-Eberesche/Vogelbeere- Magisches…

Geschichte, Magie & Mythologie

Kaum ein anderer Baum war bei den alten Hexen, Zauberern und Druiden so beliebt wie die Eberesche. In einem Grab aus der Bronzezeit fand man ein Gefäß, dass mit einem indianischen Medizinbeutel vergleichbar wäre, zumindest was den Inhalt anbelangt. Es enthielt Pferdezähne, Wiesel Knochen, Schwefelkiesstücke, die Klauen eines Luchses, die Wirbelknochen einer Natter, die Luftröhre eines Vogels und vor allem einen Ebereschenzweig.

Die knallroten Beeren der Eberesche symbolisierten die Farbe der Feuerglut, die des frischen Blutes und auch die Farbe der auf- und untergehenden Sonne. Für die alten Druiden verkörperte der Baum das siegreiche Lebensprinzip, kein Wunder also, dass sie mit der Eberesche allerlei Zauber anstellten. Für sie galt er als Baum der Erweckung und wenn sie andere mit seinen Zweigen berührten, übertrugen sie damit die Lebenskraft. Sie pflanzten die Eberesche um ihre heiligen Haine, ihre Orakel- und Thingstätten.

Es gibt eine irische Erzählung, in der von einer Eberesche die Rede ist, die von einem Drachen bewacht wird. Die Beeren dieser Eberesche hatten die Nährkraft von neun Mahlzeiten. Die Beeren konnten verwundete heilen und einen Mann über Jahre hinweg am Leben erhalten. In einer anderen irischen Sage werden die Vogelbeeren, zusammen mit Eichen und Äpfeln als die Speisen der Götter bezeichnet.

Die keltischen Magier machten sich die Eberesche zunutze, wenn sie lebensfeindliche Dämonen zu bannen oder zu bezwingen hatten. Sie zwangen die Erdgeister mit Ebereschenruten preiszugeben, wo verborgene Erzadern liegen, und während kriegerischer Auseinandersetzungen entzündeten die Druiden südlich des Schlachtfeldes ein mächtiges Feuer aus Ebereschenholz und beschworen die Dämonen mit Zaubergesängen sich in der Schlacht auf ihre Seite bzw. die Seite ihres Stammes zu stellen.

Im keltischen Baumkreis ist die Eberesche das Zeichen der zwischen dem 1.und 10. April oder dem 4.und 13. Oktober Geborenen. Hierbei steht die Eberesche für Feingefühl und Gerechtigkeitssinn. Die keltischen Druiden glaubten, die Kraft der Eberesche könne Fluch und Unglück bannen.

Die Kelten waren der Meinung, die erste Frau sei eine Eberesche und der erste Mann eine Erle gewesen. Beide Bäume stehen repräsentativ für das Blut und die Farbe Rot als Symbol der Lebenskraft. Die Eberesche mit ihren leuchtend roten Beeren, die Erle mit ihrem sich blutrot verfärbenden Holz. Den Kelten war die Eberesche ihres Wesens wegen heilig. Zum einen wie gesagt wegen dem lebendigen rot der Beeren, zum anderen wegen ihres Dranges überall Wurzeln zu schlagen. Für sie war das Wesen der Vogelbeere mit dem Wiedererwachen neuen Lebens verbunden, tiefer innerer Weisheit und Schutz vor allem Bösen.

Mit dem Holz der Eberesche konnte aber ebenso gut auch dunkle Magie getrieben werden. Im altkeltischen Irland konnte man die Seele eines Verstorbenen im Laib gefangen halten, indem man ihm einen Pflock aus Eberesche in den toten Körper trieb, um nur ein Beispiel zu nennen.

In Island ist die Eberesche der einzige „echte“ Baum. Kein Wunder also, dass auf dieser Insel und auch anderswo in Nordskandinavien dieser Baum als heiliger Baum galt. Seine Zweige wurden zur Wintersonnenwende geschmückt und mit Lichtern behangen. Nicht nur die Menschen konnten durch die Eberesche Schutz und Hilfe finden, glaubten die alten Skandinavier, sondern sogar der mächtige Donner- und Gewittergott Thor (Donar). Der Legende nach verdankte Thor der Eberesche sein Leben. Er war bei der Jagd in einen reißenden Fluss gestürzt und konnte sich nur retten, weil die Eberesche ihm ihre Zweige reichte, sodass er sich an ihnen festhalten und aus dem Fluss retten konnte. Deshalb heißt der Baum in Norwegen auch „Thorsbjörg“, was so viel wie Thors Bergung bedeutet.

Aus dieser Geschichte kann man sich die Vorstellung vom Glauben an die Kräfte der Vogelbeere erklären. Der Fluss entspricht dem Blutfluss, der durch den Saft des Baumes gestillt wird, die roten Beeren entsprechen Feuer und Blitz und die gefiederten Blätter den Wolken. So glaubte man die Beeren können das Haus vor Blitzschlag schützen und der Baum an sich würde die bösen Geister abwehren und fernhalten. Die Kronspitzen hingegen galten als Kohlgericht der Hexen zu Mitwinter. In Friesland erzählte man sich, dass zur Johanniszeit die Hexenzünfte zusammenkommen, um die Kronspitzen zu verzehren.

Als Schutz gegen Blitzschlag steckten die Menschen Ebereschenzweige und -Kränze in die Dachbalken und die Rauchöffnungen, denn allgemein galt, dass der Rauchfang der Ein- und Ausgang der Geister sei. Auch Säuglinge wurden gern in Wiegen, die aus Ebereschenholz gefertigt waren gelegt, um sie vor bösen Geistern und bösem Zauber zu schützen. Im gesamten germanisch- keltischen Raum wurden die Butterquirle oft aus Ebereschenholz hergestellt. Man glaubte dadurch würde jeder böse Milchzauber seine Wirkung verlieren und die Milch könnte sich dann gut buttern lassen. Da der Vogelbeere früher sehr viele magische Zauber abwehrende Kräfte zugesprochen wurden, wurde am 1. Mai oder in der Walpurgisnacht das Vieh unter Ausrufung entsprechender Segenssprüche „bequitscht“ (gepeitscht). Diesem Ereignis verdankt die Eberesche wohl den Namen Quitschbeere, denn ihre Zweige wurden für dieses Ritual verwendet.

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