Gut und Böse, Liebe und Hass und der Weg in der Mitte…

Leider ist es heutzutage in unserer ach so zivilisierten westlichen Welt keine Seltenheit mehr, dass immer mehr Menschen egoistisch und selbstsüchtig durchs Leben gehen. Frei nach dem Motto, „in einer selbstsüchtigen Welt, kann nur der Selbstsüchtige erfolgreich sein.“ Sanftmut wird oft mit Schwäche in Zusammenhang gebracht und viele Menschen glauben, nur durch Aggressivität, Egoismus und ständigem äußeren Kampf können sie über andere herrschen und siegen, sich besser und mächtiger fühlen.

Sinn des Lebens scheint es zu sein möglich viel Geld zu verdienen und um die Karriereleiter empor klettern zu können, scheint es unumgänglich rücksichtslos zu sein und nur nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu schauen. Die Frage ist nur, ob uns Reichtum und Macht wirklich glücklich machen können und ob beides der wahre Sinn des Lebens sind. Diejenigen unter uns, die tatsächliches Mitgefühl empfinden, Rücksicht auf andere Menschen nehmen, die nicht über Leichen gehen, um etwas zu erreichen, denen eher der Sinn nach Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit mit anderen Menschen steht, scheinen einerseits immer weniger zu werden und nicht selten fühlen sie sich allein und verloren in dieser scheinbar herzlosen Welt.

Wir sind stets und ständig dabei auf andere Menschen zu schauen, sie zu be- und verurteilen. Fühlen wir uns ungeliebt und unglücklich, beschuldigen wir andere. Nie haben wir genug Geld, so glauben wir, nie sind wir mit unserem Job zufrieden, immer glauben wir, dass erst bestimmte Umstände eintreten müssen oder wir weitere Dinge, vor allem materieller Art brauchen, um endlich glücklich zu sein.

Um eine innere Zufriedenheit zu erreichen und endlich glücklich zu sein, sind wir bereit so einiges zu tun, doch immer suchen wir das Glück im Außen, statt den Weg in unser Inneres zu gehen und aus unserer (in jedem existierenden) Quelle zu schöpfen, nämlich aus dem was wir lieben und was wir gut können. Der Blick in uns hinein, ist natürlich auch oft sehr schmerzhaft und so ist es häufig viel einfacher auf andere zu schauen und sie für unsere nicht erfüllten Träume und Wünsche verantwortlich zu machen oder dem Leben an sich die Schuld zu geben, welches es scheinbar nicht gut mit uns zu meinen scheint, was jedoch fern jeglicher Wahrheit liegt.

Nicht selten glauben wir, wir müssen uns vor anderen, vor all den bösen Menschen um uns herum schützen und das tun wir, indem wir uns genauso verhalten, wie wir es an anderen eigentlich kritisieren würden. Wir glauben tatsächlich, dass Rücksichtnahme, ein offenes Herz, Mitgefühl und Verständnis, anderen Menschen ein offenes Ohr zu schenken oder zu helfen, nur etwas für schwache Menschen wäre. Der Starke zeigt keine Gefühle, der Starke kann nur im Kampf mit anderen und mit der dementsprechenden Aggressivität vorwärts kommen und so seine Ziele verwirklichen und zu echtem Erfolg gelangen. Was für eine merkwürdige Welt und wirklich bedauernswerte Gedanken sind das doch.

Die wahre Stärke der menschlichen Natur liegt sehr wohl in Sanftmut und Mitgefühl, Verständnis und Liebe. Selbstverständlich dürfen und müssen wir uns von Menschen abgrenzen, distanzieren, die es offensichtlich nicht gut mit uns meinen. denn bekehren können wir niemanden und ändern schon gar nicht. Jedoch davon auszugehen, dass jeder um uns herum schlecht und böse ist und uns nur etwas böses möchte und uns aus diesem Glauben heraus vor all diesen Menschen zu schützen, ist für meine Begriffe nicht der richtige Weg.

Grundsätzlich hat erstmal jeder Mensch das Potential und das Werkzeug sich zu ändern. Dieses trägt er in sich und findet es nicht im Außen. Es obliegt jedem selbst, die Entscheidung zu treffen, welchen Weg er gehen möchte und eins ist Mal ganz klar. Auch ein Serienmörder ist nicht die reine Inkarnation des Bösen und es ist irrsinnig zu glauben, ein solcher Mensch würde nicht einen Funken Gutes in sich tragen. Wie könnte es sonst möglich sein, dass auch Serienkiller nicht selten auch ein ganz normales Leben führen, mit Menschen um sich herum, von denen sie geliebt werden, für eben die andere „gute“ Seite in ihnen. Sie haben oft Partner, sind verheiratet, haben Kinder, eben Familie, gehen arbeiten, haben Freunde, ein ganz normales soziales Umfeld, so wie die meisten von uns.

