– Was ist ein Empath? –

Ein Empath ist ein Mensch, der alles fühlt, jeden sieht und hinter die Masken anderer Menschen sehen kann. Er erkennt Rollen, entlarvt Lügen, sieht die Dinge und die Menschen genau so, wie sie sind und geht einen steinigen und holprigen Weg. Kummer, Schmerz, Wut, Angst und Leid sind ihm genauso vertraut, wie intensives Glück und Freude. Doch beginnen wir am Anfang…

Empathie ist nichts, was uns in die Wiege gelegt wird oder angeboren ist. Viel mehr ist es eine Strategie, die wir in der Kindheit entwickeln, um Liebe zu bekommen und unser Überleben zu sichern. Als Kinder waren wir auf die Liebe und Fürsorge unserer Eltern angewiesen, da wir tatsächlich ohne diese hätten sterben können.

Niemand von uns, egal wir unsere Kindheit auch idealisieren oder wie gut sich unsere Eltern um uns gekümmert haben, ist frei von traumatischen Ereignissen, erlebtem Schmerz, Kummer und Leid. So haben wir als Kinder damit begonnen, alles erdenkliche für einen anderen Menschen zu tun, in der Annahme und Hoffnung, wir würden ein Fünkchen Liebe erhalten. Wäre uns das nicht auch gelungen, hätten wir uns diese Strategie nicht angeeignet, sodass wir sie im Älter werden festigten und im Erwachsenen Dasein nicht hin und wieder mit ihr zu kämpfen hätten oder darunter leiden würden.

Als Kinder haben wir damit begonnen Emotionen, Gefühle oder Launen abzulehnen. Dies diente dem Selbstschutz, denn wenn wir in der Lage waren, schwierige oder für uns schlimme Situationen schon im Vorfeld zu erahnen, gelang es uns zumeist dem aus dem Weg zu gehen oder eine Lösung zu finden, mit der wir uns vor den Übergriffen anderer schützen konnten.

Diese Empathie diente uns zu dieser Zeit keinesfalls dazu andere Menschen manipulieren zu können oder unseren Nutzen daraus ziehen zu können. Wir waren uns ihrer nicht bewusst, denn wir waren Kinder. Sie ist lediglich, vielleicht auch nicht mehr und nicht weniger eine erlernte Strategie. Wir waren dazu in der Lage anhand der Gesichtsausdrücke, der einfachen Mimiken und Gestiken anderer zu erkennen, wann für uns Gefahr besteht und genauso waren wir dadurch in der Lage, Dinge zu tun, die andere von uns erwarteten, um die Liebe zu bekommen, die wir so sehr brauchten.

Empathen erfahren in der Regel schon in der Kindheit, wie schmerzhaft und leidvoll es sein kann, von anderen nicht wahr genommen zu werden, oder kritisiert zu werden, wie es sein kann vermittelt zu bekommen, dass man so wie man ist nicht richtig ist. Nicht das Menschen mit anderen erlernten Strategien, wie sogenannte Narzissten das nicht erfahren hätten. Emphaten haben den Schmerz nur anders wahrgenommen und verarbeitet, ohne sich dessen zu dieser Zeit überhaupt bewusst gewesen zu sein. Schließlich waren wir ja Kinder.

Empathen entwickeln schon in jungen Jahren, schon zu Kindergarten oder Schulzeiten ein Gefühl von „anders“ sein, ein Gefühl von nicht richtig und gut sein, ein Gefühl von „Ich passe irgendwie nicht so recht in diese Welt, ich bin anders als die anderen.“

Selbstverständlich nehmen wir das in jungen Jahren nicht bewusst wahr, können solche Gefühle weder benennen, noch können wir damit umgehen. Wir denken, wir sind einfach anders. Im Teenageralter ist das mehr als problematisch, wo wir in so jungen Jahren, aufgrund der hormonell bedingten Geschehnisse unseres Körpers und der Zwischenwelt zwischen Kind und Erwachsenem ohnehin keinen klaren Gedanken fassen können. Dazu fehlt uns auch noch die Erfahrung. Wo soll diese aufgrund unseres bisherigen kurzen Lebens auch her kommen.

Nach wie vor, versuchen wir uns auf das Urteil der Erwachsenen zu verlassen, spüren doch aber ganz deutlich, dass das so alles nicht wahr und richtig ist. Benennen können wir es aber nicht und so bleibt uns nur der Weg zu der Überzeugung zu gelangen, dass wir es sind, die nicht richtig sind, denn alles andere und jeder andere um uns herum scheint ja doch auf seine Weise besser zu funktionieren als wir.

In diesem Alter können wir noch nicht besonders viel sehen, wie gesagt aufgrund mangelnder Erfahrung, bis hin zu fehlenden Erklärungen und auch Desinteresse an uns selbst, die uns gewisse Erkenntnisse erstmal verwehren. Doch können wir fühlen. Stark, intensiv, leid- und schmerzvoll und das mehr, als es bei anderen der Fall zu sein scheint. Wieder bestätigt sich auch unser inneres und intensivstes Gefühl „Mit mir stimmt doch irgendetwas nicht.“ Also versuchen wir unsere Gefühle, unser innerstes und wertvollstes zu ignorieren und beginnen uns anzupassen. Wir beginnen mit dem Versuch uns so zu verhalten und zu leben, wie wir es bei den anderen sehen, denn wir glauben uns nicht trauen zu können und nur wenn wir so sind wie sie, uns so verhalten, so denken und handeln, nur dann kann für uns alles besser werden.

