Empath und Narzisst – Spiegel der Extreme –

Zu Beginn meines Beitrages, möchte ich ganz klar sagen, dass weder der eine noch der andere, der bessere Mensch ist. Es soll hier keinesfalls darum gehen zu beurteilen, zu verurteilen, den einen zum Täter und den anderen zum Opfer zu deklarieren. Jeder der sich das erhofft, ist hier leider falsch. Wer sich mit dem Thema Narzissmus und Empathie bereits ein wenig auseinander gesetzt hat, wird wissen, wie komplex, kompliziert und zuweilen verwirrend dieses Thema ist. Hier soll es darum gehen, zu erklären, vielleicht auch ein wenig aufzuklären und eventuelle Problemlösungen aufzuzeigen. Aufgrund der Vielseitigkeit ist es jedoch unmöglich alles in einen Beitrag zu verfrachten, so werde ich vermutlich mehrere dazu verfassen, doch klar sein muss, dass das Ganze nicht dem Aspekt der Schuldzuweisung dient.

In vorangegangenen Beiträgen, habe ich schon einmal versucht zu erklären, was der Empath und der Narzisst für sich genommen und dem Grunde nach eigentlich sind. Das ist gar nicht so leicht, aufgrund der oben beschriebenen Komplexität des Themas und weil ich auch kein Freund von Schubladendenken bin. Doch nicht allzu selten werden die Menschen in Kategorien eingeordnet und in Schubladen gesteckt, da es für uns immer nur schwarz und weiß gibt, eher weniger etwas dazwischen. Wir wollen alles genau erkunden und erfahren, bilden und schnell unsere Meinungen, sind aber nicht in der Lage die Sichtweisen des Ego beiseite zu lassen und zwischen den Zeilen zu lesen. Urteil und vor allem Verurteilung sind da schnell vorprogrammiert.

Narzissten und Empathen sind zwei sehr heftige Extreme, zwei Menschen mit völlig unterschiedlichen Charakteren, Grundzügen und Daseinsillusionen oder Selbstempfindungen, von denen man meinen möchte, man müsse sie grundsätzlich auseinander sperren oder sie würden schon dafür sorgen, dass sie sich möglichst nie begegnen. Doch weit gefehlt. Die Realität und das Leben sehen völlig anders aus. Genau diese beiden Extreme ziehen sich an und wir können häufig beobachten, dass ausgerechnet diese beiden sich in gemeinsam gelebten Liebesbeziehung wieder finden.

Selbstverständlich sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass es noch sehr viel zwischen diesen beiden Extremen gibt, so wie es das allseits geliebte einordnen in schwarz und weiß eben nicht gibt. Doch erstaunlicherweise finden scheinbar immer häufiger genau diese beiden zusammen und wenn wir nicht bereit sind, zu lernen und zu wachsen und zwar beiderseits, dann wird das Ganze völlig automatisch in einer Katastrophe enden, ebenfalls für beide Seiten.

Geschrieben steht häufig, Narzissten sind die Reinkarnation des Bösen. Ich übertreibe bewusst, doch man gewinnt den Eindruck. Man möge doch bitte die Züge erkennen, die Gegebenheiten, den Menschen und sollte einem das auf Anhieb wirklich gelingen, so nehme man die Beine in die Hand und renne so schnell es nur geht.

Nicht selten finden sich Horrorgeschichten, wie Liebesbeziehungen mit Narzissten laufen, wie viel Schmerz, Kummer und Leid sie bringen, wie sehr sie einen zerstören können und generell sind nur sie allein schuld, denn schließlich sind sie einfach böse Menschen. Den Schmerz, den Kummer und das Leid, dass der Empath in höchster und intensivster Form verspürt, der ist nicht zu leugnen und ganz sicher auch nicht erstrebenswert. Dass er seine Anteile jedoch dazu beiträgt und für den Narzissten der Empath auch nicht unbedingt erstrebenswert ist, da er häufig anstrengend und unbequem wird, dass wird an dieser Stelle vergessen.

Ein Narzisst ist keinesfalls ein von Grund auf schlechter Mensch. Ganz im Gegenteil. Es ist erstmal nur eine in der Kindheit erlernte Strategie, um überleben zu können, da wir zu dieser Zeit noch auf andere Menschen angewiesen waren. Ohne sie hätten wir sterben können und so mussten wir uns Eigenschaften zulegen, die uns vor dem Übergriff anderer schützten. So viel hat der Empath mit ihm schon mal gemeinsam, denn seine Vielfalt und Intensität an Gefühlen, die Wahrnehmung anderer Menschen, dass Entlarven der Puppenspieler und Runterreißen der Masken, sind ebenfalls eine erlernte Strategie der Kindheit. Nur eben eine ganz andere.