Das wäre wohl nicht der Fall, wäre der Mensch von Grund auf schlecht und böse. Wie können wir also im Hinblick auf solch extreme Beispiele davon ausgehen, dass wir umgeben sind von schlechten Menschen? Jeder Mensch trägt viel Gutes in sich, so wie auch jeder von uns, egal wie herzlich, hilfsbereit, mitfühlend und verständnisvoll er ist, auch die dunklen Seiten, quasi das „Böse“ in sich trägt. So wie wir die Fähigkeit besitzen zu lieben, uns zu freuen und glücklich zu sein, so können wir auch Wut empfinden, gar hassen und andere Menschen verletzen, wenn wir es wollen.

Es kommt letztendlich immer darauf an, für welchen Weg wir uns entscheiden und wohin wir gehen wollen. Jemand der anderen Menschen Schmerz und Leid zufügt, hat immer selbst großen Schmerz und großes Leid erfahren. Die einen von uns haben gelernt oder lernen noch damit umzugehen, ihre moralischen und ethischen Werte so weiterzuentwickeln, dass ihnen ihre Freundlichkeit und Herzlichkeit oder die Liebe, die sie in ihrem Herzen tragen nicht verloren geht. Andere Menschen können das aber nicht. Sie schaffen es nicht in sich selbst und in anderen etwas Gutes zu sehen. Sie lassen sich von ihrem Schmerz und ihrer Wut leiten, sind von ihrem Hass völlig geblendet und in den meisten Fällen sind sie selbst es, die sie am meisten hassen. Dieses Denken lässt sie Dinge tun, mit denen sie aus ihrem eigenen Leid heraus wieder anderen Leid zufügen.

Dennoch haben es auch diese Menschen nicht verdient verurteilt zu werden, nicht im zwischenmenschlichen Sinne. Auch diese Menschen haben eine Chance verdient und unser Mitgefühl. Sie brauchen unsere Hilfe, denn ohne dem können sie es niemals schaffen auf den richtigen Weg zurück zu finden. Auch diese Menschen haben das Potential sich zu ändern, zu lernen und zu wachsen, jedoch nicht weil wir es so wollen, sondern weil sie erkannt haben, dass der Weg den sie eingeschlagen haben in die falsche Richtung führt. Würden Menschen von uns diese Chance nicht erhalten, könnte es niemals vorkommen, dass ein junger Mensch, der beispielsweise ein Gangmitglied ist und einen Mord begeht, der 25 Jahre seines noch jungen Lebens im Gefängnis dafür verbüßt und nach seiner Freilassung Streetworker wird, um anderen junge Menschen ein Vorbild zu sein und ihnen zu helfen, ihnen zu zeigen, wie es besser geht.

Das ist kein Einzelfall, doch nicht allzu selten werden die Menschen für ihre Missetaten in Schubladen gesteckt und bekommen Zeit ihres Lebens nie wieder die Chance es besser zu machen, zu bereuen, Buße zu tun und ein wenig von dem Leid, dass sie anderen zugefügt haben zu schmälern. Ein Soldat hat im Krieg fünf Kinder getötet. Ihn plagen Schuldgefühle, er leidet sehr darunter, möchte alles ungeschehen machen. Hat dieser Mensch seine Daseinsberechtigung verwirkt? Wenn wir ihn hassen, verurteilen und weiterhin bestrafen, wo er sich doch selbst schon zur Genüge bestraft, dann bringt uns das diese fünf Kinder nicht wieder zurück. Ist es nicht viel wichtiger, dass er sich heute wohltätig engagiert, dass er für arme und verweiste Kinder da ist und sich um diese bemüht und kümmert, sodass sie einen guten Weg im Leben finden?

Wie gesagt trägt das vermeintlich Böse jeder von uns in sich. Es sind die Entscheidungen, die wir treffen, die uns handeln lassen. Es sind unsere Gedanken und Gefühle, unser ganz eigenes Inneres, aus dem unsere Taten entstehen. Nicht grundlos wird in der Bibel zitiert „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen“ und wer von uns ist schon frei von Sünde. Doch wir haben die Macht das Gute in uns und in anderen zum Vorschein zu bringen, wenn wir es nur wollen. Wir müssen uns nur dazu entscheiden.

2 Comments on “Gut und Böse, Liebe und Hass und der Weg in der Mitte…

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