Purpurrote Taubnessel

Purpurrote Taubnessel

Botanischer Name: Lamium purpureum

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)

Weitere Namen: Honignessel, Kuckucksnessel, Bienensaug, weiße Nessel, zahme Nessel, Ackernessel,

Die Blüten der Taubnesseln werden in der Natur von vielerlei Insekten besucht. Da die Purpurrote Taubnessel bei günstiger Witterung schon sehr früh mit der Blüte beginnt, gehört sie mit zu den ersten Nahrungspflanzen für Bienen und Hummeln. Die Blätter von Lamium purpureum dienen manchen Schmetterlingen als Raupenfutter. Die Samen werden von Ameisen an ihre Brut verfüttert.

Die Purpurrote Taubnessel kriecht recht nahe am Boden entlang und erhebt dann ihre blühenden Triebe ein paar wenige Zentimeter über die Erde. Als Heilkraut verwendet man sie häufig bei Frauenleiden, sie kommt aber auch bei diversen anderen Beschwerden zur Anwendung. Dazu kommt, dass die Taubnessel ein sehr wohlschmeckendes Wildkraut ist und so findet sie auch in der Küche vielfältige Verwendung.

Anwendung in der Heilkunde

Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Triebe, Wurzeln

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Schleimstoffe, Kalium, Aucubin, Germanium, Kieselsäure, Vitamin B, Vitamin C, Zink, Zirkon

Anwendung bei: Harnwegs­­entzündungen, Magen­schleimhaut­entzündungen, Reizdarm, Hautentzündungen, Husten, Insektenstiche, Verbrennungen, Wunden, Asthma, Bronchitis, Lungenentzündungen, Lungenschwäche,

Eigenschaften: desinfizierend, entzündungs­­hemmend, wundheilend, zusammenziehend abschwellend, antibakteriell, antiseptisch, auswurffördernd, blutreinigend, blutstillend, harntreibend, reizmildernd, schleim­haut­schützend,

Sammelzeit: März – Oktober

Die Taubnessel ist ihrem Wesen nach eine eher weibliche Pflanze, zumal sie auch eine wichtige Rolle in der Frauenheilkunde spielt.

Taubnesseln werden bereits seit Jahrhunderten als Heilpflanzen verwendet. Während die weiße Taubnessel beispielsweise durch ihre effektive Wirkung bei Weißfluss als Frauenheilmittel bekannt ist, gilt die rote Taubnessel als Heilmittel für beide Geschlechter.

Die purpurrote Taubnessel lässt sich sowohl innerlich als auch äußerlich anwenden. Bei Beschwerden mit den Harnwegen oder dem Verdauungssystem kommt die Taubnessel ebenso zum Einsatz wie bei Symptomen auf der Ebene der Atmung. Ferner lassen sich Verletzungen von Haut und Schleimhäuten mit dem Heilkraut sanft behandeln.

Geschichte, Magie & Mythologie

Viele unserer Wildpflanzen tragen ihren Namen nach alten Mythen und Legenden und die darin vorkommenden Figuren spiegeln häufig die Eigenschaften der Pflanzen wieder. Bemerkenswert viele dieser Mythen finden wir in der griechischen Mythologie. Sie geben Aufschluss über psychische Symptome, organische Krankheiten, sowie körperlich Auffälliges, aber auch über die Pflanzen an sich.

Die alten Griechen sahen die Welt in einer ständigen Entwicklung, eine Welt, in der sich die Form des Lebens unaufhörlich ändert. Götter verwandelten sich in Menschen und zeugten mit Mensch und Tier Kinder. Tiere konnten die Gestalt von Pflanzen annehmen. Auf diese Weise konnte im Gegensatz zur christlichen Schöpfung Neues entstehen. Wenn die Götter Menschen in Tiere oder in Pflanzen verwandelten, diente das nicht selten als Strafe. Kräuter und Blumen entstanden aber auch aus den Tränen der Götter oder der Milch der Göttinnen.

Lamium ssp. – Der verschlingende Lippenblütler

In den tiefsten Abgründen des Hades lauerte ein Ungeheuer, das die Mythen über Jahrtausende befruchtete. Lamien nannten noch die christlichen Hexenjäger der Neuzeit die Hexen, die vermeintlich mit dem Teufel kopulierten, und so die Macht für ihre bösen Zauber bekamen. Im antiken Rom wurden die Lamien nächtliche Schrecken, die in der Gestalt von Vögeln in die Häuser eindrangen, und den Säuglingen nach Vampirart das Blut aussaugten, was den plötzlichen Kindstod erklärte.

