Bärlauch- Hexenknoblauch

Bärlauch, der auch Waldknoblauch, Hexenlauch, Wilder Knoblauch oder Bärenlauch genannt wird, hat bei uns seine Saison von März bis April. Er gehört zur Familie der Läuche, die etwa 1000 Arten umfasst und ist eine heimische Pflanze. Auch in Nordasien ist er zu Hause. Hierzulande ist er nicht nur in unseren Gärten zu finden, sondern wächst auch wild in unseren Wäldern. Er braucht ein mildes Klima und so bevorzugt er Standorte in Auenwäldern unter Laubbäumen. Bärlauch liebt besonders feuchte und humusreiche Böden, auf denen er sich Teppichartig vermehren kann.

Leicht zu finden ist er nicht, aber dort wo er vorkommt, findet man ihn meist in Massen. Er bildet knollenartige Rhizome aus, aus denen jedes Jahr mehr Pflanzen entstehen, kann sich aber auch über seine Samen vermehren, sodass in Wäldern und Gärten nach ein paar Jahren riesige Bestände entstehen.

Anfang März kommen die ersten zarten Blätter aus dem Boden und wachsen zu einer Größe von 25- 30 cm heran. Aus einer Knolle wachsen mehrere Blätter. Dennoch sollten beim sammeln des Waldknoblauchs nur einige wenige Blätter der Pflanze geerntet werden, sodass diese im nächsten Frühjahr wieder in voller Kraft und Pracht heranwachsen kann.

Die Blätter des Bärlauchs haben einen würzigen Knoblauchgeruch- und Geschmack, dennoch ein wenig milder als Knoblauch. Sie lassen sich in der Küche in Quark, Suppen, Brotaufstrich, Pesto und vielen anderen Gerichten anwenden und verarbeiten. Je größer die Blätter, desto fester werden sie und der Geschmack wird herber.

Ab Ende März beginnen die Blütenstängel heranzuwachsen, die zuerst Knospen ausbilden und dann zu weißen Blüten reifen. Die Knospen sind essbar und eine leckere Delikatesse in allerlei Gerichten. Sie lassen sich hervorragend zu Kapern weiter verarbeiten und so gut einlagern. Die weißen Blüten sind ebenfalls essbar, jedoch nicht besonders lecker. Sie lassen sich jedoch als hübsche Dekoration für Salate oder auf dem angerichteten Teller verwenden.

Wenn der Bärlauch blüht, läutet er damit das Ende der Bärlauchsaison ein, denn nach der Blüte zieht er wieder in den Boden ein, um im nächsten Frühjahr neu auszutreiben.

Leicht zu verwechseln ist er mit der Herbstzeitlosen und dem Maiglöckchen, die zur selben Zeit wachsen und überaus giftig sind. Deshalb sollte nur dort gesammelt werden, wo eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Manchmal wachsen Maiglöckchen und Bärlauch sogar an der selben Stelle. Dort hilft auch nicht der feine Knoblauchgeruch die Pflanzen zu unterscheiden, da in den großen Beständen einfach alles nach Knoblauch riecht.

Wer Bärlauch im Garten kultivieren möchte, sucht sich dafür am besten einen schattigen, feuchten Standort unter Bäumen. Zum einen kann man den Bärlauch dann direkt pflanzen, denn zu dieser Zeit sind Bärlauchpflanzen im Handel erhältlich. Es gibt aber auch die Möglichkeit Bärlauch auszusäen. Hierbei ist jedoch einiges zu beachten.

Bärlauchsamen sind auch unter optimalen Lagerbedingungen nur ein halbes Jahr keimfähig. Es ist deshalb darauf zu achten, dass frisches Saatgut verwendet wird. Wer es ordentlich mag, legt alle 10 cm ein Saatkorn auf den Boden, wer nicht, säet breitwürfig aus. Die Samen werden dann mit etwa 1 cm Erde bedeckt und gut angefeuchtet.

Die Samen des Bärlauch brauchen einen Kältereiz, dass sie aufgehen und haben eine verhältnismäßig lange Keimzeit. So sollten die Samen im Spätsommer und Herbst, spätestens aber bis Mitte Februar in die Erde eingearbeitet werden. Je nach Zeitpunkt der Aussaat, kann es sein, dass sich die Pflänzchen auch erst im zweiten Jahr nach der Saat entwickeln.

Bärlauch wird nicht nur wegen seines feinen Geschmacks geschätzt, sondern besitzt für uns Menschen ebenso eine heilende Wirkung. Bärlauchblätter sind eine wunderbare Vitalstoffquelle. Sie liefern viele Vitamine und Mineralstoffe, die für einen gesunden Organismus unerlässlich sind. Bärlauch ist sehr reich an Vitamin C. In 100 Gramm Bärlauch finden sich etwa 150 mg Vitamin C, weitaus mehr, als im Gemüse, dass wir im Supermarkt kaufen können. (Alle Wildkräuter enthalten mehr von den für uns nützlichen Inhaltsstoffen.)

Er wirkt entgiftend sowie reinigend und kann uns über Frühjahrsmüdigkeit hinweghelfen, aber auch bei vielen Krankheiten unterstützen.

Zur Heilanwendung werden kurmäßig für 4-6 Wochen täglich etwa eine Handvoll frischer Bärlauchblätter gegessen.

Er war bei den Germanen, Kelten und auch den Römern als Heilpflanze bekannt. Für Pfarrer Künzle (Johann Künzle war ein Schweizer katholischer Pfarrer und Publizist. Er ist neben Sebastian Kneipp der wohl bekannteste Kräuterpfarrer und ein Förderer der Alternativmedizin sowie der Pflanzenheilkunde.) war Bärlauch die Pflanze mit den wirksamsten Kräften zur Reinigung von Magen, Darm und Blut. Seiner stark blutreinigenden Eigenschaft verdanken wir die heilende Wirkung bei chronischen Hautausschlägen und Flechten, da er die Ursache von innen her bekämpft.

