Der essbare Waldgarten- Teil 2

In meinem ersten Beitrag zu dem kleinen Stück Wildnis, welches ich übernommen habe, zu meinem Essbaren Waldgarten, habe ich Euch gezeigt, wie es dort aussah und dass es jede Menge zu tun gibt. Ein bisschen was hat sich schon getan und das möchte ich Euch heute zeigen.

Zum einen gab es dort ja ein großes Loch. Da der Grundwasserspiegel dort ziemlich tief ist und es in dieser Gegend verhältnismäßig wenig regnet, kam ein Naturteich aus Lehm also nicht in Frage. Trotzdem wollte ich die Idee eines kleinen Teiches nicht aufgeben und in solch einer trockenen Gegend ist es notwendig für Wasser zu sorgen, also das wertvolle Regenwasser aufzufangen. Nicht nur die Pflanzen brauchen es dort dringend, sondern auch die dort lebenden Wildtiere, wie Füchse, Marder, Mäuse und einiges mehr.

Mit Hilfe meiner lieben Familie und guter Freunde kam dann doch etwas sehr schönes zustande. Es ist noch nicht fertig, sieht aber wie ich finde dennoch schon mal ganz gut aus. Aber seht selbst.

Selbstverständlich ist dafür gesorgt, dass nicht das kleinste Tier im Teich ertrinken kann, wozu ein Ast an die Seite gelegt wurde, der nicht nur seinen Zweck erfüllt, sondern auch noch recht dekorativ aussieht.

Desweiteren gab es in meinem Waldgarten eine Stelle, die nicht besonders schön anzusehen war…

Daraus wurde…

Totholzhecken sind sehr leicht anzulegen und man kann jegliche Art von Gartenresten verwenden. Bei Rückschnitten der Bäume und Sträucher fällt davon immer etwas an und sie bieten wertvollen Lebensraum und Schutz für Insekten und die kleinen Lebewesen im Garten, die uns nützliche Helfer sein können. Und dort wo das Holz lag, kann ich jetzt gemütlich sitzen und den Ausblick über mein kleines Stück Wildnis, meinen Waldgarten und alles was sich verändert, genießen.

Und während ich durch meinen Waldgarten gehe, sehe ich, dass bereits die Waldveilchen blühen. Die Blüten sind nicht nur für die Bienen und andere Insekten sehr lecker, sondern auch für uns wertvoll und ergeben zum Beispiel einen wunderschön aussehenden Sirup oder Likör, können aber auch einfach roh gegessen oder über den Salat gestreut werden. Bei mir dürfen sie jetzt einfach wachsen, denn sie gehören in einen schönen Waldgarten.

Das war es erstmal zu dem was sich verändert hat. Natürlich möchte ich euch auch weiterhin alles was dort geschaffen wird zeigen und deshalb freue ich mich schon darauf meinen nächsten Beitrag zum Waldgarten zu veröffentlichen und wünsche Euch ganz viel Freude beim anschauen.

Eure Nicole

Ich fand eine Feldblume…

Ich fand eine Feldblume,
bewunderte ihre Schönheit,
ihre Vollendung in allen Teilen,
und rief aus:

„Aber alles dieses,
in ihr und Tausenden ihresgleichen,
prangt und verblüht,
von niemandem betrachtet,
ja oft von keinem Auge auch nur gesehn.“
Sie aber antwortete:

„Du Tor! Meinst du, ich blühe, um gesehn zu werden?“

Arthur Schopenhauer (deutscher Philosoph und Hochschullehrer. Schopenhauer entwarf eine Lehre, die gleichermaßen Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik umfasst)

-Schwarzer Holunder-

Botanischer Name: Sambucus nigra

Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)

Weitere Namen:

Echter Holunder, Schwarzer Holunder, Hollunder, Deutscher Flieder, Holder, Hölder, Huskolder, Holderbusch, Schwarzholder, Aalhorn, Betschel, Eiderbaum, Elder, Eller, Ellhorn, Keilken, Kelkenbusch, Kischke

Aus den zur Sommersonnenwende gesammelten Blüten brauten die Großmütter einen das Immunsystem stärkenden, schweiß- und harntreibenden Tee, der bei Grippe, Erkältung, Rheuma, Masern und Scharlach getrunken wurde. Die moderne Phytotherapie hat diese Heilwirkung bestätigt und setzt die Infusion zudem erfolgreich bei Heuschnupfen und Stirnhöhlenentzündung ein.

Aus den purpurschwarzen Beeren kochten die Hausfrauen ein darmreinigendes Mus. Eine heiße, gesüßte Holunderbeerensuppe war eine Kultspeise, die die Menschen auf die kalte Jahreszeit vorbereiten sollte. Holunder Mus und Holunderlatwerge waren in der vitaminarmen Winterzeit eine willkommene Beigabe und Bereicherung zum täglichen Brot. Neueste Forschungen belegen inzwischen eine Immunsystem stimulierende und nervenstärkende Wirkung der Beeren. Sie kommen sogar als Begleittherapie bei der Krebsbehandlung in Betracht, da der blaue Farbstoff die Zellatmung allgemein günstig beeinflusst.

Anwendung in der Heilkunde:

Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Rinde, Blüten und Früchte

Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe, Carotinoide, Flavonoide, Glykoside, Kalium, Vitamine A, B und Vitamin C,

Eigenschaften: antibakteriell, entgiftend, blutreinigend, fiebersenkend, schweißtreibend sowie schleimlösend, entzündungshemmend, schwächt Reizungen ab, harntreibend, insektizid (Blätter), antiseptisch, heilungsfördernd, abführend, hustenstillend

Anwendung bei: Grippe, Katarrh, Erkältungen, Fieber, Verstopfung, Nebenhöhlenentzündung, Arthritis, Augenentzündungen, Mundgeschwüre, Hautentzündungen, leichte Verbrennungen, Hautreizungen, Frostbeulen, Appetitlosigkeit, Blutreinigung, Rheuma, Neuralgien, Verstopfung, Husten

Sammelzeit:

Holunderblüten und auch die Beeren sollten bei abnehmendem Mond geerntet werden. Die Blüten werden gleich zu Beginn ihrer Öffnung gesammelt und in Lagen ausgelegt oder hängend getrocknet. Die Holunderbeeren werden frisch verwendet oder getrocknet, als Vogelfutter für den Winter. Die Blüten des Holunders sind voll mit wertvollem Blütenstaub, der leider bei Regen herausgespült wird. Daher sollte nur bei trockenem und warmem Wetter geerntet werden. Am besten eignet sich der Vormittag, wenn der letzte Tau von der Nacht getrocknet ist.

In der Volksmedizin wird Holunder stets bei Fieber, Erkältungskrankheiten und Harnwegs­entzündungen eingesetzt. In Blättern, Rinde und den unreifen Beeren des Hollers ist der Giftstoff Sambunigrin, ein Glykosid, enthalten. Deshalb sollten die Blätter und schwarzen Holunderbeeren nicht roh verzehrt werden. Ein Holunderstrauch im Garten ist so wertvoll wie eine ganze Apotheke.

Der Holunder gehört seit eh und je zu den populärsten Volksheilmitteln und spielt in der Heilkunde und auch im Glauben der Menschen eine wichtige Rolle. Wie sehr man diesen Baum schätzte, geht aus einem alten Spruch des Volksmund hervor: „Vor dem Holunder sollst du dich verneigen und den Hut ziehen.“ Die Macht des Holunders sah man als eine Macht über Leben und Tod. Nicht umsonst heißt ein altes Sprichwort: „Rinde, Beere, Blatt und Blüte, jeder Teil ist Kraft und Güte.“

Geschichte, Magie & Mythologie:

Neben der heilenden Wirkung für den Menschen, hoffte man mit dem Holunder auch Kuh und Kalb vor dem „Verhexen“ bewahren zu können, wenn man die Nachgeburt unter dem Holunder begrub. Glaubte man ein Kind sei „verschrieen“, also verhext, konnte es durch das Vergraben seines Hemdchens vom Zauberbann erlöst werden. Und um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, schüttete man ebenfalls das Badewasser kleiner Kinder dort aus.

Dem Holunder wurden auch andere Gaben als „Opfergaben dargebracht, um sich seine schützenden Kräfte zu sichern. So gossen die Menschen Milch und Bier auf seine Wurzeln oder legten einen Laib Brot, Käse oder andere Lebensmittel darunter. Viele mythische Sagen und Legenden oder alter Glaube ranken sich rund um den Holunder.

Eine Wiege mit Holunder zu schmücken, galt beispielsweise als besonders gefährlich. In diesem Fall würden die Feen das darin liegende Baby mitnehmen, so sagte man. Als Beweis dafür, dass der hauseigene Holunderbusch „seine“ Menschen liebt, galt das Gerücht, dass der Strauch eingehen würde, sobald Haus und Hof (z.B. durch Auszug der Bewohner) verlassen wären.

Es galt als grobes Vergehen, wenn nicht gar als Sünde, den Holunderbaum achtlos zu stutzen oder sein Holz zu verbrennen. Als Strafe, so nahm man an, würden die dort gebundenen bösen Zauber auf den Frevler übergehen. Unglück, vermutlich sogar der Tod, würden sein gerechter Lohn sein. Es war außerdem zu befürchten, dass der Teufel durch den Schornstein gefahren käme, wenn man das Holz im heimischen Herd verbrannte.

Noch bis ins 18. Jahrhundert war der Glauben verbreitet, dass Unheil demjenigen droht, der einen Holunderbaum fällt. Deshalb entschuldigte man sich in Bayern, Schwaben und im Elsass bei ihm für das bevorstehende Fällen oder Beschneiden. Man bat den Baum um Erlaubnis, um ihn nicht zu verärgern und damit die Wirkung seiner Heilkraft einzubüßen.

Wer allerdings schon mit Gevatter Tod in Berührung gekommen war, wie etwa Witwen und Waisen, der konnte ungestraft das Holz des Holunders sammeln und verfeuern. War es für den Normalsterblichen jedoch unumgänglich, Hand an den geheiligten Baum zu legen, so musste entsprechend Vorsorge getroffen werden. Mit Bittsprüchen und kleinen Opfergaben versuchte man, die Pflanze gnädig zu stimmen.

Auch bei den Kelten war der Holunderbaum mit dem Glauben an Gut und Böse behaftet: Sowohl die schwarze Erdgöttin Morrigan und zugleich auch Lichtgöttin Brigid (die Göttin des Frühlings und des Neuerwachenden Lebens) wurden mit ihm in Verbindung gebracht. In Schweden erzählt man den Kindern, dass man in der Nacht der Sommersonnenwende die Göttin von einem Holunderbusch aus sehen könne. In Dänemark gibt es die Sage, dass die Hyldemoer, die Hollermutter, im Holunder wohne und jeder Strauch das Tor zum unterirdischen Reich sei.

In den ländlichen Gebieten des nördlichen Europas, vor allem in Dänemark, wird der Holunder noch immer als Geburtsbaum verehrt. Mutter Ellhorn hilft den Schwangeren und den gebärenden Frauen. Die Schwangere, die die Zweige des Holunders berührt, versichert sich der Nähe und Güte der Holle und der Ahnen. Dieser Glaube muss im keltisch- germanischen Heidentum überall verbreitet gewesen sein.

Und natürlich auch in Sachen Liebe maß man dem Holunder weitreichende Fähigkeiten zu. So wurden aphrodisierende Liebesgetränke aus den Blüten und Beeren zubereitet und wenn der Baum am Johannistag blühte, sollte auch die Liebe erblühen, so hieß es. Dem jungen Brautpaar streute man zur Hochzeit Holunderblätter zur Zeremonie und auch um das Ehebett. Man glaubte auch, wenn eine Frau einen Holunderbusch küsst, so erfülle sich sehr schnell ihr Kinderwunsch, da war man sich sicher.

Wegen dieser unzähligen Assoziationen bevorzugten die Hexen für ihre Zauberstäbe Holunderholz, erzählte man sich im Volksmund. Es gab jedoch auch die Vorstellung, dass der starke Eigengeruch des Holzes Hexen abschrecken würde. Daher besagen etliche Überlieferungen, dass man sich mit einem Holunderbüschel, am letzten Apriltag geschnitten und über die Eingangstür gehängt, vor Hexen und bösen Geistern schützen kann. Das gleiche gilt für Amulette, die aus Holunderholz gefertigt sind.

Verwendung in der Küche:

Eine bekannte Zubereitungsform für die Blüten sind ausgebackene Holunderblüten, die im deutschen Sprachraum als Hollerküchel, Holunderpfannekuchen, Holunderküchle oder Hollerschöberl bezeichnet werden. Dabei werden die Schirmrispen in einen dünnflüssigen Teig aus Mehl, Eiern und weiteren Zutaten, beispielsweise in Wein- oder Bierteig, getaucht und anschließend in der Pfanne gebacken oder frittiert.

Darüber hinaus werden die Blüten als geschmacksgebende Komponente für Getränke verwendet. Besonders weit verbreitet sind Holunderlimonade bzw. -sirup und Holundersekt. Die Blüten werden in eine Zuckerlösung gelegt und nach einigen Tagen abfiltriert. In dieser Zeit hat die Zuckerlösung das Holunderblütenaroma aufgenommen.

Sehr beliebt sind die Blüten auch als Zutat für aromatische Säfte und Sirup. Sie eignen sich wegen ihres feinen und zart blumigen Geschmacks auch hervorragend für die Zubereitung von Süßspeisen. Besonders zu einem Eis verarbeitet sind Holunderblüten die Basis für schmackhafte Desserts. Die Früchte enthalten in rohem Zustand das für Menschen gefährliche Pflanzengift Sambunigrin, weshalb vom Rohverzehr abzusehen ist. Werden diese jedoch gekocht, verlieren sie dadurch ihre toxische Wirkung und können so zu leckeren Gelees, Marmeladen, Likören uvm. Verarbeitet werden. Reich an Vitaminen und Mineralstoffen, sind Säfte aus Holunderfrüchten äußerst wertvoll für die Immunstärkung und schützen im Winter vor Grippe und Erkältungen.

Rezepte:

Frittierte Holunderblüten

Gewaschene und gut abgetrocknete Blütendolden in Pfannkuchenteig – 125 g Mehl, eine Prise Salz, ein Ei und 1/4 Liter Wasser oder Milch – eintauchen und anschließend in heißem Fett knusprig ausbacken.

Holunder-Elixier

Fünf bis zehn getrocknete Holunderblütenschirme mit ca. 400 g frischen Holunderbeeren in eine Flasche geben und mit einem Liter Ansatzschnaps aufgießen. Als Gewürze werden noch eine Zimtstange, fünf Sternanis und fünf Kardamomkapseln hinzugegeben. Wer es lieber süß mag, darf den weißen Kandiszucker (Menge nach Belieben) nicht vergessen. Nach einer „Reifezeit“ von ca. vier Wochen ist der Zaubertrank fertig.

Holundersirup:

1,5 l Wasser
1,5 kg Zucker
40 g Zitronensäure
15 Stück Holunderblüten

Das Wasser mit dem Zucker aufkochen, dann vom Herd nehmen, die Zitronensäure und die Holunderblüten hinzugeben. Den Sirup mindestens 24 Stunden stehen lassen, nochmals erhitzen, abseihen, in Flaschen abfüllen und gut verschließen. Im Kühlschrank oder Keller aufbewahren.

Weitere tolle Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten unserer kostbaren Wildpflanzen findest Du hier:
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Wood- Wide- Web

Pilze und ihre Verbündeten

Weltweit gibt es mehr als 100.000 verschiedene Pilzarten und längst sind noch nicht alle entdeckt. Forscher, die zu Expeditionen in die Tropen aufbrechen, entdecken ständig neue Arten. Allein in Europa lassen sich an die 3000 Großpilzarten finden. Bei guten Bedingungen können wir sie im Spätsommer und Herbst in unseren Wäldern finden. Das Reich der Pilze ist bis heute ein großes Geheimnis und bislang weitgehend unerforscht. Alte sibirische erzählen von den Pilzen als den Kindern des Waldes. Rund 70 Prozent der heimischen Pilzarten gelten als reine Waldbewohner. Wie Moose existieren sie nunmehr seit 400 Millionen Jahren in kaum zu übertreffender Vielfalt, Vielzahl und Schönheit. Sie haben alle Kontinente der Erde erobert.

Was wir im Spätsommer und Herbst zu sehen bekommen und was nicht zuletzt in unseren Pfannen und Soßen landet, sind allerdings nur die Fruchtkörper der Pilze. Der eigentliche Pilz befindet sich unter der Erde, im Falllaub der Bäume und Sträucher, in morschem Holz oder einfach im Boden.

Pilze bestehen unterirdisch aus zahllosen und dünnsten Fäden, sodass man den Eindruck gewinnen könnte, es handle sich um ein Spinnennetz. Ihr Wachstum scheint sich auf den ersten Blick mit dem der Pflanzen zu gleichen, doch gehören sie weder zur Pflanzengattung und weiter gibt es zu diesen gravierende Unterschiede. Nur die Pflanzen sind in der Lage aus dem Sonnenlicht Energie zu gewinnen und Chlorophyll zu produzieren.

