Geschichten, die das Leben schreibt…

…Weinend sitzt sie auf ihrer Bank am Fenster und beobachtet, wie sich die Tropfen des Regens mit dem Wasser des kleinen Sees vor ihrem Haus vereinen. Sie kann die Schönheit des Regens sehen, sie kann ihn fühlen, sie wünscht sich einer dieser Tropfen zu sein. Sie fühlt in ihrem Herzen so großes Glück und tiefe Liebe und gleichzeitig den Schmerz und die Einsamkeit, die ihr Herz umgibt…

Mia ist eine Frau um die 40, ihre Tochter ist bereits aus dem Haus und ihre Beziehung ist ein einziges Disaster. John, ihr Mann, ist Unternehmer. Groß gewachsen, von stattlicher Figur, zielstrebig, erfolgreich und verdient ein gutes Einkommen.

Oft denkt sie an die Zeit zurück, als sie sich noch nicht lange kannten. Er war so warmherzig und freundlich, hilfsbereit und voller Liebe. Damals noch hatte sie das Gefühl endlich angekommen zu sein. Sie glaubte mit ihm verbringt sie den Rest ihres Lebens und sie war Dankbar für dieses Geschenk, ihn kennengelernt zu haben.

Sie spürt Wehmut und Traurigkeit, denn nichts ist mehr wie es einmal war. Sie liebt ihr Zu Hause, den wunderschönen Garten und ihre Hunde. Nur allzugern sitzt sie an ihrem kleinen See, beobachtet die Vögel und die Fische und sie liebt es den Blumen beim wachsen zuzusehen. Sie lebt in diesem kleinen Paradies und doch ist sie oft allein.

Ihr anders sein oder auch seins, hängen wie ein Dämon der Dunkelheit immer über der Schönheit des Lebens. Wie ein Schatten, der droht alles Licht, alle Fröhlichkeit, alles Glück zu verschlingen. Bei dem Gedanken daran bekommt sie Angst, denn vielleicht könnte der Schatten gewinnen und dann bliebe nur ein großes Nichts, eine unendliche Leere, aus der es dann kein Entrinnen mehr zu geben scheint. Sie weiß ihr Inneres Leuchten wird das schon verhindern. Ihr tiefstes Inneres sagt ihr, dass das nicht passieren kann, denn ihr Licht strahlt zu hell. Doch die Angst davor bleibt und auch das beklemmende Gefühl immer die Anwesenheit des Schatten zu spüren. Wie eine dunkle Wolke, die über dem Paradies schwebt und hinter der die Sonne verborgen liegt, mit der Sorget, dass die Wolke sich nicht bewegt. Sie weiß, dass sich alles verändert, sie kann das Licht der Sonne spüren und doch ist es als stünde die Zeit still.

John und Mia hatten wieder einmal Streit, wie schon so oft in der Vergangenheit. Sie spürt den Schmerz über das was er tut und wie er mit ihr umgeht. Er sagt und tut eigentlich gar nichts und dennoch kann sie die Ablehnung, die Wut, den Zorn und sogar manchmal Hass in seinen Augen sehen. So oft hat sie sich schon gefragt, ob er das tiefe, warme und schöne Gefühl der Liebe überhaupt spüren kann und die Antwort kennt sie auch. Sie weiß es ist nicht seine Schuld. Er kann nicht anders sein, es ist ihm einfach nicht möglich, so wie jemand nicht plötzlich aus dem Rollstuhl aussteigen kann, um zu gehen.

Oft versucht sie ihn nicht zu stören, ihn sein zu lassen, wie er ist, ihn seinen Weg gehen zu lassen. Sie weiß sie hat nicht das Recht ihn zu verändern, zu erwarten, dass er etwas tut. Sie weiß, sie kann die Menschen nicht ändern und das jeder seinen Weg des Lebens für sich zu gehen hat. Doch sie spürt die Wut, die Verzweiflung und den Groll. Sie hat Angst, dass diese Dinge, der riesige Schatten die Kontrolle übernimmt. Ein Schiff, dass sich langsam mit Wasser füllt, dessen Leck sie versucht zu verschließen, um die lebensbedrohliche Situation des Untergangs und Sterbens zu vermeiden.

Der Regen vor ihrem Fenster strömt wie ihre Tränen und doch gibt er ihr Mut. Es scheint fast so, als würde er dunkle Gedanken, Traurigkeit und den Schmerz einfach davon spülen. Der See mit seinem klaren Wasser, den wundervollen Tieren und Pflanzen scheint all das schlechte in sich aufzunehmen und ist doch so kristallklar und rein.

Ein Vogel fliegt an ihrem Fenster vorbei, umrundet die große Eiche, startet noch einmal in den Himmel, bevor er sich am Ufer des kleinen Sees niederlässt.

Sein Gefieder ist leuchtend schwarz und blau, sein kleines Gesicht strahlt Glück und Freude aus. Er ist frei vom Drama der Zeit. Für ihn zählt nicht was gestern war und er macht sich keine Sorgen, was morgen sein wird. Für ihn zählt nur das klare Wasser, des Sees, in dem er verzückt sein Spiegelbild betrachtet, bevor er hineinspringt und sich ausgiebig badet. Sein Wesen trägt die Leichtigkeit des Seins in sich und als er sein Spiel beendet hat, beginnen hinter der großen Wolke mit dem noch dunkelgrauen Rand plötzlich die Sonnenstrahlen zu glitzern.

Mia verlässt ihren Platz am Fenster, mit dem Bild des Regens auf dem See im Herzen und fühlt die Wärme des Lichts in sich. Der gegenwärtige Moment ist das größte Glück, das größte Scheinen, das größte sein. Er ist das was zählt und das innere Licht zum Leuchten bringt….

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