Ein Rezept für Löwenzahnhonig

Ein Rezept für Löwenzahnhonig

Derzeit finden wir ihn überall, den Löwenzahn, mit seinen wunderschönen gelben Blüten. Schon kleine Kinder kennen den Löwenzahn und freuen sich an den lustigen Pusteblumen, mit denen sie ihn immer weiter verbreiten.

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Unsere Wälder und ihre Vielfalt

Seit der Zeit der Romantik spielt der Wald für uns Menschen eine herausgehobenene Rolle, denn in ihm kommen wir zur Ruhe, können die Stille genießen und die frische Luft atmen. Wir können uns entspannen, vom Alltag abschalten und neue Kraft tanken, die er uns durch seine Vielfältigkeit und sein besonderes Klima verleiht. Dieses besondere Klima nennt man das Waldinnenklima. Die Luft ist hier kühler, das Blätterdacht schützt vor Sonneneinstrahlung, die Verdunstung der Bäume kühlt und sorgt so für eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die Blätter einer großen Eiche können im Sommer pro Tag bis zu 200 Liter Wasser verdunsten. Auch Staub und Schadstoffe filtern die Bäume des Waldes aus der Luft und sie bremsen den Wind.

In Deutschland finden sich rund 11,1 Millionen Hektar Wald, was fast ein Drittel der Gesamtfläche ausmacht. (Stand 2012) Darunter zählen zum Beispiel der Bayrische Wald, der Schwarzwald, der Harz oder auch der Thüringer Wald.

Wälder sind die wichtigsten Sauerstoffproduzenten der Erde. Die Bäume produzieren ätherische Öle und Duftstoffe und geben diese an ihre Umwelt ab. Sogenannte Phytonzide. Das bietet ihnen nicht nur einen Schutz gegen Schädlinge und Baumerreger, sondern hat auf uns Menschen eine besonders beruhigende und gesundheitsfördernde Wirkung.

In Deutschlands Wäldern lassen sich etwa 76 verschiedene Baumarten zählen, wobei die Fichte der am häufigsten vorkommende Baum ist, dicht gefolgt von Kiefern und Buchen. Wälder stellen komplexe Ökosysteme dar, in denen Boden, Wasser, Gelände, Klima, Pflanzen- und Tierwelt in enger Wechselbeziehung zueinander stehen. Wir finden so in unseren Wäldern 18 typische Lebensraumtypen, zu denen zum Beispiel die Dünenwälder der Küsten oder auch die alpinen Lärchenwälder zählen.

1200 Arten von Farnen und Blütenpflanzen finden in unseren Wäldern ihren Lebensraum. Dazu kommen etwa 1000 krautige Pflanzenarten, 116 Straucharten, 676 Arten von Moosen, 1024 Flechten und 140 Wirbelarten, worunter Rehe und Rotwild, Schwarzwild, Fuchs und Dachs zählen. Feuersalamanda, Luchse und Wildkatzen sind nicht so leicht zu finden und lassen sich nur schwer beobachten und auch der Schwarzstorch und der Uhu gehören zu den seltenen und gefährdeten Tierarten.

Ungezählt ist hingegen die Anzahl der Klein- und Kleinstlebewesen in unseren Wäldern. In einer Handvoll Walderde befindet sich mehr Leben, als es Menschen auf der Erde gibt. Sie alle erfüllen im Waldökosystem unverzichtbare Aufgaben und ohne sie wäre der Wald nicht das was er ist. Auch die Würmer, Schnecken, Spinnen und Insekten sind Teil des Ganzen und machen den Wald so lebendig.

Moose gehören zu den ältesten Landpflanzen und einige von ihnen gibt es schon seit mehr als 400 Millionen Jahren. Die Moospolster, die in unseren Wäldern häufig zu sehen sind, bestehen aus vielen kleinen Pflänzchen, die nicht nur dicht nebeneinander sondern auch ineinander wachsen. So sind Moose hervorragende Wasserspeicher. Sie bevorzugen daher vor allem feuchte Standorte. Auch getrocknetes Moos kann sehr viel Wasser aufnehmen, weshalb es im Mittelalter als Windel für Babys verwendet wurde.

Die Moose verfügen im Vergleich zu anderen Landpflanzen über einen einfachen Bauplan. Sie haben zwar häufig etwas, das wie eine Knospe, ein Stängel, Blättchen oder eine Wurzel aussieht. Doch streng genommen besitzen sie all dies nicht. Die Rhizoide ermöglichen es den Moosen, sich am Boden zu halten. Anders als echte Wurzeln dienen diese aber nicht dazu, die Pflanze mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen.

Für die biologische Vielfalt im Waldökosystem spielt auch Totholz eine entscheidende Rolle. Über 1000 Käferarten und 600 Großpilzarten sind an der Zersetzung und der vollständigen Mineralisierung eines Holzkörpers beteiligt. Das hängst natürlich vom jeweiligen Grad der Zersetzung ab. Es können mehrere Jahrzehnte vergehen, bis ein großer Baum vollständig zersetzt ist und in dieser Zeit bietet er zahlreichen Arten Nahrung und Lebensraum.

Der Wald liefert uns nicht nur den besonders nachhaltigen Rohstoff Holz, sondern trägt wie schon beschrieben auch dem Erhalt der biologischen Vielfalt entscheidend bei. Waldtypische Pflanzen sind so in Deutschlands Wäldern weit weniger gefährdet, als Pflanzenarten anderer Ökosysteme. Das gelingt aber nur, wenn auch der Mensch seinen Beitrag leistet und zum Schutz und Erhalt der Wälder beiträgt.

