-Fichte-

Botanischer Name: Picea

Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)

Weitere Namen: Rotfichte, Rottanne, Feichten, Gräne, Krestling, Pechtanne, Rothtanne, Rottanne, Schwarztanne

Ökologischer Nutzen:

Große Fichtenbäume bieten einigen Kleintieren Lebensraum, Brutplatz und Nahrungsgrundlage. Hierbei handelt es sich um Vögel wie z.B. Eulen, Häher, Fichtenkreuzschnabel und Spechte.

Schmetterlinge wie der Kiefernschwärmer, Kiefernspinner, Klosterfrau, Nadelholz-Rindenspanner oder Nonne, deren Raupen sich von Fichtennadeln, Kiefernnadeln und Lärchennadeln ernähren, nutzen diesen Baum ebenfalls als Lebensraum. Aus diesem Grund ist der Fichtenbaum einer der wenigen Nadelholzgewächse, der als Heckenpflanze für eine Schmetterlingshecke verwendet werden kann.

Aus ökologischer Sicht ist die Fichte außerdem wertvoll für Flechten wie die Bartflechte (Usnea barbata), die bevorzugt an den Ästen und am Stamm von Lärchen- und Fichtenbäumen wächst und auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen steht.

Wie andere große Nadelbäume sind Fichten für kleine und mittelgroße Gärten jedoch nicht sehr geeignet. Mit ihren dichten Baumkronen überschatten sie den Garten, sie sind sehr schnellwüchsig und mit ihren herabfallenden Nadeln übersäuern sie den Boden, sodass in ihrer Umgebung anderen Pflanzen die Existenzgrundlage genommen wird.

Trotzdem werden Fichtenbäume in der Gartengestaltung wegen ihrer schönen und zum Teil leuchtenden Blüten geschätzt. Sie brauchen jedoch einen großen Garten als Lebensraum, um sich ausbreiten zu können, ohne dass sie dabei andere Pflanzen verdrängen.

Anwendung in der Volksmedizin:

Verwendete Pflanzenteile: junge Triebe, Nadeln, Zweige, Harz

Verwendet werden die frischen Fichtenspitzen und das aus den frischen, zerkleinerten Zweigen und den anhängenden Nadeln durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl.

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Terpentinöl, Harz, Glykosid Picein, Gerbstoff, Vitamin C

Eigenschaften: anregend, antibakteriell, beruhigend, schleimlösend, schweißtreibend, tonisierend

Anwendung bei: Erkrankung der Atemwege, Gicht, Drüsenschwellungen, Nebenhöhlenentzündungen, Rheuma, Durchblutungsstörungen, Muskelkater, Schlaflosigkeit, Muskel- und Nervenschmerzen, Durchblutung anregend, Hexenschuss, chronische Hautkrankheiten, Nervosität, Rachenentzündungen

Sammelzeit:

Triebe: Frühjahr (Mai)
Nadeln: Juni bis August,
Harz: Juni bis August

Fichten werden wegen ihrer Inhaltsstoffe (besonders der ätherischen Öle) ihrer Harze, Nadeln und Zweige traditionell auch heute noch in der Volksmedizin als Heilpflanze verwendet.

Die Inhaltsstoffe der Fichte wirken schweißtreibend, schleimlösend, tonisierend und antibakteriell. Tinkturen und ätherische Öle werden innerlich und äußerlich angewendet und vorwiegend zur Desinfektion und Reinigung der Atemwege eingesetzt.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind z.B. Hexenschuss, Husten, Muskelschmerzen, Rheumatismus oder Verschleimung. Sei es als Bonbons, Branntwein (Fichtennadel-Franzbranntwein), Fichtennadelhonig, Fichtennadellikör, Hustensaft, Salbe, Fichtensirup (Fichtennadelsirup) oder Tee (Fichtennadeltee), aus der Fichte lassen sich verschiedenste für uns wertvolle Dinge herstellen.

In der Naturheilkunde kommen ebenfalls Dampfbäder mit Fichtennadeln zum Einsatz, zum Beispiel bei Kiefer- und Nebenhöhlen-Entzündungen.

Die Fichte und das von ihr gewonnene Fichtenöl findet mit seiner anregenden, kräftigenden und desinfizierenden Wirkung sowohl in der Aromatherapie als auch als Räucherwerk oder Fichtennadel-Tabak Verwendung.

Die ätherischen Öle der Fichtennadeln und -zweige werden wegen ihrem frischen harzig-waldigen Aroma oft als Aufguss in der Sauna genutzt. Der aufsteigende Dampf wirkt sich wohltuend auf die Atemwege aus und hat ebenso eine beruhigende Wirkung auf uns und unseren Körper.

Außerdem eignet sich Fichtenöl sehr gut auch als Badezusatz, wird in Parfüm, Gel, Salbe, Spray und Seife verarbeitet. Fichtenspitzen enthalten wie auch Tannenspitzen sehr viel Vitamin C, Flavonoide und ätherische Öle. In früheren Zeiten wurden sie von Seefahrern zur Vorbeugung gegen die Vitamin-C-Mangelerkrankung Skorbut auf längeren Seefahrten als Reiseproviant mitgeführt und verzehrt.

