narzisstisch- empathische Liebesbeziehungen

Nicht selten finden Narzissten und Empathen in Liebesbeziehungen zusammen. Einerseits aufgrund ihrer verschiedenen Vermeidungsstrategien, andererseits aufgrund der selben kindlichen Wunden. Man möchte meinen, dass gerade diese beiden Extreme bestrebt sind sich aus dem Weg zu gehen, doch das ist oft ganz und gar nicht der Fall. Kommen Narzissten und Empathen in Beziehungen zusammen, findet die Phase der Verliebtheit an sich kein Maß mehr. Drei Mal stärker, intensiver und schöner scheint der siebte Himmel, fast schon wie aus einem Märchen. Doch die Hölle lässt hier nicht lange auf sich warten.

Ist die erste Phase der Verliebtheit vorbei und müsste sich die Partnerschaft nun festigen, so beginnt hier für beide eine Art On- Off- Beziehung. Wer sich nach Ruhe, Ausgeglichenheit und Harmonie sehnt, sucht dies hier vergeblich. Beschimpfungen, Herabsetzungen, Entwürdigungen, Verletzungen und vieles mehr, häufen sich nun und werden immer mehr in die Beziehung integriert. Normale Streitdiskussionen gibt es nicht, denn hier entbrennen regelrechte Machtkämpfe, bis einer von beiden einknickt und zu Boden geht. Selbst dann ist es nicht selten, dass noch einmal nachgetreten wird und plötzlich, wie aus dem Nichts legt sich der Schalter um und es beginnt wieder eine Phase der tiefen Liebe, mit Liebesbekundungen, Zukunftsträumen, Gemeinsamkeit, aufregendem Zusammen sein, nicht selten wird Sex (der spektakulär zu sein scheint und nirgendwo anders findbar) als Mittel benutzt, um die nun bevorstehende schöne Zeit einzuläuten.

Diese hält jedoch nicht lange an und so folgen schnell wieder die Verletzungen und Machtkämpfe, wo man sich nicht mehr als Paar begegnet, sondern als Feind. Nicht nur so daher gesagt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Mit allen Mitteln wird versucht den anderen zu treffen und zu verletzen. Es erweckt den Anschein, man würde tatsächlich in den Krieg ziehen und plötzlich geht es um nichts anderes mehr, als den Gegner am Boden zu sehen und ihn zu vernichten. Bis sich der Schalter erneut umlegt usw. usw. usw.

Anfangs glaubt man vielleicht noch, mit der Zeit würde sich das ändern. Schließlich liebt man sich ja und kann sich von dem anderen nicht lösen. Wir glauben, wenn wir uns nur stärker bemühen, dann wird alles schon irgendwie gut werden, doch der Schein trügt. Je mehr sich die Phasen des Krieges miteinander häufen, desto größer und stärker werden die Verletzungen und Wunden, die wir daraus hervortragen. Unbedingt notwendige Dinge, wie beispielsweise zu vergeben und zu verzeihen, gelingen nicht mehr und so kehrt sich die Liebe mal eben schnell in Hass.

In der Regel wird der Narzisst es sein, der das Drama beendet, nämlich genau dann, wenn er in der Partnerschaft keinen Nutzen mehr für sich sieht und das was er braucht, nämlich Zustimmung, Anerkennung und Bestätigung, ihm verwehrt werden. Schnell ist dann auch schon der nächste Partner gefunden und das Spiel beginnt von vorn. Zurück bleibt der arme kleine, zerstörte und am Boden liegende Empath, zusammen gekrümmt in der Opferrolle verharrend. Auch er ist sich keiner Schuld bewusst und ihm bleibt nichts anderes mehr, als den bösen Narzissten anzuklagen und zu beschuldigen, ihm die Schuld dafür zu geben, dass alles nicht funktioniert hat und für das, was dieser ihm angetan hat.

Zugegeben, diese On-Off- Beziehungen oder auch sogenannten toxischen Beziehungen, haben oft gar keine Chance und können nicht ewig fortbestehen. Wir können beobachten, dass dort die merkwürdigsten Dinge geschehen und wie weit Menschen tatsächlich gehen, um den anderen zu verletzen und zu entwürdigen und das alles unter dem Deckmantel der Liebe.

