wir zu Bett gehen und schlafen wollen, denken wir auch. Wir denken bei allen möglichen Aktivitäten, bei der Arbeit, beim Putzen, beim Fernsehen, beim Autofahren, selbst beim Zähne putzen oder Lesen. Jeder von uns hat sich sicher schon einmal dabei erwischt, wenn uns beim lesen auffällt, dass wir gar nicht wissen, was wir gerade gelesen haben und die letzten Seiten noch einmal lesen müssen, weil wir mit den Gedanken woanders waren.

Bei all der Denkerei ist uns jedoch gar nicht bewusst, dass wir nicht über zig verschiedene und immer neue Sachen nachdenken, sondern häufig über die selben Dinge. Vom Eintel zum tausendstel und andersrum. Wir machen uns Sorgen über die Zukunft, denken darüber nach, was wir noch alles zu erledigen haben, grübeln darüber, was wir gestern vielleicht nicht richtig gemacht haben oder wo wir uns hätten anders verhalten sollen, ärgern uns über andere Menschen und denken darüber nach, wie er oder sie nur dazu kamen so etwas zu sagen oder zu tun oder wir machen uns Sorgen über unseren Arbeitsplatz, um die Kinder, um unsere Liebesbeziehung usw. Wenn wir uns zu einer bestimmten Sache Gedanken machen, tun wir das aber nicht nur einmal und dann ist es gut. Wir durchlaufen diese Situation in unseren Gedanken mehrfach und wiederholen sie immer wieder.

Was wir jedoch nicht bedenken, ist, welche Auswirkungen unsere Gedanken auf unsere Gefühle haben und somit auf unser Wohlbefinden. Unsere Gedanken können darüber entscheiden und sind dafür verantwortlich, ob wir traurig, wütend, zornig, glücklich, zufrieden oder unzufrieden sind. Viele von uns sind sich ihrer Gedanken nicht bewusst, da sie nie gelernt haben ihnen zuzuhören und so haben wir auch nicht mehr die Macht und die Kontrolle etwas daran zu verändern oder auch mit unseren daraus entstandenen Gefühlen gut umzugehen und diese zu verändern.

Nehmen wir ein Beispiel:

Wir haben uns mit unserem Partner, unserer Partnerin gestritten. Selten erfolgt sofort nach dem Streit ein konstruktives Gespräch oder sehen wir uns in der Lage uns dem anderen zu erklären. Das ist auch gar nicht möglich, da wir in solchen Situationen voller Emotionen stecken und dann nicht in der Lage sind, uns neben uns zu stellen und die Situation objektiv zu betrachten. Wir machen Vorwürfe, klagen an, urteilen und richten, wir sind also voll in unserem Ego.

Dazu kommt, dass wir das, was wir denken und unsere Sichtweisen für die einzig richtige Sicht- und Denkweise halten und somit für die Wahrheit. Wir versuchen also den anderen davon zu überzeugen, dass nur das was wir denken und tun richtig sein kann und sind wütend darüber, dass der andere nicht das gesagt oder getan hat, was wir gesagt oder getan hätten. Wir werfen ihm vor, dass er uns verletzt hat, ohne uns zu fragen, ob er das wirklich mit Absicht getan hat und ohne zu überlegen, ob er vielleicht eine andere Sichtweise haben könnte, die genauso richtig ist wie unsere.

Doch wenn wir anklagen und dem anderen die Schuld an unseren Gefühlen zuschieben, ihn dafür verantwortlich machen und sagen, dass sein Verhalten die Ursache dafür ist, dann geben wir die Verantwortung für uns und die Kontrolle über unser Denken ab. Wir fühlen uns hilflos und glauben, dass wir nichts ändern können und das wir somit anderen quasi ausgeliefert sind, da wir keinen Einfluss darauf haben, was andere Menschen sagen oder tun.

Achtsamkeit auf die eigenen Gedanken und welchen Einfluss sie auf unsere Gefühle haben, kann man jedoch lernen. Wir können jeden Tag üben und uns immer wieder die Zeit nehmen unsere Gedanken zu beobachten. Das ist anfangs gar nicht so leicht, da wir schnell unsere Achtsamkeit verlieren und uns den Situationen, an die wir denken hingeben und bei dem Bühnenschauspiel mitspielen.