Die Original-Lamia aber hauste in der Unterwelt der Griechen, und ihr Monsterkörper war ebenso der einer Schlange wie der einer Frau. Ursprünglich war sie eine ebenso kluge wie schöne Göttin, und rückte so ins Fadenkreuz des Götter-Casanovas Zeus. Wie bei dem Samenverbreiter üblich schwängerte er sie etliche Male, legte sie dann ab wie ein nasses Handtuch und ließ sie mit den Kindern sitzen.

Die Verlassene raste ebenso vor Verzweiflung wie vor Zorn. An den Erzeuger kam sie nicht heran, und deshalb ließ sie ihre Wut an den Kindern aus. Sie ermordete ihre Leibfrüchte und verschlang sie danach. Jetzt regten sich Post mortem Zeus väterliche Triebe, und er bestrafte seine Verflossene, verwandelte sie in ein drachenartiges Ungetüm und gab ihr die schwärzeste Stelle im Tartaros als Zuhause. Das Reptil starrte dort mit lidlosen Augen in die Finsternis, um zu schlafen, musste sie die Augen herausnehmen, diese wachten dann weiter. Die Griechen erzählten sich auch andere Varianten: In einer Alternativversion wurde Zeus so wild, dass er seinerseits Lamia fraß, die dann als Athene aus seinem Kopf wiedergeboren wurde.

Laimos heißt Schlund oder Rachen. Linné benannte nach dieser Figur eine ganze Familie, die Lamiaceae. Diese Verschlingenden heißen im Deutschen Lippenblütler. Sie gehen mit Hummeln eine Win-Win-Beziehung ein; die Hummel ernährt sich vom Nektar und bestäubt zugleich die Blume. Doch das Auge sieht erst einmal anderes: Eine Hummel, die in die „Lippenblüten“ hineinkrabbelt, wirkt, als würde sie verschlungen.

Im Unterschied zu ihrem antiken Vorbild ist Lamium, die Taubnessel, völlig harmlos.

Quelle: www.heilpraxisnet.de

Die Taubnessel soll als Kraut gegen allerlei Gefahren zum Kranz gebunden um den Hals getragen worden sein. Und wer sie als Kranz einem Rind um den Hals legt, dem soll das Rind überall hin folgen. In früheren Zeiten sagte man auch, die erste Taubnessel sei dort gewachsen, wo der erste Mensch begraben wurde und dass bei Vollmond gepflückte Taubnessel, die über die Eingangstür gehängt wird, vor Verhexung, Dämonen und Geistern schützt.

Hier habe ich einen Zauberspruch gefunden, den man früher häufig in Verbindung mit der Taubnessel verwendete. Es hieß:

„Gegen das kalte Fieber muss man auf die Nesseln pinkeln und eine Zauberformel sprechen, dann ein Gebet, und dann muss man den Ort verlassen und nicht wiederkommen (Elberfelder Rechenbuch, Ende des 18. Jh.).

Die Zauberformel hierfür lautet:

                    Hier mach ich mein Wasser auf diesen Samen
                    In allen Fieber Namen
                    Das Fieber will mich meiden
                    Bis daß ich komm und will die Sonne abschneiden
                    Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes usw.

Auch kam die Taubnessel bei einer Reihe anderer Heilzauber zur Anwendung und nachfolgend sind einige davon aufgelistet:

Gegen den „weißen Fluß“ der Frauen, bei den Wenden auch gegen Bleichsucht (Signaturenlehre).

Das zerstoßene Kraut gegen den Fingerwurm (Nagelgeschwür) und Hautverhärtung an den Füßen.

Die Taubnessel taucht in einem Krankheitsorakel auf (J. Starcicius: Geheimnißvoller Heldenschatz).

Taubnessel zur Dreisgenzeit (So nennt man die Zeit von Maria Himmelfahrt (15.8.) bis Maria Geburt (8.9.)) gesammelt, in einjährigem Zypressensaft eingelegt und bei sich getragen, macht sanft und gütig und hilft allen Widerpart zu überwinden.

Die Taubnessel an einem Auffahrtstag (Himmelfahrtstag) ausgegraben, in fließendem Wasser und Wein gewaschen und bei sich getragen, macht sie unbesiegbar.

