-Schlehe- Geschichte, Magie…

Geschichte, Magie & Mythologie

Die rötlich braune Rinde der einjährigen Zweige verfärbt sich im nächsten Jahr rußschwarz, worauf der Name Schwarzdorn zurückgeführt werden kann.
Mit ihrem intensiven Flachwurzelsystem und durch die Bildung von Wurzelschösslingen ist die Schlehe in der Lage, sich auf offenen Flächen schnell auszubreiten und wird unter anderem als Pionierart für Rohböden, Materialentnahmestellen, Rutschhänge und Hecken verwendet.

Durch den dichten Wuchs, die Bedornung und ihre Häufigkeit, ist die Schlehe eines unserer wichtigsten Vogelschutzgehölze. Viele Insektenarten, darunter zahlreiche Kleinschmetterlinge und Wanzenarten sind auf die Schlehe spezialisiert.

Wie Funde beweisen, hat der Mensch die Schlehe seit der Steinzeit in seine Nahrung mit einbezogen. Auch heute noch werden aus der Schlehe Gelees, Marmeladen, Most, Weine, Liköre und Schlehengeist zubereitet. Das harte Holz findet für Drechselarbeiten Verwendung. Die Schlehe ist an der Entstehung unserer Kulturpflaumen beteiligt.

Diese wichtige Schmetterlingspflanze ist in der Ökologie Mitteleuropas eine der wichtigsten Wildsträucher für Tiere. Sie ist bedornt und kommt in den Bergen bis etwa 1000 m Seehöhe vor. Die Schlehe wächst normalerweise als Strauch, kann aber auch im Garten als Baum gezogen werden.


Im Mittelalter wurde aus der Rinde Tinte gewonnen. Es wurde auch rote Farbe aus der Rinde hergestellt und sie wurde für die Haltbarkeit von Käse eingesetzt. Schlehenblätter dienten noch dazu als Tabakersatz.

Von den Früchten des Schlehdorns ernähren sich etwa 20 Vogelarten, darunter auch Meisen und Grasmücken. Schlehenhecken bieten speziell Strauchbrütern einen idealen Lebensraum. Diesen nutzt zum Beispiel der selten auftretende Neuntöter. Er spießt an den Dornen der Schlehe seine Beutetiere wie Insekten oder Mäuse auf.

Die Schlehe ist ein Symbol für die hellen und die dunklen Seiten des Lebens, sie vereint Glück und Unglück. Ihr wurde die Kraft zugeschrieben, Wünsche zu erfüllen. Wie ein Märchenbaum leuchtet sie mit ihren weißen Blüten im Frühling als ein Zeichen der Erneuerung und des wiederkehrenden Lebens. Gleichermaßen kündet uns die dunkle Farbe ihrer herben Frucht vom nahenden Winter und öffnet den Weg in die Unterwelt.

Weil sie wild und stachelig ist, wurde der Schlehe starke Schutzwirkung zugeschrieben. Um Höfe und Weiden vor bösen Geistern zu schützen, umpflanzte man sie oft mit Schlehensträuchern. Sie sollten Mensch und Tier vor Blitzschlag, Feuer und Krankheiten bewahren und Wünsche erfüllen. 

Wie schon erwähnt, wurde im Mittelalter aus der Rinde Tinte gewonnen. Dazu musste die Rinde von den Zweigen geklopft und in Wasser eingelegt werden. Nach drei Tagen wurde das Wasser abgegossen, aufgekocht und erneut über die Rinde gegossen. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt, bis die Rinde vollkommen ausgelaugt und alle farbgebenden Substanzen gelöst waren. Danach wurde die Flüssigkeit mit Wein versetzt und eingekocht.

Schon zu Zeiten der Pfahlbauten fand die Schlehe Verwendung bei unseren Vorfahren und ebenso in der arabischen Medizin. Auch Plinius, Dioscurides und Galen haben über sie berichtet und natürlich fehlt die Schlehe in keinem der mittelalterlichen Kräuterbücher.

Hier ein Zitat von Hieronymus Bock (1498 – 1554), der seinerzeit nicht nur Arzt und Theologe, sondern auch Botaniker war:

„Ein wasser gebrannt von Schlehenblüet / unnd das selbe getruncken / ist ein experiment für das stechen an der seiten. Aber vil kräftiger würt das wasser / so man die frische Schlehenblüet ober nacht laßt in gutem starckem Wein beissen … Mit diesem wasser hab ich vil nutz geschaffet / allerhand stechen und drucken umb das herz und magen darmit resoluiert.”… “So man die beere oder der rinden von wurzlen inn wasser oder sauren wein siedet / ein wenig Alaun und Honig dazu thut / dem mund damit auspület / oder gurglet / ist es gut zu den geschwären des mundes / des zanfleisches / des hals und zäpflein.“

Die Schlehe ist nicht geschützt. Sie steht auf keiner Roten Liste in Deutschland. Trotz alledem sollte die Wildsammlung mit großer Vorsicht geschehen, weil dieser Strauch vielen Tieren Nahrung und ein Zuhause bietet. Gesammelt wird immer nur so viel, wie für den eigenen Bedarf verbraucht wird.