Im 18 Jahrhundert waren nur noch 28 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands von Wald bedeckt, bis der Mensch endlich die Augen öffnete. Er erkannte nicht nur den Nutzen des Waldes, sondern auch die Notwendigkeit des Erhaltens und begann mit der Aufforstung und Neupflanzung dessen, was er der Natur bis dahin genommen hatte. In den letzten Jahrhunderten wurde der Wald in Deutschland intensiv genutzt und bewirtschaftet und auch heute werden 95 Prozent des nachwachsenden Rohstoffes Holz genutzt.

So steuern Waldbesitzer und Förster die Baumzusammensetzung und damit die Struktur des Waldes. Dies geschieht erst seit 3 Jahrzehnten Naturnah. Wird für nachhaltige Waldbewirtschaftung gesorgt, bringt das nicht nur den Erhalt und Nutzen auch für unsere Kinder und Enkelkinder, sondern fördert ebenso die natürlichen Prozesse im Wald, was nur unter Berücksichtigung der Natur- und Umweltschutzbelange geschehen kann.

Seit einiger Zeit wird daher auf Nadelbaumreinbestände verzichtet, da diese Reinbestände anfälliger für Schädlingsbefall sind und sich deutlich weniger biologische Vielfalt in ihnen finden lässt. Vorhandene Bestände werden nach und nach in Laubmischwälder umgewandelt, womit ein ausgeglicheneres Gleichgewicht der Artenvielfalt und des okölogischen Systems erreicht werden soll.

Dennoch ist die Fichte eine der wichtigsten Baumarten in deutschen Wäldern und besteht hierzulande auf 3,5 Millionen Hektar Land. Sie ist also neben der Kiefer und Buche die am häufigsten vorkommende Baumart. Sie ist jedoch nicht besonders Klimaresistent und kann nicht sehr gut mit Trockenheit umgehen, ganz anders als die Eiche beispielsweise. So sind in Süddeutschland ganze Bestände vertrocknet oder durch Schädlingsbefall abgestorben. Durch den Klimawandel und die damit verbundene Trockenheit der Sommer, gelangte zu wenig Wasser in den Boden. Dieser trocknete aus und nahm den Bäumen jede Möglichkeit zu überleben. Auch hier wird nun nach Rodung des Totholzes zu Laubmischwald wieder aufgeforstet.

Man nennt die Fichte den Brotbaum des Waldbesitzers, denn für die Forstwirtschaft war sie Jahrzehntelang die bedeutendste Baumart mit ihren Zweck als Holzlieferant. Fichten können natürlich bis zu 600 Jahre alt werden, wurden und werden aber im Wirtschaftswald mit 100- 120 gefällt und genutzt.

Nutzbar ist der Wald aber nicht nur für den Menschen, sondern auch für unzählige Pflanzen und Tiere bietet er Nahrung, Schutz und Lebensraum. So gehören lichte Wälder beispielsweise zu den artenreichsten Schmetterlingslebensräumen. Viele glauben, man fände sie nur in Gärten und auf brachliegenden Blumenwiesen. Doch weit gefehlt, denn auch in unseren Wälder fühlen sie sich zu Hause. Die verschiedensten Insektenarten finden in unseren Wäldern ein zu Hause und bilden den größten Teil der heimischen Tierarten, dienen aber auch als Nahrung für wieder andere Tierarten.

Die Lebensräume in unseren Wäldern werden in 5 verschiedene Schichten unterteilt. (Stratifikation) Abhängig von einfallendem Sonnenlicht sind sie verschieden stark ausgeprägt. Der Stockwerksaufbau des Waldes entspricht den Lichtbedürfnissen. Das Sonnenlicht strahlt von oben auf den Wald, so dass Bäume der oberen Baumschicht 100% des Sonnenlichts abbekommen. Die tiefer gelegenen Schichten wie Strauch-, Kraut- oder Moosschicht erhalten weit weniger Licht, im Extremfall gerade 10% des eingestrahlten Sonnenlichts. Man unterteilt die verschiedenen Waldschichten in Baumschicht, Strauchschicht, Krautschicht, Moosschicht und Wurzelschicht.

Mit den Klimaveränderungen, ändern sich auch die Wachstumsbedingungen in unseren Wäldern. Das bietet Risiken und Chancen. Die Chancen sind im höheren Ertragspotential zu sehen, durch längere Vegetationsperioden und höhere Temperaturen. Der erhöhte CO2 Gehalt der Luft und die zuvor genannten Faktoren lassen die Bäume schneller und besser wachsen. Die Risiken bergen sich in der Wasserknappheit, die den Schädlingsbefall der Bäume begünstigt, dem sie dann wenig bis garnichts entgegen zu setzen haben, denn wenn Bäume etwas unbedingt zum leben brauchen, dann ist es Licht und Wasser. Gefahren sind mit der Trockenheit auch in entstehenden Waldbränden zu sehen, die ggf. ganze Bestände vernichten können.

Baumarten und Regionen sind davon ganz unterschiedlich betroffen. Das hängt unter anderem auch von den verschiedenen Standortbedürfnissen der unterschiedlichen Baumarten ab. Fichten sind wie schon beschrieben sehr anfällig für Klimaveränderungen, Eichen hingegen sind robuster, wenn es um das Thema Wasserknappheit geht. Mischwälder sind somit insgesamt weniger empfindlich als reine Nadelwälder und standortgerechte Pflanzungen erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Wälder.

