-Roteiche- Merkmale & mehr…

Botanischer Name: Quercus rubra

Familie: Buchengewächse (Fagaceae)

Weitere Namen: Amerikanische Spitzeiche

Merkmale:

Die Roteiche ist den heimischen Eichenarten im Höhenzuwachs, besonders in der Jugendphase, überlegen. Vergleichbar ist sie lediglich mit dem Wachstum des Bergahorns, gegenüber Buche und Stiel- oder Traubeneiche ist Quercus rubra vorwüchsig. Erst ab einem Alter von 100 bis 120 Jahren kann die Buche die Roteiche im Höhenzuwachs ein- bzw. überholen.

Die Roteiche erreicht eine Höhe von 20 – 25 Metern und kann in einzelnen Fällen auch bis zu 35 Meter hoch werden. Dabei bildet sie eine runde Baumkrone aus. Sie wird etwa 400 Jahre alt und erreicht dabei einen Stammdurchmesser von bis zu 2 Metern. Wie bei der Stieleiche ist die Rinde in jungen Jahren grau und glatt, später bildet sich dann eine dünnschuppige Borke. In ihrer Jugend bildet die Roteiche eine Pfahlwurzel und später ein Herzwurzelsystem.

Blätter:

Ihre bis zu 23 cm langen Blätter weisen auf jeder Blatthälfte vier bis fünf Lappen auf, welche durch bis zu 5 cm tiefe Buchten abgeteilt werden. Die Enden der Lappen sind spitz zulaufend. An einem 2 cm (manchmal auch 5 cm) langen, gelblichen Stiel sitzen die Blätter. In den ersten Wochen ist der frische Blattaustrieb gelb, danach färben sich die Blätter grün und im Herbst sind sie dann kräftig leuchtend rot bis orange (an älteren Bäumen manchmal auch gelb bis braun).

Blüten:

In Mitteleuropa liegt die Blütezeit etwa im Mai. Während die männlichen Blüten gelblich- grün sind und locker herabhängen, sitzen die weiblichen Blüten einzeln oder paarweise an den Stielen.

Früchte:

Die Eicheln der Roteiche reifen erst im zweiten Jahr heran, sind eiförmig und breit und etwa 2×2 cm groß. Sie stehen in flachen, umgebenden Bechern, wobei der Kelchbecher an einem 1 cm langen dicken Stiel sitzt.

Standort/Vorkommen:

Im östlichen Nordamerika ist die Roteiche beheimatet. In Mitteleuropa wird sie aufgrund ihrer attraktiven Blattform und ihrer hübschen Herbstfärbung, der sie im Übrigen ihren Namen verdankt seit dem 18. Jahrhundert angepflanzt. Hierzulande kommt sie häufig als Park- und Alleenbaum vor, wird aber auch in weiten Teilen Europas in der Forstwirtschaft genutzt.

Im Vergleich zu unseren heimischen Eichenarten ist die Roteiche resistenter gegen Schädlingsbefall und verträgt auch wesentlich mehr Schatten. Des Weiteren ist sie wuchskräftiger und wird deshalb als Reinbestand oder auch in Mischung mit Buchen angepflanzt. Die besten Wuchsleistungen kann die Roteiche an sonnigen Standorten ohne Spätfröste erbringen. Sie benötigt dafür einen basenversorgten, tiefgründigen Boden, kann aber auch auf nährstoffärmeren Sandböden gut zurechtkommen. Hingegen der Stieleiche meidet sie jedoch kühlfeuchte, staunasse, überflutete oder extrem flachgründige Standorte, sowie auch Höhenlagen.

Wie schon erwähnt liegt die Heimat der Roteiche im Osten Nordamerikas. Erstmals wurde sie 1691 in die Schweiz importiert. Damals als Schmuckbaum, der heute einen ertragreichen forstwirtschaftlichen Nutzbaum darstellt.

Verwendung der Eichen:

Aufgrund der hohem Wetterbeständigkeit und der großen Härte wird das Holz der Eiche (so wie auch das Kiefernholz) für Brücken und Brückenpfeiler, beim Schiffbau und dem Bau von Eisenbahnschwellen verwendet. Geräuchertes Eichenholz erhält einen wunderschönen und edlen braunen bis schwarzen Farbton und wird deshalb im Bereich der Möbel- und Parkettherstellung verwendet, wo man vom sogenannter „Räuchereiche“ spricht. Ebenfalls kommt die Eiche bei der Herstellung von Wein- und Cognacfässern zur Anwendung, denn das Eichenholz hat einen besonderen Einfluss auf den Geschmack. Die Eichenfässer aus der Weinlagerung werden außerdem zur Herstellung von Barrique- Schinken weiterverwendet, nachdem sie zuerst der Lagerung des Barrique- Rot- und Weißweins dienten. Barrique- Schinken ist in der Schweiz und in Österreich eine besondere Spezialität. Zur Herstellung dessen reift der Schinken in den weinaromatischen Fässern in einer Lake aus Essig, Honig, Meersalz und Wein und wird anschließend mit einer Honigmarinade luftgetrocknet.