Aufgrund dieser völlig gegensätzlich entwickelten Strategien und dennoch der selben kindlichen Wunden, finden beide zusammen. Doch schon aufgrund dieser beiden Extreme, ist es utopisch zu glauben, diese beiden würden auf „normalem“ Wege unter „normalen“ Umständen zusammen finden. Gesagt sei hier aber auch, dass man in dieser Welt ohnehin nichts als normal bezeichnen kann, denn jeder sieht und denkt und ist einfach anders. Schon scheinen unter dieser Art der Betrachtung diese beiden Kandidaten gar nicht mehr so extrem.

Entfernen wir uns jetzt also von den Klischees und geben wir den Schubladen Namen. Susi, die Empathin und Tom, der Narzisst. Aufgrund ihrer Gegensätze schreibt das Leben vor, dass sich beide begegnen und Einfluss haben sie darauf keinen. Der Beginn einer Liebesbeziehung sieht dann in etwa so aus.:

Susi ist eine junge, intelligente und sehr attraktive Frau. Sie lebt ein ganz normales Leben, mit einem recht gut bezahlten Job, hat eine Mietwohnung, doch gerade erst eine Liebesbeziehung hinter sich, die so richtig schief lief. Nicht die erste in ihrem Leben, doch diese verursachte ihr jede Menge Ängste, wie Existenzangst, Angst vor dem Allein sein, Angst vor dem älter werden oder auch die, nicht mehr den passenden Partner zu finden. Noch dazu war der Ex spielsüchtig und überließ ihr den Berg gemeinsamer Schulden, denn er hatte bereits gelernt wie man alles hinter sich lässt und sich vor Problemen aus dem Staub macht.

Tom ist ein erfolgreicher, intelligenter, gutaussehender Geschäftsmann, der mit beiden Beinen im Leben steht, erfolgreich eine Firma führt und noch dazu all das liebevolle, herzliche, zuvorkommende und wertvolle in sich vereint zu haben scheint, was Susi sich schon immer gewünscht hatte. Er jedoch hat den Verlust seiner Mutter nie überwunden, die ihn nach einer mehr als schmutzigen Scheidung beim Vater zurück gelassen hatte. Auch er hatte soeben eine Trennung erfahren, wo er der Verlassene war, der sich hingebungsvoll bemühte und aufopferte und dennoch an solch eine schreckliche Frau geriet, die ihn ausnahm und dann sitzen ließ.

Die Basis für beide war also geschaffen. Susi mit ihrem Mutter- Teresa- Tick, aus dem heraus sie alles tat, um andere Menschen glücklich zu machen und ein bisschen Liebe von anderen zu erhaschen. Ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl sind eigentlich gar nicht da, ja sie kennt sich selbst noch nicht einmal. Sie glaubt einfach nicht normal zu sein, nicht von dieser Welt.

Und Tom mit seiner erfolgreichen Firma, der sein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein an dem verdienten Geld fest macht. So wie er nicht wirklich fühlen kann, so kann er auch die Schönheit des Lebens nicht sehen. Liebevoll ist er alle mal und den Rest sieht man einem Menschen nicht an.

So lernen sich beide also kennen, beraten sich gegenseitigen bezüglich der vergangenen Beziehungen und versuchen so ganz unbewusst für das nächste Mal, IHR MAL, die Fronten zu klären. Sie kommunizieren ganz klar, was der blöde Ex oder die blöde Ex alles nicht hatte und suggerierten dem anderen, was er alles nicht zu tun habe, um möglich nicht wieder verletzt zu werden.

Die Zeit der rosaroten Brille, der Blümchen und Schmetterlinge darf hier ausgeklammert werden. Jeder von uns kennt das Verliebt sein und den Beginn einer neuen Beziehung. Alles ist wundervoll und schön und niemals könnte man sich vorstellen, dass sich daran etwas ändert. Es werden Pläne geschmiedet und Träume verfasst und wir verbringen jede freie Minute mit dem anderen.

Bei Empathen und Narzissten läuft das nur viel extremer ab.

Tom eröffnet und zeigt Susi eine völlig neue Welt. Nicht das sie nicht schon einiges gesehen hätte, denn sie hatte viel erlebt und war herum gekommen. Doch diese Welt war für sie neu und faszinierend, nahezu spektakulär. Dazu war er sehr großzügig, was sie sich anfangs nicht traute anzunehmen, denn so viel Geld hatte sie nie zuvor gehabt. Tom aber warf damit nur so um sich, ermöglichte ihr dies und das und schien schon zu ahnen, was sie brauchte, noch bevor sie es überhaupt denken konnte.

Sie wiederum umgarnte ihn, versorgte ihn, bewunderte ihn, schaute zu ihm auf. Er war der Retter auf dem weißen Roß, von dem sie immer geträumt hatte und so liebte sie ihn.

