– Lieblose Liebe –

Manchmal kommt es mir so unwirklich und merkwürdig vor, dass es so viele Menschen gibt, die sich in Liebesbeziehungen bereits befinden oder aber sich wünschen eine neue beginnen zu können und die so bettelarm in diese Beziehungen gehen, dass sie ihr ganzes Sein und alles was sie glauben in dem gegenüber suchen und glauben zu finden.

Es ist manchmal unfassbar, wie sehr wir uns selbst und dem anderen in solchen Bettler- Beziehungen die Luft zum atmen rauben und uns sowohl in unserer eigenen Freiheit, als auch den anderen in seiner, auf das minimalistischste einschränken.

Was genau meine ich damit? Gestern erst las ich einen Beitrag, eine Geschichte fiktiver Natur, bzw. von einer Autorin erdacht, die sich jedoch so häufig in der Realität finden lässt, dass mir beim Lesen schon leicht schwindlig wurde. Generell möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ich mich stets bemühe, nicht über andere Menschen zu urteilen, da jeder von uns seine eigenen Sichtweisen und Glaubensmuster hat und diese auch völlig zurecht. Diese können mit den meinen überein stimmen, müssen es jedoch nicht, denn niemand hat meiner Meinung nach das Recht dazu, auf seine Sichtweisen eine Art Allgemeingültigkeit zu legen.

In dieser erdachten Geschichte nun also, ging es kurz gesagt um ein junges Liebespaar, welches eine Fernbeziehung führte. Die junge Frau wünschte sich ein klein wenig mehr Freiheit, um sich wieder etwas mehr mit ihren Freundinnen treffen zu können. Der junge Mann hingegen fühlte sich gekränkt und verletzt, meinte darin das Ende der Beziehung zu sehen, was schlußendlich dazu führte, dass er seine Freundin betrog. Dies flog bei einem Anruf ihrerseits auf, da sie einer Frauenstimme am anderen Ende begegnete. Er machte auch gar keinen Hehl daraus, ganz im Gegenteil bemühte er sich auch noch ihr die Schuld zu geben. denn schließlich habe sie ihn ja mit sich allein gelassen und sich nicht gebührend gekümmert. Das schlimme daran ist, dass sie ihm das auch noch glaubte. In der zuvor anhaltenden einwöchigen Funkstille plagten sie tatsächlich Gewissensbisse, dass sie sich hätte mehr um ihn und die Beziehung kümmern müssen und sie empfand ihr Bedürfnis nach Unternehmungen mit ihren Freundinnen plötzlich als rücksichtslos und egoistisch.

Das Ende der Geschichte, er bettelte um Verzeihung, denn er hatte sein Problem des nicht Allein sein Könnens erkannt. Jedoch keine Spur von einer Auseinandersetzung mit seinen eigenen inneren Dämonen, die dieses nicht allein sein können hervorrufen, sondern er bat sie ihn nicht wieder auf diese Weise allein zu lassen, dann würde so etwas nicht wieder passieren. Sie hingegen verzieh ihm, da sie meinte in diesem Augenblick seine tiefe Aufrichtigkeit zu spüren und er musste ihr versprechen, dass er ab sofort ausschließlich ehrlich zu ihr sein würde.

Ich bin mir fast sicher, dass vielen von uns schon beim lesen ein wenig die Hutschnur hoch geht und die Meinungen wahrscheinlich weit auseinander. Schnell sind wir dabei zu beurteilen, zu verurteilen, die Schuld zuzuweisen und den Kopf zu schütteln.

Auch wenn das hier erst einmal nur eine erdachte Geschichte gewesen ist, ist es tatsächlich in vielen Liebesbeziehungen wahrer Alltag. Zu einem gewissen Teil grenzt das hier beschriebene Verhalten des jungen Mannes schon an emotionale Erpressung, denn als sie nicht seinen Wünschen entsprechend reagierte, gab es zunächst eine Kontaktsperre, frei nach dem Motto, wenn Du nicht tust was ich möchte, dann liebe ich Dich nicht mehr und als Kirsche auf der Torte dann den Betrug.

Die junge Frau hingegen, ist hier keinesfalls das Opfer in der Konstellation. Sie ist sich einfach nur ihrer Selbst nicht bewusst und dessen, dass sie sehr wohl ein Recht auf Selbstbestimmtheit und Freiheit hat. Ihr vermutlich geringes Selbstwertgefühl lässt sie zweifeln, an dem wer sie ist und an dem was sie möchte. Damit hat sie die Verantwortung für sich selbst abgegeben und plagt sich dann plötzlich mit Gewissensbissen.

