Wie kommunizieren Empathen und Narzissten?

Man könnte meinen erst einmal gar nicht, denn sie ziehen permanent in den Krieg. Nicht das sie nicht miteinander reden, doch sie können einander nicht verstehen. Ihre erlernten kindlichen Vermeidungsstrategien sind so verschieden, wie Unterschiede größer nie sein könnten. Der eine fühlt einfach alles und jeden, der andere hingegen scheint gar nichts zu fühlen und sieht sein Selbst in Logik, Denken und Handeln.

Sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, „Normal“ über vorhandene Probleme zu reden und zu diskutieren, ist unmöglich. Nicht auf der Ebene, wie viele andere es tun würden. Hat der Empath ein Problem, hat er es, weil er etwas fühlt. Sprich er darüber, ist er sich dessen nicht bewusst, dass seine Verletztheit bei ihm entstanden ist und so beschuldigt er und klagt schnell an. Auf der Basis seines Fühlens, wird er versuchen sich zu erklären. Sein Fühlen ist jedoch so intensiv, dass es ihm häufig nicht gelingt den Erwachsenen in sich zu Wort kommen zu lassen und so spricht dort ein kleines verletztes Kind.

Narzissten hingegen können mit dieser „Gefühlsduselei“ nichts anfangen. Sie können den anderen nicht verstehen, denn sie selbst können es nicht fühlen, sie können es nicht nachempfinden und ihnen fällt es schwer Mitgefühl zu entwickeln. Spricht man mit ihnen über Probleme, die sie selbst nicht betreffen, können sie besonders gut beraten, belehren oder lösungsorientierte Vorschläge bringen, denn sie Handeln, reden und entscheiden rein nach ihrem Verstand.

Das einzige Gefühl, dass sie sehr intensiv wahrnehmen und spüren können, ist Wut, Zorn oder gar Hass. Sie können damit aber absolut nicht umgehen und tun nun alles, um das Fühlen dieser zu vermeiden. Dieser Zwang sich besser fühlen zu wollen, beziehungsweise diese unangenehmen Gefühle zu beseitigen, lässt sie in Handeln kommen.

Da ihm aber die Fähigkeit zu verstehen und Mitgefühl fehlt, geht er in den Gegenangriff über, was beim Empathen erst recht zu Unverständnis führt, nicht selten zu tief sitzenden Verletzungen.

Nehmen wir ein Beispiel:

Ein Ehepaar unterhält sich beim Abendessen über den folgenden Tag. Sie erklärt ihm, er möge doch bitte pünktlich Feierabend machen, um rechtzeitig zu Hause zu sein und sich um die Kinder zu kümmern, denn sie habe noch einen wichtigen beruflichen Termin. Er versichert ihr, dass sei gar kein Problem, er verlasse pünktlich die Firma und seie dann rechtzeitig da. Sie verabredeten sich also zu 19 Uhr.

Am Folgetag kommt sie von der Arbeit, kümmert sich um die Kinder und bereitet alles für den Abend vor, sodass er sich nicht mehr um so viel zu kümmern braucht. Sie geht die Unterlagen für den Termin noch einmal durch und sie wartet. Es wird 19 Uhr, 19.30 Uhr, dann 20 Uhr und dann 20.30 Uhr. Je länger sie wartet, desto wütender wird sie. Den Termin musste sie verschieben, doch sie hätte es auch besser wissen können, denn schließlich ist es nicht das erste Mal, dass das geschieht und ihr Mann zum verabredeten Zeitpunkt nicht da ist.

(Ein Narzisst wird immer seine Belange in den Vordergrund stellen, da nur diese ihm wichtig erscheinen. Sieht er keine Notwendigkeit oder keinen Zweck für sich selbst, in dem was von ihm erwartet oder verlangt wird, wird er immer zuerst seine Dinge erledigen, bevor er den Wünschen eines anderen nachkommt. Daraus resultiert eine permanente, sich regelmäßig wiederholende Unzuverlässigkeit)

Während sie auf ihren Mann wartet, macht sie sich bereits jede Menge Gedanken, was vielleicht die Gründe für sein erneutes Zuspätkommen sein könnten. Zuerst entscheidet sie noch zu seinen Gunsten und meint, vielleicht ist ihm etwas passiert. Doch das revidiert sie für sich ziemlich schnell, da die Wut dafür sorgt, dass sie nicht wirklich klar denken kann und so kommt es schnell dazu, dass ihr Gefühl überwiegt. Schließlich kennt sie ihren Mann schon einige Jahre und weiß wie egoistisch und selbstsüchtig er doch sein kann. Sie beginnt erneut zu glauben, sie ist einfach nicht wichtig genug, sie ist ihm nicht wichtig genug und das macht sie traurig. Sie fühlt sich ungeliebt und wertlos und glaubt, wenn er sie wirklich lieben würde, dann würde er sich nicht immer wieder so verhalten und auch auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen.

(Die in Gang gesetzten Gedankenspiralen resultieren aus ihrem Nein zu sich selbst und auch ihrer Unfähigkeit klare Grenzen zu setzen und Konsequenzen durchzusetzen. Wie ein roter Faden zieht sich das durch ihr Leben. Sie kennt ihren Wert nicht und kann das somit auch nicht kommunizieren. Deshalb opfert sie sich immer für andere auf, vergisst sich dabei selbst und lädt andere damit förmlich ein, sie auszunutzen und ihr auf der Nase herum zu tanzen.)

Als ihr Mann um 21 Uhr nun endlich nach Hause kommt, kann sie ihre Gefühle von Wut, Zorn, Traurigkeit und Frust nicht mehr kontrollieren und lässt ihnen also freien Lauf. Noch bevor er Guten Abend sagen oder sich erklären kann, beginnt sie auf ihn einzureden und ihn anzuschreien, was für ein selbstsüchtiger, egoistischer Vollidiot er doch sein und das sie es unmöglich fände, dass sich der Planet immer nur um ihn drehe.

Dass er sich angegriffen und kritisiert fühlt, ist völlig klar. (Bei Narzissten beginnt genau hier der Krieg.) Statt sich dennoch zu erklären oder für sein Zuspätkommen zu entschuldigen, kann sie förmlich seinem Gesichtsausdruck ablesen, dass jetzt die Schotten dicht sind. Er bringt ihr kein Verständnis entgegen, findet auch nicht, dass er etwas falsch gemacht hätte und er kann ihren Gefühlsausbruch und die Tränen der Enttäuschung und der Wut absolut nicht nachvollziehen. Er fühlt sich zu Unrecht angeklagt und so spürt er sogleich das Bedürfnis sie zu bestrafen.

Kopfschüttelnd läuft er an ihr vorbei, ohne ein Wort, so als wäre gerade gar nichts gewesen, als wäre sie überhaupt nicht da. Sie drängt ihn also etwas zu sagen, indem sie verdeutlicht, dass sie gerade etwas gesagt hatte und dass sie eine Erklärung erwarte. Er hingegen antwortet nur kurz und knapp, „Ich hatte eben zu arbeiten. Guck doch mal, was Du deshalb schon wieder für ein Theater machst, Hauptsache es ist immer genug Geld da.“

(Dass sie sich weder ernst genommen, noch wert geschätzt fühlte, schockiert über seine Antwort war und unglaublich verletzt über seine Lieblosigkeit, muss ich an dieser Stelle denke ich nicht mehr erklären. Genau diese Gefühlsintensität ist die Eigenschaft des Empathen.)

Er ging ins Haus und der Abend endete damit, dass sie im Wohnzimmer saß und bitterlich weinte. Er verschwand im Büro und ging seinen Geschäften nach. Natürlich hätte sie erneut versuchen können mit ihm zu reden, doch aus Erfahrung wusste sie, er würde nicht ein einziges Wort mehr sagen, sie noch nicht einmal ansehen und am morgen wird er ohne sich zu verabschieden aus dem Haus gehen und sie mit Nichtachtung strafen. Sie wusste, das bleibt so für die nächsten drei Tage, es werden Tage des Schweigens werden, genau solange, bis er beschließt, er hat sie jetzt genug gestraft. Am vierten Tag wird er dann morgens aufstehen und der liebevolle Mensch sein, der er eben auch ist.

Doch keinesfalls darf sie dann das Thema neu aufgreifen, um mit ihm darüber zu reden, denn dann geht das Drama, die Gleichgültigkeit, Kälte und Ignoranz noch einige Zeit weiter. Unter den Teppich kehren lautet das Motto und wehe daran hält sie sich nicht.

Gefangen in ihrer selbstauferlegten Opferhaltung und mit all den intensiven für sie negativen Gefühlen, bleibt sie nun zurück und sitzt die Situation aus, bis sie eben vorbei ist. Wie eine Marionette, die die Fäden aus der Hand gegeben hat und der nichts anderes übrig bleibt, als zu akzeptieren.

An der hier beschriebenen Situation können wir erkennen, dass Kommunikation im eigentlichen Sinne nicht stattfindet. Wir finden emotionale Erpressung und emotionale Gewalt auf beiden Seiten und doch ist sich keiner der beiden dessen wirklich bewusst. Beide glauben der andere ist schuld, beiden fehlt das Verständnis füreinander, da sie aufgrund der verschiedenen Vermeidungsstrategien nicht nachvollziehen können, warum sich der andere so verhält.

Gekränkt und verletzt sind letztendlich beide, nur dass der Narzisst das nicht fühlen kann. Bei ihm schmälert die Kritik seiner Frau sein Selbstbewusstsein und sein Selbstwertgefühl und er versucht das auf seine Weise auszugleichen. So demütigt er sie und gibt ihr das Gefühl, sie wäre nicht normal und es wäre ihre Schuld, was dem einzigen Zweck dient sich über sie zu stellen und sich damit besser zu fühlen. Mit der Ignoranz und Gleichgültigkeit, die er ihr ganz klar demonstriert, indem er sie mit Nichtachtung und Schweigen straft, schützt er sich davor zu leiden. Er kann gar nicht anders, denn das hat er als Kind so gelernt.

Sie hingegen leidet im Übermaß, da sie seine Herabsetzung und seine Worte, genauso wie sein Verhalten überaus persönlich nimmt. Sie hat nie gelernt sich zu distanzieren, sich abzugrenzen, Dinge eben nicht persönlich zu nehmen, was eben zu diesem Gefühl der Wertlosigkeit fühlt. Sie hätte eigentlich nur verstehen müssen, dass sie nichts falsch gemacht hat, außer dass sie die Verantwortung für sich selbst und ihre Gefühle an ihren Mann abgegeben hat und ihm damit immer wieder das Werkzeug in die Hand gibt, um loszuschießen. Hätte sie verstanden, dass sein Verhalten aus seinen kindlichen Wunden resultiert und ihres aus ihren, hätte sie gewusst, dass seine Worte einzig etwas über ihn aussagen, nicht aber über sie. Es wäre ihr besser gelungen ihre Gefühle zu akzeptieren und sich deshalb keinesfalls wertlos und ungeliebt zu fühlen, da sie wüsste, dass sie es einfach nicht ist.

Das Problem ist tatsächlich, dass sich derartige Probleme in einer Liebesbeziehung zwischen Empathen und Narzissten sich nicht durch verbale Kommunikation lösen lassen, da die notwendigen Gespräche auf gleicher Höhe und selber Basis eben nicht stattfinden. Die einzige Möglichkeit dies zu lösen liegt darin, sich entweder zu trennen oder aber im Verlauf von Jahren zu lernen, dass der Narzisst empathische Züge in sich reintegrieren könnte und der Empath narzisstische Eigenschaften. So könnten beide voneinander lernen und eine gemeinsame Basis schaffen, doch das ist in dieser Konstellation absolut nicht leicht und vor allem oft schmerzhaft.

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