Trennung verarbeiten, Liebeskummer bewältigen

Immer wieder höre ich, dass Paare sich getrennt haben und nachdem eine Weile vergangen ist, einige (viele) dasitzen und nicht loslassen können. Sie haben Liebeskummer und wissen nicht, was sie tun sollen, um diesen zu beseitigen und ihr Leben neu zu gestalten. Kurioser Weise wird dann berichtet…, „mein Ex/meine Ex waren die Hölle, genauso wie unsere Liebesbeziehung. Aber selbst Monate nach der Trennung kann ich ihn/sie nicht vergessen und ich liebe ihn/sie immernoch sehr.“

Viele versuchen auf biegen und brechen den anderen zu vergessen und so wie sie aus dem Leben verbannt wurden oder vielleicht auch gegangen sind, so sollen sie auch aus den Gedanken verschwinden. Solch eine Strategie ist wohl mit das schlimmste, was man sich in der Zeit nach der Trennung antun kann. Denn es ist so, dass etwas das wir unbedingt vergessen wollen, sich erst recht in unser Gedächtnis brennt. Dazu kommt, dass wir rund um die Uhr mit den Gedanken beim anderen sind.

Angefangen dort, wo wir uns immer wieder vor Augen führen, was der andere uns schreckliches angetan hat, bis hin zu den schönen Momenten, die wir gemeinsam hatten. Alles schlechte und die Gründe, die zur Trennung führten, rufen in uns Gefühle wie Wut, Zorn und sogar Hass hervor. Viele ziehen in den Krieg, insbesondere dann, wenn es um materielle Dinge und Besitz geht oder die eigenen Kinder. (Finde ich im übrigen wirklich schlimm)

Alle positiven und schönen Momente, rufen in uns das Gefühl der Sehnsucht hervor. Sehnsucht nach dem anderen, sodass er doch bitte wieder an unserer Seite sein soll. Wir sind sogar bereit das schlechte zu vergessen und zu verzeihen, wenn der andere doch nur wieder bei uns ist. Bis wir am nächsten Morgen aufwachen, uns alles schlechte wieder einfällt und wir wieder Wut und Zorn spüren. Uns so beginnen wir uns erneut im Kreis zu drehen.

Der erste Schritt raus aus dem Hamsterrad, um eine Trennung zu verarbeiten, wäre also das wir uns auf uns selbst konzentrieren. Es spielt gar keine Rolle mehr, was wir getan oder nicht getan haben. Was der andere getan oder nicht getan hat, denn all das ist vorbei. Es ist Vergangenheit und Vergangenheit kehrt niemals wieder zurück, egal wir sehr wir es uns wünschen.

Desweiteren dürfen wir uns bewusst machen, dass es Gründe für die Trennung gab. Irgendetwas hat wohl nicht gepasst, sonst wäre es nicht zur Trennung gekommen. Statt den Schuldigen im Außen zu suchen, können wir die Gelegenheit nutzen, um bei uns selbst genauer hinzusehen. Der Trigger ist jetzt aus unserem Leben verschwunden. Das gibt Dir Gelegenheit die Partnerschaft auf eine Weise Revue passieren zu lassen, die nur Dich selbst betrifft, jedoch nicht den anderen.

Wir können uns zum Beispiel hinsetzen und uns einige Situationen ins Gedächtnis rufen. Wir können uns hineinversetzen, wie wir uns gefählt haben und uns fragen, was hat das eigentlich mit mir und in mir gemacht. Was habe ich gefühlt und gedacht, insebesondere über mich selbst? Wie bin ich mit mir selbst umgegangen und tue es vielleicht noch? Welche Glaubenssätze über mich selbst stecken hinter dem, was der andere mir scheinbar angetan hat.

Ja, sich all das anzuschauen, bedeutet Schmerz. Ein Schmerz, den viele nicht aushalten können. Dennoch sind all diese Dinge wahre Geschenke, die es auszupacken gilt. Erst wenn wir das können und in der Lage sind uns mit all diesen Dingen, die wir da sehen und herausfinden zu akzeptieren, ist überhaupt erstmal wirkliche Liebe möglich, nämlich die Liebe zu Dir. Erst dann kann Heilung stattfinden. Das gibt uns die Gelegenheit uns zu bedanken und weiter zu gehen und das ganz ohne in den Krieg zu ziehen. Weder mit uns selbst, noch mit dem anderen.