Pilze können das nicht, wissen aber, wie sie anderweitig an die benötigte Energie für ihr Wachstum herankommen. Beispielsweise gehen sie Symbiosen mit Bäumen ein oder viel mehr mit deren Wurzeln. Die Bäume des Waldes sind neben dem Licht auf einen enormen Vorrat an Wasser angewiesen. Ihre Wurzeln bilden daher feinste Härchen aus, um ihre Oberfläche zu vergrößern. Unter normalen Umständen und wenn nicht gerade Trockenzeiten herrschen, ist das auch völlig ausreichend, denn so sind sie in der Lage genügend Feuchtigkeit aufzusaugen.

Doch mehr ist immer besser, gerade dann, wenn durch wenig Niederschläge und Hochsommerzeiten das Wasser ein wenig knapp zu werden scheint. So haben sich also die Bäume vor Jahrmillionen mit den Pilzen verbündet. Die Pilze wachsen mit ihrem unterirdischen Geflecht zwischen den Baumwurzeln und dringen sogar in diese ein. So werden die Bäume durch sie mit allem versorgt, was sie benötigen. Die Zellwände der Pilze sind aus Chitin aufgebaut. Sie können keine eigene Fotosynthese betreiben und sind so auf organische Verbindungen mit anderen Lebewesen angewiesen.

Das unterirdische Wattegeflecht der Pilze wird von Wissenschaftlern als Myzel bezeichnet. Im Laufe der Jahrzehnte und auch schon in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden, breitete sich dieses immer weiter aus. So kann dessen Ausbreitung eine Größe von mehreren Quadratkilometern erreichen. Im Bundesstaat Oregon findet sich beispielsweise ein Hallimasch mit einer Größe von neun Quadratkilometern. Sein Alter wird auf 2400 Jahre geschätzt. Pilze sind also die größten bekannten Lebewesen der Erde.

Allerdings ist der hier genannte Pilz ein Feind der Bäume, da er sich um zu wachsen von ihnen ernährt und dabei Gewebe abtötet. Doch können die passenden Pilze durch ihre Myzel, wenn sie den passenden Baumpartner finden sich ebenso um einiges vervielfältigen. So findet sich zum Beispiel der Eichenreizker unter Eichen und kann so viel mehr Wasser und Nährstoffe ansaugen.

In Bäumen, die in Symbiose mit Pilzen leben, lässt sich wesentlich mehr Stickstoff und Phosphor nachweisen, als bei denjenigen, die allein mit ihren Wurzeln im Erdreich saugen. Beide Partner arbeiten zusammen, denn der Pilz durchdringt und umschließt  nicht nur die Wurzeln des Baumes, sondern breitet sein Netz auch im umliegenden Waldboden aus.

So entsteht das Netzwerk, mithilfe dessen nicht nur Nährstoffe ausgetauscht werden, sondern auch Informationen, wie zum Beispiel einen drohenden Schädlingsbefall. Pilze sind deshalb soetwas wie das Internet des Waldes, welches aus wissenschaftlicher Sicht auch das Wood-Wide-Web genannt wird. Doch Pilze tun das alles nicht einfach nur so und nicht ganz uneigennützig.

Wie weiter oben schon beschrieben, müssen Pilze eine Partnerschaft mit anderen Lebewesen eingehen. Ohne diese würden sie ganz einfach verhungern. Als verlangen sie von ihren Partnern eine Art Ausgleich oder quasi Bezahlung dafür, dass sie helfen diesen gesund zu halten. Dieser Ausgleich findet in Form dessen statt, dass der Pilz beispielsweise von seinem Baum Zucker und andere Kohlehydrate erhält. Dabei sind die Pilze nicht gerade zimperlich und der Baum hat dafür zu sorgen, dass der Pilz erhält was er braucht, ob er nun will oder nicht. Bis zu ein Drittel der gesamten Produktion beanspruchen sie für sich und so sind Pilze zu ihrem Vorteil auch in der Lage das Zellwachstum in ihrem Sinne zu regeln.

Für alles was ihnen der Baum gibt, geben sie jedoch auch etwas zurück und so sind sie in der Lage Schwermetalle zu filtern. Diese würden den Baumwurzeln nicht gut tun, machen den Pilzen aber eher weniger aus. Diese Schadstoffe finden wir dann in jedem Spätsommer und Herbst in den Fruchtkörpern, die sich überall über dem Waldboden, für uns deutlich sichtbar bilden. Es ist also nicht verwunderlich, dass das radioaktive Cäsium, welches sich nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 immernoch im Boden befindet, ganz leicht in Pilzen nachweisen lässt.

Pilze können im Zusammenleben mit ihren Bäumen ein stolzes Alter von mehreren Hundert Jahren erreichen. Verändern sich aber die Umwelt- und Luftbedingungen durch stetig ansteigende Schadstoffe, so sind auch sie am Ende ihrer Lebenszeit angelangt. Doch bedeutet das nicht, das mit den Pilzen die Bäume sterben oder andersrum. Die Natur ist so vielfältig und artenreich, dass beide immer wieder in der Lage sind neue Partner zu finden und neue Partnerschaften einzugehen. So gelingt es der Natur ihr Überleben zu sichern…

Wildpflanzen sammeln im April

Wildpflanzen sammeln im April

Bereits ab März können wir die Birkenknospen von den Bäumen sammeln, sie sind dann noch geschlossen, umgeben von kleinen braunen „Hütchen“. Im April, wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, öffnen sie sich und die ersten zarten Blättchen kommen zum Vorschein. Auch das wertvolle Birkenwasser kann jetzt gezapft und verwendet werden, natürlich ohne den Baum zu schädigen. Diese Knospen und auch die jungen Blätter sind reich an Vitamin C und haben darüber hinaus wertvolle heilende Eigenschaften. Ein Birkenknospentee hilft z.B. bei Husten. Äußerlich angewendet kann er unsere ausgetrocknete Haut nach dem Winter entspannen und lindert lästige Hautunreinheiten und -reizungen.

Die jungen Blätter von Kräutern wie Löwenzahn, Schafgarbe und Gundermann sind jetzt besonders zart und weniger bitter, weshalb sie gut in Frühlingssalaten oder als Brotaufstrich gegessen werden können. Und auch die Blüten von Gänseblümchen und Löwenzahn setzen in Gerichten bunte Akzente. Zusammen mit Knoblauchsrauke, Wiesenschaumkraut und Brunnenkresse hältst du klassische Kräuter für die Frühjahrskur in der Hand.

Blätter von Bäumen, wie Linde und Ahorn sind im Frühling so mild, dass sie pur oder in Salaten besonders lecker schmecken. Für Tee eignen sich die frischen Haselnussblätter, aus denen du dir auch einen Vorrat anlegen kannst. Die gekeimten Samen des Ahorns sind sehr nährstoffreich und bereichern unseren Speiseplan als Zugabe in Salaten und anderen Gerichten.

In diesem Monat ist der beste Zeitpunkt für die Ernte der Schlehenblüten, die du für einen Ölauszug oder als Tee gegen Fieber und Erkältungen verwendest. Auch der Kleine Wiesenknopf hat Saison und kann als einer von sieben Kräutern für die berühmte Frankfurter Grüne Soße gesammelt werden.

Brennnesselblätter findest du jetzt reichlich. Sie helfen bei der Entgiftung und können als Frischpflanzenpresssaft, als Suppe oder auch als Brennnesseltee genutzt werden.

Diese und viele weitere Pflanzen findest du in diesem Monat:

Viele tolle Informationen zu den verschiedenen Wildpflanzen und passende Rezepte findest Du unter:

www.kostbarenatur.net
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Der essbare Waldgarten- Teil 1

Wie das Leben manchmal so spielt, ist mir ein kleines Stück Wildnis in die Hände gefallen. Gemeint sein soll damit ein kleines Stück Land, mit unglaublich viel Wildnis und natürlich jeder Menge Arbeit. Also war ziemlich schnell die Idee geboren daraus einen essbaren Waldgarten zu machen.

Die Startbedingungen sind gar nicht mal so schlecht, denn immerhin gibt es schon ein paar alte Pflaumenbäume, drei große Kirschbäume, drei Fichten und einige Holunderbüsche. Im Gestrüpp des Bodens konnte ich mühelos Brennnesseln erkennen, ziemlich viel Schöllkraut, was für kulinarische Zwecke ungeeignet ist, da giftig (aber die Insekten freuen sich darüber) und wilde Brombeeren, die in Schach gehalten werden müssen, da sie sich sonst innerhalb kürzester Zeit über den gesamten Boden ausbreiten.

Zu entdecken waren ebenfalls die Samenstände vom Johanniskraut des letzten Jahres und ein paar vertrocknete Blüten eines Doldenblütlers, bei dem ich erst noch herausfinden muss, welche Pflanze das nun ist. Auch einige Nachtkerzen werden dieses Jahr dort blühen, denn ihre Blattrosetten sind schon zu sehen.

Das was es auf diesem kleinen Stück Wildnis in enormer Größe gibt, ist ein Loch und was es nur wenig gibt, ist Wasser. Natürlich war der erste Gedanke, dieses riesige Loch mit Lehm auszukleiden, denn das wäre die natürlichste Art einen Teich anzulegen und dann das Regenwasser vom Haus (also der Ruine, die sich ebenfalls hier finden lässt) in den Teich zu leiten. Doch leider musste ich diese Idee ziemlich schnell wieder verwerfen, denn zum einen ist der Grundwasserspiegel in dieser Gegend ziemlich tief und durch klimabedingte Veränderungen und auch bauliche Maßnahmen in der Umgebung im Laufe der Jahre sogar noch weiter gesunken. Somit ist es unmöglich diesen Teich auf Lehmbasis mit Regenwasser zu befüllen und einen konstanten Wasserpegel zu halten. Also wäre es dann quasi je nach Wetter auch weiterhin nur ein Loch. Ein schlammiges Loch vielleicht, aber ein Loch.

Da es in dieser Gegend im Sommer auch sehr wenig regnet und ich aber dennoch Wasserquellen benötige, musste also die nächste Idee geboren werden. Also habe ich alte Plastebehälter genommen und in der Mitte aufgesägt (mein lieber Papa war das tatsächlich) sodass ich sie wie eine Treppe platzieren konnte. Am untersten Ende habe ich das „Loch“ noch ein wenig tiefer gegraben und dieser Teil wird mit Teichfolie ausgekleidet. Die Wannen werden miteinander verbunden und vom Haus zum Teich habe ich einen kleinen Bachlauf gegraben. Ich hatte das Glück, dass das benötigte Gefälle natürlicherweise schon vorhanden ist, sodass ich einfach drauf los buddeln konnte.

Dieser wird ebenfalls mit Resten von alter Teichfolie ausgekleidet und die Teile werden miteinander verbunden. Am Ende des Bachlaufs steht unter dem herunterhängenden Dach eine Badewanne, die das Regenwasser auffangen soll. Unter der Wanne befindet sich ein Rohr. Also… Das Wasser tropft in die Wanne, fließt in das Rohr, vom Rohr in den Bachlauf, vom Bachlauf in die Behälter, die Behälter füllen sich einer nach dem anderen und überschüssiges Wasser fließt in den kleinen Teich am Ende. So ist der Plan.

Auf diese Weise wäre eine Wasserquelle für Insekten und Tiere vorhanden, natürlich alles so gebaut, dass niemand darin ertrinken kann, denn das zu beachten vergessen leider viele und ich habe eine Möglichkeit Regenwasser aufzufangen und es ebenfalls als Gießwasser nutzen zu können.

Natürlich gehört zu einem Waldgarten noch einiges mehr, außer einer Wasserquelle, aber Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut. Erstmal muss etwas Ordnung gemacht werden, denn in den letzten Jahren war das Ganze Stück sich selbst überlassen. Dann habe ich eine Wildpflanzenhecke geplant, aus Holunder, Vogelbeere, Schlehe, Weißdorn, Schneeball, Hundsrose und mal sehen, was mir noch so in die Finger kommt.

Es wird einen Teil geben, wo ich Wildblumen aussäen werde. Königskerze, Nachtkerze, Wilde Möhre, Malve, Johanniskraut, Wegwarte, Wilder Thymian und vieles mehr. Nicht nur eine prima Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten, sondern auch wir dürfen uns diese Pflanzen schmecken lassen. Es gibt noch viel mehr Ideen, die ich gern verwirklichen möchte, wie ein Insektenhotel oder eine Totholzhecke. Ich werde alles bebildern, um es hier mit Euch zu teilen. Wer von Euch hat auch einen Naturgarten oder welche Ideen habt ihr, um einen Garten naturnah zu gestalten. Lasst mich gern daran teilhaben, ich freu mich darauf.

Eure Nicole

-Fichte-

Botanischer Name: Picea

Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)

Weitere Namen: Rotfichte, Rottanne, Feichten, Gräne, Krestling, Pechtanne, Rothtanne, Rottanne, Schwarztanne

Ökologischer Nutzen:

Große Fichtenbäume bieten einigen Kleintieren Lebensraum, Brutplatz und Nahrungsgrundlage. Hierbei handelt es sich um Vögel wie z.B. Eulen, Häher, Fichtenkreuzschnabel und Spechte.

Schmetterlinge wie der Kiefernschwärmer, Kiefernspinner, Klosterfrau, Nadelholz-Rindenspanner oder Nonne, deren Raupen sich von Fichtennadeln, Kiefernnadeln und Lärchennadeln ernähren, nutzen diesen Baum ebenfalls als Lebensraum. Aus diesem Grund ist der Fichtenbaum einer der wenigen Nadelholzgewächse, der als Heckenpflanze für eine Schmetterlingshecke verwendet werden kann.

Aus ökologischer Sicht ist die Fichte außerdem wertvoll für Flechten wie die Bartflechte (Usnea barbata), die bevorzugt an den Ästen und am Stamm von Lärchen- und Fichtenbäumen wächst und auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen steht.

Wie andere große Nadelbäume sind Fichten für kleine und mittelgroße Gärten jedoch nicht sehr geeignet. Mit ihren dichten Baumkronen überschatten sie den Garten, sie sind sehr schnellwüchsig und mit ihren herabfallenden Nadeln übersäuern sie den Boden, sodass in ihrer Umgebung anderen Pflanzen die Existenzgrundlage genommen wird.

Trotzdem werden Fichtenbäume in der Gartengestaltung wegen ihrer schönen und zum Teil leuchtenden Blüten geschätzt. Sie brauchen jedoch einen großen Garten als Lebensraum, um sich ausbreiten zu können, ohne dass sie dabei andere Pflanzen verdrängen.

Anwendung in der Volksmedizin:

Verwendete Pflanzenteile: junge Triebe, Nadeln, Zweige, Harz

Verwendet werden die frischen Fichtenspitzen und das aus den frischen, zerkleinerten Zweigen und den anhängenden Nadeln durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl.

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Terpentinöl, Harz, Glykosid Picein, Gerbstoff, Vitamin C

Eigenschaften: anregend, antibakteriell, beruhigend, schleimlösend, schweißtreibend, tonisierend

Anwendung bei: Erkrankung der Atemwege, Gicht, Drüsenschwellungen, Nebenhöhlenentzündungen, Rheuma, Durchblutungsstörungen, Muskelkater, Schlaflosigkeit, Muskel- und Nervenschmerzen, Durchblutung anregend, Hexenschuss, chronische Hautkrankheiten, Nervosität, Rachenentzündungen

Sammelzeit:

Triebe: Frühjahr (Mai)
Nadeln: Juni bis August,
Harz: Juni bis August

Fichten werden wegen ihrer Inhaltsstoffe (besonders der ätherischen Öle) ihrer Harze, Nadeln und Zweige traditionell auch heute noch in der Volksmedizin als Heilpflanze verwendet.

Die Inhaltsstoffe der Fichte wirken schweißtreibend, schleimlösend, tonisierend und antibakteriell. Tinkturen und ätherische Öle werden innerlich und äußerlich angewendet und vorwiegend zur Desinfektion und Reinigung der Atemwege eingesetzt.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind z.B. Hexenschuss, Husten, Muskelschmerzen, Rheumatismus oder Verschleimung. Sei es als Bonbons, Branntwein (Fichtennadel-Franzbranntwein), Fichtennadelhonig, Fichtennadellikör, Hustensaft, Salbe, Fichtensirup (Fichtennadelsirup) oder Tee (Fichtennadeltee), aus der Fichte lassen sich verschiedenste für uns wertvolle Dinge herstellen.

In der Naturheilkunde kommen ebenfalls Dampfbäder mit Fichtennadeln zum Einsatz, zum Beispiel bei Kiefer- und Nebenhöhlen-Entzündungen.

Die Fichte und das von ihr gewonnene Fichtenöl findet mit seiner anregenden, kräftigenden und desinfizierenden Wirkung sowohl in der Aromatherapie als auch als Räucherwerk oder Fichtennadel-Tabak Verwendung.

Die ätherischen Öle der Fichtennadeln und -zweige werden wegen ihrem frischen harzig-waldigen Aroma oft als Aufguss in der Sauna genutzt. Der aufsteigende Dampf wirkt sich wohltuend auf die Atemwege aus und hat ebenso eine beruhigende Wirkung auf uns und unseren Körper.

Außerdem eignet sich Fichtenöl sehr gut auch als Badezusatz, wird in Parfüm, Gel, Salbe, Spray und Seife verarbeitet. Fichtenspitzen enthalten wie auch Tannenspitzen sehr viel Vitamin C, Flavonoide und ätherische Öle. In früheren Zeiten wurden sie von Seefahrern zur Vorbeugung gegen die Vitamin-C-Mangelerkrankung Skorbut auf längeren Seefahrten als Reiseproviant mitgeführt und verzehrt.

Fichten-Franzbranntwein:

Anwendung bei: Muskelkater, Hexenschuss, Rheuma und Gicht

Zutaten:

* ca. 2 Handvoll Fichtentriebel (grüne Spitzen)
* 3 Esslöffel Wacholderbeeren
* 300 ml Wodka oder Korn (mindestens 38 %)
* 2 bis 3 Tropfen ätherisches Lavendelöl
* 2 bis 3 Tropfen ätherisches Rosmarinöl

Zubreitung:

Die Fichtentriebe und die leicht gequetschten Wacholderbeeren in ein weithalsiges Glas geben und mit dem Alkohol auffüllen. Diesen Ansatz jetzt für 14 Tage an einem warmen Ort (nicht in der prallen Sonne) stehen lassen und täglich schütteln. Danach das Ganze abseihen und die ätherischen Öle hinzugeben. Nochmals alles gut schütteln, sodass sich alle Inhaltsstoffe gut miteinander verbinden können. Nun in kleine Flaschen oder Gläser abfüllen, beschriften und kühl und dunkel (zum Beispiel im Keller) aufbewahren. Dieser Ansatz ist mindestens 1 Jahr lang haltbar.

Geschichte, Magie & Mythologie

Fichten gelten schon seit vielen Jahrhunderten als ein weit verbreitetes und sehr geschätztes Heilmittel. Die jungen Triebe im Mai und die Nadeln wurden ebenso wie das Harz zur Linderung und Heilung bei verschiedenen Krankheiten verwendet. Fichte und Tanne sind in der Volksheilkunde gleich gestellt und werden auch heutzutage wieder vielseitig verwendet.

Bei den Kelten und Germanen nahm die Fichte keine allzu große Rolle ein, hier wurde mehr die Verwandte der Fichte, die Kiefer, geheiligt. Einige Quellen berichten aber, dass sie von den Germanen als Schutz-, Mutter- und Lebensbaum verehrt worden sein soll.

Doch bei den Römern war die Fichte heilig und galt als ein Symbol der Hoffnung, was eventuell auf ihr schnelles Wachstum und ihre Kraft und Stärke zurückzuführen sein könnte. Im traditionellen Brauchtum wurde die Fichte als bewahrender Baum angesehen, der die Fähigkeit haben sollte, Krankheiten zu übernehmen, so dass der Bittende wieder gesund werde.

Auch heute noch gibt es Maibäume, die anstelle von Birken gesetzt werden. Speziell in Bayern werden als Maibaum am 1. Mai traditionell Fichtenbäume verwendet, die durch ihren schnellen, geraden Wuchs und die große Winterhärte ein Symbol für Kraft und Fruchtbarkeit sind, aber auch die Selbsterneuerungskräfte der Natur darstellen.

Bei den alten Griechen war die Fichte als Baum dem Meeresgottes Poseidon geweiht. In der griechischen Mythologie findet sich die Bedeutung der Fichte im Zusammenhang mit einer alten Sage wieder. Der Straßenräuber Sinis, der in der Nähe der Stadt Korinth lebte und sein Unwesen trieb, soll vorbeiziehende Wanderer getötet haben, indem er sie an zwei heruntergebogene Fichtenbäume band. Seine Opfer wurden dann von den hochschnellenden Fichten in der Luft zerrissen, bis der berühmte Held der griechischen Mythologie, Theseus, diesem Treiben ein Ende setzte und Sinis auf die gleiche Weise vernichtete, wie dieser die Wanderer.

Natürlich hat sich auch das Christentum etwas zur Fichte einfallen lassen, um die heidnischen Bräuche und Überlieferungen zu überdecken, denn diese alten Traditionen ließen sich nicht von heut auf morgen abschaffen und wurden in der Bevölkerung weiter ausgelebt.

Laut christlicher Mythologie hat sich die heilige Jungfrau Maria die Fichte als ihren Aufenthaltsort ausgesucht. Es heißt, in der Nähe eines Klosters fand ein Pfarrer eine Fichte, aus der eine Stimme kam. Nachdem man den Baum gefällt hatte, fand man dort ein Bild von Maria mit ihrem Kind. Selbstverständlich wurde daraufhin an diesem Ort eine Kirche zu ihren Ehren errichtet.

Die Fichte hat auch sehr zeitig die Rolle der Tanne als Christbaum übernommen, und bei Begräbnissen ist es heute noch Brauch, Fichtenzweige mit in die Grabsträuße einzuflechten. Dies könnte auf den Totenkult der Römer zurückzuführen sein, die bei Todesfällen Fichtenzweige an der Haustür anbrachten.

Im Christentum ist die Fichte etwa seit der Neuzeit (16. Jhrd.) ein traditioneller Weihnachtsbaum, allerdings werden heute eher Tannen als Christbäume verwendet. Der Grund hierfür besteht darin, dass Tannennadeln länger am Baum bleiben und beim Schmücken nicht so spitz sind wie Fichtennadeln, weshalb Tannen zu Weihnachten beliebter sind.

Schon in der vorchristlichen Zeit stellte man zur Wintersonnenwende einen Tannenbaum (auch die Rottanne) auf. Im Jahr 1539 stand der erste christliche Weihnachtsbaum im Straßburger Münster. Goethe lernte den erleuchteten Christbaum als Student 1765 in Leipzig kennen und führte den Lichtschmuck 10 Jahre später am Weimarer Hof ein. Erst der deutsch- französische Krieg 1870/71 verbreitete den Weihnachtsbaum im Volk. Um seine Soldaten aufzumuntern. König Wilhelm schickte aus diesem Grund zu Weihnachten eine Unzahl von Fichtenbäumchen an die Front.

Allgemein wurde der Fichte und besonders den Fichtenwäldern eine düstere und mystische Bedeutung zugeschrieben, was speziell in Märchen wie „Das tapfere Schneiderlein“ und „Hänsel und Gretel“ zum Ausdruck kommt. In der Baumsymbolik der beiden Märchen sind die Riesen bzw. die Hexe in einem Fichtenwald zu Hause.

Im Vergleich zu hellen Buchen- und Mischwäldern, lassen die engstehenden Kronen der Fichte kaum Licht auf den Waldboden durchscheinen. Der perfekte Stoff für gruselige Szenarien. Viele deutsche Kindermärchen spielen sich deshalb im Fichtenwald ab. Er ist das Symbol für Verwirrung und Alleinsein. Er beherbergt Wölfe, Hexen oder böse Riesen. In der Gaunersprache gibt es die Redewendung: „Einen in die Fichten führen“. Das bedeutet so viel wie „jemanden täuschen“. Diebe waren in diesem Zusammenhang auch als „Fichtegänger“ bekannt und die Bestohlenen als „Fichtner“.

Verwendung in der Küche

Fichte und Tanne bilden im Mai ihre jungen Triebe aus, die auch als Maiwipfel oder Maiwuchs bekannt sind. Die jungen hellgrünen Triebe sind eine wertvolle Delikatesse und nicht nur wegen ihres Geschmacks, sondern auch der wohltuenden Inhaltsstoffe sehr beliebt. Mit ihren schleimlösenden und antibakteriellen Eigenschaften sind Fichtentriebe heilkundlich vielfältig einsetzbar, aber auch kulinarisch ein echter Genuss.

Die jungen Maitriebe der Fichte schmecken zitronig, leicht bitter-harzig und sind ein erfrischendes Geschmackserlebnis. Fichtentriebe enthalten ätherische Öle u.a. Limonen, das für den zitronigen Geschmack verantwortlich ist, aber sie enthalten auch Flavonoide, Vitamin C und Gerbstoffe, die für unseren Körper wertvoll sind.

Zu beachten ist, dass die jungen Triebe von Fichte und Tanne in freier Natur nur in Absprache mit einem Förster gesammelt werden dürfen! Vielleicht kennst du jemanden, der Fichten auf seinem Grundstück hat und kannst dort einige Maiwipfel ernten. Wie beim Sammeln von Wildkräutern gilt, weniger ist mehr. Sammle nur so viel, wie du wirklich brauchst und nie alle Triebe von einem Zweig. Der Baum benötigt diese für sein weiteres Wachstum und wir wollen ihn nicht schädigen.

Eine sehr einfache Variante die wertvollen Inhaltsstoffe der Fichten haltbar zu machen und ebenso den Geschmack, ist die Verarbeitung zu einem Pesto. Dieses passt hervorragend zu Spaghetti natürlich, aber auch zu Pellkartoffeln, verschiedenen Gemüsegerichten oder auch einfach als Dipp und im Salat.

Fichtenspitzenpesto

Zutaten für ein Gläschen:

  • ca. 120 g Fichtenspitzen
  • optional Parmesan (Menge je nach Geschmack)
  • Pinien- oder Sonnenblumenkerne
  • Etwas Zitronensaft
  • Olivenöl

Zubereitung:

Die Fichtenspitzen, falls nötig mit Wasser waschen und gut trocken tupfen. Ich wasche sie eigentlich nie, sondern verwende sie frisch gepflückt gleich so wie sie sind. Die Pinienkerne in einer ungefetteten Pfanne anrösten. Die Triebe zusammen mit dem Parmesan, dem Zitronensaft und den Kernen in einen Mixbecher geben. Alles mit Olivenöl bis zur Hälfte bzw. Dreiviertel auffüllen. Das Ganze nun gut durchmixen. Funktioniert ggf. auch mit einem Pürierstab. Die Masse in ein Glas füllen und mit ein wenig Öl bis oben hin bedecken. Das sorgt für bessere Haltbarkeit.

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-Schwarz- Erle-

Botanischer Name: Alnus glutinosa

Familie: Birkengewächse (Betulaceae)

Weitere Namen: Frau Else, Ellenfru, Else, Walperbaum, Eller, Else, Erle, Gemeine Erle, Klebrige Erle, Schwarze Erle, Schwarzerle, Wiesenerle, Else

Die Schwarz-Erle wird oft mit der Grau-Erle (Alnus incana) verwechselt. Beide Arten wachsen häufig nebeneinander und können zumindest im Sommer leicht voneinander unterschieden werden, da die Grau-Erle im Gegensatz zur Schwarz-Erle zugespitzte Laubblätter besitzt. In höheren Lagen findet man öfter die Grün-Erle (Alnus alnobetula), deren Knospen besonders im Schatten grünlich gefärbt sind. Da die Schwarz-Erle sowohl mit Grau-Erle, der Grün-Erle als auch mit weiteren Erlen-Arten Hybride bildet, ist die Bestimmung nicht immer einfach.

Die Schwarz-Erle besitzt ein tiefreichendes Herzwurzelsystem, das auch lang andauernde Überschwemmungen verträgt. In den bodennahen Wurzeln bildet die Schwarz-Erle kleine Wurzelknöllchen, in denen Bakterien leben, die Stickstoff aus der Luft binden können. Durch diese Symbiose kann die Schwarz-Erle ihren Stickstoffbedarf auch auf stickstoffarmen Standorten, wie beispielsweise Moorböden, decken.

Für viele Schmetterlinge und auch Insekten ist die Schwarz-Erle eine wichtige Futterpflanze.

Verwendet wird die Schwarz-Erle für die Befestigung von Uferböschungen und die Begrünung von Nassstellen. Bei Aufforstungen ist sie ein wichtiges Pioniergehölz. Früher wurde das Holz aufgrund der guten Haltbarkeit unter Wasser für Pfahlbauten genutzt. Der weitere deutsche Name Rot-Erle weist auf die rote Färbung des frisch geschlagenen Holzes hin, das gerne als Möbelholz verwendet wird. Die Rinde eignet sich zum Schwarzfärben von Leder.

Anwendung in der Heilkunde:

Verwendete Pflanzenteile: Rinde, junge Zweige, Blätter, Früchte

Inhaltsstoffe: Fette, Öle, Flavonoide, Gerbstoffe, Mineralstoffe, Steroide

Anwendung bei: Angina, Halsweh, Hautgeschwür, Mund- und Rachenerkrankungen, Stillen, Schürfwunden, Wunden

Eigenschaften: adstringierend, fiebersenkend, narbenbildend (wundheilend) und zusammenziehend

Sammelzeit: Rinde und Früchte im Frühjahr, reife Früchte im Herbst

Anwendung in Volksheilkunde:

Von den griechischen Ärzten der vorchristlichen Zeit ist der Einsatz von Bestandteilen der Erlen als Heilmittel nicht eindeutig belegt. Jedoch bei Heilern der römischen Antike finden sich Hinweise auf die Verwendung der Erle. So berichtet Pedanios Dioskurides über die innere Anwendung von Rindentee bei Leib- und Darmkrämpfen. In der mittelalterlichen Klostermedizin mit ihrer bekanntesten Vertreterin – der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1148) – hat die Erle als Heilmittel keine Bedeutung, sie ist „… Sinnbild der Nutzlosigkeit“.

Die Renaissance leitet die Wende ein: Mit dem Abbau christlichen Argwohns gegenüber einer heidnisch begründeten Heilkunde änderte sich auch die Bedeutung der überlieferten medizinisch-botanischen Schriften. So berichtet Bock (1489- 1554) über den Infus aus Erlenblättern bei „blutspeyen und zanwehe“. Auch Mathiolus verweist auf die Anwendung bei Blutungen, Mundfäule und Rotz. Der englische Arzt Beech, Vertreter des medizinischen Eklektizismus (Als Eklektizismus werden Techniken und Methoden bezeichnet, die sich unterschiedlicher Systeme bedienen und deren Elemente neu zusammensetzen.), empfahl die Erle zur ‚Blutreinigung‘.

Traditionell werden in der Natur- und Erfahrungsheilkunde Erlenrinde und -blätter zur Bereitung natürlicher Heilmittel verwendet. Rindendroge wird durch Sammlung aus Wildbeständen gewonnen. Die weiche Rinde wird im zeitigen Frühjahr, wenn sie noch leicht vom Holz gelöst werden kann, von den jungen Ästen geschält und natürlich oder in temperierten Räumen bei max. 40º C getrocknet. Die schonende Lagerung des Sammelgutes erfolgt in Papier- oder Stoffsäcken. Die grünen Blätter werden in den Monaten Mai bis Juli sorgfältig gepflückt. Die schonende Trocknung erfolgt an einem warmen, schattigen Platz durch häufiges Wenden.

Schon in der Antike wurde die Erle bei Krämpfen verwendet, indem ein Tee aus ihrer Rinde verabreicht wurde. Später wurde sie wegen ihrer blutstillenden und blutreinigenden Wirkung bekannt. Im Mittelalter wurden Abkochungen der Blätter äußerlich zur Wundheilung benutzt und ihre im Frühjahr klebrigen Blätter wurden auf schlecht heilende Wunden aufgelegt.

Auch bei Zahnschmerzen und Erkrankungen im Mund- und Rachenraum wurde sie verwendet. Die zusammen mit Alaun aufgekochte Rinde diente als Spülung, zur Stärkung der Mundschleimhäute und des Zahnfleischs. Außerdem wurden ihre Pflanzenteile zum Gerben und zur Herstellung von Tinte verwendet. Ein erwärmtes, mit trockenen Erlenblättern gefülltes Kissen kann bei rheumatischen Beschwerden und Rückenschmerzen helfen.

Der hohe Gerb- und Bitterstoffgehalt der Rinde und Blätter lässt die Erle auch heute noch ein nicht unwesentlicher Teil der Naturheilkunde sein. Vor allem der in der Rinde sehr hohe Gehalt an Tanninen (bis zu 20%) ist für die Volksheilkunde interessant.

Auch in der Küche kann man die Erle verwenden: Ihre jungen Blätter (März bis Mai) kann man in Speisen frisch verarbeiten oder getrocknet in Gewürzmischungen, in Kräutersalz und als Zutat für Brote nutzen.

Erlen- Gemmo- Mazerat

Zutaten:

1 Teil Pflanzenknospen
3 Teile Glycerin (aus der Apotheke)
3 Teile Alkohol (40%)
3 Teile Wasser

Die zerkleinerte Baumknospen werden mit Wasser, Glycerin und Alkohol in einem verschließbaren Glas vermischt und 3 Wochen an einem dunklen Ort gelagert. In dieser Zeit immer wieder schütteln, sodass die wertvollen Inhaltsstoffe gut ausgezogen werden können.

Das fertige Gemmomittel wird nach der Zeit abgefiltert und kann dann in eine Zerstäuberflasche gefüllt werden.

Anwendung:

3 – 4 ml täglich in den Mund sprühen und kurz einwirken lassen.

Bei Akutzuständen viertelstündlich 2 Sprühstöße.

Kindern gibt man 1-2-mal täglich einen Sprühstoß auf die Zunge. Der Alkoholgehalt eines Gemmomittels entspricht etwa dem einer reifen Banane.

Haltbarkeit 2 Jahre

Die Schwarz-Erle wird wegen ihrer tollen Eigenschaften als Heilpflanze eingesetzt, denn sie hat beispielsweise eine fiebersenkende und wundheilende Wirkung. Verwendet werden wie schon beschrieben die Blätter und die Rinde der Zweige. Ein aus Schwarz-Erle zubereiteter Tee schmeckt bitter und herb, verfügt aber über einen angenehmen Geruch. Die getrockneten Blätter der Schwarz-Erle werden auch gern mit Walnuss- und Salbeiblättern kombiniert. Diese erleichtern das Abstillen.