Wir verstricken uns in den Gedanken, die wir denken und erleben so bestimmte Situationen immer wieder neu oder diskutieren mit Menschen, die gar nicht da sind, weil uns klar wird, was wir alles hätten tun und sagen können oder weil wir uns ausmalen, was wir tun und sagen werden, wenn diese Situation noch einmal entsteht oder auch andere Situationen, von denen wir glauben, dass sie so ablaufen werden. Jedoch können wir das noch gar nicht wissen.

Wir können uns jeder Zeit frei entscheiden, was wir denken möchten und ob wir glauben möchten, dass wir unsere Gedanken sind oder dass es eben nur Gedanken sind. Gedanken kommen und gehen, genauso wie die Gefühle. Wir können uns entscheiden, sie zu denken, sie zu betrachten, vorbeiziehen zu lassen, ohne jegliche Wertung und dann die nächsten Gedanken zu beobachten.

Wenn wir unsere Achtsamkeit immer wieder auf unsere Gedanken lenken, so können wir auch etwas über unsere Gefühle lernen, nämlich welche Gedanken zu welchen Gefühlen führen.

Wenn uns unser bester Freund erzählt, dass er sich neu in seine Freundin verliebt hat, nachdem es monatelang Streit gab, sowie eine Trennung, unter der er sehr gelitten hat und wir die ganze Zeit mit ihm durchgestanden haben, kann das folgende Gefühle bei uns hervorrufen:

  • Ich freue mich!
  • Ich werde wütend!
  • Ich bin traurig und verletzt!

Wieso so viele und so unterschiedliche Emotionen, weil jeder von uns anders darüber denkt.

Alle Reaktionen sind völlig nachvollziehbar, wenn wir die entsprechenden Gedanken dazu kennen und verstehen. Also, wie lauten die Gedanken, die diese Gefühle in uns hervorrufen?

  • Ach ist das schön! Endlich hat er einen Entschluss gefasst und muss sich nicht mehr so mit der Entscheidung quälen. Und meine intensive Beratung in den letzten Monaten hat garantiert dazu beigetragen. Ich konnte ihm also helfen…. Jetzt kann er endlich wieder rundum glücklich sein und ich bekomme einen positiven, fröhlichen Freund, mit dem ich mal über was anderes reden kann als nur über Krisen und Stress.

Freude!

  • Das kann ja wohl nicht wahr sein. Jetzt hab ich mir die ganzen Monate angehört, wie schlecht es ihm geht und wie unzufrieden er ist und jetzt geht er wieder zu ihr zurück? Und ich war die ganze Zeit für ihn da und habe ihn aufgefangen, wenn sie sich mal wieder gestritten haben. Und was hab ich jetzt davon? Jetzt werden sie wieder ein Herz und eine Seele und verbringen ein Kuschelabend nach dem nächsten miteinander und ich kann sehen wo ich bleibe. Und das nach allem, was ich für ihn gemacht habe…

Ärger/Wut!

  • Sie kommen also wieder zusammen… Hmm. Was, wenn er mich jetzt nicht mehr braucht? Jetzt kann er schließlich wieder alles mit seiner Freundin besprechen, was er vorher mit mir besprochen hat? Und was, wenn er jetzt wieder am liebsten Tag und Nacht mit ihr verbringen will, anstatt mit mir? Ich will ihn nicht verlieren. Ich brauche ihn doch…. Aber jetzt bin ich einfach nicht mehr die wichtigste Person für ihn. Ich werde damit klarkommen müssen, dass es zwischen uns nie wieder so sein wird, wie es mal war.

Trauer!

Wenn wir jeden Tag üben, dann werden wir mit der Zeit die Zusammenhänge zwischen unseren Gedanken und den daraus resultierenden Gefühlen erkennen und haben so auch die Möglichkeit Einfluss zu nehmen. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir uns in Gedanken alles schön reden sollen, um keine unangenehmen Gefühle hervorzurufen. Doch wir können uns bewusst werden, dass negative Gedanken und Bewertungen, denn in der Regel sind es nur unsere Bewertungen zu negativen Gefühlen führen, so wie positive Gedanken und Bewertungen zu positiven Gefühlen führen.