Fichten-Franzbranntwein:

Anwendung bei: Muskelkater, Hexenschuss, Rheuma und Gicht

Zutaten:

* ca. 2 Handvoll Fichtentriebel (grüne Spitzen)
* 3 Esslöffel Wacholderbeeren
* 300 ml Wodka oder Korn (mindestens 38 %)
* 2 bis 3 Tropfen ätherisches Lavendelöl
* 2 bis 3 Tropfen ätherisches Rosmarinöl

Zubreitung:

Die Fichtentriebe und die leicht gequetschten Wacholderbeeren in ein weithalsiges Glas geben und mit dem Alkohol auffüllen. Diesen Ansatz jetzt für 14 Tage an einem warmen Ort (nicht in der prallen Sonne) stehen lassen und täglich schütteln. Danach das Ganze abseihen und die ätherischen Öle hinzugeben. Nochmals alles gut schütteln, sodass sich alle Inhaltsstoffe gut miteinander verbinden können. Nun in kleine Flaschen oder Gläser abfüllen, beschriften und kühl und dunkel (zum Beispiel im Keller) aufbewahren. Dieser Ansatz ist mindestens 1 Jahr lang haltbar.

Geschichte, Magie & Mythologie

Fichten gelten schon seit vielen Jahrhunderten als ein weit verbreitetes und sehr geschätztes Heilmittel. Die jungen Triebe im Mai und die Nadeln wurden ebenso wie das Harz zur Linderung und Heilung bei verschiedenen Krankheiten verwendet. Fichte und Tanne sind in der Volksheilkunde gleich gestellt und werden auch heutzutage wieder vielseitig verwendet.

Bei den Kelten und Germanen nahm die Fichte keine allzu große Rolle ein, hier wurde mehr die Verwandte der Fichte, die Kiefer, geheiligt. Einige Quellen berichten aber, dass sie von den Germanen als Schutz-, Mutter- und Lebensbaum verehrt worden sein soll.

Doch bei den Römern war die Fichte heilig und galt als ein Symbol der Hoffnung, was eventuell auf ihr schnelles Wachstum und ihre Kraft und Stärke zurückzuführen sein könnte. Im traditionellen Brauchtum wurde die Fichte als bewahrender Baum angesehen, der die Fähigkeit haben sollte, Krankheiten zu übernehmen, so dass der Bittende wieder gesund werde.

Auch heute noch gibt es Maibäume, die anstelle von Birken gesetzt werden. Speziell in Bayern werden als Maibaum am 1. Mai traditionell Fichtenbäume verwendet, die durch ihren schnellen, geraden Wuchs und die große Winterhärte ein Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit sind, aber auch die Selbsterneuerungskräfte der Natur darstellen.

Bei den alten Griechen war die Fichte als Baum dem Meeresgottes Poseidon geweiht. In der griechischen Mythologie findet sich die Bedeutung der Fichte im Zusammenhang mit einer alten Sage wieder. Der Straßenräuber Sinis, der in der Nähe der Stadt Korinth lebte und sein Unwesen trieb, soll vorbeiziehende Wanderer getötet haben, indem er sie an zwei heruntergebogene Fichtenbäume band. Seine Opfer wurden dann von den hochschnellenden Fichten in der Luft zerrissen, bis der berühmte Held der griechischen Mythologie, Theseus, diesem Treiben ein Ende setzte und Sinis auf die gleiche Weise vernichtete, wie dieser die Wanderer.

Natürlich hat sich auch das Christentum etwas zur Fichte einfallen lassen, um die heidnischen Bräuche und Überlieferungen zu überdecken, denn diese alten Traditionen ließen sich nicht von heut auf morgen abschaffen und wurden in der Bevölkerung weiter ausgelebt.

Laut christlicher Mythologie hat sich die heilige Jungfrau Maria die Fichte als ihren Aufenthaltsort ausgesucht. Es heißt, in der Nähe eines Klosters fand ein Pfarrer eine Fichte, aus der eine Stimme kam. Nachdem man den Baum gefällt hatte, fand man dort ein Bild von Maria mit ihrem Kind. Selbstverständlich wurde daraufhin an diesem Ort eine Kirche zu ihren Ehren errichtet.

Die Fichte hat auch sehr zeitig die Rolle der Tanne als Christbaum übernommen, und bei Begräbnissen ist es heute noch Brauch, Fichtenzweige mit in die Grabsträuße einzuflechten. Dies könnte auf den Totenkult der Römer zurückzuführen sein, die bei Todesfällen Fichtenzweige an der Haustür anbrachten.

Im Christentum ist die Fichte etwa seit der Neuzeit (16. Jhrd.) ein traditioneller Weihnachtsbaum, allerdings werden heute eher Tannen als Christbäume verwendet. Der Grund hierfür besteht darin, dass Tannennadeln länger am Baum bleiben und beim Schmücken nicht so spitz sind wie Fichtennadeln, weshalb Tannen zu Weihnachten beliebter sind.

