Die Eichen

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Die Eichen 
 
1811
 
 
Abend wird es, des Tages Stimmen schweigen,
Röter strahlt der Sonne letztes Glühen,
Und hier sitze ich unter euren Zweigen,
Und das Herz ist mir so voll, so kühn!
Alter Zeiten alte treue Zeugen,
Schmückt euch doch des Lebens frisches Grün,
Und der Vorwelt kräftige Gestalten
Sind uns noch in eurer Pracht enthalten.
 
Viel des Edlen hat die Zeit zertrümmert,
Viel des Schönen starb den frühen Tod;
Durch die reichen Blätterkränze schimmert
Seinen Abschied dort das Abendrot.
Doch um das Verhängnis unbekümmert,
Hat vergebens euch die Zeit bedroht,
Und es ruft mir aus der Zweige Wehen:
Alles Große muß im Tod bestehen! —
 
Und ihr habt bestanden! — Unter allen
Grünt ihr frisch und kühn mit starkem Mut.
Wohl kein Pilger wird vorüber wallen,
Der in eurem Schatten nicht geruht.
Und wenn herbstlich eure Blätter fallen,
Tod auch sind sie euch ein köstlich Gut,
Denn verwesend werden eure Kinder
Eurer nächsten Frühlingspracht Begründer.
 
Schönes Bild von alter deutscher Treue,
Wie sie bessere Zeiten angeschaut;
Wo in freudig kühner Todesweihe,
Bürger ihre Staaten festgebaut. —
Ach was hilftes, daß ich den Schmerz erneue?
Sind doch alle diesem Schmerz vertraut!
Deutsches Volk, du herrlichstes vor allen,
Deine Eichen stehen , du bist gefallen !
Theodor Körner

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