So wie wir wissen, dass wir andere Menschen nicht ändern können und jeder für sich selbst verantwortlich ist, so können wir lernen ein neutraler Beobachter unserer Gedanken zu werden, der nicht urteilt und nicht wertet. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Das was wir denken, sind unsere Gedanken, resultierend aus unseren Erfahrungen, Sichtweisen und Werten. Das bedeutet jedoch nicht, dass das was wir denken die absolute Wahrheit ist und so kann das was ein anderer Mensch denkt völlig unseren Überzeugungen widersprechen und dennoch richtig sein, denn es sind seine Überzeugungen, Gedanken, Sichtweisen und Erfahrungen. Durch Kommunikation miteinander können wir diese auf einen Nenner bringen und können frei entscheiden, wen wir in unserem Leben haben möchten und wen nicht, wer zu uns passt und wer nicht. Ändern können wir das Denken eines anderen jedoch nicht, denn wir haben nur Einfluss auf das, was wir denken.

In der nachfolgenden kurzen Geschichte können wir unsere Entscheidungsfreiheit erkennen, darüber ob wir immer nur negativ denken und bewerten wollen oder ob wir uns entscheiden in so vielen Situationen wie möglich das positive zu sehen und ohne jegliche Wertung unsere Gedanken wahr zu nehmen und dahingehend zu beeinflussen, dass wir uns glücklicher und zufriedener fühlen.

Die Legende vom weißen und schwarzen Wolf

Ein alter und weiser Indianerhäuptling sitzt eines Abends am Lagerfeuer im Tipi mit einem seiner Enkelsöhne beisammen und erzählt ihm über seine Erfahrungen im Leben:

„Im Leben eines jeden Menschen gibt es zwei innere Wölfe, den weißen und den schwarzen Wolf. Beide ringen und kämpfen seit ewigen Zeiten miteinander um die Vorherrschaft in uns und damit in der Welt und werden dies auch in Zukunft weiter tun.

Den einen Wolf nennen wir Menschen böse oder auch falsch. Er steht für all die dunklen, schattenhaften Anteile in uns und arbeitet mit Trennung, Angst, Schuld, Selbstmitleid, Verleugnung, Unterdrückung, Betäubung, Depression, Isolation, Zwietracht, Egozentrik, Geltungssucht, Eifersucht, Neid, Gier, Maßlosigkeit, Habsucht, Genusssucht, Überheblichkeit, Intoleranz, Fanatismus, Dogmatismus, Zwang, Verhärtung, Erstarrung, Vorurteil, Verachtung, Destruktivität, Feindschaft, Wut, Gewalt und Hass.

Den anderen Wolf nennen wir Menschen gut oder auch richtig. Er nutzt Verbindung, Vertrauen, Offenheit, Liebe, Großzügigkeit, Wohlwollen, Güte, Verständnis, Mitgefühl, Freundschaft, Friedfertigkeit, Rücksicht, Demut, Gelassenheit, Wahrhaftigkeit, Hoffnung, spielerische Heiterkeit und Freude ebenso wie Flexibilität, Wandlungsbereitschaft, Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Autonomie, Klarheit für Einsicht, Kritikfähigkeit, Maßhaltigkeit, Selbstbeherrschung, Verlässlichkeit, Mut, dynamische Tatkraft, Zielorientierung, Visionen, Willensstärke und Durchhaltevermögen.“

Der Enkel schaut nachdenklich in die züngelnden Flammen des auflodernden Feuers. Funken steigen auf und verlieren sich im Nachthimmel. Nach einer langen Weile fragt er seinen Großvater:

„Und welcher der beiden Wölfe wird gewinnen, Großvater?“

Und der alte Häuptling schaut ihn eindrücklich an und entgegnet:

„Der wird letztendlich gewinnen, den du am häufigsten fütterst!

2 Comments on “Achtsamkeit auf unsere Gedanken…

  1. Sehr guter Artikel und sehr schöne Geschichte, der ich über einem lieben Exfreund begegnet bin. Der mich übrigens völlig auseinander analysiert hat und sich selbst auch… Bei mir kommt Achtsamkeit glaube ich mehr aus dem Herzen als aus dem Kopf… 🌈

    Gefällt 1 Person

    • Vielen lieben Dank. 🙂 Ich denke jeder darf für sich selbst entscheiden, auf welche Weise er achtsam sein möchte. Nur den wenigsten von uns fällt überhaupt auf, was sich den ganzen Tag in unseren Köpfen abspielt, da wir oft viel zu beschäftigt sind und von einem Termin zum nächsten hetzen. Wenn man jedoch lernt und übt sich selbst zuzuhören, dann geschieht es häufig ganz automatisch, dass wir uns bei unheilsamen Gedanken und Streitgesprächen mit uns selbst und anderen erwischen und nur so können wir über und von uns selbst lernen. 🙂

      Liebe Grüße Nicole

      Gefällt 1 Person

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