Schon in der vorchristlichen Zeit stellte man zur Wintersonnenwende einen Tannenbaum (auch die Rottanne) auf. Im Jahr 1539 stand der erste christliche Weihnachtsbaum im Straßburger Münster. Goethe lernte den erleuchteten Christbaum als Student 1765 in Leipzig kennen und führte den Lichtschmuck 10 Jahre später am Weimarer Hof ein. Erst der deutsch- französische Krieg 1870/71 verbreitete den Weihnachtsbaum im Volk. Um seine Soldaten aufzumuntern. König Wilhelm schickte aus diesem Grund zu Weihnachten eine Unzahl von Fichtenbäumchen an die Front.

Allgemein wurde der Fichte und besonders den Fichtenwäldern eine düstere und mystische Bedeutung zugeschrieben, was speziell in Märchen wie „Das tapfere Schneiderlein“ und „Hänsel und Gretel“ zum Ausdruck kommt. In der Baumsymbolik der beiden Märchen sind die Riesen bzw. die Hexe in einem Fichtenwald zu Hause.

Im Vergleich zu hellen Buchen- und Mischwäldern, lassen die engstehenden Kronen der Fichte kaum Licht auf den Waldboden durchscheinen. Der perfekte Stoff für gruselige Szenarien. Viele deutsche Kindermärchen spielen sich deshalb im Fichtenwald ab. Er ist das Symbol für Verwirrung und Alleinsein. Er beherbergt Wölfe, Hexen oder böse Riesen. In der Gaunersprache gibt es die Redewendung: „Einen in die Fichten führen“. Das bedeutet so viel wie „jemanden täuschen“. Diebe waren in diesem Zusammenhang auch als „Fichtegänger“ bekannt und die Bestohlenen als „Fichtner“.

Verwendung in der Küche

Fichte und Tanne bilden im Mai ihre jungen Triebe aus, die auch als Maiwipfel oder Maiwuchs bekannt sind. Die jungen hellgrünen Triebe sind eine wertvolle Delikatesse und nicht nur wegen ihres Geschmacks, sondern auch der wohltuenden Inhaltsstoffe sehr beliebt. Mit ihren schleimlösenden und antibakteriellen Eigenschaften sind Fichtentriebe heilkundlich vielfältig einsetzbar, aber auch kulinarisch ein echter Genuss.

Die jungen Maitriebe der Fichte schmecken zitronig, leicht bitter-harzig und sind ein erfrischendes Geschmackserlebnis. Fichtentriebe enthalten ätherische Öle u.a. Limonen, das für den zitronigen Geschmack verantwortlich ist, aber sie enthalten auch Flavonoide, Vitamin C und Gerbstoffe, die für unseren Körper wertvoll sind.

Zu beachten ist, dass die jungen Triebe von Fichte und Tanne in freier Natur nur in Absprache mit einem Förster gesammelt werden dürfen! Vielleicht kennst du jemanden, der Fichten auf seinem Grundstück hat und kannst dort einige Maiwipfel ernten. Wie beim Sammeln von Wildkräutern gilt, weniger ist mehr. Sammle nur so viel, wie du wirklich brauchst und nie alle Triebe von einem Zweig. Der Baum benötigt diese für sein weiteres Wachstum und wir wollen ihn nicht schädigen.

Eine sehr einfache Variante die wertvollen Inhaltsstoffe der Fichten haltbar zu machen und ebenso den Geschmack, ist die Verarbeitung zu einem Pesto. Dieses passt hervorragend zu Spaghetti natürlich, aber auch zu Pellkartoffeln, verschiedenen Gemüsegerichten oder auch einfach als Dipp und im Salat.

Fichtenspitzenpesto

Zutaten für ein Gläschen:

  • ca. 120 g Fichtenspitzen
  • optional Parmesan (Menge je nach Geschmack)
  • Pinien- oder Sonnenblumenkerne
  • Etwas Zitronensaft
  • Olivenöl

Zubereitung:

Die Fichtenspitzen, falls nötig mit Wasser waschen und gut trocken tupfen. Ich wasche sie eigentlich nie, sondern verwende sie frisch gepflückt gleich so wie sie sind. Die Pinienkerne in einer ungefetteten Pfanne anrösten. Die Triebe zusammen mit dem Parmesan, dem Zitronensaft und den Kernen in einen Mixbecher geben. Alles mit Olivenöl bis zur Hälfte bzw. Dreiviertel auffüllen. Das Ganze nun gut durchmixen. Funktioniert ggf. auch mit einem Pürierstab. Die Masse in ein Glas füllen und mit ein wenig Öl bis oben hin bedecken. Das sorgt für bessere Haltbarkeit.

Weitere tolle Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten unserer kostbaren Wildpflanzen findest Du hier:
www.naturundgartentraeume.com

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