Trauer, Leid und Schmerz – Zauber der Veränderung???

Wenn wir verlassen werden, dann ging es jedem von uns schon einmal unendlich schlecht damit. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Liebesbeziehung nun zu Ende ist, ob ein uns nahestehendes Familienmitglied uns den Rücken kehrt, ein geliebter Mensch gestorben ist oder die Kinder das Haus verlassen haben. Wir alle haben schon erlebt, wie sehr man darunter leidet und in welch tiefes Loch solch eine Situation einen fallen lässt.

Tiefsitzender Schmerz, anhaltende Traurigkeit, Verständnislosigkeit, ewiges Grübeln und die Frage nach dem Warum, Schuldgefühle, bis hin zu Wut Zorn und Hass. Für viele von uns kommt die Situation aus dem nichts. Klar, bei einer schweren Krankheit des Menschen den man liebt, da glaubt man vielleicht noch man könne sich auf den Schluss vorbereiten, doch letztendlich erwischt es einen eiskalt. Selbst eine Liebesbeziehung, die diverse Probleme und Streitereien beinhaltete, ließ vermutlich schon zuvor das Ende verlauten, doch erst wenn es tatsächlich soweit ist, beginnt man irgendwann die Realität zu begreifen.

Es fühlt sich seltsam an, alles ist so anders, irgendwie leer. Pläne, Träume, Ziele, Wünsche, gemeinsames Erleben und erzählen, die geliebten Gespräche und das Teilen der Sorgen und Ängste, gibt es plötzlich nicht mehr. Alles was bleibt ist ein großes Nichts, ähnlich wie dem Nichts aus „der unendlichen Geschichte“. Ein Nichts dass einfach alles verschlingt. Erinnerungen, Sichtweisen, Wahrnehmungen, Gefühle… All das was gerade eben noch da war.

Und nun???

Und nun geht das Leben weiter, es bleibt nicht stehen, auch nicht für uns, auch wenn es für einen kurzen Augenblick den Anschein hat als würde alles um uns herum stillstehen. Jetzt beginnt das tatsächliche lernen und wachsen, das was uns im Leben weiter bringt, was uns prägen wird, was uns verstehen lässt, dass eigentlich gar nichts zu Ende ist, sondern sich nur etwas verändert hat, das eben zum Leben dazu gehört. Wir dürfen und sollen lernen, dass alles vergänglich ist, dass es keinen Anfang und damit auch kein Ende gibt, dass alles stetig im Wandel und in Veränderung ist. Doch all diese Worte sind für jeden, der sich gerade in so einer Situation befindet, das letzte was er hören möchte. Es scheint unrealistisch, nicht greifbar, einfach zu weit entfernt, um das Licht am Ende des Tunnels auch nur ansatzweise erkennen zu können.

Zu tief sitzt die Verletzung, der Kummer und all der Schmerz. Ein gebrochenes Herz ist nicht nur eine, der Literatur entstammende Frase, die bedeutungslos dahergeschrieben wurde. Ganz im Gegenteil, jeder der darüber schreibt und schrieb hat schon mindestens einmal erfahren, wie es sich anfühlt und was ein gebrochenes Herz für jeden von uns bedeuten kann. Dennoch kennzeichnet uns so das Leben. Mit vielen Wunden und Narben am Herzen und auf der Seele. Doch werden wir daran nicht sterben, auch wenn es sich in manchen Momenten unseres Lebens ersteinmal so anfühlt. Ein Verlust bedeuet keinesfalls das Ende, sondern ganz im Gegenteil beinhaltet es jedes Mal einen Neubeginn.

Doch wie können wir diesen Weg finden und gehen, wenn er uns im Moment doch durch Trauer, Wut und Schmerz so unerreichbar zu sein scheint?

Indem wir den Weg einfach entlang gehen, so wie das Leben ihn für uns geschrieben hat und parat hält. Jeden Tag ein kleines Stück weiter, Stück für Stück, Schritt für Schritt, mal in riesigen Sprüngen und mal in ganz kleinen Schritten, immer einen Fuß vor den andern setzend.

