-Schwarz- Erle-

Botanischer Name: Alnus glutinosa

Familie: Birkengewächse (Betulaceae)

Weitere Namen: Frau Else, Ellenfru, Else, Walperbaum, Eller, Else, Erle, Gemeine Erle, Klebrige Erle, Schwarze Erle, Schwarzerle, Wiesenerle, Else

Die Schwarz-Erle wird oft mit der Grau-Erle (Alnus incana) verwechselt. Beide Arten wachsen häufig nebeneinander und können zumindest im Sommer leicht voneinander unterschieden werden, da die Grau-Erle im Gegensatz zur Schwarz-Erle zugespitzte Laubblätter besitzt. In höheren Lagen findet man öfter die Grün-Erle (Alnus alnobetula), deren Knospen besonders im Schatten grünlich gefärbt sind. Da die Schwarz-Erle sowohl mit Grau-Erle, der Grün-Erle als auch mit weiteren Erlen-Arten Hybride bildet, ist die Bestimmung nicht immer einfach.

Die Schwarz-Erle besitzt ein tiefreichendes Herzwurzelsystem, das auch lang andauernde Überschwemmungen verträgt. In den bodennahen Wurzeln bildet die Schwarz-Erle kleine Wurzelknöllchen, in denen Bakterien leben, die Stickstoff aus der Luft binden können. Durch diese Symbiose kann die Schwarz-Erle ihren Stickstoffbedarf auch auf stickstoffarmen Standorten, wie beispielsweise Moorböden, decken.

Für viele Schmetterlinge und auch Insekten ist die Schwarz-Erle eine wichtige Futterpflanze.

Verwendet wird die Schwarz-Erle für die Befestigung von Uferböschungen und die Begrünung von Nassstellen. Bei Aufforstungen ist sie ein wichtiges Pioniergehölz. Früher wurde das Holz aufgrund der guten Haltbarkeit unter Wasser für Pfahlbauten genutzt. Der weitere deutsche Name Rot-Erle weist auf die rote Färbung des frisch geschlagenen Holzes hin, das gerne als Möbelholz verwendet wird. Die Rinde eignet sich zum Schwarzfärben von Leder.

Anwendung in der Heilkunde:

Verwendete Pflanzenteile: Rinde, junge Zweige, Blätter, Früchte

Inhaltsstoffe: Fette, Öle, Flavonoide, Gerbstoffe, Mineralstoffe, Steroide

Anwendung bei: Angina, Halsweh, Hautgeschwür, Mund- und Rachenerkrankungen, Stillen, Schürfwunden, Wunden

Eigenschaften: adstringierend, fiebersenkend, narbenbildend (wundheilend) und zusammenziehend

Sammelzeit: Rinde und Früchte im Frühjahr, reife Früchte im Herbst

Anwendung in Volksheilkunde:

Von den griechischen Ärzten der vorchristlichen Zeit ist der Einsatz von Bestandteilen der Erlen als Heilmittel nicht eindeutig belegt. Jedoch bei Heilern der römischen Antike finden sich Hinweise auf die Verwendung der Erle. So berichtet Pedanios Dioskurides über die innere Anwendung von Rindentee bei Leib- und Darmkrämpfen. In der mittelalterlichen Klostermedizin mit ihrer bekanntesten Vertreterin – der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1148) – hat die Erle als Heilmittel keine Bedeutung, sie ist „… Sinnbild der Nutzlosigkeit“.

Die Renaissance leitet die Wende ein: Mit dem Abbau christlichen Argwohns gegenüber einer heidnisch begründeten Heilkunde änderte sich auch die Bedeutung der überlieferten medizinisch-botanischen Schriften. So berichtet Bock (1489- 1554) über den Infus aus Erlenblättern bei „blutspeyen und zanwehe“. Auch Mathiolus verweist auf die Anwendung bei Blutungen, Mundfäule und Rotz. Der englische Arzt Beech, Vertreter des medizinischen Eklektizismus (Als Eklektizismus werden Techniken und Methoden bezeichnet, die sich unterschiedlicher Systeme bedienen und deren Elemente neu zusammensetzen.), empfahl die Erle zur ‚Blutreinigung‘.

Traditionell werden in der Natur- und Erfahrungsheilkunde Erlenrinde und -blätter zur Bereitung natürlicher Heilmittel verwendet. Rindendroge wird durch Sammlung aus Wildbeständen gewonnen. Die weiche Rinde wird im zeitigen Frühjahr, wenn sie noch leicht vom Holz gelöst werden kann, von den jungen Ästen geschält und natürlich oder in temperierten Räumen bei max. 40º C getrocknet. Die schonende Lagerung des Sammelgutes erfolgt in Papier- oder Stoffsäcken. Die grünen Blätter werden in den Monaten Mai bis Juli sorgfältig gepflückt. Die schonende Trocknung erfolgt an einem warmen, schattigen Platz durch häufiges Wenden.

