-Königskerze- Geschichte, Magie…

Geschichte, Magie & Mythologie

Stolz und erhaben steht sie da mit ihren leuchtend gelben Blütenkerzen – die Königskerze. Nicht umsonst hat die zweijährige Halbrosettenpflanze diesen Namen. Ihre stattliche Erscheinung und ihre zahlreichen Arten lassen die Gattung Verbascum auch im Herbst erstrahlen. In unseren Regionen finden sich vor allem folgende Arten der zu den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) zählenden Königskerze:

Die Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus)

Die Kleinblütige Königskerze kann eine stattliche Größe von bis zu 1,70 m erreichen und zeichnet sich vor allem durch ihre sehr langen, dichten Blütenstände mit 1-3 cm großen Blüten aus. Die filzig behaarte Pflanze findet man auf Schuttplätzen, Ödflächen, Waldlichtungen, Dämmen, Ufern und Mauern. Durch die drei behaarten Staubblätter der Blüten, die mehr Pollen vortäuschen als tatsächlich vorhanden sind, wirken die Blüten sehr attraktiv auf pollensuchende Insekten.

Die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum oder thapsiforme)

Die Großblütige Königskerze beeindruckt mit einer Höhe von bis zu 2,50 m. Ansonsten sind ihre Merkmale sehr ähnlich zur Kleinblütigen Königskerze. Unterscheidbar sind die beiden an den unterschiedlich großen Blüten, die bei der Großblütigen Königskerze mit 3-5 cm etwas größer ausfallen, und an den Staubblättern, die etwas länger sind. Besonderheiten sind die Schleimstoffe, Saponine und Flavonoide, die in den Blüten zu finden sind und denen eine reizlindernde Wirkung auf die Schleimhäute des Rachens nachgesagt wird.

Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum)

Kennzeichnend für die Schwarze Königskerze sind ihre violett wollig behaarten Staubfäden, die für die Namensgebung verantwortlich sind, die jedoch etwas irreführend gewählt wurde. Der starke Kontrast der Staubfäden zum Gelb der Blüten und Staubbeutel wirkt vor allem auf Insekten sehr attraktiv. Finden lässt sich diese wunderschöne Pflanze auf Schuttplätzen, Waldschlägen, Wegrändern und Böschungen.

Mehlige Königskerzen (Verbascum lychnitis)

Ihren Namen verdankt die Mehlige Königskerze ihrem mehlig-flockig behaarten Stängel und den weißwollig behaarten Staubfäden. Zudem besitzt sie haarige Blätter, die früher als Lampendochte genutzt wurden. Diese Tatsache erklärt auch den Ursprung des Gattungsnamens lychnitis, der sich vom lat. Lychnos = Lampe ableitet.

Königskerzen gehören zu den uralten Heilpflanzen, welche schon seit Jahrtausenden verwendet werden. Sie gelten als Symbol für langes Leben und gehören auch heute noch zu den bekannteren Heilkräutern. 1999 wurde die Großblütige Königskerze zur Heilpflanze des Jahres ernannt.

Bereits Dioskurides behandelte vor 2000 Jahren mit der Königskerze trockenen Husten. Auch heute noch sind die Atemwege der wichtigste Anwendungsbereich für Königskerzenblüten. Die warm-gelben Blüten erstrahlen wie kleine Lichter, wenn sie sich öffnen. Und so sah Hildegard v. Bingen in der Königskerze auch eine Pflanze gegen Traurigkeit. Hildegard von Bingen nannte sie „erhellend für die Seele, wer ein trauriges
und schweres Herz hat und eine heisere Stimme, koche sich Königskerze
und Fenchel in Wein“.

Sebastian Kneipp empfahl sie unter anderem als herzstärkendes Mittel, dafür kochte er die Blätter in Fleischbrühe.

Früher glaubte man, Königskerzen würden Unholde und bösen Zauber fernhalten. Oft pflanzte man sie ans Haus, damit sie vor Unwetter und Blitzschlag schützen mögen. Daher stammen auch ihre alten Namen „Unholdenkraut“, Wetterkraut oder Donnerkerze.