Wir dürfen lernen, dass die Trauer, die Wut, die Verzweiflung, der Zorn, und alle mit dem Verlust verbundenen Gefühle genauso ihre Daseinsberechtigung haben, wie auch alle schönen Gefühle, die wir empfinden und genießen dürfen. Viele von uns versuchen vor dem Leid und dem Schmerz davonzulaufen, versuchen alles zu tun, um dies zu vermeiden. Doch das können wir nicht. Es wird immer Dinge und Menschen in unserem Leben geben, die uns Schmerz und Leid fühlen lassen und das ist an sich auch gut so. Wie sonst könnten wir all die schönen Dinge im Leben sonst wahrnehmen und erleben? Nichts im Leben funktioniert ohne das berühmte Gesetz von Yin und Yan, ohne die Macht der Gegensätze. Kein Hell ohne Dunkel, kein schön ohne hässlich, kein lieb ohne böse, keine Liebe ohne Leid.

Selbst wenn wir bereit wären auf die Liebe zu verzichten, wenn wir schützend eine Mauer um uns herum errichten, niemanden mehr hindurch lassen, keine Gefühle erlauben und zu steifen Marionetten werden, die wie Zomies durchs Leben stolpern, selbst dann können wir es nicht schaffen uns vom Leid zu befreien. Schon allein das Herz zu verschließen und die Mauer aufrecht zu erhalten, bedeutet jede Menge Schmerz und Leid, mehr noch als trotz allem Übel das Herz zu öffnen auch auf die Gefahr hin wieder und wieder verletzt zu werden.

Wie so oft im Leben müssen wir uns entscheiden. Auch wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben, wird uns dies niemand abnehmen. Ja, andere Menschen können uns unterstützen und begleiten uns Verständnis entgegen bringen und uns beratend zur Seite stehen. Doch entscheiden welchen Weg wir gehen möchten, müssen wir selbst. Niemand kann uns das abnehmen, niemand kann die Traurigkeit, den Kummer und den Schmerz von uns nehmen. Wir müssen lernen ihn auszuhalten, zu erleben, mit ihm Hand in Hand durchs Leben zu gehen, nicht als Feind, sondern als Freund. Er darf und soll genauso da sein, wie die Liebe und das Glück. Ohne ihn würde es Liebe und Glück nicht geben und dann wären wir wirklich sehr arm.

Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, auf welche Weise auch immer, sollten wir nicht nachdem Warum fragen, denn die Frage nach dem Warum lässt uns dem Kreislauf der Traurigkeit nicht entfliehen. Wir werden darauf keine zufriedenstellende Antwort finden, weder bei uns selbst, noch wird jemals ein anderer Mensch uns eine brauchbare Antwort darauf geben. Keine die das Leid lindern kann. Wir sollten uns jedoch alle Gefühle, die mit einer Trennung oder einem Verlust zusammenhängen erlauben, denn nur sie können und werden uns aus dieser Lebensbegebenheit befreien und uns dabei helfen wieder glücklich zu sein.

Wenn wir traurig sind, müssen wir traurig sein und vielleicht sogar stundenlang weinen. Sind wir wütend, müssen wir wütend sein, wenn wir hasserfüllt sind, müssen wir hassen. Doch bei diesen beiden Gefühlen ist Vorsicht geboten. Gerade wenn eine Liebesbeziehung zuende gegangen ist, meine ich keinesfalls, wir dürfen jetzt losgehen und den Partner beschimpfen. Natürlich sind wir wütend und manchmal kann Liebe dann sehr schnell in Hass umschlagen. Es ist jedoch für uns heilsamer und besser, wenn wir in den Wald gehen und einen Baum so richtig anschreien und verprügeln, bis uns die Luft wegbleibt. (Bitte auf die Knochen aufpassen) Wir können auch unserem Kopfkissen oder anderen Gegenständen im Haushalt alles mögliche an den imaginären Kopf werfen und sie völlig auseinander nehmen. Gut machen sich dafür auch alte Fotos oder man lege sich eine Paintballbüchse zu und verschönere den hauseigenen Garten.