Durch Rodungen und landwirtschaftliche Nutzung der Flächen, finden sich weitaus weniger Lebewesen im Boden, als es in unseren Wäldern der Fall ist. Wald- und Naturschutzgesetze sollen helfen das vielfältige Ökosystem der Wälder zu schützen und so werden Schutzgebiete ausgewiesen. Hier wird forstwirtschaftliche Nutzung eingeschränkt oder zum Schutz der Arten völlig darauf verzichtet. Es stehen bereits 120000 Hektar Wald in Deutschland unter Totalschutz. Dazu gehören Naturwaldreservate, Kernzonen von Nationalparks und Biosphärenreservate. Zu finden sind diese beispielsweise im Nationalpark Bayrischer Wald, im Harz oder auch im Kellerwald Edersee.

Während in Deutschland die Waldfläche wächst, verschwinden weltweit jährlich etwa 13 Millionen Hektar Wald. Das ist mehr, als die Gesamtfläche Deutschlands beträgt und damit dürfte klar sein, dass der Anteil Deutschlands mit seinen Wäldern im Gegensatz zum Ganzen verschwindend gering ist. An einem einzigen Tag werden 36000 Hektar Wald vernichtet, was zum Vergleich ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands ausmacht. Aus diesen Gründen ist es notwenig nicht nur in Deutschland etwas für die Wälder zu tun, sondern den Schutz dieses einmaligen ökologischen Systems weltweit in Angriff zu nehmen und daran zu arbeiten, sodass auch die Kinder, Enkelkinder und deren Kinder noch mit den Wäldern leben dürfen.

Der Mensch vergisst nur allzu oft, dass der Wald sehr gut auf den Menschen verzichten kann, aber der Mensch nicht auf seine Wälder. Wir dürfen nicht nur von ihm leben, sondern müssen neu lernen mit ihm zu leben, um auch eine Nachhaltigkeit für alle folgenden Generationen sicherstellen zu können.

Der deutsche Wald jedenfalls ist ein vielfältiges, buntes und überaus lebendiges Ökosystem, dass es zu schützen gilt. Im Frühling strahlt alles in hellem Grün, im Sommer bieten die Bäume schattige Erfrischung und Erholung. Im Herbst hüllt sich alles in ein buntes Meer aus Farben und auch die Winterwelt unserer Wälder birgt ihren ganz eigenen, fast schon magischen Zauber. Unsere Wälder verzaubern uns und laden zum träumen ein. Wer genauer hinsieht, erkennt die kleinen Wunder der Natur.

Quelle: Der Wald- Das Grüne Wunder unserer Heimat (2012) Dokumentation

Eichelhäher

Der Wächter des Waldes

Eichelhäher zählen zur Familie der Raben und sind in unseren Wäldern weit verbreitet. Sie sind fast in ganz Europa zu Hause, außer auf Island, in Norwegen oder Schottland. Wir finden sie aber nicht nur dort, sondern auch in Parks und Gärten, insbesondere zur Winterzeit, wenn das Futterangebot knapp wird. Bei ihren Streifzügen fressen sie so ziemlich alles, was ihnen vor den Schnabel kommt. Insekten, Käfer, Würmer, Larven und Schnecken. Sogar kleine Vogeljunge, Vogeleier und Mäuse stehen auf ihrem Speiseplan. Ergänzt wird das ganze mit ein paar vegetarischen Leckereien, wie Eicheln, Bucheckern, Beeren, Äpfel, Mais und verschiedene Getreidearten.

Letzteres sind auch die Früchte der Natur, die der Eichelhäher für den Wintervorrat sammelt und vergräbt. Der Winter ist lang und es muss für ausreichend Nahrung gesorgt werden. Da er sich trotz seines guten Gedachtnisses dennoch nicht alle Verstecke merken kann und auch sonst das ganze Jahr über seine Schätze im Wald verteilt, ist er bei Förstern sehr beliebt. Aus den verloren gegangenen Früchten entstehen im Frühjahr neue Pflanzen und so trägt der Eicherlhäher zur Vermehrung der Bäume und Sträucher, also der Verjüngung des Waldes und somit zum Erhalt des okologischen Gleichgewichts bei.

Der bunte Vogel wird bis zu 35 cm groß und hat eine Flügelspannweite von 52- 58 cm. Er wiegt im Erwachsenenalter (wobei er bis zu 15 Jahre alt werden kann) etwa 170 Gramm.

Der Eichelhäher ist etwa so groß wie ein Falke oder eine Taube. Obwohl die Vogelbestimmung recht einfach ist, sind Männchen und Weibchen äußerlich kaum zu unterscheiden. Der größte Teil des Eichelhäher-Gefieders ist rosa-braun. Akzente werden in schwarz weiß und einem leuchtenden Himmelblau gesetzt. Elegant ist der Kopf des Eichelhähers: An den kurzen dunklen Schnabel schließt sich ein schwarzer Wangenstreifen an, der sich von dem weißen Kinn und Oberkopf abhebt. Schwarze verlängerte Federn auf dem Oberkopf lassen diesen gestreift erscheinen und können zu einer Haube aufgestellt werden.

Besonders auffällig sind die Flügelfedern des Eichelhähers: Diese sind auf der unteren Seite dunkelgrau, auf der oberen Seite jedoch leuchtend blau und mit einer schwarzen Querbänderung versehen. Diese lässt sich sowohl im Flug als auch beim sitzenden Vogel deutlich erkennen und erleichtert die Vogelbestimmung ungemein.

Eichelhäher sind Teilzieher, was bedeutet, dass nur einige wenige Populationen in den Wintermonaten ihr Brutgebiet verlassen, um in den Süden zu ziehen. Das ist abhängig von den Regionen, in denen sie leben und den damit einhergehenden Bedingungen. Unsere heimischen Tiere hingegen sind Standvögel und verbringen den Winter hier. Besonders gut zu beobachten sind sie dann an den aufgestellten Futterplätzen, die eine willkommene Ergänzung ihrer Nahrung in den kalten Wintermonaten darstellen.