Die Königskerze bildet der christlichen Tradition nach, die Mitte des Kräuterbüschels zu Maria Himmelfahrt.

Sie ist der Mittelpunkt im Weihkräuterbuschen, um den sich die anderen Pflanzen gruppieren. So ein Buschen durfte nur 9, 15, 77 oder 99 Pflanzen beinhalten. Diese magischen Zahlen und ihre rituelle Verwendung lassen sich bis in die assyrische Zeit zurückverfolgen. Durch die Christianisierung wurde der Weihkräuterbusch Maria unterstellt und seither kirchlich gesegnet. Im Volksglauben sagte man den Spruch: “Unsere liebe Frau geht über das Land, sie trägt den Himmelbrand in ihrer Hand.”

Mit unserer lieben Frau war Maria gemeint, die mit dem Himmelsbrand das Land segnete. Diese geweihten Kräuterbüschel werden immer noch in den Bauernstuben aufgehängt und mit ihm am Drei-Königstag Haus und Stall ausgeräuchert.

Es ist immer noch mit sehr viel Magie verbunden, einen solchen Kräuterbusch zusammen zustellen. Die geweihten Kräuter sollen gegen alle möglichen „Verzauberungen“ und Krankheiten, aber auch für Eheglück, Kindersegen und vieles mehr helfen. Das ganze Jahr über nahm man auch vom Kräuterbusch, um zu räuchern. Besonders heilkräftig soll er sein, wenn man ihn mit Weihrauch vermischt und im Krankenzimmer damit räuchert. Früher hat man bei Heranziehen eines Gewitters etwas davon ins Herdfeuer geworfen, um das Haus vor Blitz zu schützen. An „Drei Könige“ wurden die Kräuter in einer Glutpfanne angezündet und damit das Haus ausgeräuchert. Unsere Vorfahren drückten im Brauch der Kräuterweihe ihren Dank für diese heilenden Pflanzen aus und baten um Segnung der weiblichen Gottheit, der die Kräuter unterstanden.

Einer Legende nach wird in dieser Zeit von der Gottesmutter die Erde gesegnet.

Der Kräuterbuschen ist eine Art traditionelle Winterapotheke. In diesen Buschen kommen
verschiedene Kräuter, die einen farbenprächtigen und würzig duftenden Strauß ergeben. Im
Zentrum des Straußes steht die Königskerze, eine Pflanze, die nur an den sonnigsten, wärmsten und trockensten Plätzen zu finden ist. Im Kräuterbuschen finden sich unter anderem folgende Kräuter und Pflanzen.

Ackerminze, Alant, Arnika, Baldrian, Beifuß, Bibernelle, Bittersüßer Nachtschatten, Blätter von Weiß- und Blaukraut, Dahlienblüten, Eberesche, Eberwurz, Eisenkraut, Farnkraut, Fenchel, Frauenmantel, Fünffingerkraut, Geißfuß, Getreideähren, Glockenblume, Hirtentäschelkraut, Hopfen, Johanniskraut, Kamille, Karotten, Königskerze, Kornblume, Kümmel, Lavendel, Liebstöckel, Majoran, Margerite, Mooskolben, Nesselblättrige Glockenblume, Petersilie, Pfefferminze, Rainfarn, Raute, Ringelblumen, Rosen, Salbei, Schafgarbe, Sonnenblume, Taubnessel, Tausendgüldenkraut, Teufelsabbiss (Tormentill), Thymian, Wegwarte, Weidenröschen, Weinraute, Wermut, Ysop, Zwiebel, ….

Besonders, wenn die Jungfrau Maria in ihrer Gnade die Wirkung der Pflanze noch verstärkte, sollte die Königskerze wahre Wunder wirken können. Selbst üble Wunden sollte die Pflanze zu heilen vermögen, wenn man damit die Verletzung berührte, dabei drei Kreuzzeichen machte und ebenfalls sprach: „Unsere liebe Frau geht übers Land, hat den Himmelsbrand in der Hand!“

In der heidnischen Tradition diente die in Fett oder Harz getauchte Pflanze als Fackel. Im Volksglauben hat sie sich als Wetterprophetin einen Namen gemacht: Wachsen die Blüten bereits am unteren Teil des Blütenstängels, kommt der Winter früh.