Schon in der Antike wurde die Erle bei Krämpfen verwendet, indem ein Tee aus ihrer Rinde verabreicht wurde. Später wurde sie wegen ihrer blutstillenden und blutreinigenden Wirkung bekannt. Im Mittelalter wurden Abkochungen der Blätter äußerlich zur Wundheilung benutzt und ihre im Frühjahr klebrigen Blätter wurden auf schlecht heilende Wunden aufgelegt.

Auch bei Zahnschmerzen und Erkrankungen im Mund- und Rachenraum wurde sie verwendet. Die zusammen mit Alaun aufgekochte Rinde diente als Spülung, zur Stärkung der Mundschleimhäute und des Zahnfleischs. Außerdem wurden ihre Pflanzenteile zum Gerben und zur Herstellung von Tinte verwendet. Ein erwärmtes, mit trockenen Erlenblättern gefülltes Kissen kann bei rheumatischen Beschwerden und Rückenschmerzen helfen.

Der hohe Gerb- und Bitterstoffgehalt der Rinde und Blätter lässt die Erle auch heute noch ein nicht unwesentlicher Teil der Naturheilkunde sein. Vor allem der in der Rinde sehr hohe Gehalt an Tanninen (bis zu 20%) ist für die Volksheilkunde interessant.

Auch in der Küche kann man die Erle verwenden: Ihre jungen Blätter (März bis Mai) kann man in Speisen frisch verarbeiten oder getrocknet in Gewürzmischungen, in Kräutersalz und als Zutat für Brote nutzen.

Erlen- Gemmo- Mazerat

Zutaten:

1 Teil Pflanzenknospen
3 Teile Glycerin (aus der Apotheke)
3 Teile Alkohol (40%)
3 Teile Wasser

Die zerkleinerte Baumknospen werden mit Wasser, Glycerin und Alkohol in einem verschließbaren Glas vermischt und 3 Wochen an einem dunklen Ort gelagert. In dieser Zeit immer wieder schütteln, sodass die wertvollen Inhaltsstoffe gut ausgezogen werden können.

Das fertige Gemmomittel wird nach der Zeit abgefiltert und kann dann in eine Zerstäuberflasche gefüllt werden.

Anwendung:

3 – 4 ml täglich in den Mund sprühen und kurz einwirken lassen.

Bei Akutzuständen viertelstündlich 2 Sprühstöße.

Kindern gibt man 1-2-mal täglich einen Sprühstoß auf die Zunge. Der Alkoholgehalt eines Gemmomittels entspricht etwa dem einer reifen Banane.

Haltbarkeit 2 Jahre

Die Schwarz-Erle wird wegen ihrer tollen Eigenschaften als Heilpflanze eingesetzt, denn sie hat beispielsweise eine fiebersenkende und wundheilende Wirkung. Verwendet werden wie schon beschrieben die Blätter und die Rinde der Zweige. Ein aus Schwarz-Erle zubereiteter Tee schmeckt bitter und herb, verfügt aber über einen angenehmen Geruch. Die getrockneten Blätter der Schwarz-Erle werden auch gern mit Walnuss- und Salbeiblättern kombiniert. Diese erleichtern das Abstillen.

Geschichte, Magie & Mythologie

Seit Urzeiten ist die Erle für die Menschen ein ganz besonderer Baum: Als „Die Erlenfrau“ ist sie seit Jahrtausenden bekannt und es ranken sich viele Mythen um diesen zauberkräftigen Baum – und das bereits seit der Eisenzeit und somit länger als 3000 Jahre.

Da man die Erle häufig in feuchten, auch sumpfigen Gebieten findet, die als unheimlich galten, wird sie im Volksglauben häufig mit dem Teufel und Hexerei in Verbindung gebracht. Erlenholz ist unter Wasser äußerst beständig. Es wurde daher schon in der Jungsteinzeit für Pfahlbauten verwendet.

Erlen fühlen sich am wohlsten an Übergängen und Schwellen zwischen Wasser und Land. Sie leben in beiden Welten und man findet sie auch genau dort: An moorigen Stellen, an Bächen und Flüssen, an Seen und Teichen und an Orten mit versiegten Wasserquellen, die unterirdisch aber noch vorhanden sind. Sie stehen dabei gern „mit einem Bein“ im Wasser und mit dem anderen in der Erde – weshalb sie als Baum, der zwischen den Welten wandelt, gilt.