Für diejenigen unter uns, die mit etwas weniger Temperament gesegnet sind, empfiehlt es sich einen langen Brief zu schreiben. In diesen darf jeder einzelne Gedanke, den man in sich trägt, jedes Wort findet Gehör und hat Berechtigung geschrieben zu werden. Doch abgeschickt werden darf dieser Brief niemals. Jegliche Form von Wut und Hass, egal auf welche Weise man sie herauslässt, darf den Adressaten nicht erreichen. Wir tun das alles für uns und nur für uns und nicht um uns an dem anderen zu rächen, denn das bringt uns kein Stück weiter. Der andere Mensch ist nicht mehr da und wir brauchen ihn auch nicht, um zu lernen mit dem Verlust gut umzugehen und fertig zu werden. Wir selbst wollen und sollen lernen.

Es geht darum einen gesunden Umgang mit negativen Gefühlen zu entwickeln, sie zuzulassen und nicht zu verdrängen oder durch andere Menschen und Aktivitäten beiseite schieben zu wollen. Tun wir das, wird uns kein Neuanfang gelingen, denn haben wir das Alte nicht verarbeitet, wird es uns zukünftig immer auf irgendeine Art im Wege stehen.

Zu lernen mit den Gefühlen nach einem Verlust oder einer Trennung umzugehen oder diese überhaupt zuzulassen, ist bei weitem kein leichter Weg. Nicht immer sind wir bereit oder in der Lage diese Gefühle auszuhalten, deshalb sollten wir ihnen auch nur dann Raum geben, wenn wir sicher sind sie tragen zu können. Wir müssen das nicht allein tun, wir können immer jemanden zu Rate ziehen oder um Hilfe bitten, doch das Tragen dieser Gefühle an sich, müssen wir schon selbst tun. Das kann uns niemand abnehmen und das ist ansich auch gut so.

Selbst wenn ein Mensch, den wir über alles lieben stirbt und wir keine Gelegenheit mehr haben ihm sagen zu können, wie sehr wir ihn lieben, uns vielleicht für Dinge zu entschuldigen oder etwas wieder gut zu machen, so ist dieser Mensch doch nicht wirklich weg und wir können es auch weiterhin tun. Er lebt in unserem Herzen und in unseren Erinnerungen weiter und auch jetzt noch haben wir Gelegenheit um Verzeihung zu bitten oder zu sagen ich liebe Dich.

Manchmal redet der Expartner nicht mehr mit uns, sodass wir Gründe nicht erforschen können, keine Gelegenheit zur Erklärung bekommen, Entschuldigungen nicht angenommen werden usw. Trotzdem können wir das tun, denn wir tun das für uns. Tun wir es nur, dass der andere zu uns zurück kommt, dann ist es nicht ernst gemeint, denn wir erwarten etwas dafür. Sind wir ehrlich und aufrichtig, brauchen wir den andren dafür nicht und es spielt keine Rolle, ob er uns hört, ob er uns verzeiht, ob er unsere Erklärungen versteht. Wichtig ist, dass wir uns zuhören, den Erklärungen und Entschuldigungen wert beimessen, vor allem aber, dass wir uns selbst vergeben und verzeihen.

All diese Gefühle zu durchleben, mitten durch sie hindurch zu gehen, sie anzunehmen und das in ihnen verborgene Geschenk zu erkennen, ist kein leichter Weg, doch wir können frei entscheiden ihn zu gehen…

6 Comments on “Trauer, Leid und Schmerz – Zauber der Veränderung???

    • Vielen Dank für Deine Worte und ich bin da ganz bei Dir und kann Dir recht geben. Nicht immer ist es leicht, dass was wir wissen und lernen und all die Dinge an denen wir wachsen, Tag für Tag umzusetzen. Jeder von uns kennt es ganz sicher, dass der Kopf sagt logisch, doch mit unseren Gefühlen geht manchmal ganz anderes einher. Wir können uns aber jeden Tag neu dazu entscheiden und in jedem einzelnen Tag einen Neubeginn sehen. Je öfter wir üben, desto gefestigter und einfacher wird es mit der Zeit. So ist es ja mit vielen anderen Dingen im Leben auch.

      Liebe Grüße Nicole 🙂

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