Eine Legende besagt…

Einst pilgerte ein englischer König mit seinem Sohn nach Rom. Bei der Besichtigung der heiligen Stadt leitete ein arglistiger Führer die beiden immer tiefer in die unterirdischen Katakomben. Als sie sich vollends verlaufen hatten, beraubte der Führer die beiden und ließ sie allein. Hilflos irrten der König und sein Sohn durchs Dunkle.

Der Vater betete um Beistand, und plötzlich leuchtete die Blume, die der Sohn zuvor am Eingang zu den Katakomben gepflückt hatte, in hellem Glanz, so dass der König und sein Sohn den Rückweg fanden. Wie die beiden englischen Pilger hießen, ist nicht überliefert. Die Pflanze aber, die ihnen den Weg wies, heißt seither „Königskerze“.

Aus alter Zeit sind allerlei Verwendungen der Königskerze überliefert…

In der Fischerei: Die Menschen glaubten, dass die Samen der Königskerze für einen guten Fischfang sorgen, wenn sie am Tag zuvor ins Wasser gestreut werden. Sie wurden heimlich ins Gewässer gestreut, am nächsten Tag sollte dann der heilige Petrus höchstpersönlich erscheinen, um beim sehr guten Fang zu helfen. Heute hat man eine wissenschaftliche Erklärung dafür, denn der Sapoingehalt der Samen wirkt nervenlähmend und betäubend auf die Fische.

In der Wanderschaft: Ein Blatt der Königskerze im Schuh hält die Füße warm und bequem.

In der Hygiene: Die flanellartigen Blätter eignen sich als Höschen-Einlage und Wildnis-Toilettenpapier.

In der Haarpflege: Die abgekochten, gelben Blüten geben als Spülung frischen Glanz für blondes bis mittelbraunes Haar.

In der Rauchmischung: Die getrockneten Blätter können mit Tabak oder anderen Kräutern gemischt werden.

Königskerze, beim Wandern am Leib getragen, sollte vor den Angriffen wilder Tiere schützen und dem Träger Mut geben. Das brachte ihr den Beinamen „Unholdkerze“ ein. Unters Kopfkissen gelegt sollte die Pflanze böse Träume vertreiben. Wurde ein Angehöriger schwer krank, so sollte man eine Königskerze nach Sonnenuntergang gegen Osten hin knicken und dabei bitten, sie möge die verlorene Gesundheit wiederbringen.

Als Solitärstaude setzt die Königskerze Akzente im (Bauern)Garten und auch am Wegrand stehend, sieht sie königlich aus.

In Indien gilt die Königskerze bis zum heutigen Tag als Schutzpflanze gegen böse Geister und schwarze Magie.

Zur Sommer-Sonnenwende sammelten die Frauen Beifuss, Eisenkraut, Arnika, Johanniskraut oder auch die Königskerze als eines der Sonnwendkräuter. Sie banden die Heilkräuter zum Kranze und krönten damit ihr Haupt. Nicht nur die Frauen wussten die Königskerze zu nutzen, als Teil der sogenannten Wolfskräuter wurde die Königskerze zum Schnitterfest rund um die Felder gesteckt. Zu ihr gesellten sich oftmals Kümmel, Eberesche, Christophskraut, Arnika und auch Beifuss. Dieses Ritual sollte die Kraft des Feldes bewahren, so dass auch im nächsten Jahr die Ernte reichlich ist.

Königskerzen zum Räuchern:

Königskerze kann alleine oder zusammen mit anderem Räucherwerk insbesondere Harzen verräuchert werden.

Die Blüten verströmen beim Verräuchern einen feinen, warmen und honigartigen Rauch, der die Sonne ins Haus holt. Als Sonnenpflanze spendet sie Licht, Wärme und Geborgenheit an dunklen Tagen. Wenn uns die Winterzeit in dunkle Tiefen zu ziehen droht, kann man mit ihr wieder sein inneres Feuer entfachen.