Für die Vogelwelt ist der Schlehdorn eine wichtige Nahrungsquelle und auch mancher Vogel baut in diesem Strauch sein Nest oder sucht Schutz in ihm. Ebenso wichtig sind die Blüten für die Insekten. Daher gehört die Schlehe in jeden Naturgarten. Schmetterlinge, Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen beziehen hier ihren Nektar. Die Schlehe beheimatet an die 70 verschiedene Schmetterlinge, die auf ihren Blättern ihre Eiablage tätigen. Auch in einem Fledermausgarten sollte er reichlich gepflanzt werden.

Im phänologischen Kalender ist er eine Zeigerpflanze für den Frühling und Spätherbst. Der Schlehdorn wird seit jeher als Zeigerpflanze auch für die Aussaat genommen. Diese Pflanze spielte im bäuerlichen Aberglauben eine große Rolle, sozusagen als Ernteorakel.

Bauernregeln

„Je eher im April der Schlehdorn blüht, desto früher der Bauer zur Ernte zieht!“

„Wenn der Schlehdorn blüht am Hag, so wird es Frühling auf einen Schlag“

„Um Heu und Korn wird schlimmer es steh´n, Je später wir Blüten am Schlehdorn seh´n.“

„Wenn es viele Schlehen gibt, dann gibt es einen strengen Winter.“

Der Schlehdorn wird bei zunehmendem Mond gepflanzt. Wobei man nicht bei zunehmenden Mond Schlehen pflücken sollte, weil sie dadurch, nach einem alten Glauben, an Heilkraft verlieren.

„Von all den Bäumen die so stolz wachsen,

um England zur Zierde gereichen,

sind doch keine mächtiger unter der Sonne,

als die Eiche, die Esche und der Dorn.“

Aus Puck of Pook’s Hill, by Rudyard Kipling, 1906, Übersetzung Anke Junginger

In der irischen Mythologie wird die Schlehe auch die „alte dunkle Frau der Wälder“ oder „Mutter der Wälder“ genannt. In der keltischen Folklore wird Cailleach (Bedeutung auf Schottisch/Gälisch: alte Frau) als Göttin des Winters sehr oft mit Schlehenzweigen dargestellt.

In Irland glaubt man, dass Mondfeen in Schlehensträuchern leben, sie wachen über die Schlehe und verlassen ihn nur während des Vollmondes, um die Mondgöttin zu huldigen. So wie der Weißdorn ist also auch der Schwarzdorn bei den Feen sehr beliebt. Besonders magisch sind jene Orte, an denen Weißdorn und Schlehe Seite an Seite wachsen.

Die Schlehe umgibt etwas Geheimnisvolles, ihre dunklen verzweigten Äste wirkten wohl schon seit jeher sehr eindrucksvoll auf die Menschen. So entstanden wohl auch die Geschichten, dass das dichte dornige Astwerk rund um Haus und Hof Hexen abhält. Die Schlehe schützt vor Übel und Bösen und sie erfüllt Wünsche, so ist es nicht verwunderlich, dass das Holz der Schlehe angeblich gerne für Zauberstäbe verwendet wurde.

Es heißt in der Mythologie, dass die Schlehe Schutz schenkt und dabei hilft Hindernisse zu überwinden. In irischen Legenden liest man häufig, dass der Gute einen Schlehenzweig hinter sich wirft, aus dem umgehend eine undurchdringliche Hecke wird und er so in Sicherheit ist. Die Schlehe ist ein gutes Omen, dass man erfolgreich ist und Widerstand und Angriffe überwinden wird.

Die Schlehe symbolisiert auch Reinigung, sie kann negative Energie vertreiben.

Räuchern mit der Schlehe

Nach altem Glauben wird in den Rauchnächten vermehrt mit dornigen Schlehenzweigen und dem Holz geräuchert, um Schutz vor der Haustrude zu bekommen. Hierfür benutzte man die Räucherpfanne. Beim Räuchern des Harzes und/oder der Blüten verströmt die Schlehe einen blumigen sowie aromatischen Duft, der anregend, schützend, vitalisierend wirkt. Die Zweige der Schlehe wurden früher zum Schutz vor Kobolden, bösen Geistern und Hexen in der Walpurgisnacht verräuchert.

Ein weiterer Brauch war, in der „Haupttrudennacht“ (St. Otilie, 18. Juli) eine Räuchermischung aus Schlehdornzweigen, Raute und Wacholder zu mischen und dieses „zauberabwehrende“ Räucherwerk zu verräuchern.

Ein Ernteorakel belegt, dass es wichtig war zu wissen, wieviele Tage vor Walpurgis der Schwarzdorn erblüht. Denn soviele Tage vor dem Jakobustag (23.Oktober) wurde dann die Ernte eingeholt.

Magische Eigenschaften

Schützend, fluchbrechend, hexenabwehrend, heilend

Magische Sammelzeit

Zu Lughnasadh

In der Nacht zum 1. August feierten die Kelten das Lichtfest Lughnasadh, denn Beginn der Erntezeit und des Herbstes. Gesprochen wird das Fest Luu-a-sah und hat zu Deutsch die poetische Bedeutung „Hochzeit des Lichts“. In der keltischen Mythologie geht das Fest Lughnasadh auf den Sonnengott und Gott des Lichts Lugh zurück. Dieser huldigte damit den Taten seiner Ziehmutter Tailtiu, die in der Mythologie der Kelten als Fruchtbarkeitsgöttin und Erdmutter verehrt wurde.

Element

Feuer

Signatur

Die Schlehe wird aufgrund ihrer Dornen dem Planeten Mars zugeordnet. Marssignaturen sind auch als Schutzsignaturen zu verstehen. Man nutzt sie generell zur Entgiftung und Energetisierung bei Kraftlosigkeit und zur Steigerung der Abwehrkräfte. Weitere Indikationen sind Angstzustände und Willensschwäche.

Sie verbindet Empfindlichkeit und Schutzhaftigkeit und kann sensiblen Menschen helfen, sich zu schützen und abzugrenzen.

Schwarzdorn gehört zu den Hexenbäumen schlechthin. Er symbolisiert den Übergang zwischen Diesseits und Jenseits, die Schwelle, die Grenze zur Anderswelt, der Zaun, auf der die Hagzussa reitet. Mit dem Gewirr seiner schwarzen Äste steht er auch für die schwarze Winter- und Todesgöttin, um sich dann im mit seinen zarten weißen Blüten in ein Symbol für die weiße jungfräuliche Frühlingsgöttin zu verwandeln.

Die Dornen spielen auch die größte Rolle in Volksglauben und –Brauchtum: Nach einer schwäbischen Legende soll die Dornenkrone Christi aus dem Holz der Schlehe gemacht gewesen sein, daher – so die Legende – schlüge nicht einmal der Blitz in den Baum, um nicht in Kontakt zur unheiligen Pflanze zu kommen und man sei daher bei Gewittern unter ihr sicher. In einer Variation dieser Legende aus Posen wird die Schlehe vom Kreuzdorn verdächtigt das Holz für die Dornenkrone geliefert zu haben, doch Gott wusste um ihre Unschuld und überschüttete die Pflanze über Nacht mit tausenden weißer Blüten als Zeichen ihrer Unschuld.

Sogar der große Karl May (1842 – 1912) schrieb einst ein Gedicht über die Schlehe.

Segen

Der Schlehdorn steht in Blüten,
nun da ich scheiden muß.
Die Schwalbe aus dem Süden
bringt mir den Abschiedsgruß.

Der Schlehdorn steht in Blüten;
so blühst, mein Kind, auch du.
Brich sie für mich, den Müden,
deck mich mit ihnen zu.

Der Schlehdorn steht in Blüten;
welch eine süße Last.
Mag dich der Herr behüten,
wenn du mich nicht mehr hast!

Dualistische Religionen haben den Strauch dämonisiert, ihn mit schwarzer Magie belegt und das Holz der Schlehe in den Zeiten der Inquisition bei Verbrennungen auf den Scheiterhaufen benützt. Als das mittelalterliche Morden vorbei war, verlegte man die Schlehe nach Palästina und dort sollte sie als Dornenkrone des Christi gebraucht worden sein. Doch Wissenschaften nehmen an, dass diese Dornenkrone aus dem Holz des stacheligen Christusdorns gefertigt gewesen ist, oder aus dem Zwergstrauch der Becherblume, die heute noch dort wächst.

Die Pflanze besitzt also beides: Positive und negative Aspekte.
Im keltisch geprägten Britannien wird die Schlehe mit Krieg, Verletzung und Tod in Verbindung gebracht. Sie ist der Baum der Fee Morgana, wird der Göttin des Todes und dem Winter zugeordnet. Die ersten Schlehenblüten ins Haus gebracht bringen dem Haus und seinen Bewohnern Unglück. Das englische Wort „strife“ (Streit, Zwist, Unfriede) hängt etymologisch mit dem keltischen Namen der Schlehe „Straif“ zusammen.
Auch im deutschen Brauchtum kann dieser Negativaspekt auftauchen: Einem verachteten Mädchen wird ein Schlehenzweig als „Maie“ gesteckt oder ein solcher auf den Misthaufen gesetzt.

Umgekehrt gewähren die Dornen der Schlehe Schutz: Wie viele Dornensträucher wehren diese Dämonen und negative Energien ab. Weiden und Höfe wurden mit Schlehen umpflanzt. In der Walpurgisnacht werden Schlehenzweige an die Stalltüre genagelt, um das Vieh zu beschützen. Schlehendornen ins Kleid eingenäht, schützen vor Hexen. Auch im Islam ist die Schlehe gegenwärtig: Ein Stock aus dem Holz der Schlehe schützt vor Verhexungen. Ist aber das Vieh bereits verhext, so kann auch hier die Schlehe helfen: Beim Buttern steckt man die Dornen der Schlehe ins Butterfass. Melkt die Hexe die Kuh erneut, so werden ihre Hände wund. Milch, die sich nicht buttern lässt, wird mit einem Schlehenzweig gepeitscht und jeden Schlag spürt die Hexe.

Am Karfreitag vor Sonnenaufgang geht man in den Wald und schneidet von einer Schlehe, die sich nach Osten neigt, unter dreimaligem Abbeten des »Glaubens« ein Stücklein ab. Um den Hals gehängt bewirkt es, dass in die Haut eingedrungene Holzsplitter nicht eitern. Am Agathentag (5. Febr.) holt man um 12 Uhr von einem Schehdorn das »Agathenhölzl«, ein fingerlanges Stück Holz. Es hat die Kraft eine Wunde oder Geschwulst, wenn man darüberstreicht, zu heilen.

Es gab früher den Aberglauben, dass, wenn jemand eine Schlehe umschlug, eine schwangere Frau oder Tier eine Fehlgeburt bekäme. Ebenso dachte man früher in Wales, dass ein Zweig oder Ast einer Schlehe, den man ins Haus brachte, das Unglück und den Tod anziehen würde. Jedoch brachte es Glück, wenn sich daran eine Mistel befand, die daran gewachsen war.

Man stellte Kronen aus den Zweigen her, die man in das Maifeuer geworfen hat, die Asche davon streute man auf die Felder, wodurch die Ernte gut werden sollte.

Man dachte auch, dass die Bäume die Grenzen zwischen dieser Welt und der Geisterwelt bilden würden. Wenn man unter einer Schlehe meditierte, so konnte man mit Geistern kommunizieren, allerdings sollte man dabei ein Schutzamulett aus Schlehenholz tragen, damit man wieder in das Hier und Jetzt zurückkam.

In Irland stellte man Gehstöcke und Knüppeln aus dem knorrigen Holz her, weil es besonders hart und fest ist. Früher waren auch die Zähne an den Rechen oft aus Schlehdornholz.

Aus den Ästen der Schlehe wurden Wünschelruten und Zauberstäbe hergestellt. Diese dienten vor allem zur Kontaktaufnahme mit Erdelementarwesen, die Früchte der Pflanze wurden als Dankopfer für die Naturgeister eingesetzt. Aber auch als Waffe gegen dunkle Wesen wurden die Äste genutzt. So zieht die Schlehe einerseits Andersweltwesen an, kann sie aber auch bannen. Sie ist eine typische Schwellenpflanze. Sie verkörpert die Winter- und Todesgöttin ebenso wie nach Überschreiten dieser Schwelle auch die jungfräuliche weiße Frühlingsgöttin.

 
Schließlich aber steht die Schlehe auch mit der Fruchtbarkeit in Verbindung und stellt damit auch die Rote Göttin dar: Die Blüten der Pflanze wurden als Ernteorakel eingesetzt. Trug der Busch viele Blüten, so werden viele Kinder geboren und es gibt eine gute Weinlese. Das starke Blühen galt als Fruchtbarkeitssymbol, so dass es auch zu vielen unehelichen Geburten kam – vermutlich ein Hinweis auf eine vorchristliche kultisch-sexuelle Nutzung. Homöopathisch wird die Schlehe u.a. bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt

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