Der Empath, der nicht fähig ist sich zu schützen und sich abzugrenzen, ein gesundes Nein zu kommunizieren und dieses auch durchzusetzen. Das einzige Nein das er kennt, ist das Nein zu sich selbst, denn er ist der Überzeugung, er sei es nicht wert und habe es nicht besser verdient.

Und der Narzisst, dem es an Verständnis und Mitgefühl und vielen anderen notwendigen Emotionen mangelt und der wenn er sich angegriffen und kritisiert fühlt, in den Krieg zieht, mit Waffen, die einer imaginären Atombombe gleichen. Nach außen zeigt er Stärke und Selbstbewusstsein, doch innen drin ist er nach wie vor das kleine verwundete Kind aus seinen Kindheitstagen. Auch in ihm gibt es das Nein zu sich selbst und so kompensiert er, indem er sich alles was er braucht aus dem Außen zieht. Ja er saugt andere Menschen förmlich aus.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, wie solch eine Liebesbeziehung funktionieren kann. Wenn beide ganz bei sich bleiben, den Spiegel, den ihnen der andere vor die Nase hält wert schätzen lernen und wenn sie beginnen an sich selbst zu arbeiten, zu lernen und zu wachsen, jeder ganz für sich. Das kann sogar bedeuten, dass man eine Zeit lang getrennte Wege gehen muss, besonders für den Empathen eine ungeheure Vorstellung.

Nur wenn beide erkennen, in welcher erlernten Strategie der Vermeidung des Fühlens der Kindlichen Wunden sie leben (diesen Begriff habe ich mir nicht ausgedacht, sondern lediglich von anderen übernommen), wenn beide dazu bereit sind stehen zu bleiben und in sich selbst hineinzuschauen, dann haben sie eine Chance den Weg gemeinsam zu gehen. Wenn ein anderer Mensch uns berührt, im positiven, aber auch im negativen Sinne, dann ist es unsere Aufgabe hinzuschauen. Und zwar nicht zum anderen, um mit dem Finger auf ihn zu zeigen, sondern zu uns. Was macht das mit mir, was der andere da gerade sagt oder tut und wo kommt das her.

Welches sind die Ängste, Sorgen, Verletzungen und Traumata der Kindheit, die ich heute als erwachsener Mensch immer noch lebe, obwohl die Vergangenheit längst vorbei ist. Welche Anteile, die der andere mir so schmerzlich aufzeigt, habe ich bei mir selbst noch nicht reintegriert und bin ich noch nicht bereit, sie an mir selbst zu lieben.

Gehen Narzissten und Empathen den Weg des Lernens und Wachsens tatsächlich gemeinsam, dann ist das ein sehr steiniger und holpriger Weg. Immer nur Stück für Stück wird es vorwärts gehen, da wir nicht alles was wir brauchen von heute auf morgen lernen. Es braucht seine Zeit und manchmal dauert es Jahre. Es wird einige Rückschläge geben, wo wir erneut hinfallen, um aufzustehen und die Krone zu richten, um weiter zu gehen, selbst dann wenn wir das Bedürfnis danach verspüren einfach nur liegen zu bleiben.

Eine Liebesbeziehung zwischen einem Narzissten und einem Empathen kann nur dann Bestand haben, wenn der Narzisst lernt gesunde empathische Eigenschaften zu integrieren und der Empath lernt, gesunde narzisstische Eigenschaften bei sich zu integrieren. Das ist jedoch ein sehr langwieriger Prozess, ohne dass einem jemand eine Aussicht auf Erfolg oder gar eine Garantie für das Gelingen gibt.

Es gibt Gründe dafür, warum wir Menschen in unser Leben ziehen und es gibt ebenso Gründe, warum wir solche Liebesbeziehungen führen. Es macht nicht viel Sinn, den Partner nur auszuwechseln oder zu tauschen, denn bleiben wir nicht bei uns und erkennen unsere kindlichen Wunden, wird mit dem nächsten und dem nächsten und dem danach, immer und immer wieder das selbe Drama ablaufen und dem Kreislauf können wir nicht entfliehen.