Gerade in Situationen, die von Melancholie, seelischen Tieflagen und Traurigkeit geprägt sind, entfacht sie ihren Sonnenzauber. Dabei kann sie solche Gedanken und Gefühle vertreiben und bringt wieder Licht und Farbe ins Leben. Bereits Hildegard von Bingen erkannte diese Qualitäten der Königskerze und empfahl sie für Menschen, die ein trauriges Herz haben.

Unsere Vorfahren nannten sie “Unholdenkerze”, da sie Unholde fernhalten und bösen Zauber abwehren kann. Negative Energien neutralisiert sie ebenso, wie sie uns sanft aus seelischen Tieflagen zieht. Aber auch wenn die Emotionen übersprudeln, lässt ihr Rauch zurückfahren und zum wesentlichen Auslöser solcher Situationen zurückfinden, die dann problemlos aufgelöst werden können.

Die Königskerze wird dem Stirnchakra zugeschrieben, dem sogenannten „Dritten Auge“. Es ist der Sitz des spirituellen Sehens und der Wahrnehmung der Anderswelten. Und so soll sie mit Beifuß vermischt und verräuchert die Hellsichtigkeit und die Entwicklung spiritueller Fähigkeiten fördern.

Der Brauch mit der Königskerze zu räuchern, um Dämonen und bösen Zauber abzuwehren, stammt aus dem Mittelalter, wo man ihr eine antidämonische Wirkung zusprach. Es hieß, dass man mit einer aufgesteckten Königskerze Plagegeistern, verzauberten Unholden und sogar ruhelosen Seelen verstorbener Unholde (böser Menschen) den Zutritt zu dem gezogenen Bannkreis verwehren könne. Im Allgäu gibt es bis heute den Aberglauben, dass eine auf einem Grab wachsende Königskerze anzeige, dass die Seele des Toten noch keine Ruhe gefunden habe.

Auch im antiken Griechenland wurden die Blätter zusammen mit den Blüten verräuchert, um böse Zauberkräfte und Dämonen abzuwehren und fernzuhalten.
Im alten Sonnenkult nahm die Königskerze eine zentrale Rolle ein. Überreste davon sind im Brauchtum erhalten geblieben.

Außerdem schätzen die Bauern die Königskerze als Wetterboten (Wetterkerze): Dichte Blätter am Boden der Blattrosette verheißen Schnee vor Weihnachten, dichte Blätter im oberen Teil der Pflanze dagegen Schnee erst zum Jahresanfang. Auch zählte man an ihren Blütenkränzen die Häufigkeit des Schneefalls und die Länge oder Kürze des kommenden Winters ab. Ein weiteres Wetterorakel sah man in der Neigung ihrer Spitze: Zeigte sie nach Westen, bedeutete dies schlechtes, nach Osten hin gutes Wetter.

Ein weiterer Rest des alten Sonnenkultes ist in Frankreich der Fackellauf der Dorfjugend. Zur Johannisnacht werden in Öl getränkte Königskerzen als Fackeln verwendet und es wird damit durch das Dorf gelaufen.

Königskerze als Mittel gegen Gicht:

Man nehme eine Handvoll Königskerzenkraut und ein Stück Kreide, so groß wie ein Ei. Beides eine halbe Stunde in dem Wasser kochen, in dem der Schmied das Eisen löscht. Etwas abkühlen lassen und als Fußbad verwenden. Danach das Wasser in einem Loch in der Erde versenken.

Nach Carl von Linné sollen sich die Bettler des Mittelalters die wundheilende Wirkung der Königskerze zunutze gemacht haben. Diese hätten schädliche Hahnenfußgewächse auf die Haut aufgelegt, um hässliche Geschwüre entstehen zu lassen, die das Mitleid mildtätiger Menschen erwecken sollten, schreibt der Botaniker. Danach hätten sie die wunden Hautstellen mit Königskerzenblättern wieder geheilt.

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