Der junge Mann ist trotz seines recht schwierigen Verhaltens jedoch keinesfalls zu verurteilen. Viel mehr verdient er unser Mitleid. Nicht allein sein zu können, ist ein Problem, dass viele von uns kennen und mit sich herumtragen, in der Annahme es niemals bewältigen zu können. Jeder von uns weiß, dass man sich selbst im Zusammensein mit anderen Menschen unglaublich einsam fühlen kann. Einige von uns überdecken dann dieses leidvolle Gefühl mit so einigen Aktivitäten oder wir konsumieren Bücher, Zeitschriften, Fernsehserien, Musik usw., nur um unsere Einsamkeit nicht spüren zu müssen. Ein sehr begehrtes Mittel der Einsamkeit bzw. dem Allein sein zu entfliehen, ist der Griff zum Alkohol, denn wer hat nicht schon einmal versucht unangenehme Gefühle zu ertränken, immer in der Erkenntnis, dass sie sich niemals einfach so in Luft auflösen.

Der junge Mann hingegen greift ebenfalls zu einem allseits beliebten und bei weitem nicht seltenen Mittel. Er überträgt die Verantwortung für sein glücklich sein einem anderen Menschen, ja er fordert sich dies sogar ein. Auf dieser Basis kann niemals eine funktionierende und stabile Liebesbeziehung entstehen und schon gar nicht wachsen. Solch einer Aufgabe ist niemand gewachsen. Niemand kann es schaffen einen anderen Menschen dauerhaft glücklich zu machen, nicht wenn dieser nicht auch selbst dazu in der Lage ist und schon gar nicht, ohne sich selbst dabei zu verlieren und aufzugeben.

In dieser Konstellation ist es wie in vielen unserer Liebesbeziehungen. Zwei Bettler treffen aufeinander und wollen etwas von dem anderen haben, von dem sie glauben es zu brauchen, haben jedoch beidseitig nichts zu geben. Nicht sich selbst und somit auch nicht dem anderen. Nicht grundlos heißt es, dass wir andere nicht lieben und Liebe nicht erfahren können, wenn wir uns nicht zu allererst selbst lieben. Wenn wir uns selbst nicht lieben, werden wir auch keinem anderen glauben können, dass er es tut.

Lieben wir uns jedoch und somit auch unseren Partner, dann würden wir ihn nicht erpressen. Sätze wie, „Wenn Du mich lieben würdest, würdest Du dies oder jenes tun oder nicht tun,“ würden nicht in unser Repertoire gehören. Wir würden auch nicht sagen, „Wenn Du dieses oder jenes nicht tust, wenn Du nicht tust was ich möchte, dann entziehe ich Dir meine Liebe, dann liebe ich Dich nicht mehr.“

Liebe bedeutet nicht nur Frei sein und Freiheit geben, sondern sie meint es auch. Niemals kann ein anderer Mensch sich hundert Prozent zu unserem Gefallen verhalten. Zu verschieden sind die Menschen, die Erfahrungen, die Sichtweisen, die Glaubenssätze. Ein anderer kann es nicht schaffen uns glücklich zu machen, wenn wir es nicht selbst können. Wenn wir nicht selbst wissen, was wir wollen und brauchen, wie soll es dann jemand anderes können und wenn wir jemand anderen für unser Glück brauchen, dann können wir nicht dauerhaft glücklich sein, schon weil dieser andere nicht 24 Stunden am Tag diesen Full Time Job übernehmen kann, geschweige denn es möchte. Niemand will sich rund um die Uhr um die Bedürfnisse eines anderen kümmern müssen, mit dem Hauptaugenmerk sie auch noch für ihn zu ergründen.

Erst wenn wir lernen ganz und gar die Verantwortung für uns und unsere Gefühle zu übernehmen, wenn wir ganz und gar bei uns bleiben, genau hinschauen, was wir wünschen, erträumen, wo unsere Stärken und Schwächen liegen, wenn wir auch unsere dunkelsten Seiten ergründen und zulassen, nur dann oder erst dann haben wir die Chance auf eine wirklich glückliche und stabile Liebesbeziehung.

Liebe heißt – Wärme auszustrahlen
ohne einander zu ersticken.

Liebe heißt – Feuer zu sein,
ohne einander zu verbrennen.

Liebe heißt – einander nahe zu sein,
ohne einander zu besitzen.

Liebe heißt – viel voneinander zu halten,
ohne einander festzuhalten.

Liebe ist das große Abenteuer
des menschlichen Herzens.

Spüren Menschen das Herz eines Menschen,
dann kommen sie zum Leben.

Liebe ist der einzige Weg,
auf dem Menschen menschlicher werden.

Allein die Liebe ist das Haus,
in dem wir wohnen können.

Verfasser unbekannt

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