Solche Schwellen und Übergänge sind für die Menschen seit jeher Orte der Anderswelt und ihrer Wesen, an denen „die Schleier dünn“ sind und der Übergang leichter. Daher ist die Erle genau das: Ein Wesen, das mit der anderen Seite in Kontakt steht und diesen auch bringen kann.

So unspektakulär uns dieser Baum heute erscheinen mag, umso mehr fürchteten ihn unsere Vorfahren. Als Vertreterin der feuchten, nebligen Auwälder wurde der Erle nachgesagt, unheilvolle Wesen wie Wasser-, Moor- und Nebelgeister zu beherbergen. Irrlichter blinzeln aus ihren Zweigen und bringen ahnungslose Wanderer vom Wege ab, wo sie Gefahr laufen, dem Erlenweib zu begegnen. Diese finstere Gestalt, der Hexerei mächtig, lockt den armen Wanderer immer tiefer in den dunklen Sumpf hinein. Eine mystische, bedrohliche Stimmung, die man in Goethes „Erlkönig“ (1782) noch heute hautnah nacherleben kann:

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater du, den Erlkönig nicht?
Den Erlkönig mit Kron und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif…“

Der unheilvolle Ausgang dieser Geschichte ist wohl jedem bekannt. Ein Sprichwort beschreibt die damalige Beziehung der Menschen zu diesem Baum: „Erlenholz und rotes Haar, sind aus gutem Grunde rar.“ Dies deutet auf eine weitere Eigenart der Erle hin, die die Landbevölkerung schaudern ließ. Schneidet man ihr frisches Holz an, so verfärbt sich der Saft rot und man sagt, die Erle „blutet“ – fast so wie ein Mensch. Heute wird dieser Vorgang schlicht Oxidation genannt und man fürchtet sich nicht mehr davor. Diese Besonderheit brachte der Schwarzerle aber, die ihren deutschen Namen ihrer dunklen, schuppigen Borke verdankt, auch die Bezeichnung „Roterle“ ein.

Wie schon deutlich wurde, vereint die Erle viele Eigenschaften und Zuschreibungen, die ihr ein dunkles Wesen nachsagen ließen. Da sie gern an feuchten Stellen und Mooren wächst und das Moor Wohnort der Seelen Verstorbener galt, war auch die Erle ein Geister- und Totenbaum. Im Mecklenburgischen hieß es über jemanden, der gestorben war: „Er ist beim lieben Herrgott im Erlenbruch!“ – dort, wo die Geister spuken.

Es hieß auch, der Teufel ebenso wie gute und böse Geister säßen gern auf Erlenstümpfen. Außerdem berichten alte Überlieferungen von nächtlichen Feuern, die die Erlenfrau im Moor erleuchten.

Der Begriff „Erlenfrau“ weist auf die große Bedeutung als weiblicher Baum hin. Dies erklärt sich vor allem durch das blutrote Holz, dass das Blut des Lebens und die Weiblichkeit symbolisiert. Wie lange diese Wahrnehmung durch die Menschen schon besteht, wird durch einen faszinierenden, uralten Fund im westlichen Schottland deutlich. Dort wurde eine aus Erlenholz geschnitzte, weibliche Figur gefunden, die wahrscheinlich als Opfergabe oder Ritualrelikt genutzt wurde. Die Datierung geht auf mehrere hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung zurück.

Im 6. Jahrhundert wurde nach altfränkischem Recht (Lex Salica) über dem Kopf eines Verurteilten vier Erlenstäbe zerbrochen und in die verschiedenen Himmelsrichtungen geworfen. Damit wurde er aus der Gemeinschaft verbannt und die Lossagung des Betroffenen von Haus, Hof und Familie symbolisiert. Auf diese Vorgehensweise geht die heutige Redensart über jemanden den Stab brechen zurück.

In der irischen Mythologie wird die Erle „Bran, dem Gesegneten“ zugeschrieben, dessen Seelentier der Rabe ist, ebenso auch der Göttin Morrigu die durch Raben symbolisiert wurde. Morrigu galt als „die Große Mutter“, die weise Alte oder die Geisterkönigin. Bei den Kelten war die Erle „die blutende Mutter“ und eine große Heilerin. Sie wurde von den Kelten zum Stillen von Blutungen, zum Bemalen der Gesichter in der Schlacht und als Helferin bei schweren Geburten eingesetzt. In der nordischen Mythologie wurde, so glaubten die Menschen damals, der erste Mann (Askr) aus Eschenholz und die erste Frau (Embla) aus der Erle geschaffen.