Doch irgendwann kommt die Nacht des Erwachens und zwar für beide. Jede Liebesbeziehung bringt Probleme und auch Streit. Niemals können zwei Menschen immer einer Meinung sein, immer alles an dem anderen gut finden, immer das tun, was der andere will, immer versuchen dem anderen gerecht zu werden. So kommt es also zum Streit.

Im Moment des Streits läuft es jedoch nicht wie bekannt oder gewohnt, dass man sich streitet, vielleicht auch anschreit, darüber spricht und sich wieder versöhnt. Bei diesen beiden beginnt Krieg. Alles bisher erfahrene und gelernte, kippt plötzlich ins völlige Gegenteil und die Welt gerät aus den Fugen. Das Thema worum gestritten wird, spielt überhaupt keine Rolle, denn dieser Krieg wird sich wie ein roter Faden durch ihre Beziehung ziehen.

Sie kritisiert ihn und er kann das nicht verstehen. Irgendetwas hat er getan, dass ihr nicht gefallen hat und so spricht sie es an. Ihre Emotionalität bringt ihr ein gewisses Temperament, sodass davon auszugehen ist, dass sie ihm nicht besonders ruhig und freundlich begegnet. Doch bei ihm gehen die Scheuklappen zu. Es gibt kein Gespräch, kein Zusammensetzen, kein klären. Er sitzt einfach nur da und schaut direkt an ihr vorbei zum Fernseher, ohne eine Reaktion oder ein Wort. Sie ist tief getroffen von seiner Reaktion, wird wütender, trauriger, emotionaler, ruhiger, lauter und alles im ständigen Wechsel. Ihre Empathie erlaubt es ihr nicht anders, denn sie ist sich derer nicht bewusst und hat nie gelernt sich zu kontrollieren.

Er hingegen wird aufgrund ihrer Vorwürfe innerlich wütend. Das zeigt er ihr aber nicht nach außen hin, sondern hin und wieder lässt er einen winzigen Satz verlauten. Nicht viele Worte, aber welche, die sich gewaschen haben und sowas von unter die Gürtellinie sind, dass sie nicht mehr weiß, ob sie schreien oder weinen soll. Durch Desinteresse und Unverständnis, vor ihr sitzende Gleichgültigkeit und unwahre Schuld zuweisende Worte, ist es ihr kaum noch möglich an sich zu halten und aus der Situation heraus zu gehen. Ein Machtkampf entbrennt. Sie versucht ihn zu überzeugen und beschuldigt ihn. Er übt emotionale Gewalt auf seine ruhige, bestimmte, aber unglaublich verletzende Weise aus, indem er sie einfach ignoriert.

Sie tobt wütend in das eine Zimmer, bricht zusammen und weint bitterlich. Sie versteht die Welt nicht mehr. Er sitzt wie ein Häufchen Elend im anderen Zimmer, doch nach außen suggeriert er den Starken, so als würde ihn all das gar nichts angehen oder ihn betreffen. Ein Berg aus Eis könnte dann niemals größer sein als er und seine Arroganz und Überlegenheit seines Glaubens nach niemals kleiner.

Nun ist ja Streit in Liebesbeziehungen nicht unüblich und in der Regel läuft es bei den meisten so, dass man sich nach einer halben Stunde wieder verträgt und versöhnt, spätestens vielleicht am nächsten Tag. Bei den beiden jedoch nicht. Noch tagelang läuft sie ihm hinterher und versucht zu reden un zu klären, nicht selten in riesigen Wasserfällen von Tränen umgeben. Hierbei geht es aber schon nicht mehr um das eigentliche Streitthema, sondern um die zugefügten Verletzungen und Gemeinheiten, die seither stattfanden. Nicht verbal, sondern in Form von Emotionaler Gewalt und Ignoranz. Sie schreckt auch vor dem Mittel der emotionalen Erpressung nicht zurück, doch selbst wenn sie ihm androht zu gehen, ist er ganz gelassen und sagt ihr, „Na mach doch.“ Völlig teilnahmslos und kalt.

So geht das einige Tage hin und her. Sie rastet hin und wieder völlig aus und weint ganz bitterlich, er hingegen straft sie mit Nichtachtung, Ignoranz und Gleichgültigkeit und vor allem mit Schweigen.

…….

Wie eine solche Liebesbeziehung noch laufen kann, welche Dinge passieren, welche Folgen sie haben, ob und wie man daraus etwas machen kann, ob man dazu lernen und sie weiterführen kann, dass schreibe ich in weiteren Beiträgen. Gern könnt ihr mir Fragen stellen, Erfahrungen schildern oder auch Sichtweisen mitteilen. Ich freue mich darauf.

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