Der Bestand der bunten Flieger wird auf 105000 bis 290000 Brutpaare geschätzt. Einmal im Jahr, nämlich von April bis Juni legen Eichelhäherweibchen 3- 5 Eier, wobei das Männchen den Nistplatz aussucht. Vorzugsweise nisten sie in lichten Misch- und Nadelwäldern in einer Höhe von 5- 8 Metern. Wird der Vogel beim Nestbau gestört, bricht er diesen sofort ab und sucht sich ein anderes Plätzchen. Das Nest besteht aus Zweigen und Reisig und wird innen mit Gräsern, Moos, Blättern, Rindenstückchen und Pflanzenresten ausgekleidet, sodass es die Jungvögel kuschlig und gemütlich haben.

Während der Brutzeit beläuft sich die Größe des Revieres des Eichelhähers auf 5- 10 Hektar. Das wird auch für die Versorgung der Eichelhäherkinder mit Nahrung benötigt. Nach einer Brutdauer etwa 16 Tage werden die Jungen weitere 20 Tage von beiden Eltern mit Futter versorgt. Auch nach dem Ausfliegen der kleinen Vögel, sorgen die Eltern noch eine Weile dafür, dass ausreichend Nahrung in den Schnabel kommt.

Dabei müssen sich Eltern und Vogelkindern vor ihren Fressfeinden in Acht nehmen. Uhu, Krähe, Falke und andere Greifvögel sehen den Eichelhäher als leckere Delikatesse auf ihrem Speiseplan. Auch der Mensch stellt mit der Abholzung der Wälder eine Bedrohung für den Lebensraum der Eichelhäher und vieler anderer Waldbewohner dar.

Wir Menschen nennen ihn liebevoll den Wächter der Wälder oder die Polizei des Waldes. Sein Warnruf ist unverwechselbar und da wo jemand den Wald betritt, der dort nichts zu suchen hat, versetzt er mit seinem Rufen den ganzen Wald in Alarmbereitschaft. Allerdings kann er auch meisterhaft die Stimmen anderer Vögel immitieren, besonders die der Greifvögel.

Die Schneekönigin

nach Hans Christian Andersen

Drinnen in der großen Stadt, wo so viele Menschen und Häuser sind, lebten zwei Kinder. Sie waren nicht Bruder und Schwester, aber sie waren sich ebenso gut, als wenn sie es gewesen wären. Der Junge hieß Kay, und das Mädchen hieß Gerda. Die Eltern wohnten einander gerade gegenüber in zwei Dachkammern, wo das Dach des einen Nachbarhauses gegen das andere stieß und die Wasserrinne zwischen den Dächern entlang lief.

Dort war in jedem Haus ein kleines Fenster, man brauchte nur über die Rinne zu schreiten, so konnte man von dem einen Fenster zum anderen gelangen. Im Sommer konnten die Kinder mit einem Sprunge zueinander gelangen, im Winter mussten sie erst die vielen Treppen herunter und die Treppen hinauf. Draußen stob der Schnee. „Das sind die weißen Bienen, die schwärmen“, sagte die Großmutter. „Haben sie auch eine Bienenkönigin?“ fragte der kleine Knabe, denn er wusste, dass unter den wirklichen Bienen eine solche ist. „Die haben sie!“ sagte die Großmutter. „Sie nennt sich die Schneekönigin und sie fliegt manche Winternacht durch die Straßen der Stadt und blickt zu den Fenstern hinein, die sofort zufrieren.“ Wenn sie böse ist, lässt sie kleine Eissplitter durch die Luft wirbeln und wen ein solcher Eissplitter ins Auge trifft, dessen Herz wird kalt und er ist allezeit böse.

„Kann die Schneekönigin hier hereinkommen?“ fragte das kleine Mädchen. „Lass sie nur kommen!“ sagte der Knabe, „dann setze ich sie auf den warmen Ofen und sie schmilzt.“ Aber die Großmutter glättete sein Haar und erzählte andere Geschichten. Am nächsten Tag saßen die Kinder wieder bei der Großmutter, sie halfen ihr beim Wolle wickeln und sie erzählte die schönsten Geschichten. Draußen tobte ein Schneesturm und plötzlich flogen vom Wind die Fenster auf und in der Stube wurde es sofort eisig kalt. Die Kinder sprangen auf, um die Fenster zu schließen, da jammerte Kay: „Au! Es stach mir etwas ins Auge und das Herz tut mir auch weh!“ Gerda sprang zu ihrem Freund, um ihm zu helfen, doch der stieß sie weg: „Lass mich, du dummes Mädchen – ist doch schon längst wieder gut.“

Aber so kannte Gerda ihren Freund gar nicht. Fortan war Kay frech zu ihr, ärgerte sie und holte sie nicht mehr zum Spielen ab. Aber es war das kleine Eissplitterchen, welches ihm in dem Herzen saß. Daher kam es auch, dass er die kleine Gerda ärgerte, die ihm von ganzem Herzen gut war. An einem Wintertag, als es schneite, ging er mit seinem großen Schlitten zum Marktplatz und Gerda lief hinter ihm her, weil sie mit ihm zusammen rodeln wollte. Kay lief jedoch weg, um mit den anderen kecken Jungen auf dem großen Platz schnell wie der Wind durch den Schnee zu sausen.