Verwendung in der Küche

Die Erle ist eine gerbstoffhaltige, bittere Pflanze, die sich, nur in geringen Mengen als Beigabe für Gemüse und Kräutermischungen nutzen lässt. Hierfür werden die ganz jungen Blätter (von März bis Mai gesammelt) genutzt. Diese sollten noch weich sein, sodass sie sich zwischen den Fingern zerreiben lassen.

Da es viele Pflanzen und Bäume gibt, die von Geschmack her wesentlich besser nutzbar sind, sollen folgende Beispiele nur zeigen, dass auch bitterstoffhaltige Vertreter Material für die menschliche Ernährung bieten können. Letztendlich ist ja auch alles eine Frage des eigenen Geschmacks und Bitterstoffe sind für den Menschen und seine Gesundheit natürlich sehr wertvoll.

Die herben Blätter lassen sich zu Gemüsechips, als Beigabe für Bratlinge sowie als Nuss- und Bittergemüse verarbeiten. Getrocknet und gemahlen können sie zum Strecken von Mehl beispielsweise verwendet werden. Sie eigenen sich aber auch als Bittergewürz in Kräuterölen und Essigansätzen oder getrocknet als Vorratsgewürz.  

Erlenpfeffer

Die Schwarz-Erle ist eine kulinarisch bei uns bislang noch wenig bekannte Besonderheit. Ihr Holz wird zum Kalt- oder Warmräuchern von Fleisch oder Fisch verwendet. Es gibt dem Räuchergut eine schöne, goldgelbe Farbe und auch ein feines, ganz spezielles Aroma.

Weniger bekannt ist die Verwendung von Kätzchen und Knospen in der Küche. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts schmecken auch sie etwas bitter und besitzen dennoch eine aromatische Schärfe. Diese Kombination eröffnet herrliche Würzmöglichkeiten, weswegen ein Erlenpfeffer aus den getrockneten Kätzchen, Knospen und Pfefferkörnern herstellen werden kann.

Im Mörser zerstoßen oder fein gemahlen ergeben sie ein aromatisches Gewürz, das vom Frühstücksei bis zum Steak vielen Speisen eine besondere Note verleiht. Auch Essig und Öl können damit wunderbar aromatisiert werden und dienen dann zum Verfeinern von Salaten oder Ofengemüse, aber auch diversen anderen herzhaften Speisen. Die hochwertigen Inhaltsstoffe der jungen Pflanzenteile bleiben durch schonendes Trocknen oder Einlegen in Essig und Öl gut erhalten.

Rezept für Erlenpfeffer

Zutaten:

– 1 Handvoll frische, geschlossene Erlenkätzchen und Knospen gemischt
– 2 Teelöffel schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Die Erlenkätzchen und -knospen werden grob gehackt und für einige Tage bei Zimmertemperatur getrocknet, sodass sie gut durchgetrocknet sind. Anschließend werden die Kätzchen und Knospen mit den Pfefferkörnern gemischt und im Mörser oder mit einer Kaffeemühle fein gemahlen.

Nun den Erlen-Pfeffer in ein Glas füllen, luftdicht verschließen und dunkel lagern.
So hält er sich bis zu einem Jahr, ohne nennenswerten Qualitätsverlust.

Knospen-Flüssigwürze

In Zucker und auch genauso in Salz, lässt sich die Würzkraft der Knospen immer gut konservieren und entwickelt einen tollen Geschmack. Hierfür kann man nicht nur Erlenknospen verwenden, sondern auch die violett-braunen Knospen von der Vogelbeere zum Beispiel. Ihr hoher Gehalt an Bittermandel sorgt dafür, dass neben Zucker ebenso Flüssigkeiten eine deutliche Marzipannote erhalten. Doch man sollte in diesem Fall keine großen Mengen verwenden. Die Knospen der Erle in Korn oder Wodka eingelegt, in mildem Apfelessig ausgezogen oder einem guten Öl beigegeben, ergibt ebenfalls eine schöne Zutat zum Würzen von Speisen, für Saucen, Desserts oder Drinks und ähnlichem, die es nirgendwo zu kaufen gibt.

Wer sich an der Verwendung von Baumknospen in der Küche versuchen möchte, sollte bedenken, dass nur sehr wenig von den einzelnen Bäumen und Sträuchern gesammelt wird, da diese die Knospen für ihr weiteres Wachstum benötigen und wir die Pflanzen nicht schädigen wollen.

Weitere tolle Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten unserer kostbaren Wildpflanzen findest Du hier:
www.naturundgartentraeume.com

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