Was ist ein Narzisst?

Auch dies ist ein sehr komplexes Thema und vor allem scheiden sich da tatsächlich die Geister und zumeist für den Narzissten nicht im positiven Sinne. Recherchiert man im Netz oder beliest sich in Büchern, bekommt man schnell den Eindruck, man habe es hier mit der Reinkarnation des absolut bösen zu tun. Da bei Narzissten die Fähigkeit zu Empathie und Mitgefühl oder Verständnis nicht besonders ausgeprägt ist, kann man überall die „Opfergeschichten“ nachlesen, die verdeutlichen sollen, wie zwingend notwendig es ist diesen Menschen möglichst aus dem Weg zu gehen, sich aus Verbindungen zu lösen, denn wenn nicht, dann könnten sie uns zerstören. Für mich ist das so nicht wahr. Doch beginnen wir auch hier am Anfang.

Ein Narzisst wird keinesfalls als die Brut Satans (in sofern es diesen überhaupt gibt) schon als böser Mensch geboren und auch als Erwachsener ist er das nicht. Genau wie bei Empathen auch, ist es eine in der Kindheit erlernte Strategie, die wir uns alle aneigneten, um zu überleben. Als Kinder waren wir auf die Liebe und Fürsorge der Eltern oder Großeltern angewiesen und darauf, dass sie uns versorgten und sich um uns kümmerten. Ohne dem hätten wir tatsächlich sterben können.

Die Meinungen und Sichtweisen der Eltern, der Großeltern, Lehrer und Geschwister, sowie auch vieler anderer Personen unseres Umfeldes, haben uns geprägt. So auch die mangelnde Liebe und Fürsorge, wenn diese nicht in der Lage waren uns diese zu geben, weil sie sich entweder selbst nicht genug liebten, viel Schmerz und Leid in sich trugen oder einfach nicht wussten, wie man Liebe gibt. Keine Grund die Eltern anzuklagen, zu beschuldigen und zu verurteilen, doch das soll Thema eines anderen Beitrages sein.

Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, haben Empathen die Strategie erlernt andere Menschen abzulesen und alles schon im Vorfeld zu erahnen, um sich zu schützen, schwierigen Situationen aus dem Weg zu gehen oder eben für andere Menschen alles tun zu können und zu wollen, um nur ein Fünkchen Liebe zu erhalten.

Narzissten haben eine andere Strategie entwickelt, schon im Kindesalter. Sie haben gelernt sich nur selbst schützen zu können und zu überleben, indem sie in der Lage waren ihre Gefühle zu ignorieren. Ihr inneres Leid und der Schmerz, den wir alle auf irgendeine Weise erfuhren, selbst wenn wir unsere Eltern idealisieren, war so groß, dass sie glaubten, wenn sie das aushalten müssten, würden sie daran sterben. So haben sie gelernt nach Außen hin perfekt zu werden.

Gefühle wie Schmerz, Leid und Angst wurden verdrängt, nach außen hin eine Mauer errichtet, die suggerierte, ich bin nicht angreifbar, Du kannst mir nichts tun. An einem Beispiel festgemacht würde das so ausgesehen haben. Wurde ein Kind, dass sich diese Strategie angeeignet hatte angeschrien oder geschlagen, so hat es häufig nicht mal geweint. Den körperlichen Schmerz konnten sie genauso spüren, wie jedes Kind das wahrnimmt, doch den emotionalen Schmerz haben sie gelernt zu ignorieren, eben aus ihrem Leben zu verbannen. Im Erwachsenenalter kann man das in folgender Form beobachten:

Auch Narzissten gehen selbstverständlich Liebesbeziehungen ein, denn meist noch mehr als andere Menschen benötigen sie Zuspruch, Anerkennung und Liebe anderer. Jeder von uns mag das sehr gern. Kommt es zu Streitsituationen, die in einer Partnerschaft nun mal dazu gehören und man kritisiert Narzissten oder schreit sie gar an, so kann man förmlich sehen, wie die Scheuklappen runter gehen. Es ist als würde sich bei ihnen ein Schalter umlegen und plötzlich hat man einen völlig anderen Menschen vor sich, weder fähig den Konflikt zu lösen, noch zu beenden, unfähig zur Einsicht und schon gar nicht zur Beendigung dessen. Eine Entschuldigung wird man von einem Narzissten nicht hören und wenn dann nur eine, die einem Zweck dient und keine die aus dem Inneren oder aus Einsicht ausgesprochen wird.

Desweiteren findet man in der Lebensgeschichte des Narzissten häufig ein sehr traumatisches Ereignis, meist im Teenager oder jungen Erwachsenenalter. Das kann der Verlust eines geliebten Menschen sein (gemeint ist hier nicht, dass die Oma an Krebs gestorben ist), wie z.B. eine Mutter, die zuerst misshandelt hat, vielleicht auch kontrollierend und beherrschend war und ihn zum Überfluss auch noch beim Vater zurück gelassen hat, um ohne ihn ein besseres Leben zu führen. Es kann genauso emotionaler oder körperlicher Missbrauch gewesen sein oder jegliche andere Form von traumatischen Ereignissen.