Wie man einen Dieb zwingt, die Beute wiederzubringen:

Nimm einen neuen Hafen und einen Deckel darauf, schöpfe dreimal aus dem fließenden Wasser in den drei höchsten Namen, unterwärts, den dritten Teil des Hafen voll, nehme ihn mit heim, stelle ihn auf Feuer, nimm ein Stücklein Brot, tue es in dem Hafen sieden, auch ein wenig Thauneßlen darein. Dieb oder Diebin, bring mir meine gestohlene Sach herbei, du seiest Knab oder Mägdlein. Dieb du seiest Weib oder Mann, ich zwing dich im Namen ††† (Albertus Magnus).

Die Wenden (Wenden ist eine veraltete Bezeichnung für Slawen im deutschsprachigen Raum) brühen gegen Hexen die Milchtöpfe mit Dorant und Taubnesseln aus.

Verwendung in der Küche

Auch in der Küche ist die Taubnessel vielfältig verwendbar. Sie ist ein gehaltvolles, wohlschmeckendes und gesundes Gemüse, vielerorts in großen Mengen zu finden und kann deshalb ruhig etwas öfter gegessen werden.

Die Wurzel können vor allem im Herbst genutzt werden, entweder als rohe Knabberei, kleingeschnitten als Gemüse- und Suppenbeigabe, in Pesto oder man verwendet sie getrocknet, geröstet und gemahlen als Kaffeeersatz.

Besonders die jungen Blätter und Triebe sind sehr nährstoffreich und schmackhaft und können als Salat und Rohkost aber auch in Smoothies verwendet werden. Die Triebspitzen mit ihren kleinen Blüten sind eine ausgezeichnete Grundlage für Vorspeisensalate mit Gurkenwürfeln und Schafskäse.

Taubnesseln haben eine feine pilzige Note und deshalb passen sie auch hervorragend in Gemüselasagne mit gerösteten Nüssen und Ziegenkäse. Man kann leckere Gemüsechips herstellen und sie sind eine leckere Zutat in Bratlingen. Als Gemüse gekocht sind die Blätter und Triebspitzen schön mild und deshalb gut als Suppengemüse zu verwenden. Sie können auch als spinatähnliches Gemüse oder in Eierspeisen zubereitet werden. Aus den Blättern und Blüten lässt sich eine wunderbare Teemischung herstellen.

Sobald sich die Samen gebildet haben, können diese für einen Wintervorrat getrocknet werden. Aus ihnen lassen sich in der kalten Jahreszeit Keimlinge ziehen, die man wunderbar in Smoothies und Salaten verwenden kann, aber auch ganz einfach auf einem Butterbrot.

Frühlingssalat

Zutaten:

1 Handvoll Taubnesseln (junge Triebe, Blätter und Blüten)
1 Handvoll weitere Wildkräuter je nach Geschmack wie Gänseblümchen, junge Löwenzahnblätter, Scharbockskraut, Knoblauchsrauke, Gundermann, Schagarbe oder Vogelmiere
1 Handvoll grünen Salat wie Rucola, Mangold oder Spinat
2 Tomaten
1 gelbe Paprika

Salatdressing:

3 EL Pflanzenöl
1-2 EL Apfelessig oder Kräuteressig
1 TL flüssiges Süßungsmittel wie Honig
etwas Senf
Salz, Pfeffer, Knoblauch je nach Geschmack

Zubereitung:

Die Kräuter, Tomaten, die Paprika und den Salat unter kaltem Wasser kurz waschen und gut abtropfen lassen. Salat klein zupfen, die Tomaten und Paprika in Würfel schneiden. Nun die Kräuter von festen Stielen befreien, grob zerkleinern und alles in eine Schüssel geben. In einer kleinen Schüssel die Zutaten für das Dressing gründlich mischen und über den Salat geben.

Wer möchte garniert mit ein paar gerösteten Sonnenblumenkernen, Nüssen, Mandel-Parmesan oder anderen Toppings, Zum Frühlingssalat passen Brotchips, gebratener Tofu, gegrilltes Gemüse, Pellkartoffeln, Wildkräuterquark oder einfach frisch gebackenes Brot mit Wildkräuterbutter.

Weitere tolle Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten unserer kostbaren Wildpflanzen findest Du hier:
www.naturundgartentraeume.com

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