-Beifuß- in der Volksmedizin

Anwendungen in der Heilkunde

Beifuß zählt zu den ältesten Gewürzen der westlichen Welt. Ausgrabungen von Frühmenschen geben Hinweise darauf, dass die Kräuterheilkunde ihren Ursprung in der Altsteinzeit vor bis zu 370000 Jahren hat. Zu den Heilkräutern aus dieser Zeit, die auch heute noch verwendet werden, zählen neben Beifuß auch Wacholder und Schafgarbe.

Der botanische Name von Beifuß, Artemisia vulgaris, leitet sich von dem der griechischen Göttin Artemis ab. Artemis galt als Königin der Jagd, Fruchtbarkeit und des Mondes. Die Römer nutzten Beifuß ausgehend von der griechischen Mythologie als Mittel gegen Frauenleiden. Sie setzten Beifuß etwa bei Menstruationsbeschwerden und zur Steigerung der Fruchtbarkeit ein.

Heutzutage wird Beifuß am häufigsten zur Linderung von Beschwerden im Margen-Darm-Trakt und gegen Krämpfe und Verstopfungen eingesetzt. Zudem wird den im Beifuß enthaltenen ätherischen Ölen eine beruhigende und durchblutungsfördernde Wirkung nachgesagt. Die traditionelle chinesische Medizin schätzt Beifuß ebenfalls als Heilmittel für Leber- und Nierenprobleme.

Verwendete Pflanzenteile: das obere Drittel der Pflanze, sowie die Wurzel, aber auch die jungen Blätter

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl: Hauptbestandteile sind Kampfer, Thujon, 1,8-Cineol und Linalool, Sesquiterpenlactone: Vulgarin, Psilostachyin, Flavonoide: Quercetin, Rutin, Hydroxycumarine: Umbelliferon, Aesculetin, Sonstige: Polyine, Triterpene, Carotinoide

Heilende Eigenschaften:

antibakteriell, antimykotisch, beruhigend, desinfizierend, durchblutungsfördernd, entspannend, krampflösend, verdauungsanregend, wehentreibend

Wird angewendet bei:

Ausfluss, Blasenentzündungen, Eierstockentzündung, Epilepsie, Erkrankungen der Galle, Flugangst, kalte Füße, Magen­schleimhaut­entzündungen, Magenkrämpfe, Menstruationsbeschwerden, müde Beine, Probleme der Bauchspeicheldrüse, Rheuma, Schlafstörungen, Unterleibsschmerzen, Zahnfleischentzündungen

Zubereitung zu Heilzwecken:

Die jungen Blätter und Triebe des Beifuß können zur Herstellung eines Tees verwendet werden. Dieser hilft bei Magenstörungen und Mundgeruch, Galle- und Leberleiden, Hämorrhoiden, Nervenkrankheiten und bei Menstruationskrämpfen. Zurückzuführen ist diese Wirkung auf die Pilz- und Keimhemmenden Inhaltsstoffe, die die Sekretion der großen Drüsen sanft anregen.

Kocht man Beifuß zehn Minuten in einem Topf mit Deckel, erhält man einen Sud, den man zum Badewasser geben kann, um ein Entspannungsbad zu nehmen. So entfaltet der Beifuß seine äußerst wohltuende Wirkung.

Dazu ist die Tinktur zur inneren Anwendung zu empfehlen, wenn man sich einmal falsch angezogen hat und der Unterleib zu viel Kälte abbekam, was sich manchmal als Blasen- oder Eierstockentzündung bemerkbar macht. Zwischen kalten Füßen und dem Unterleib besteht ebenfalls eine starke Verbindung. Dann sind hier regelmäßige Fuß- und Sitzbäder, sowie die innere Anwendung von großem Nutzen und sehr hilfreich.

Die Tinktur von der Wurzel oder auch der Wurzelabsud werden erfolgreich bei Epilepsie angewendet.

Zur Herstellung einer Beifuß-Tinktur kannst man ein Schraubglas mit frischer, zerkleinerter Wurzel etwa halb befüllen, dann 60-prozentigen Alkohol darüber gießen, so dass alles bedeckt ist. Gelegentlich schütteln, nach einer Ziehzeit von 3 Wochen abseihen und in einer dunklen Tropfflasche verwahren.

Als Einreibemittel wird Beifußöl für müde Beine und Füße, bei Muskelkater, Verspannungen sowie Rheuma eingesetzt. Zur Herstellung Blätter, Blüten und Wurzeln grob zerkleinern, in ein Schraubglas geben und mit Öl auffüllen. Täglich schütteln und für drei Wochen an einem warmen, sonnigen Platz ziehen lassen. Anschließend abseihen, dunkel und kühl lagern.

Gerebelte frische Blätter, aber auch getrocknete Pflanzenteile machen fette Braten und Speisen würziger und so sollte auf die verdauungsfördernden Würzeigenschaften des Beifuß nicht verzichtet werden. Die jungen Triebe und Blätter schmecken wie Artischocken und sind deshalb eine wertvolle, süßliche Salatbeigabe.

Kräutersalz können wir zum Beispiel aus 3 Teilen Salz, 2 Teilen Thymian, 1 Teil Rosmarin und 1 Teil Beifuß herstellen. Natürlich dürfen hier auch andere Kräuter verwendet werden. In einem Schraubglas verschlossen, kühl und trocken gelagert, ist dieses leckere Salz längere Zeit haltbar und darf beim Würzen von Speisen nicht fehlen.

Möchte man Wunden behandeln, kann man einige Blätter des Beifuß zerstoßen und auf die zu behandelnden Stellen auftragen. Der Pflanzensaft kann aber auch gut löffelweise getrunken werden.

Bei Gebärmutterentzündung, Anurie und Harnsteinen hilft ein Umschlag aus Beifuß und Myrrhe und dazu der gekochte Beifuß in einem Sitzbad.

Ein Fußbad mit Beifuß hat einen stark wärmenden Einfluss und ist daher sehr hilfreich bei allen Erkrankungen, welche durch Kälte entstanden sind. Genauso geeignet ist es, um kalte Füße nachhaltig zu wärmen.

Für ein Fußbad werden zwei Handvoll des blühenden Krautes frisch oder getrocknet mit drei Litern Wasser in einem Topf aufgekocht und fünf Minuten ziehen gelassen. Abseihen und in das warme Fußbad geben.

Bei müden oder geschwollenen Füßen hilft auch ein kaltes Beifuß-Fußbad. Zur Behandlung von Frauenleiden empfiehlt sich ein Sitzbad.

Nach einer langen Reise vertreibt der Beifuß die Müdigkeit und ist ein ebenso gutes Mittel um Dämonen zu vertreiben und Gifte wirkungslos zu machen laut Pseudo- Apuleius. (Pseudo-Apuleius, Apuleius Platonicus oder Apuleius Barbarus wird der unbekannte Autor bzw. Kompilator eines illustrierten Kräuterbuches genannt, dessen ältestes erhaltenes Manuskript in lateinischer Sprache aus dem 6. oder 7. Jahrhundert stammt und dessen Urtext im 4. Jahrhundert entstand.)

Marcellus Empiricus (auch Marcellus Burdigalensis, war ein römischer Schriftsteller um die Wende des 4./5. Jahrhunderts n. Chr.) empfiehlt darüber hinaus: „Suche die Pflanze dort, wo sie wächst und wenn Du sie gefunden hast, dann pflücke sie mit der linken Hand, morgens vor dem Sonnenaufgang. Dann lege sie Dir um die Hüfte auf die nackte Haut. So wird sie Dich von Deinen Rückenschmerzen heilen.“

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