Die Vergangenheit loslassen, wie geht das?

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen sagen, sie können ihre Vergangenheit nicht loslassen. Es gelingt ihnen einfach nicht. Wenn wir einmal in uns hinein hören und zuhören, was es in uns den ganzen Tag so denkt, dann werden wir feststellen, dass wir uns ziemlich häufig in Gedanken mit dem beschäftigen, was längst vergangen ist.

Wir denken nach über Dinge, die wir gesagt und getan haben, die jemand anderes gesagt oder getan hat. Wir überlegen uns, was wir hätten besser machen können oder sollen, was wir besser hätten sagen und tun können. Wir überlegen uns, was der andere hätte tun sollen oder sagen können oder bereuen vielleicht auch, dass etwas nicht so gewesen ist, wie wir es gern gehabt hätten.

All das sind Dinge, die entweder in uns Schuld erzeugen, was sich bestimmt nicht schön anfühlt. Noch viel öfter tendieren wir aber dazu dem anderen die Schuld daran zu geben, was gewesen ist. Hätte er oder sie sich doch nur anders verhalten oder etwas anderes gesagt oder getan, dann wäre so einiges anders gelaufen. Wir sagen uns selbst, hätten wir nur das ein oder andere anders gesagt oder getan, dann wäre auch hier alles anders gekommen.

Genauso funktioniert es im umgekehrten Sinn. Alle schönen Dinge, der Vergangenheit nach denen sehnen wir uns zurück. Alte Zeiten, die Jugend, die erste Liebe, wundervolle Musik. Jeder von uns hat zu passenden Zeiten in seinem Leben auch immer irgendwo einen Song, der ihn daran erinnert und in vergangenem schwelgen lässt. Auch diese Erinnerungen, so schön sie auch gewesen sein mögen, stimmen uns nicht unbedingt fröhlich, denn wir wissen doch, sie kommen nie mehr zurück. So schwingt bei diesen Gedanken an die wunderschönen Dinge immer etwas Wehmut mit, einfach weil sie jetzt nicht mehr so sind.

Viel weitreichender und dramatischer sind jedoch die Erinnerungen an unsere Kindheit. Kaum jemand von uns hat diese auf eine schöne Weise verbracht und so hat jeder von uns sein Päckchen zu tragen. Viele behaupten sogar, sie könnten ihre Kindheitserinnerungen nicht loslassen, denn schließlich wären diese und einige weitere Lebenserfahrungen der Grund dafür, dass sie heute der Mensch sind, der sie nunmal sind. Sie geben ihren Eltern die Schuld und wieder lautet der Satz, „Wenn meine Mutter oder mein Vater sich anders verhalten hätten, wenn dies und jenes nicht gewesen wäre, dann wäre alles anders, als es jetzt ist.“

Völlig egal, ob wir einem anderem die Schuld an dem geben, was gewesen ist oder uns selbst. Niemals jedoch können wir an geschehenem etwas ändern. Die Vergangenheit kehrt niemals wieder zurück. Genau dort beginnt der Weg, wo wir uns erlauben sollten, die Vergangenheit einfach loszulassen und sie genau als das zu sehen, was sie ist. Vergangen und nicht zu ändern.

Wir müssen uns nicht ständig selbst in Situationen versetzen, in denen wir uns hilflos fühlen, machtlos oder meinen, wir haben etwas falsches getan. Wir müssen nicht ständig daran denken, was uns jemand anders angetan hat, so wie wir glauben, denn unsere Sichtweise auf vergangene Dinge, entspricht auch nicht immer dem, was wirklich gewesen ist.

Heute sind wir keine kleinen Kinder mehr und können frei Leben und uns entscheiden. Wir müssen nicht länger Opfer sein, wir können selbst für uns sorgen, wir brauchen keinen zweiten mehr, wir dürfen uns die Verantwortung für uns selbst genau jetzt in unser Leben holen. Wir müssen vergangenes nicht aufarbeiten oder vergessen oder uns einreden, dass einiges davon nicht geschehen ist. Wir haben hier und heute immer die Gelegenheit neu zu entscheiden.

Wenn wir glauben, dass wir Fehler gemacht haben oder auch die anderen und das nicht hätte geschehen sollen, was geschehen ist, dann dürfen wir uns bewusst machen, dass all das längst vorbei ist. Wir können keine Fehler machen und auch die anderen nicht, denn wir geben zu jeder Zeit unser bestes. Wäre das nicht der Fall, hätten wir wohl in diesen Situationen schon anders gehandelt, doch wir wussten es nicht besser und so geht es den anderen auch, denen wir andichten, das etwas für uns unangenehmes oder schreckliches geschehen ist.

Um die Vergangenheit loszulassen, brauchen wir nur einen einzigen kleinen Schritt. Wir akzeptieren einfach all das was gewesen ist und lassen es so sein. Alles andere macht ja auch gar keinen Sinn, denn wir können es ohnehin nicht mehr ändern. Das bedeutet jedoch nicht, dass unser Leben lang all das was in der Vergangenheit geschah immernoch so ist. Meißtens ist es nämlich genau das nicht.

Wenn wir glauben, wir hätten in der Vergangenheit einen Fehler gemacht, dann ist doch naheliegend, dass wir es heute anders machen würden. Somit ist es kein Fehler mehr, sondern einfach nur eine Erfahrung, aus der wir lernen durften und wo wir immer die Chance haben uns neu zu entscheiden und es besser zu machen. Das selbe sollten wir mit den Fehlern der anderen tun. Einfach etwas verständnisvoller sein, in dem Wissen, dass nichts umsonst geschehen ist.

Auch wenn wir einem anderen die Schuld geben, weil wir wissen, er hat einen Fehler gemacht, dann dürfen wir uns daran erinnern, dass Fehler machen einfach menschlich ist. Fehler sind nichts negatives, sondern dienen um daraus zu lernen. Wenn der andere unserer Meinung nach einen Fehler gemacht hat und diesen einfach nicht einsehen will oder so absolut nicht bereut, was er da gesagt oder getan hat, dann dient trotzdem uns dieser Fehler. Wir dürfen lernen damit umzugehen und das auf eine liebevolle Weise, für uns und so für den anderen gleich mit.

Der größte Punkt jedoch um die Vergangenheit loszulassen, ist der, dass sie eben nicht mehr ist. Sie ist vergangen, keine Realität, spielt im Jetzt keine Rolle, lässt sich nicht verbiegen und nicht verändern. Nur im Jetzt besteht zu jeder Zeit die Möglichkeit zu verändern, was Du bist.

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