Die Eiche, der Baum

Wenn man eine Eiche pflanzt, darf man nicht die Hoffnung hegen, nächstens in ihrem Schatten zu ruhen.

Antoine de Saint-Exupéry

Eichen sind Solitärbäume, die viel Licht brauchen und älter werden, als alle anderen europäischen Baumarten. Die Eiche ist nach der Buche die zweithäufigste Laubbaumart unserer Wälder. Am weitesten verbreitet ist die Stieleiche, dicht gefolgt von der Traubeneiche. Die Stieleiche wird auch Sommereiche oder deutsche Eiche genannt.IMG_8654

Eichenbäume gibt es schon seit der Antike. Sie werden ca. 800 Jahre alt, aber einige auch noch viel älter. Unter ihren ausladenden Kronen wurden Gerichtsverfahren abgehalten. Ein Beispiel für beides ist die „Femeiche“, eine der ältesten deutschen Eichen, die in Nordrhein Westfalen im Kreis Borken zu Hause ist.

Am früheren Ortsrand, direkt neben dem Pfarrhaus steht der 1200 Jahre alte Baum. Er gehört zu den größten und ältesten Bäumen, die deutschlandweit zu finden sind. Somit zählt er zu den Naturdenkmälern in Borken. Allein kann der Stamm der Eiche seine Äste und Zweige nicht mehr tragen. So wird er von Balken und Stahlstreben gestützt. Eine angebrachte Tafel informiert über seine Geschichte und unter ihm befindet sich seit 2006 ein Gerichtstisch aus Granit, der an frühere Gerichtsverhandlungen erninnern soll, welche unter dieser alten Eiche abgehalten wurden. Der Tisch ist mit einem Schwert und einem Henkersseil bestückt. Die ersten niedergeschriebenen Urkunden bezüglich der Existenz der Femeiche (Verträge und ein Urteilsdokument), stammen aus dem Jahr 1363.

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Schon seit dem 18. Jahrhundertgilt die Eiche als der deutsche Nationalbaum. Nach dem deutsch- französichen Krieg in den Jahren 1870-71 wurden in Deutschland überall Eichen als Zeichen des Friedens gepflanzt. Man setzte in diese Geste die Hoffnung, der Frieden der Länder möge so lange andauern, wie ein Eichenbaum lebt.

Eichen werden bis zu 50 Meter hoch. Ihr Holz ist robust und hart und hat so einen enormen Brennwert. Es wurde und wird deshalb aber nicht nur als Kaminholz verwand, sondern ebenso zur Herstellung von Möbeln, Parkett und Laminat, für Bahnschwellen, im Schiffbau oder es werden Eichenfässer aus ihrem Holz gefertig, die vielen Getränken eine ganz besondere Note verleihen, wenn sie in ihnen reifen. Eichenholz wird besonders wegen seiner Langlebigkeit geschätzt, es ist wasserbeständig und fault kaum.

Die Rinde des Baumes wurde früher zum gerben verwandt, ihr Holz zum Bau von Häusern, die Eicheln um die Hausschweine zu mästen, genauso wie die Blätter an das Vieh verfüttert wurden.

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In Mitteleuropa finden sich über 40 Eichenarten und die meisten blühen im Mai, aber abhängig von der Wetterlage manchmal auch schon im April. Mit etwa 60 Jahren wird die Eiche geschlechtsreif. Eine 500 Jahre alte Eiche produziert 12 Kilogramm Zucker, reguliert den Co2 Ausstoß von 2-3 Einfamilienhäuser und erzeugt für ca. 10 Menschen den Sauerstoff, den sie zum Atmen brauchen und das alles an nur einem einzigen Tag.

In der Mythologie spielt die Eiche ebenfalls eine besondere Rolle und hatte schon bei unseren Vorfahren eine bedeutsame Symbolkraft. So galt sie bei den Griechen als Baum des Zeus. Bei den Kelten war sie der Baum des Herrschergottes Taranes. Die Germanen betrachteten sie als den heiligen Baum, unter dem der Kriegs- und Donnergott Thor geweiht wurde. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang vielleicht, dass Eichen tatsächlich recht häufig vom Blitz getroffen werden.

Eichenbäume gibt es jedoch nicht nur in Deutschland, auch wenn sie bei uns am häufigsten vorkommen. Sie sind weltweit verbreitet, außer in Australien. Genau wie unsere Meere scheinen sie sich nach dem Mondzyklus zu richten, welcher Einfluss auf das Eichenholz zu haben scheint. Nachts verändern die Bäume ihren Durchmesser.

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Peter Wohlleben, der passionierte Förster, schreibt in seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“, was er, aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen, über unsere Eichen weiß. Er beschreibt, dass Eichen sehr anfällig für Schädlinge und den Überfall vieler anderer, im Wald lebender Lebewesen ist. Und er fragt sich folgendes…

„Ist die Eiche nun ein Weichei? Wie kommt es, dass ein derart schwacher Baum zum Symbol von Standhaftigkeit und Dauerhaftigkeit werden konnte? So unterlegen diese Art in den meisten Wäldern gegenüber der Buche sein mag, so zäh kann sie auftreten, wenn sie ohne Konkurrenz bleibt. Etwa im Freiland, also unserer Kulturlandschaft:

Während die Buche ohne die heimelige Waldatmosphäre kaum das Alter 200 zu überschreiten vermag, bringt es die Eiche neben alten Bauernhöfen oder auf Weiden locker auf über 500 Jahre. Eine tiefe Wunde im Stamm oder ein breiter Riss, den ein Blitz einschlug? Soetwas kann einer Eiche nichts anhaben, denn ihr Holz ist getränkt mit pilzhemmenden Stoffen, die Fäulnissprozesse stark verlangsamen.

Die Gerbstoffe schrecken auch die meisten Insekten ab, und ganz nebenbei und ungewollt verbessert dieses Abwehrmittel auch den Geschmack von Wein, wenn aus dem Baum irgendwann ein Eichenfass geworden ist. Selbst schwer geschädigte Exemplare mit abgebrochenen Starkästen haben die Fähigkeit, wieder eine Ersatzkrone aufzubauen und noch Jahrhunderte zu überleben.

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Das würden die meisten Buchen nicht schaffen, schon gar nicht außerhalb der Wälder und ohne ihre geliebte Verwandschaft. Werden sie durch einen Sturm ramponiert, dann zählt ihre verbleibende Lebensspanne höchstens noch ein paar Jahrzehnte. Auch in meinem Revier beweisen Eichen, dass sie aus extrem zähem Holz geschnitzt sind.“

Auszug aus dem Buch, Seite 105

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