Eine Zeit lang hat das funktioniert, immer und immer wieder, aber nie wirklich lange. Wenn wir liebten, dann taten wir das sehr intensiv und nach nichts anderem stand uns der Sinn, als genauso sehr zurück geliebt zu werden. So begannen wir anderen Menschen gerecht zu werden, nicht nur auf sie zu hören und sie nachzuahmen, sondern tatsächlich auch Dinge zu tun und über uns ergehen zu lassen, die uns völlig widerstrebten und denen unser Gefühl so völlig entgegen sprach. Das ignorierten wir jedoch, denn wir glaubten das muss alles so sein.

Als junge Erwachsene entwickelte sich daraus eine total verquere Welt. Mangelndes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Selbstverständlich konnte nur dass das Ergebnis sein, denn dieses ständige Gefühl von nicht richtig und gut genug sein, kehrte doch immer und immer wieder. Die skurrilsten Dinge sind uns bis dahin im Leben passiert, die merkwürdigsten Menschen begegnet, die grausamsten Beziehungen haben wir gelebt, doch immer glaubten wir, es kann nur unsere Schuld sein, denn die anderen sind richtig, sie haben recht, wir aber nicht.

Der totale Zusammenbruch ist vorprogrammiert, denn wir können unseren Platz in der Welt nicht finden, wir können ihn noch nicht mal sehen. Nicht selten gehen Gedanken damit einher, es mache mehr Sinn, wir wären nicht mehr da, denn einerseits würde unser fehlen niemand bemerken und andererseits haben wir das Glück nicht gepachtet und sind dazu verdammt auf ewig so zu leben. Diese Erkenntnis und Einsicht, diese (später erst realisierten) falschen Wahrnehmungen, tragen nicht selten dazu bei, dass Menschen sich das Leben nehmen oder nicht wenigstens jede Menge Zeit auf diesen Gedanken verschwenden.

Irgendwann im Erwachsenenalter ist es dann so, dass man in Not gerät. Nicht in finanzielle, nicht in gesellschaftliche, nicht in die mit Substanzen oder vielleicht auch. Wir geraten in emotionale Not und dürfen Gott (insofern es diesen gibt 🙂 denn ich glaube nicht an ihn), wir dürfen dem göttlichen in uns und um uns herum danken, wenn es uns bis dahin gelungen ist ein halbwegs stabiles Umfeld um uns herum zu schaffen, dass uns in dieser Zeit begleitet und stützt.

Doch auch diese Menschen sind es nicht, die uns die Last von den Schultern nehmen, die uns befreien und erleuchten. Sie sind einfach nur da und geben uns den Antrieb, aber auch den nötigen Halt, um endlich auf Entdeckungsreise zu uns selbst zu gehen. Wir beginnen also zu forschen und zu lernen.

Nicht das wir mit ein paar Büchern oder durch Seminare und Gespräche jetzt alle Erklärungen und Lösungen gefunden hätten. Sehr beliebte und vor allem irrige Annahme ist das Thema der Hochsensibilität. Einmal entdeckt und verinnerlicht, scheint sie die Erklärung und Lösung zugleich all unserer Probleme zu sein. Endlich können wir, oft zum ersten Mal in unserem Leben sehen und verstehen, dass mit uns alles in Ordnung ist, dass wir doch nicht so unnormal sind, wie wir glaubten und es noch viel mehr Menschen gibt, denen es genauso geht, die genauso denken und fühlen, wie wir und die auch genauso am Ende sind.

Das Patentrezept ist das nicht, denn nun beginnen wir anderen Menschen zu erklären, dass wir nichts dafür können, das wir so sind. Das eben bestimmte Regionen im Gehirn weitaus mehr ausgeprägt sind, als bei anderen und bitten andere mit dieser gelieferten Erklärung, doch etwas mehr Rücksicht auf uns zu nehmen. Bis wir zu der erneuten Erkenntnis gelangen, dass es genügend Menschen gibt, die das einfach nicht können und es ist vor allem auch nicht ihre Aufgabe, denn sie dürfen sein wie sie sind und haben die Aufgabe für sich selbst zu sorgen.

An diesem Punkt trennen sich die Wege. Einige von uns geben auf. Sie leben die erlernte Strategie weiter, versuchen sich mehr und mehr und noch mehr anzupassen. Ja sie unterwerfen sich schon fast allem und jedem im Leben, weil sie immer noch glauben, es könnte niemals ein entrinnen geben. Manchmal sind sie dennoch in der Lage ein erfülltes Leben und erstmal scheinbar glückliches Leben zu führen, doch spätestens im reifen Alter explodieren sie, zumeist, wenn dann die Kinder aus dem Haus sind, der Mann eine Geliebte hat und die Ehe zerbrochen ist und dann beginnt ein sehr radikaler und rascher Wandel, denn die Erfahrungen machen uns reifer und weiser.

Die anderen beginnen schon früher, an dem oben genannten Punkt. Sie haben zwar eine Erklärung für ihr „Anders Sein“ gefunden, doch noch keine Strategie um ihr Leben zu verbessern. So beginnen sie also zu fragen, zu wachsen, zu lernen, sind bereit immer neues wissen und entdecken zu wollen, sind bereit erfahren zu wollen, wer sie eigentlich wirklich sind und so entdecken sie neue Werte und Ziele, nicht mehr in der Abhängigkeit von anderen, sondern sie beginnen ihr Leben ganz aus sich selbst heraus zu führen.

Empathie ist etwas, dass viele Jahre als ein belastender, riesengroßer und alles verschlingender Fluch erscheint. Doch an sich ist sie eine Gabe. Das zu erkennen und den Mittelweg zwischen Emphatie und Narzissmus zu finden, ist ein langwieriger, langjähriger Prozess. Manchmal dauert er ein Leben lang, doch blicken wir zurück, werden wir sagen, „Es ist alles genau so gut und richtig, wie es ist. „

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