In früheren Zeiten diente die gemahlene Rinde der Eiche zur Herstellung von Gerbsäure oder Lohe, welche sich hervorragend zur Lederverarbeitung eigneten. Auch die Eicheln wurden in der Gerberei eingesetzt, weil sie so viele Gerbstoffe enthalten. In der Parfüm- und Kosmetikherstellung kommen Eichenmoos und Flechten zum Einsatz, welche mit Vorliebe auf Eichen wachsen. Diese Duftstoffe enthalten jedoch starke Allergene, die bei empfindlichen Menschen zu Allergien führen können.

Im westlichen Mittelmeerraum ist eine besondere Eichenart beheimatet, die immergrüne Kork- Eiche (Quercus suber). Sie verdankt ihren Namen der dicken Korkschicht ihres Stammes. Zur Gewinnung von Kork findet diese Rinde besonders im Süden von Portugal und Spanien Anwendung. Zu den wichtigsten Erzeugnissen, die aus Kork hergestellt werden können, zählen Stopfen und Korken für Flaschen, ganz besonders Wein- und Champagner. Aber auch Schuhsohlen, Korkschuhe, Fußbodenbeläge (sogenannte Korkböden), Untersetzer oder das Material zur Schall- und Wärmedämmung verdanken ihre Entstehung dieser Eichenart. Die mittelgroße, immergrüne Korkeiche ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis auf wenige Gebiete, in denen ein milder Winter herrscht, nicht winterhart. Sie verträgt an ihrem Standort nur kurzzeitig Fröste von gerade mal -5 bis -10 °C.

Waldanteil unserer Eichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

Die Traubeneiche (Quercus petraea) und die Stieleiche (Quercus robur) sind die beiden Eichenarten, die in Deutschland am häufigsten zu finden sind, wobei die Roteiche (Quercus rubra) immer mehr in der Forstwirtschaft zum Einsatz kommt, weil sie verträglicher gegenüber Witterung und Schädlingsbefall ist. 32% der Landesfläche und 10% des deutschen Waldes sind von den beiden erstgenannten Eichenarten besiedelt. Die Eiche zählt also vor den Birken und der gemeinen Esche sowie der Rotbuche zu den am häufigsten vorkommenden Laubbaumarten. Nur die gemeine Fichte und die gemeine Kiefer kommen häufiger vor, da sie die am häufigsten vorkommenden Nadelbäume in Deutschland sind.

In Österreich, dessen Landesfläche fast bis zur Hälfte mit Wald bedeckt ist, machen Eichen einen Anteil von 1,8 % aus. Damit sind sie fast genauso häufig vertreten wie der Berg- Ahorn und etwas häufiger noch als die Weiß- Erle. Dennoch liegen alle drei weit hinter der Rotbuche, die der häufigste Laubbaum in Österreich ist, dicht gefolgt von der Esche und der Hainbuche.

In der Schweiz ist die Eiche mittlerweile nicht mehr so sehr verbreitet, wie hier in Deutschland und das obwohl ihre Bestände aufgrund der Verwendung zur Schweinemast jahrhundertelang gefördert wurden. Mit dem Beginn des Kartoffelanbaus ab dem 18. Jahrhundert sank ihr Vorkommen stark, weil ab dort die Eicheln als Futtermittel für die Schweinemast an Bedeutung verloren. Auch der Bedarf an Eisenbahnschwellen aus Eichenholz ging zurück, was einen weiteren Rückgang der Eichenbestände zur Folge hatte. Somit ist die Eiche in den Schweizer Wäldern heute nur eher wenig verbreitet, denn auch dort ist heute die Rotbuche der häufigste Laubbaum und die Fichte der häufigste Nadelbaum. Dem folgen mit großem Abstand Eschen und Ahornarten, sowie Kastanienbäume und somit sind Eichen nur noch die vierthäufigsten Laubbäume in Schweizer Wäldern mit einem Flächenanteil von 31%.

Eichensterben:

Blattflecken zählen zu den typischen Erkrankungen von Eichen, die durch Pilze (Septoria und Discula quercinabeim) oder Eichenmehltau (Microsphaera alphitoides) hervorgerufen werden. Besonders die Eichenblätter und der Johannistrieb sind davon betroffen, wobei diese Blattverfärbungen allein noch keinen wirklichen Schaden bei den Eichen anrichten. Ganz im Gegenteil, im Falle eines Mehltau- Befalls stellt dieser sogar eine wertvolle Nahrungsquelle für Marienkäfer dar.