Als sie im besten Spielen waren, kam ein großer Schlitten, der war ganz weiß angestrichen. Darin saß jemand, in einen rauen weißen Pelz gehüllt und mit einer rauen weißen Mütze. Der Schlitten fuhr zweimal um den Platz herum, und Kay band seinen kleinen Schlitten schnell daran fest, und nun fuhr er mit. Doch vorne in dem großen Schlitten saß die Schneekönigin, die wollte den kleinen Kay mitnehmen auf ihr Schloss. Gerda jedoch stand auf dem großen Platz und beobachtete wie Kay mit dem großen Schlitten davonfuhr. Sie lief ihm hinterher und rief: „Kay, Kay wo willst du hin?“ und ihr war ganz ängstlich zumute um ihren Freund.

Doch der Schlitten fuhr in Windeseile davon. Nach einer langen Zeit hielten sie an und die Schneekönigin drehte sich zum kleinen Kay um und sprach: „Komm zu mir auf den großen Schlitten.“ Kay kletterte auf den Kutschbock und nun konnte er sehen, dass große Rentiere den Schlitten zogen. „Friert dich noch?“, fragte sie und küsste Kay auf die Stirn. Oh! Das war kälter als Eis. Der Kuss ging ihm gerade hinein bis ins Herz, welches ja doch zur Hälfte ein Eisklumpen war. Doch nun war ihm noch kälter als vorher und die Schneekönigin küsste Kay nochmals, und plötzlich hatte er die kleine Gerda, die Großmutter und alle daheim vergessen.

„Nun bekommst du keine Küsse mehr!“ sagte sie, denn sonst erfrierst du mir noch!“ Die Schneekönigin trieb die Rentiere an und sofort sauste der Schlitten los, so schnell, dass er nach kurzer Zeit flog. Sie flogen über Wälder und Seen, über Meere und Länder. Unter ihnen sauste der kalte Wind, die Wölfe heulten, der Schnee knisterte. Über demselben flogen die schwarzen, schreienden Krähen dahin, aber hoch oben schien der Mond so groß und klar, und dort betrachtete Kay die lange, lange Winternacht. Aber wie erging es der kleinen Gerda, als Kay nicht zurückkehrte? Wo war er nur geblieben? Niemand wusste es, niemand konnte Bescheid geben. Die kleine Gerda weinte so viel und so lange an diesen langen, dunklen Wintertagen.

Bald darauf kam der Frühling mit wärmerem Sonnenschein und Gerda entschloss sich, Kay zu suchen. Sie lief lange und gelangte an einen Fluss, an dem sie sich erst einmal ausruhen wollte. Nach kurzer Zeit hüpfte eine Krähe auf Gerda zu und sagte: „Kra! Kra – Gu‘ Tag! Gu‘ Tag“ und fragte, wohin sie so allein in die weite Welt hinausginge und Gerda erzählte der Krähe warum sie unterwegs ist und fragte die Krähe, ob sie Kay nicht gesehen habe. Und die Krähe nickte ganz bedächtig und sagte: „Das könnte sein! Das könnte sein!“ „Wie? Glaubst du?“ rief das kleine Mädchen und hätte fast die Krähe tot gedrückt. So küsste sie diese. „Vernünftig, vernünftig!“ sagte die Krähe. „Ich glaube, ich weiß, ich glaube, es kann sein, der kleine Kay – aber nun hat er dich sicher über der Prinzessin vergessen!“ „Wohnt er bei einer Prinzessin?“ frage Gerda. „Ja, höre!“

„In diesem Königreich, in welchem wir jetzt sitzen, wohnt eine kleine Prinzessin, die ist ganz liebenswürdig und vor nicht allzu langer Zeit kam ein Junge auf einem Schlitten durch das Königreich gefahren, hielt vor dem Schloss an und die kleine Prinzessin, die schon lange einen Freund suchte, freute sich über den Besuch und ließ den Jungen nicht mehr fort. Seitdem lebt der Junge im Schloss und die beiden sind ein Herz und eine Seele. „Das ist Kay!“ jubelte Gerda. „Oh, dann habe ich ihn gefunden!“ und sie klatschte in die Hände.

Die Krähe erzählte ihr, dass seine Freundin im Schloss als Hofkrähe arbeitet und dass sie ihnen ganz sicher helfen könnte ins Schloss zu gelangen, um den kleinen Kay zu suchen. Sie liefen zum Schloss und die Krähe rief ihre Freundin. Die Hofkrähe kannte eine kleine Hintertreppe, die zum Schlafgemach der Prinzessin und ihres Freundes führt und sie schlichen hinein. Oh, wie Gerdas Herz vor Angst und Sehnsucht pochte, sie wollte ja doch nur wissen, ob es der kleine Kay sei. Ja, er musste es sein! Er würde sicher froh werden, sie zu erblicken.

Nun waren sie auf der Treppe, und als sie durch viele Flure und über viele Treppen gelaufen waren, gelangten sie in das Schlafgemach. Dort standen zwei Betten, von denen jedes wie eine Lilie aussah. Die eine war weiß, in der lag die Prinzessin, die andere war rot, und in dieser sollte Gerda den kleinen Kay suchen. Oh, das war Kay! Sie rief ganz laut seinen Namen, hielt die Lampe nach ihm hin, er erwachte, drehte den Kopf und es war nicht der kleine Kay. Der Prinz glich ihm nur im Nacken, aber jung und hübsch war er. Und aus dem weißen Lilienblatt blinzelte die Prinzessin hervor und fragte, wer da sei. Da weinte die kleine Gerda und erzählte ihre ganze Geschichte und alles, was die Krähen für sie getan hätten.

„Du armes Kind!“ sprach der Prinz und die Prinzessin und sie belobten die Krähen. Am folgenden Tag bot ihr die Prinzessin an, auf dem Schloss zu bleiben und gute Tage zu genießen, aber sie bat nur um einen kleinen Wagen mit einem Pferd davor und um ein Paar kleine Stiefel, dann wolle sie wieder in die weite Welt hinausfahren und Kay suchen. Und sie erhielt sowohl Stiefel als auch einen Muff. Sie wurde niedlich gekleidet, und als sie fort wollte, hielt vor der Tür eine neue Kutsche aus reinem Gold mit Kutscher und Diener. Der Prinz und die Prinzessin selbst halfen ihr in den Wagen und wünschten ihr alles Glück.

