Geld regiert die Welt…

Kürzlich begegnete mir eine ganz liebe ältere Frau, mit wenig Besitztümern, ihren eigenen kleinen und größeren Problemen, aber einem Herz voller Liebe, die mir sagte, Geld verdirbt den Charakter des Menschen.Das ist ja nun ein Spruch, den unsere Großeltern schon kannten und verwanden und in der Regel hatten diese in der Nachkriegszeit ohnehin nicht besonders viel und dennoch ist er so altbacken, dass ich seinen Wahrheitsgehalt für mich selbst tatsächlich hinterfrage.

In letzter Zeit begegnen mir häufiger die krassen Gegensätze und vielleicht ist es gerade auch deshalb für mich zum Thema geworden. Menschen mit viel Geld und Menschen mit wenig bis kein Geld, zumindest so, dass sie nicht wissen, wie sie ihre nächste Rechnung bezahlen sollen.

Ich persönlich kenne aus meiner Erfahrung beide Seiten. Zeiten in denen ich nichts hatte und nicht wusste, wie ich den Kühlschrank füllen soll und Zeiten, in denen ich mir alles leisten und kaufen konnte, was ich wollte. Letzteres ist natürlich unbestreitbar wesentlich angenehmer, gar keine Frage.

Ich möchte jedoch meinen, dass mich zweites nicht verändert hat. Das was mich zu Veränderung brachte, waren die Menschen in meinem Leben, Dinge, die sich ereigneten, Situationen mit denen ich zurecht kommen sollte. Das Geld das ich plötzlich hatte, hat aber nicht dazu geführt, das ich mich verändern konnte, sondern war dabei sogar noch ein Hindernis.

Ich bin dabei sicher auch voreingenommen und nicht urteilsfrei, nicht objektiv, denn sich selbst genau zu betrachten und dabei die Wahrheit zu erkennen, ist auch nicht immer ganz leicht. Und auch ich darf gestehen, dass ich doch hin und wieder Dinge über mich ergehen ließ oder in Kauf nahm, gerade wenn andere Menschen etwas taten, was mir so völlig gegen den Strich ging, wegen des lieben Geldes.

Unterm Strich stelle ich jedoch eines fest. Die Menschen, die mir begegnen mit Geld, sind kalt und leer, haben ihr Mitgefühl verloren. Sie können nicht wirklich lieben, können sich in andere Menschen nicht hineinversetzen. Sie können von ihrem Geld super leben, habe aber ganz große Angst davor es wieder zu verlieren oder gar teilen zu müssen. Sie sehen die kleinen und schönen Dinge des Lebens nicht mehr und das wollen sie auch nicht, denn sie messen ihren Selbstwert an ihrem Kontostand und die gesammte Aufmerksamkeit gilt der Arbeit und dem noch mehr Geld zu verdienen, sodass das auch das einzige ist, was sie noch interessiert und glücklich macht.

Die Menschen ohne Geld jedoch, sind so voller Liebe, voller Mitgefühl, voller Warmherzigkeit. Sie besitzen nicht viel, doch was sie zu geben haben, das geben sie. Sie stellen ihr eigenes Wohl hinten an und sind zuerst mal für andere da, haben immer ein offenes Ohr und geben quasi ihr letztes Hemd. Dennoch hat auch dies seine Schattenseite, denn oftmals sind sie verzweifelt. Mit kaum Geld in der Tasche schwingen letztendlich jede Menge Existenzängste, die einen beherrschen können und die Angst vor dem Morgen und vor dem was kommt. Schafft man es oder nicht. Das lässt auch hin und wieder ihr eigentlich gutes Herz hässlich werden. Sie reagieren neidisch und böse und wollen was andere haben, weil sie es selbst nicht haben können.

Für mich persönlich hat sich im Laufe der Jahre der goldene Mittelweg rauskristallisiert, so wie es ja in vielen Dingen im Leben ist. So viel zu haben, dass man gut leben kann, aber darüber hinaus auch nicht mehr zu brauchen und das Glück in anderen Dingen zu suchen und zu finden, die fern jeglichen materiellen Wohlstandes oder eben auch nicht, liegen. Wieso nur sind so wenige Menschen in der Lage das zu erkennen und zu sehen. Ist es denn tatsächlich so, dass Geld so sehr die Welt regiert, dass unser Hauptaugenmerkt unseres Lebens genau darauf fokussiert ist?

Ich selbst habe meine Existenzängste und die Sorgen um das Liebe Geld so bekämpft, dass ich es verschenkt habe. Mein ganzer Körper zitterte, alles in mir schrie… Oh mein Gott, Du gibst es weg, vielleicht wirst Du es brauchen und dann wird es nicht da sein und was bitteschön willst Du dann tun… und dennoch tat ich es. Ohne etwas dafür zu erwarten, sogar an Menschen, die es nicht zu schätzen wussten. Ich bekam keinen Dank, keine Annerkennung und das kuriose ist, ich hab es vorher gewusst.

Ich wollte dennoch nur meine Angst besiegen und gab von Herzen gern. Ich hatte dieses Geld nun nicht mehr, aber ich hatte mich meinem tiefsten inneren gestellt und das war viel mehr wert. Und dennoch. Verdirbt denn nun das Geld den Charakter des Menschen? Dass es die Welt regiert, ist ja nun unumstritten…

2 Comments on “Geld regiert die Welt…

  1. Ich bin sicher, dass Geld nur Menschen, die von vorneherein keinen Charakter haben, insoferne verdirbt, indem sie deren Egozentrik und Rücksichtslosigkeit einfach nur noch verstärkt.
    Menschen mit Charakter und Herzensbildung verwenden Geld dazu, um helfen zu können, wenn sie Not sehen. Und das was sie für sich behalten, dient ihnen um Ängste zu beruhigen, und nicht um es sinnlos auszugeben.
    Das ist meine Erfahrung.

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    • Ich muss ja als Verfasser eines solchen Artikels unvoreingenommen bleiben, denn indirekt bin ich ja auch der Fragesteller. Ich danke ganz lieb für die Mitteilung der gemachten Erfahrung und muss doch tatsächlich gestehen, dass mein Gedankengut auch mehr oder vielleicht sogar ausschließlich in genau diese Richtung geht….

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