Geschichte, Magie & Mythologie

Seit Urzeiten ist die Erle für die Menschen ein ganz besonderer Baum: Als „Die Erlenfrau“ ist sie seit Jahrtausenden bekannt und es ranken sich viele Mythen um diesen zauberkräftigen Baum – und das bereits seit der Eisenzeit und somit länger als 3000 Jahre.

Da man die Erle häufig in feuchten, auch sumpfigen Gebieten findet, die als unheimlich galten, wird sie im Volksglauben häufig mit dem Teufel und Hexerei in Verbindung gebracht. Erlenholz ist unter Wasser äußerst beständig. Es wurde daher schon in der Jungsteinzeit für Pfahlbauten verwendet.

Erlen fühlen sich am wohlsten an Übergängen und Schwellen zwischen Wasser und Land. Sie leben in beiden Welten und man findet sie auch genau dort: An moorigen Stellen, an Bächen und Flüssen, an Seen und Teichen und an Orten mit versiegten Wasserquellen, die unterirdisch aber noch vorhanden sind. Sie stehen dabei gern „mit einem Bein“ im Wasser und mit dem anderen in der Erde – weshalb sie als Baum, der zwischen den Welten wandelt, gilt.

Solche Schwellen und Übergänge sind für die Menschen seit jeher Orte der Anderswelt und ihrer Wesen, an denen „die Schleier dünn“ sind und der Übergang leichter. Daher ist die Erle genau das: Ein Wesen, das mit der anderen Seite in Kontakt steht und diesen auch bringen kann.

So unspektakulär uns dieser Baum heute erscheinen mag, umso mehr fürchteten ihn unsere Vorfahren. Als Vertreterin der feuchten, nebligen Auwälder wurde der Erle nachgesagt, unheilvolle Wesen wie Wasser-, Moor- und Nebelgeister zu beherbergen. Irrlichter blinzeln aus ihren Zweigen und bringen ahnungslose Wanderer vom Wege ab, wo sie Gefahr laufen, dem Erlenweib zu begegnen. Diese finstere Gestalt, der Hexerei mächtig, lockt den armen Wanderer immer tiefer in den dunklen Sumpf hinein. Eine mystische, bedrohliche Stimmung, die man in Goethes „Erlkönig“ (1782) noch heute hautnah nacherleben kann:

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater du, den Erlkönig nicht?
Den Erlkönig mit Kron und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif…“

Der unheilvolle Ausgang dieser Geschichte ist wohl jedem bekannt. Ein Sprichwort beschreibt die damalige Beziehung der Menschen zu diesem Baum: „Erlenholz und rotes Haar, sind aus gutem Grunde rar.“ Dies deutet auf eine weitere Eigenart der Erle hin, die die Landbevölkerung schaudern ließ. Schneidet man ihr frisches Holz an, so verfärbt sich der Saft rot und man sagt, die Erle „blutet“ – fast so wie ein Mensch. Heute wird dieser Vorgang schlicht Oxidation genannt und man fürchtet sich nicht mehr davor. Diese Besonderheit brachte der Schwarzerle aber, die ihren deutschen Namen ihrer dunklen, schuppigen Borke verdankt, auch die Bezeichnung „Roterle“ ein.

Wie schon deutlich wurde, vereint die Erle viele Eigenschaften und Zuschreibungen, die ihr ein dunkles Wesen nachsagen ließen. Da sie gern an feuchten Stellen und Mooren wächst und das Moor Wohnort der Seelen Verstorbener galt, war auch die Erle ein Geister- und Totenbaum. Im Mecklenburgischen hieß es über jemanden, der gestorben war: „Er ist beim lieben Herrgott im Erlenbruch!“ – dort, wo die Geister spuken.

Es hieß auch, der Teufel ebenso wie gute und böse Geister säßen gern auf Erlenstümpfen. Außerdem berichten alte Überlieferungen von nächtlichen Feuern, die die Erlenfrau im Moor erleuchten.

Der Begriff „Erlenfrau“ weist auf die große Bedeutung als weiblicher Baum hin. Dies erklärt sich vor allem durch das blutrote Holz, dass das Blut des Lebens und die Weiblichkeit symbolisiert. Wie lange diese Wahrnehmung durch die Menschen schon besteht, wird durch einen faszinierenden, uralten Fund im westlichen Schottland deutlich. Dort wurde eine aus Erlenholz geschnitzte, weibliche Figur gefunden, die wahrscheinlich als Opfergabe oder Ritualrelikt genutzt wurde. Die Datierung geht auf mehrere hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung zurück.

Im 6. Jahrhundert wurde nach altfränkischem Recht (Lex Salica) über dem Kopf eines Verurteilten vier Erlenstäbe zerbrochen und in die verschiedenen Himmelsrichtungen geworfen. Damit wurde er aus der Gemeinschaft verbannt und die Lossagung des Betroffenen von Haus, Hof und Familie symbolisiert. Auf diese Vorgehensweise geht die heutige Redensart über jemanden den Stab brechen zurück.

In der irischen Mythologie wird die Erle „Bran, dem Gesegneten“ zugeschrieben, dessen Seelentier der Rabe ist, ebenso auch der Göttin Morrigu die durch Raben symbolisiert wurde. Morrigu galt als „die Große Mutter“, die weise Alte oder die Geisterkönigin. Bei den Kelten war die Erle „die blutende Mutter“ und eine große Heilerin. Sie wurde von den Kelten zum Stillen von Blutungen, zum Bemalen der Gesichter in der Schlacht und als Helferin bei schweren Geburten eingesetzt. In der nordischen Mythologie wurde, so glaubten die Menschen damals, der erste Mann (Askr) aus Eschenholz und die erste Frau (Embla) aus der Erle geschaffen.

Verwendung in der Küche

Die Erle ist eine gerbstoffhaltige, bittere Pflanze, die sich, nur in geringen Mengen als Beigabe für Gemüse und Kräutermischungen nutzen lässt. Hierfür werden die ganz jungen Blätter (von März bis Mai gesammelt) genutzt. Diese sollten noch weich sein, sodass sie sich zwischen den Fingern zerreiben lassen.

Da es viele Pflanzen und Bäume gibt, die von Geschmack her wesentlich besser nutzbar sind, sollen folgende Beispiele nur zeigen, dass auch bitterstoffhaltige Vertreter Material für die menschliche Ernährung bieten können. Letztendlich ist ja auch alles eine Frage des eigenen Geschmacks und Bitterstoffe sind für den Menschen und seine Gesundheit natürlich sehr wertvoll.

Die herben Blätter lassen sich zu Gemüsechips, als Beigabe für Bratlinge sowie als Nuss- und Bittergemüse verarbeiten. Getrocknet und gemahlen können sie zum Strecken von Mehl beispielsweise verwendet werden. Sie eigenen sich aber auch als Bittergewürz in Kräuterölen und Essigansätzen oder getrocknet als Vorratsgewürz.  

Erlenpfeffer

Die Schwarz-Erle ist eine kulinarisch bei uns bislang noch wenig bekannte Besonderheit. Ihr Holz wird zum Kalt- oder Warmräuchern von Fleisch oder Fisch verwendet. Es gibt dem Räuchergut eine schöne, goldgelbe Farbe und auch ein feines, ganz spezielles Aroma.

Weniger bekannt ist die Verwendung von Kätzchen und Knospen in der Küche. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts schmecken auch sie etwas bitter und besitzen dennoch eine aromatische Schärfe. Diese Kombination eröffnet herrliche Würzmöglichkeiten, weswegen ein Erlenpfeffer aus den getrockneten Kätzchen, Knospen und Pfefferkörnern herstellen werden kann.

Im Mörser zerstoßen oder fein gemahlen ergeben sie ein aromatisches Gewürz, das vom Frühstücksei bis zum Steak vielen Speisen eine besondere Note verleiht. Auch Essig und Öl können damit wunderbar aromatisiert werden und dienen dann zum Verfeinern von Salaten oder Ofengemüse, aber auch diversen anderen herzhaften Speisen. Die hochwertigen Inhaltsstoffe der jungen Pflanzenteile bleiben durch schonendes Trocknen oder Einlegen in Essig und Öl gut erhalten.

Rezept für Erlenpfeffer

Zutaten:

– 1 Handvoll frische, geschlossene Erlenkätzchen und Knospen gemischt
– 2 Teelöffel schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Die Erlenkätzchen und -knospen werden grob gehackt und für einige Tage bei Zimmertemperatur getrocknet, sodass sie gut durchgetrocknet sind. Anschließend werden die Kätzchen und Knospen mit den Pfefferkörnern gemischt und im Mörser oder mit einer Kaffeemühle fein gemahlen.