Sie fuhren durch den dunklen Wald, aber die goldene Kutsche leuchtete so hell wie eine Fackel. Das stach den Räubern, die im Wald wohnten, in die Augen. „Das ist Gold, das ist Gold!“ riefen sie, stürzten hervor, hielten die Pferde an, jagten die Diener davon und zogen dann die kleine Gerda aus dem Wagen. Die Räuber machten ihr angst und wollten sie sogar mit ihrem Messer kitzeln. Plötzlich sprang ein kleines Räubermädchen in die Mitte und verlangte von den anderen, dass sie ihr Gerda schenkten. Sie wollte eine Freundin haben. „Sie soll mit mir spielen!“ sagte das kleine Räubermädchen. „Sie soll mir ihren Muff, ihr hübsches Kleid geben und bei mir in meinem Bette schlafen.“ Und zu Gerda sagte sie: „Du bist wohl eine Prinzessin?“„Nein“, sagte Gerda und erzählte ihr alles, was sie erlebt hatte und wie sehr sie den kleinen Kay lieb hätte und ihn deshalb suchte.

Unterdessen waren sie in der Räuberhöhle angekommen – groß und dunkel und voller Rauch. Das Räubermädchen betrachtete sie und sagte: „Du sollst die Nacht mit mir bei allen meinen kleinen Tieren schlafen“. Sie bekamen zu essen und zu trinken und gingen dann in eine Ecke, wo Stroh und Teppiche lagen. Darüber saßen auf Latten und Stäben mehr als hundert Tauben, die alle zu schlafen schienen, sich aber doch ein wenig drehten, als die beiden kleinen Mädchen kamen. „Die gehören alle mir!“ sagte das kleine Räubermädchen. Sie zeigte ihr auch ein Rentier, welches angebunden und traurig in der Ecke stand.

Da sagten die Waldtauben: „Kurre! Kurre! Wir haben den kleinen Kay gesehen. Ein weißes Rentier trug seinen Schlitten, er saß im Wagen der Schneekönigin, welcher dicht über den Wald hinfuhr, als wir im Nest lagen. Kurre! Kurre!“ „Was sagt ihr da oben?“ rief Gerda. „Wohin reiste die Schneekönigin? Wisst ihr etwas davon?“„Sie reiste wahrscheinlich nach Lappland, denn dort ist immer Schnee und Eis! Frage das Rentier, welches am Strick angebunden steht.“ „Dort ist Eis und Schnee, dort ist es herrlich und gut!“ sagte das Rentier. „Ihr festes Schloss ist oben, gegen den Nordpol zu, auf der Insel, die Spitzbergen genannt wird!“ „O Kay, kleiner Kay!“ seufzte Gerda.

Das Räubermädchen fragte das Rentier: „Weißt du, wo Lappland ist?“ „Wer könnte es wohl besser wissen als ich?“ sagte das Tier, und die Augen funkelten ihm im Kopfe. „Dort bin ich geboren und erzogen, dort bin ich auf den Schneefeldern herumgesprungen!“„Höre!“ sagte das Räubermädchen zu Gerda. „Du siehst, alle unsere Mannsleute sind fort, nur die Mutter ist noch hier, und die bleibt, aber gegen Mittag schlummert sie ein wenig. Dann werde ich etwas für dich tun!“ Und zum Rentier sagte sie: „Ich will deine Schnur lösen und dir hinaushelfen, damit du nach Lappland laufen kannst, aber du musst tüchtig Beine machen und dieses kleine Mädchen zum Schlosse der Schneekönigin bringen, wo ihr Spielkamerad ist. Du hast wohl gehört!“

Das Räubermädchen hob die kleine Gerda hinaus, gab ihr ihre Pelzstiefel zurück und sprach noch einmal zum Rentier: „Lauf nun! Aber gib auf das kleine Mädchen recht acht!“ Und Gerda streckte die Hände zum Räubermädchen aus und sagte Lebewohl, und dann flog das Rentier über Stock und Stein davon, durch den großen Wald über Sümpfe und Steppen, so schnell es nur konnte. Nach langer, langer Zeit erreichten sie Lappland. Bei einem kleinen Haus hielten sie an. Hier war nur eine alte Lappin, die Fisch kochte und das Rentier erzählte Gerdas ganze Geschichte.

„Ach, ihr Armen!“ sagte die Lappin. „Da habt ihr noch weit zu laufen! Ihr müsst über hundert Meilen weit nach Finnland hinein, denn da wohnt die Schneekönigin auf dem Lande. Ich werde einige Worte auf einen trocknen Stockfisch schreiben, Papier habe ich nicht, Den werde ich euch für meine Verwandte die Finnin dort oben mitgeben. Sie kann euch weiter helfen!“ Und als Gerda nun erwärmt worden war und zu essen und zu trinken bekommen hatte, schrieb die Lappin einige Worte auf einen trockenen Stockfisch, bat Gerda, wohl darauf zu achten, half Gerda wieder auf das Rentier und dieses sprang davon.

Und wieder nach einer langen Zeit kamen sie nach Finnland und klopften an die Tür der Finnin. Die Finnin war klein und ganz freundlich. Sofort las sie, was auf dem Stockfisch geschrieben stand. Die Finnin, die sehr klug war, hörte sich die Geschichte der kleinen Gerda an und sprach: „Der kleine Kay ist freilich bei der Schneekönigin und glaubt, es sei der beste Ort in der Welt. Aber das kommt daher, dass er einen Eissplitter in das Auge bekommen hat, der muss heraus, sonst kann und will er nicht wieder nach Hause! Zwei Meilen von hier beginnt der Schneekönigin Garten, dahin kannst du das kleine Mädchen tragen“, sagte die Finnin zum Rentier. Und dann half sie der kleinen Gerda auf das Rentier, das lief, was es konnte.

Es lief, bis es zum Garten der Schneekönigin gelangte. Da setzte es Gerda ab und da stand die arme Gerda ohne Schuhe, ohne Handschuhe, denn die hatte sie bei der Finnin vergessen, mitten in dem fürchterlich, eiskalten Finnland. Sie lief vorwärts, so schnell sie nur konnte und die kleine Gerda ging ganz sicher und frischen Mutes voran und eilte so schnell sie konnte zu der Schneekönigin Schloss. Da geschah es, dass die kleine Gerda durch das große Tor in das Schloss trat und hinein in den großen, leeren, kalten Saal. Da erblickte sie Kay. Sie erkannte ihn, sie flog ihm um den Hals, hielt ihn so fest und rief: „Kay! Lieber, kleiner Kay! Da habe ich dich endlich gefunden!“

Aber er saß ganz still, steif und kalt. Da weinte die kleine Gerda heiße Tränen, die fielen auf seine Brust, sie drangen in sein Herz und tauten den Eisklumpen auf. Er betrachtete sie und plötzlich erkannte er seine Gerda. Da brach auch Kay in Tränen aus. Er weinte so, dass das Eissplitterchen aus dem Auge schwamm, und nun jubelte er: „Gerda! Liebe, kleine Gerda! Wo bist du so lange gewesen? Und wo bin ich gewesen?“ Und er blickte rings um sich her. „Wie kalt es hier ist! Wie es hier weit und leer ist!“ Und er umarmte seine Gerda, und sie lachte und weinte vor Freude. Das war so herrlich, dass selbst die Eisstücke vor Freude ringsherum tanzten.

Und sie fassten einander bei den Händen und wanderten aus dem großen Schloss hinaus. Sie sprachen von der Großmutter und von den Eltern und wo sie gingen, ruhten die kalten Winde und die Sonne brach hervor. Und als sie an das Gartentor kamen stand das Rentier da und wartete. Es trug Kay und Gerda erst zur Finnin, wo sie sich in der heißen Stube aufwärmten, dann zur Lappin, welche ihnen neue Kleider genäht und ihren Schlitten repariert hatte und dann, geradewegs, auf dem schnellsten Weg nach Hause. Und das Fest, was dort alle voller Wiedersehensfreude gefeiert haben, könnt Ihr Euch wohl vorstellen. Man erzählt sich das wohl drei Tage hintereinander getanzt wurde!

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Die Eichen 1811

Die Eichen 1811 

Abend wird es, des Tages Stimmen schweigen,
Röter strahlt der Sonne letztes Glühen,
Und hier sitze ich unter euren Zweigen,
Und das Herz ist mir so voll, so kühn!
Alter Zeiten alte treue Zeugen,
Schmückt euch doch des Lebens frisches Grün,
Und der Vorwelt kräftige Gestalten
Sind uns noch in eurer Pracht enthalten.
Viel des Edlen hat die Zeit zertrümmert,
Viel des Schönen starb den frühen Tod;
Durch die reichen Blätterkränze schimmert
Seinen Abschied dort das Abendrot.
Doch um das Verhängnis unbekümmert,
Hat vergebens euch die Zeit bedroht,
Und es ruft mir aus der Zweige Wehen:
Alles Große muß im Tod bestehen!
—Und ihr habt bestanden! —
Unter allen Grünt ihr frisch und kühn mit starkem Mut.
Wohl kein Pilger wird vorüber wallen,
Der in eurem Schatten nicht geruht.
Und wenn herbstlich eure Blätter fallen,
Tod auch sind sie euch ein köstlich Gut,
Denn verwesend werden eure Kinder
Eurer nächsten Frühlingspracht Begründer.
Schönes Bild von alter deutscher Treue,
Wie sie bessere Zeiten angeschaut;
Wo in freudig kühner Todesweihe,
Bürger ihre Staaten festgebaut.
—Ach was hilft es, daß ich den Schmerz erneue?
Sind doch alle diesem Schmerz vertraut!
Deutsches Volk, du herrlichstes vor allen,
Deine Eichen stehen , du bist gefallen !

Theodor Körner (deutscher Schriftsteller und Freiheitskämpfer. Durch seine patriotischen Gedichte und seinen frühen Tod als Mitglied des Lützowschen Freikorps in den Befreiungskriegen wurde er zur nationalen Leitfigur)

LINSENFUTTER

Als kleines Dankeschön für die heutige Vogelkundestunde 🙂 , zeige ich euch heute zum Abschluss des Tages mal nicht meine Bilder, sondern „Linsenfutter’s“. Ich folge diesem Blog schon lange und da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es gar nicht so leicht ist Tiere zu fotografieren, finde ich diese Bilder und die Seite absolut bemerkenswert. Es gibt so viel zu entdecken und wahnsinnig viel wissenswertes. IIICCCHH kann euch die Beiträge und Seite nur empfehlen. Mir gefallen sie sehr, aber seht selbst… Und wer mehr sehen möchte, hier geht es zur LinsenfutterWebsite und hier zum LinsenfutterBlog. Absolut sehenswert. 🙂

Sumpfmeise, Tannenmeise oder Wiesenmeise? Wer erkennt’s?

Ich als Laie hab davon nämlich so überhaupt keine Ahnung. Aber glücklicherweise gibt es ja Experten 🙂 .