Andere Menschen dienen uns, um von ihnen zu lernen, so auch in diesem Fall. Wir sehen den anderen genau an und gucken uns von ihm quasi das ab, was wir glauben für uns gut integrieren zu können. Wir verstehen, dass der andere uns den Spiegel vor die Nase hält. Immer und immer und immer wieder und das auf eine hässliche und sehr schmerzhafte Weise. Doch nur so bekommen wir die Gelegenheit alles über uns zu lernen und an uns zu wachsen, ja wir können sogar über uns hinauswachsen.

Doch dürfen wir nicht denken, wenn wir uns stetig verändern, dann werden wir den anderen nicht verlieren, denn dann tun wir alles was wir tun nicht für uns, sondern für ihn und das wäre dann „Thema verfehlt“. Zumeist ist es sogar unumgänglich auch einen Stück unseres Weges allein zu gehen, sodass wir erkennen können, wohin die Reise zu uns Selbst, wohin der Weg zurück zu uns, uns eigentlich führt.

3 Comments on “narzisstisch- empathische Liebesbeziehungen

  1. The only way to win this evel Game is Not To Play!
    Nullkontakt. Null. Anders gehts nicht.

    Ps: Martin U. Den du öfter hier anführst ist selbst Narzisst. Deshalb würd ich von dem was der sagt stark abraten.

    Woran man Narzissten erkennt?
    Man fühlt sich im Kontakt immer kleiner, belehrter, herabgesetzt. Minderwertiger.
    Vorsicht also! Narzissmus ist subtil und wirkt im Verdeckten deshalb ist er so gefährlich. Besonders für Empathen.

    Liebe Grüße
    Sultanine

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für Deine Worte und Deine Meinung. Zugegeben ist es absolut nicht leicht mit Narzissten umzugehen oder gar mit ihnen zu leben, nicht wenn Menschen, insbesondere Empathen nicht lernen sich auch zu schützen. Deshalb sind sie jedoch keine schlechten Menschen. Ganz im Gegenteil, sie können sehr wohl auch sehr liebevoll sein und haben viele bewundernswerte, positive Eigenschaften. Wenn auch in mancher Hinsicht auf einer sehr anderen, nicht leicht nachvollziehbaren Basis.

      Was Martin Uhlemann betrifft, wird ihm von nicht wenigen Menschen nachgesagt, er sei ein Narzisst. Das ist ein Urteil anderer, ein in die Schublade stecken, von dem ich immer versuche mit abzugrenzen. Vor allem aber ist es nicht wahr, denn unterhält man sich mit ihm über seine Lebensgeschichte und seinen Lebensweg, dann wird ziemlich schnell klar, er ist vom eigentlichen Bild eines Narzissten sehr weit entfernt, denn tatsächlich ist er Empath, dem es gelungen ist positive narzisstische Eigenschaften bei sich selbst zu reintigrieren, auf eine gesunde Art und Weise.

      Wäre er kein Empath, sondern tatsächlich Narzisst, wie Du es siehst und mit Dir auch viele andere, könnte er seine Arbeit niemals erfolgreich machen. Er ist jedoch sehr erfolgreich in dem was er tut. Er setzt sich mit dem Denken, Fühlen und den Problemen in Liebesbeziehungen auseinander, bietet Problemlösungen. Ein Narzisst könnte das niemals tun, da ihm Mitgefühl fehlt und er sich nicht in andere Menschen hineinversetzen kann.

      Narzissten sind eher in praktischen Berufen erfolgreich, wo sie mit ihren Händen oder auch ihrer Logik und ihrem Denken ihre Ziele verwirklichen. Sie können niemals soziale Berufe ausüben und sie können auch nicht mit Menschen arbeiten, da sie mit ihnen generell schlecht umgehen können.

      Ganz liebe Grüße Nicole 🙂

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