An dieser Stelle merkt der Narzisst erst richtig, dass seine in der Kindheit erlernte Strategie ihn schützt und er glaubt auf diese Weise jeglichem Schmerz und Leid aus dem Weg gehen zu können. So vertieft er diese Strategie immer weiter, bis man als Außenstehender den Anschein gewinnt, dass er gar kein Gefühlsleben mehr besitzt.

Narzissten merken jedoch sehr früh, dass ihnen die fehlenden emotionalen Fähigkeiten durchaus im Leben große Schwierigkeiten bereiten. Genau wie bei Empathen auch entwickelt sich in ihnen ein mangelndes bis gar keine Selbstwertgefühl und sie haben genauso wie Empathen die Ansicht, sie sind einfach anders und ganz und gar nicht richtig, so wie sie sind. Das ist auch völlig logisch, da es ohne Empathie für andere oder ein Mindestmaß an emotionalen Fähigkeiten wirklich schwer wird ein Sozialleben um sich herum aufzubauen und zu leben. Fähigkeiten, wie Mitgefühl, Verständnis, Liebe zu zeigen, genauso wie Traurigkeit und andere Empfindungen benötigen wir, um mit anderen Menschen in Kontakt treten und bleiben zu können und wir würden vereinsamen, könnten wir das nicht.

Der Narzisst muss sich also weiterentwickeln, denn auch er hat sehr positive Eigenschaften, Fertigkeiten und Fähigkeiten, so wie sie jeder von uns hat. Also beginnt er damit genau diese weiter auszubauen, um genauso beliebt, geliebt, erfolgreich und wohlhabend zu sein, wie auch viele andere. Er ist zielstrebig, zielorientiert in dem was er tut und aufgrund dessen erfolgreich vor allem im Beruf. Er besitzt eine unglaubliche Disziplin, wenn er seinen Nutzen erkennen kann und arbeitet bis zum umfallen daran seine Träume und Ziele zu verwirklichen, was ihm zumeist auch gelingt. Da ihm Emotionen, wie etwa Schuldgefühle, ein schlechtes Gewissen und ähnliches fehlen, kommt es nicht selten vor, dass er andere übergeht, um an sein Ziel zu gelangen.

Das was er im Leben tut, wird ihn immer zum Erfolg führen, in beruflicher oder finanzieller Hinsicht, da auch er Talente hat, die er eben besser kann als anderen und um die er sich vor allem weitaus mehr bemüht, als andere. Was ihm an Empathie und Emotionen fehlt, lernt er zu kompensieren, indem er seine Mitmenschen kopiert. Kurz gesagt bedeutet dass, es gibt für ihn nur schwarz und weiß. Wenn er liebt, dann nur, weil es für ihn Sinn ergibt und er einen Nutzen daraus zieht, kann er nicht erreichen, was er sich wünscht oder wird er in die Ecke getrieben und kritisiert, entwickelt sich eine Wut, die er nicht mehr unterdrücken kann. Zeitweise bekommt man dann den Eindruck ein Tornado würde wüten. Alles was dazwischen liegt, wie eben mit anderen Menschen zu sprechen, Verständnis zu zeigen, Mitgefühl zu entwickeln oder sich in andere Menschen hinein versetzen zu können, das schaut er sich ab.

Nicht selten äußert sich dass so, dass der Narzisst von seinem Umfeld geliebt, geachtet und geschätzt, ja schon fast verehrt und in den Himmel gehoben wird. Schon aufgrund seiner herausragenden Leistungen und seines Erfolges. Man erlebt ihn als hilfsbereit, zuvorkommend, liebevoll und einfühlsam, doch er verhält sich nicht so, weil er es möchte, sondern weil er von anderen dafür Bestätigung erhält. Je mehr Bestätigung und Wohlwollen man ihm zukommen lässt, desto zuvorkommender und aufopferungsvoller verhält er sich und das in einem Übermaß, dass einen wirklich beeindruckt. Grund dafür sind jedoch seine gelebten Extreme, eben das schwarz und weiß, denn weil es ihm nicht möglich ist, seine Gefühle wahrzunehmen, kann er auch kein Mittelmaß finden.

Geht ihm der Respekt, die Hochachtung, Liebe und Anerkennung anderer verloren, so wie es dann häufig in den Liebesbeziehungen die er führt der Fall ist, wandelt er sich ins komplette Gegenteil, wo sein Gegenüber die Welt nicht mehr versteht. Er wendet sich ab und plötzlich ist man Geschichte und für die Umwelt ist das oft nicht nachzuvollziehen, da wir gelernt haben zu kommunizieren und Probleme zu lösen.

Zugegeben, das hier geschriebene klingt erst einmal auch nicht danach, als würde man sich solch einen Menschen in sein Leben wünschen. Dennoch ist es keine Seltenheit, dass gerade Empathen sich oft Narzissten zum Partner wählen, schon auf der Basis des Gesetzes der Anziehung und aufgrund der selben inneren kindlichen Wunden. Was dass Zusammenleben mit einem Narzissten jedoch in einer Liebesbeziehung bedeutet, ob man diese dennoch leben kann und wie, dass ist Thema nächster Beiträge.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: