Deinen Eltern verzeihen, kann ein Schritt auf das Glück in Dir sein.

Mit dem verzeihen ist es so eine Sache. Wir würden ja gern, wir wissen, es würde uns gut tun, wir wissen, es könnte so viel verändern, für uns selbst und für andere und dennoch gelingt es uns so oft einfach nicht. Am schwersten fällt es uns, uns selbst unsere Fehler zu vergeben oder einfach die Dinge, die wir gesagt und getan haben, von denen wir glauben, dass sie falsch waren, denn oft ist es nur eine Frage der Wahrnehmung und in der liegen wir ziemlich häufig falsch.

Wenn wir doch aber nicht einmal in der Lage sind uns selbst zu verzeihen, wie soll uns das dann bei anderen gelingen? Ist es nicht so, dass wenn wir mit uns selbst schon so hart ins Gericht gehen, dass wir bei anderen die Dinge und ihre Fehler noch viel verbissener sehen?

Verzeihen und vergeben kann man vielleicht lernen, doch es bedeutet so viel mehr, als die Dinge loszulassen, die uns einmal Schmerz und Leid bereitet haben. In der Regel fängt es schon bei unseren Eltern an. Nicht selten geben wir ihnen die Schuld daran, dass wir heute sind, was wir sind, das wir heute denken und fühlen, was sich in uns nun einmal bewegt und nicht selten geben wir aufgrund dessen auch ihnen die Schuld daran, wenn uns im Leben scheinbar nicht so viel gelingt.

Jeder von uns hat in seiner Kindheit Dinge erlebt und erfahren, die ihn jetzt in seinem Erwachsenen Dasein prägen, die unveränderbar scheinen, das Leben ausmachen und uns nicht allzu selten im Wege stehen. All unsere Glaubenssätze, unsere Werte und alles was wir glauben, dass im Leben richtig oder falsch zu sein scheint, beruht auf dem, was wir als Kinder erlebten. Darauf, wie sehr unsere Eltern uns liebten und wie sehr sie in der Lage waren uns das auch zu zeigen und mit auf den Weg zu geben.

Nicht wenige von uns sagen, dass sie die Liebe und Fürsorge, die wir als Kinder gebraucht hätten, nicht erfahren haben. Einige wurden misshandelt und geschlagen, andere mit Worten gedemütigt und wieder andere erfuhren unvorstellbare Traumata. Auch diejenigen von uns, die sagen, sie hätten eine tolle Kindheit gehabt und ihre Eltern hätten sich bemüht und sie hätten alles bekommen, können doch auf die ein oder andere Weise sagen, dass sie sich etwas anderes, vielleicht doch mehr gewünscht hätten und auch sie sind nicht frei, von den Wunden, die wir alle in uns tragen.

Ist es deshalb aber richtig unsere Eltern anzuklagen, zu beschuldigen und ihnen für alles die Schuld zu geben? Es steht außer Frage, dass sie Dinge gesagt oder getan haben, die wir als Kinder nicht verstanden haben, die uns Kummer und Schmerz bereiteten und die wir bis heute nicht vergessen haben. Auf die ein oder andere Weise begleiten sie uns noch heute und es wäre leicht zu sagen, es ist alles ihre Schuld. Doch niemals werden wir dann wachsen und lernen können, wenn wir nicht versuchen sie zu verstehen.

Unsere Eltern gaben in jeder Hinsicht ihr Bestes, auf ihre Weise, so gut sie es eben konnten. Das mag für einige von uns unfassbar klingen, besonders für die, die geschlagen oder auf andere Weise mißhandelt wurden. Doch kann ein Mensch nur in dem Maße Liebe geben, wie er es selbst auch gelernt und erfahren hat.

Bei einem Vater, der sein Kind geschlagen hat, ist davon auszugehen, dass auch er als Kind geschlagen wurde, denn wir wiederholen das, was wir selbst erfahren haben nicht selten, weil wir nicht wissen, wie wir anders oder besser mit Situationen fertig werden können. Ein Vater, der sein Kind missbraucht, tut das nicht aus lauter Freude daran, sondern in aller Wahrscheinlichkeit ist er selbst missbraucht worden. So trägt er so viel Wut, Schmerz, Leid und Hass in sich, dass er nicht weiß, wie er es anders oder besser machen kann, ja vielleicht ist er auch nicht mehr in der Lage zu erkennen, was richtig oder falsch ist oder vielleicht ist das seine ganz makabere Weise seinem Kind tatsächlich zu zeigen, dass er es liebt. Vielleicht wurde das für ihn als Kind zur Normalität, sodass er jetzt nicht sieht, dass es eigentlich nicht normal ist und das kein Kind so aufwachsen sollte.

Vielleicht hatten wir eine Mutter, die ständig trank und immer weinte, sodass wir glaubten, es läge an uns. Da sie nicht mit uns sprach, war die logische Schlussfolgerung, dass sie wegen uns immer weinte und das wir böse und schlecht wären, denn sonst würde sie ja nicht ständig weinen müssen.

Vielleicht führte der Alkohol auch dazu, dass sie ständig ausrastete, dass sie uns beschimpfte und schlug. Als Kind reicht schon ein böser Blick der Mutter, um das wir zutiefst verletzt sein können und uns ungeliebt fühlen, weil wir nicht verstehen, woher das eigentlich kommt.

In jedem Fall aber fühlen wir uns hilflos, ungeliebt, wertlos und nicht geachtet. Wir haben das Gefühl, niemanden auf der Welt interessiert es, wie wir uns fühlen und was wir möchten, dass wir nicht geschlagen und nicht angeschrien oder anders misshandelt werden möchten, doch wir lernen in diesen frühen Jahren, dass wir dem hilflos und machtlos gegenüber stehen, dass wir alles über uns ergehen lassen müssen und es nichts gibt, dass wir tun könnten, um dass sie damit aufhören und es uns besser geht.

Erst als junge Erwachsene, als Teenies, lehnen wir uns dagegen auf und versuchen dem mit aller Macht zu entkommen. Wir laufen weg, flüchten in Alkohol und Drogen, versuchen uns aufzubäumen und uns unsere Freiheit zu erkämpfen, mal recht, mal schlecht sogar mit Erfolg. Bis dahin haben wir aber so einiges ertragen müssen und wir haben noch keine Vorstellung davon, wie sehr uns das in unserem Leben begleiten wird, wie sehr uns all das geprägt hat und  wie häufig uns unsere Kindheit auch noch im Weg stehen wird.

Dennoch sind unsere Eltern nicht schuld. Sie konnten, wie schon gesagt, uns nur das geben, was sie selbst gelernt hatten und wussten. Jemand der nie besonders viel gutes in seinem Leben erfahren hat, der selbst nie geliebt wurde und nicht gezeigt bekommen hat, wie man Liebe ausdrückt und gibt, der kann es oft auch nicht an seine Kinder weiter geben, wie denn auch. Mütter und Väter, die in ihrer Kindheit misshandelt wurden, nehmen sich sicher immer vor, es besser oder anders zu machen, als sie es selbst erfahren haben, doch oft stellen sie fest, dass sie es nicht können.

Aufgrund des erlebten, hassen sie sich vielleicht selbst, in jedem Fall leiden sie, empfinden Kummer und Schmerz. Aus dem heraus kann man nicht wirklich Liebe geben. Haben sie dann keinen Menschen in ihrem Leben, der sie besseres lehrt oder sind sie nicht in der Lage, Dinge zu ergründen und an sich selbst zu wachsen, kann es ihnen gar nicht gelingen etwas anders und besser zu machen.

Wenn wir uns zurück erinnern oder uns mit älteren Generationen unterhalten, dann müssen wir auch zugeben, dass vor ein paar Jahrzehnten der Erziehungsstil ein ganz anderer war. Wie oft hören wir den Satz, „Ich hab auch hin und wieder ein paar hinter die Löffel bekommen und geschadet hat es mir nicht.“ Manchmal sogar aus dem Mund unserer Eltern. Dabei bin ich mir sicher, sie haben nicht vergessen, wie sie sich dabei gefühlt haben und dennoch galt es als normal. So haben sie es vielleicht übernommen.

Nicht wenige von uns kennen die Strafe mit dem Gürtel oder es wurde der Teppichklopfer benutzt, hin und wieder mussten Kochlöffel herhalten und auch das Kind in den Keller zu sperren, um dass es seine Lektionen lernte, war nicht unüblich, denn schließlich wuchsen sie in Generationen nach dem Krieg auf, wo Disziplin und Gehorsam eine Unabdingbarkeit waren und verglichen mit den Dingen, die sie selbst im und nach dem Krieg erfuhren, empfanden sie es vielleicht noch als harmlos oder Verbesserung, was sie meinten, für uns die richtigen Strafen wären.

Allem zum Trotz sind das alles hier nur kleine Versuche der Erklärung. Für jeden einzelnen steckt natürlich noch viel mehr dahinter.

Doch wäre es gut die Hintergründe zu verstehen, zu verstehen, dass nicht alles was unsere Eltern taten geschah, weil sie böse Menschen waren und uns nur das schlechteste antun wollten oder weil sie uns nicht genug liebten. Eigentlich liebten sie sich selbst nicht genug, sodass sie uns das antaten, denn sie hatten selbst nie erfahren, wie es ist geliebt zu werden oder wie man Liebe gibt.

Jeder, der schon mal mit seinen Eltern darüber gesprochen hat oder sich in der Familie über ihre Kindheit informiert hat, der wird wissen was ich meine. Der Punkt ist jedoch, dass nur mit diesem Wissen auch gewisses Maß  an verstehen gelingt und das wiederum hilft uns dabei zu verzeihen. Wenn wir unseren Eltern verzeihen können, dann machen wir uns ein Stück weit frei, denn dann gibt es nichts mehr, wofür wir sie hassen.

Verzeihen bedeutet dabei keinesfalls, dass wir gut heißen, was sie getan haben, doch wir räumen ein, dass auch sie nur Menschen sind und weitergeben, was sie selbst lernten und geben konnten. Es obliegt selbstverständlich jedem selbst zu lernen, doch nicht jeder Mensch ist dazu in der Lage und auch das können wir vielleicht in ihnen sehen und somit ein bisschen besser verstehen.

Vergeben wir ihnen nicht und geben wir ihnen die Schuld, dann werden wir es auch nicht besser machen können. Zu groß sind die Wut, der Zorn und der Hass in uns, weil wir die Vergangenheit nicht loslassen können, um zu erkennen, dass wir heute nicht mehr die hilflosen und wehrlosen Kinder sind. Vielleicht sind unsere Eltern heute auch gar nicht mehr so, doch wir können das nicht erkennen, weil uns unser Empfinden und unser Denken im Weg stehen.

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal ganz klar sagen, dass es nicht darum geht, gut zu heißen, was unsere Eltern getan haben. Doch geht es hier um uns und nicht um richtig oder falsch.

Zu verzeihen, insbesondere und in erster Linie unseren Eltern, kann und wird uns viele Türen öffnen, vor allem aber die zu unserem eigenen Herzen.

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