Eichelhäher

Der Wächter des Waldes

Eichelhäher zählen zur Familie der Raben und sind in unseren Wäldern weit verbreitet. Sie sind fast in ganz Europa zu Hause, außer auf Island, in Norwegen oder Schottland. Wir finden sie aber nicht nur dort, sondern auch in Parks und Gärten, insbesondere zur Winterzeit, wenn das Futterangebot knapp wird. Bei ihren Streifzügen fressen sie so ziemlich alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Insekten, Käfer, Würmer, Larven und Schnecken. Sogar kleine Vogeljunge, Vogeleier und Mäuse stehen auf ihrem Speiseplan. Ergänzt wird das ganze mit ein paar vegetarischen Leckereien, wie Eicheln, Bucheckern, Beeren, Äpfel, Mais und verschiedene Getreidearten.

Letzteres sind auch die Früchte der Natur, die der Eichelhäher für den Wintervorrat sammelt und vergräbt. Der Winter ist lang und es muss für ausreichend Nahrung gesorgt werden. Da er sich trotz seines guten Gedachtnisses dennoch nicht alle Verstecke merken kann und auch sonst das ganze Jahr über seine Schätze im Wald verteilt, ist er bei Förstern sehr beliebt. Aus den verloren gegangenen Früchten entstehen im Frühjahr neue Pflanzen und so trägt der Eicherlhäher zur Vermehrung der Bäume und Sträucher, also der Verjüngung des Waldes und somit zum Erhalt des okologischen Gleichgewichts bei.

Der bunte Vogel wird bis zu 35 cm groß und hat eine Flügelspannweite von 52- 58 cm. Er wiegt im Erwachsenenalter (wobei er bis zu 15 Jahre alt werden kann) etwa 170 Gramm.

Der Eichelhäher ist etwa so groß wie ein Falke oder eine Taube. Obwohl die Vogelbestimmung recht einfach ist, sind Männchen und Weibchen äußerlich kaum zu unterscheiden. Der größte Teil des Eichelhäher-Gefieders ist rosa-braun. Akzente werden in schwarz weiß und einem leuchtenden Himmelblau gesetzt. Elegant ist der Kopf des Eichelhähers: An den kurzen dunklen Schnabel schließt sich ein schwarzer Wangenstreifen an, der sich von dem weißen Kinn und Oberkopf abhebt. Schwarze verlängerte Federn auf dem Oberkopf lassen diesen gestreift erscheinen und können zu einer Haube aufgestellt werden.

Besonders auffällig sind die Flügelfedern des Eichelhähers: Diese sind auf der unteren Seite dunkelgrau, auf der oberen Seite jedoch leuchtend blau und mit einer schwarzen Querbänderung versehen. Diese lässt sich sowohl im Flug als auch beim sitzenden Vogel deutlich erkennen und erleichtert die Vogelbestimmung ungemein.

Eichelhäher sind Teilzieher, was bedeutet, dass nur einige wenige Populationen in den Wintermonaten ihr Brutgebiet verlassen, um in den Süden zu ziehen. Das ist abhängig von den Regionen, in denen sie leben und den damit einhergehenden Bedingungen. Unsere heimischen Tiere hingegen sind Standvögel und verbringen den Winter hier. Besonders gut zu beobachten sind sie dann an den aufgestellten Futterplätzen, die eine willkommene Ergänzung ihrer Nahrung in den kalten Wintermonaten darstellen.

Der Bestand der bunten Flieger wird auf 105000 bis 290000 Brutpaare geschätzt. Einmal im Jahr, nämlich von April bis Juni legen Eichelhäherweibchen 3- 5 Eier, wobei das Männchen den Nistplatz aussucht. Vorzugsweise nisten sie in lichten Misch- und Nadelwäldern in einer Höhe von 5- 8 Metern. Wird der Vogel beim Nestbau gestört, bricht er diesen sofort ab und sucht sich ein anderes Plätzchen. Das Nest besteht aus Zweigen und Reisig und wird innen mit Gräsern, Moos, Blättern, Rindenstückchen und Pflanzenresten ausgekleidet, sodass es die Jungvögel kuschlig und gemütlich haben.

Während der Brutzeit beläuft sich die Größe des Revieres des Eichelhähers auf 5- 10 Hektar. Das wird auch für die Versorgung der Eichelhäherkinder mit Nahrung benötigt. Nach einer Brutdauer etwa 16 Tage werden die Jungen weitere 20 Tage von beiden Eltern mit Futter versorgt. Auch nach dem Ausfliegen der kleinen Vögel, sorgen die Eltern noch eine Weile dafür, dass ausreichend Nahrung in den Schnabel kommt.

Dabei müssen sich Eltern und Vogelkindern vor ihren Fressfeinden in Acht nehmen. Uhu, Krähe, Falke und andere Greifvögel sehen den Eichelhäher als leckere Delikatesse auf ihrem Speiseplan. Auch der Mensch stellt mit der Abholzung der Wälder eine Bedrohung für den Lebensraum der Eichelhäher und vieler anderer Waldbewohner dar.

Wir Menschen nennen ihn liebevoll den Wächter der Wälder oder die Polizei des Waldes. Sein Warnruf ist unverwechselbar und da wo jemand den Wald betritt, der dort nichts zu suchen hat, versetzt er mit seinem Rufen den ganzen Wald in Alarmbereitschaft. Allerdings kann er auch meisterhaft die Stimmen anderer Vögel immitieren, besonders die der Greifvögel.

4 Comments on “Eichelhäher

  1. In unserem kleinen, aber ziemlich „wilden“ und möglichst naturbelassenem Garten zählen Eichelhäher zu den verlässlichsten Gästen schon seit Jahren und in hoher Stückzahl. Sie brüten auch regelmäßig in der Nähe. Es ist süß zu beobachten, wie die Kleinen dann zu „Teenagern“ werden, manchmal auch fast so aussehen, wenn die – durchaus nicht bei allen Vögeln schwarzen – Kopffedern zur Haube aufgestellt werden, was den Vogel zu einer Art „Punk“ mit „Irokesenschnitt“ werden lässt … ;-).

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  2. Letztes Jahr hielt ich so einen in der Hand – er war scheinbar vom Himmel gefallen (nein, wahrscheinlich hat ihn ein Bussard oder Falke versehentlich fallen gelassen, die kreisen über meinen waldnahen Garten), er schien unverletzt. Er war so wunderschön anzusehen und es tat mir so leid.

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