Es ist ebenso erstaunlich, dass viele ihren Expartner so schmerzlich vermissen, obwohl sie sagen, die Liebesbeziehung hat nicht funktioniert und nicht gut getan. Natürlich erinnern wir uns gern an schöne Momente in unserem Leben, aber auch diese werden nie wieder zurückkehren, denn sie gehören ebenso zur Vergangenheit. Dafür werden neue schöne Momente entstehen, aber wir nehmen uns jede Chance diese zu sehen, weil wir ja in der Vergangenheit fest hängen.

Wenn wir zu uns selbst mal ganz ehrlich sind, dann sollten wir erkennen, dass es gar nicht der andere ist, der uns fehlt und den wir so schmerzlich vermissen. Das was uns in unserem Leben fehlt, ist überhaupt irgendjemand, nur dass wir den Weg nicht allein gehen brauchen. Obwohl es so sehr viele Singles gibt, sind doch die wenigsten mit sich selbst und allein glücklich. Sie finden Erfüllung und Glück ausschließlich in einer Liebesbeziehung, egal wie diese nun aussieht. Oder aber sie sind Singles aus Überzeugung, aber nicht, weil sie allein ein erfülltes Leben führen und selbst gut für sich sorgen können, sondern weil sie sich den Schmerz einer Liebesbeziehung nicht mehr antun wollen, den eben eine solche auch mit sich bringt.

Den Satz, „Dass was mir in meiner letzten Partnerschaft schmerzliches wiederfahren ist, das könnte ich nicht noch einmal ertragen. Dann bleibe ich lieber allein.“ Sie können Schmerz einfach nicht ertragen und auch nicht hinsehen, was es eigentlich in ihnen ist, dass so sehr schmerzt. Denn eigentlich ist es nur, das kleine verwundete Kind in uns, dass sich nichts mehr ersehnt, als unsere Liebe. Nicht sie eines anderen, sondern unsere.

Durch Medien, Bücher, Filme usw. haben wir doch auch eine sehr merkwürdige Vorstellung, von Liebesbeziehungen. Eine romantische Vorstellung davon, dass wir jemanden treffen, uns auf den ersten Blick verlieben und dann bis ans Ende unserer Tage glücklich zusammen leben. Das ist doch aber fern jeglicher Realität. Eine Liebesbeziehung zu einem zweiten ist nicht dazu da, um unser Leben reicher, erfüllter und glücklicher zu machen. Jedenfalls nicht solange wir das mit uns selbst nicht sind.

Eine Partnerschaft zu einem zweiten dient viel mehr dem erwachen und erwachsen werden und dem Teil in Dir, der geheilt werden möchte. Der Partner ist Dein Spiegel und zeigt Dir Deine dunkelsten Seiten, die kaum jemand von uns sehen will. Unsere größten Ängste, Zweifel, Glaubenssätze und noch vieles mehr. Er begleitet uns ein Stück unseres Weges, sodass wir viel schneller lernen können, als wir allein in der Lage sind. Wenn die Aufgabe erfüllt ist, dürfen wir uns bedanken und getrennte Wege gehen. Daran ist niemand Schuld und es ist auch nichts schlimmes.

Die meisten können nur nicht allein sein und brauchen aus den verschiedensten Gründen einen zweiten in ihrem Leben. Nicht ohne Grund gibt es so viele Menschen, die von einer Liebesbeziehung in die nächste stolpern. Ich halte es aber für außerordentlich wichtig, dass wir auch in der Lage sind ein Stück unseres Weges allein zu gehen und für uns selbst zu sorgen, ohne einen anderen im Außen, der das für uns tut.

Erst wenn wir das gelernt haben, können wir wirkliche Liebesbeziehung zu einem zweiten leben, denn wir brauchen den anderen nicht mehr. Wir erwarten nicht mehr. Wir sind in der Lage unsere Grenzen zu kommunizieren und für die Einhaltung derer zu sorgen, denn wir haben keine Angst mehr allein zu sein. Wir wissen dann, dass wir auch ohne einen zweiten glücklich leben können. Der andere ist dann eine Bereicherung, aber nicht jemand den wir brauchen, um uns zu lieben, weil wir uns selbst, genau so wie wir sind nicht lieben können.

Jede Liebesbeziehung in Deinem Leben bietet Dir die größten Chancen und Möglichkeiten zu wachsen und zu lernen, auf dem Weg zurück zu Dir.

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