Weitaus gefährlicher sind die erheblichen Fraß Schäden und die damit einhergehende Schwächung der Bäume durch Schmetterlinge wie den Eichenwickler oder den Eichenprozessionsspinner, dessen giftige Raupenhaare starke allergische Hautentzündungen bei Menschen hervorrufen können.

Die bedeutendste Krankheit unserer Eichen stellt jedoch das sogenannte Eichensterben dar, welches in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Hierbei handelt es sich um eine Komplexität an Umweltbelastungen, der die Eichen nicht mehr standhalten können. Hitze, Pilzbefall, Bodensäure, saurer Regen, Luftschadstoffe, Trockenheit, Verlichtung der Baumkronen, Raupenschädlinge und starke Fröste sind nur einige Faktoren, die für das Eichensterben verantwortlich sind. Blattverlust, Kronenabsterben, Rindennekrosen, Insektenbefall – verschiedene Krankheitsbilder können im Zusammenhang mit dem vielerorts zu beobachtenden Eichensterben genannt werden.

Wie man dem Prozess des Eichensterbens entgegenwirken kann ist noch nicht ganz klar und wird mit vielen Versuchen und Bemühungen noch erforscht.

Was ist der Johannistrieb?

Dieses Phänomen ist bei vielen Laubbäumen zu beobachten, wie zum Beispiel bei Birken, Hainbuchen, Rot- Buchen und verschiedenen Ahornarten. Vom Johannistrieb spricht man, wenn die Bäume ein zweites Mal in einem Gartenjahr ihre Blätter austreiben und das lässt sich eben auch bei den Eichen beobachten. Johannistrieb wird dieser Umstand deshalb genannt, weil dieses Phänomen jedes Jahr etwa um den Johannistag herum, also am 21. Juni zu sehen ist. Dies wird auf Einflüsse durch die Witterung zurückgeführt und dient den Bäumen zur Regeneration von Fraß Schäden am Blätterbestand, der zu diesem Zeitpunkt durch verschiedene Tiere stattgefunden hat. Im Fall der Eiche durch den Eichenwickler beispielsweise. Darüber hinaus ist der Johannistrieb aber nicht nur bei Laubbäumen zu beobachten, sondern auch bei Nadelbäumen, wie der Konifere oder der Lärche.

Ökologische Bedeutung der Eichen für einheimische Tiere:

Die Eicheln, also die Nuss- Früchte unserer Eichenbäume dienen vielen Wildtieren als Nahrungsquelle. Dazu zählen Eichhörnchen, Baummarder, Wildschweine oder verschiedene Vogelarten, wie z.B. der Eichelhäher, aber auch Rotwild und Rehe lassen sich die kleinen Köstlichkeiten gern schmecken. Speziell die alten Exemplare der Eichen bieten hunderten von Insekten, Käfern, Vögeln, Schmetterlingen und anderen Kleintieren (wie z.B. dem Eichelbohrer, Eichenspinner, Eichenwickler, Hirschkäfer, Rote Waldameise) oder auch dem Waldkauz und den Fledermäusen Lebensraum und Unterschlupf. Neben der Salweide kommt also auch der Eiche unter den einheimischen Baumarten eine besondere Bedeutung zu. Auf und in ihr leben ca. 180 Schmetterlinge und über 500 holzbesiedelnde Käfer, von denen einige sogar geschützt sind, wie der Prachtkäfer beispielsweise. Auch Schädlingen gewährt die Eiche ein zu Hause, je nachdem wie gut der Baum mit Wasser versorgt ist und einen Schaden durch Käfer und andere Fraß- feinde abwehren kann.

Schweine- Schinken:

Eine gängige Methode, um Schinken (Rohschinken) und Würsten ein würziges Aroma zu geben, war bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts die sogenannte Eichelmast. (Oberdeutsch auch Eckerich) Die Eichelmast war früher von so großer Bedeutung, dass in der Forst- und Waldwirtschaft der Wert eines Eichenwaldes nicht nach dem zu erwartenden Holzertrag berechnet wurde, sondern nach dem zu erwartenden Eichelertrag. Dazu wurden im Herbst die Hausschweine in die Eichenwälder getrieben, sodass sie sich dort mit den Eicheln vollfressen konnten. Diese Tradition der Eichelmast lässt sich auch heute noch auf der iberischen Halbinsel in Spanien und Portugal finden und dient nach wie vor der Herstellung von Schinken- Spezialitäten. In Spanien reift der Iberische Schinken „Jamon Iberico“, benannt nach dem iberischen Schwein 24 bis 30 Monate nach der Eichelmast und gilt als der teuerste luftgetrocknete Schinken der Welt. Das Gegenstück zum Iberischen Schinken ist in Portugal der Schinken aus der Provinz Alentejo. Weil iberische Schweine oft schwarze Hufe haben, wird dieser Schinken auch „Jamon Pate Negra“ genannt.

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