Nun den Erlen-Pfeffer in ein Glas füllen, luftdicht verschließen und dunkel lagern.
So hält er sich bis zu einem Jahr, ohne nennenswerten Qualitätsverlust.

Knospen-Flüssigwürze

In Zucker und auch genauso in Salz, lässt sich die Würzkraft der Knospen immer gut konservieren und entwickelt einen tollen Geschmack. Hierfür kann man nicht nur Erlenknospen verwenden, sondern auch die violett-braunen Knospen von der Vogelbeere zum Beispiel. Ihr hoher Gehalt an Bittermandel sorgt dafür, dass neben Zucker ebenso Flüssigkeiten eine deutliche Marzipannote erhalten. Doch man sollte in diesem Fall keine großen Mengen verwenden. Die Knospen der Erle in Korn oder Wodka eingelegt, in mildem Apfelessig ausgezogen oder einem guten Öl beigegeben, ergibt ebenfalls eine schöne Zutat zum Würzen von Speisen, für Saucen, Desserts oder Drinks und ähnlichem, die es nirgendwo zu kaufen gibt.

Wer sich an der Verwendung von Baumknospen in der Küche versuchen möchte, sollte bedenken, dass nur sehr wenig von den einzelnen Bäumen und Sträuchern gesammelt wird, da diese die Knospen für ihr weiteres Wachstum benötigen und wir die Pflanzen nicht schädigen wollen.

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-Gemeine Esche-

Botanischer Name: Fraxinus excelsior

Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae)

Weitere Namen: Gewöhnliche Esche, Hohe Esche, Hochesche, Esche, Asch, Eisch, Ösche, Steinesche (nach ihrem Wuchs an steinigen Stellen), Bogenbaum, Spindelbaum (nach der Verwendung des Holzes), Geißbaum (nach der Verwendung als Futterlaubbaum), Vogelzungenbaum (nach den schmalen Früchten), Wundholz (nach der wundheilenden Kraft), Schwindholz (nach dem Glauben, der Baum könne Schwindsucht heilen)

Die sich reichlich verjüngende Esche ist als wichtige Mischbaumart aufgrund ihrer hohen Wuchsleistung sowie ihrer guten Holzqualität von großer Bedeutung für die Forstwirtschaft. Die ökologische Bedeutung der Esche ist vielfältig. Zum einen bietet sie zahlreichen Insekten und Vögeln einen wichtigen Lebensraum. Wildtiere ernähren sich von Zweigen und Knospen der Jungpflanzen, dies allerdings nicht immer zur Freude der Forstleute! Zum andern zersetzen sich die im Herbst auf den Boden fallenden Eschenblätter „zügig“. Die wertvolle Streu wirkt bodenverbessernd, humusbildend und sorgt für ein reiches Bodenleben.

Die Esche eignet sich auch als Stabilisator von rutschgefährdeten Hängen, speziell aber von Bach- und Flussufern. Ihr weitreichendes und dichtes Wurzelwerk befestigt Uferböschungen und verhindert dadurch Unterspülungen und Abschwemmungen.

Im Morgenland ist die sog. Mannaesche heimisch. Von ihren höchsten Zweigen tropft besonders nach Regenwetter aus kaum sichtbaren Verletzungen ein dunkelbrauner, sirupähnlicher Saft reichlich herab, der auch „Manna“ genannt wird. Er wird von den Bewohnern jener Gegend aufgefangen und wie Honig genossen. Eine Theorie sieht darin dasselbe Manna, das die Israeliten auf ihrer Wanderung durch die arabische Wüste genossen.

In Kleinasien, Ägypten, Griechenland und Italien wächst auch die rundblätterige Esche, die ebenfalls Manna liefert, dessen Einsammlung für die Bewohner von Unteritalien und Sizilien ein Haupterwerbszweig war und allgemein arzneilich benutzt wurde. Zur Gewinnung des Mannas fügte man dem Baum ab Mitte August täglich je zwei Zoll übereinanderliegende Einschnitte zu, aus denen ein süßer Saft ausfloss. Diese wurde durch daran gelegte Blätter in Gefäße geleitet und anschließend eingetrocknet. Das ausgehärtete Manna wurde Körbe gepackt in den Handel gebracht.

Anwendung in der Volksheilkunde

Verwendete Pflanzenteile: Blätter, Samen, Rinde

Inhaltsstoffe: Cumaringlykoside, Zucker, Harz, Gerbstoff, Kautschuk, Vitamine, Farbstoffe, Mineralsalze, Fraxin, Fraxidin, Ätherisches Öl, Bitterstoff, Flavonoide, Gerbsäure, Glykoside,

Anwendung bei: Altern, Cellulitis, Cholesterin, Fettleibigkeit, Gicht, Neuralgie, Rheumatismus, Schmerzen, Steinerkrankungen, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Blasenleiden, Bluthochdruck, Blähungen, Diabetes, Fieber, Insektenstichen, Nierenleiden, Wassersucht, Wunden

Eigenschaften: adstringierend, Blutzucker senkend, harntreibend, schweißtreibend, zusammenziehend,

Sammelzeit: Blätter und Rinde von Mai bis Juli, die Früchte ab September

Die Volksmedizin empfiehlt Eschenrinde als harntreibendes Mittel und auch bei Gicht und Rheuma kann ein Tee aus Eschenblättern helfen. Verwendet man die Blätter roh im Salt, wird ihnen ebenfalls eine heilende Wirkung zugeschrieben. Gegen fiebrige Infektionen galt lange der Gebrauch von Eschenrinde als das einzig wahre Mittel. Wobei man heute weiß, dass auch Bäume, wie die Weide, einem gute Dienste in dieser Hinsicht erweisen können. Dass die Esche als Wundholz verwendet wurde, hängt wahrscheinlich mit dem hohen Gerbstoffgehalt in der Eschenrinde zusammen. Ebenso wurde sie eingesetzt, um vor Schwindsucht zu schützen.

Gesundheitlich betrachtet eignet sich die Esche vielfältig zur Behandlung von bestehenden Beschwerden. So kann sich die entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung bei verschiedenen Problemen wohltuend zunutze gemacht werden.

Darüber hinaus erhöht die Anwendung der Esche die Produktion von Harn im Körper, was uns bei der Entgiftung hilft. Wird mehr Flüssigkeit ausgespült, können auch die Harnwege besser gereinigt werden. Dementsprechend eignet sich die Esche zur Behandlung von Blasen- und Nierenleiden.

Die enthaltenen Bitterstoffe wirken sich auf Magen und Darm sehr positiv aus. So können sie zum Beispiel  mangelnden Appetit beleben. Auch als Abführmitteln gilt die Esche als (von der Kommission E) positiv bewertet. So kann sie beispielsweise also auch bei bestehenden Verstopfungen angewendet werden.

Die jungen Eschen-Blätter sind essbar und können z.B. für Salate verwendet werden. In der Antike wurden die Rinde, die Samen, die Früchte und die Blätter für verschiedene Heilzwecke eingesetzt. Die Wirkstoffe der Esche finden sich auch heute noch in verschiedenen Präparaten wieder. 

Eschenblätter-Tee hat ähnlich wie Birkenblätter-Tee eine harntreibende Wirkung. Das süßliche Eschen-Manna der Blumenesche ist ein Sirup, der durch das Anritzen der Rinde gewonnen wird. Er hat eine leicht abführende Wirkung und wird traditionell bei Husten, als Zucker-Ersatz und zur Schleimlösung verabreicht.

Tee aus Eschenblättern

Gesammelt werden die jungen Eschenblätter von Mai bis Juni etwa, dann von den Stielen gezupft und getrocknet. Zur Teezubereitung überbrüht man 2 Teelöffel der zerkleinerten Blätter mit einer Tasse heißem Wasser (Fischer-Rizzi 1993). Die Eschenblätter können aber auch mit anderen Kräutern zu einem Rheumatee gemischt werden. Rheumatee: Eschenblätter, Weidenblätter, Brennnesselblätter und Berberitzenblätter. Bei diesem Rezept werden alle Zutaten zu gleichen Teilen miteinander gemischt. Die Zubereitung entspricht der Zubereitung des Tees aus Eschenblättern (Fischer-Rizzi 1993).

Geschichte, Magie & Mythologie

In der germanischen Mythologie ist die Weltesche (Yggdrasil) die Mitte des Universums. Mit ihrer Krone schafft sie die Verbindung zum Himmel, mit ihrem Stamm zur Erde und mit ihren Wurzeln zur Unterwelt.

Schon die alten Wikinger waren so von diesem prächtigen Bäumen beeindruckt, dass sie sie in ihre Sagenwelt aufnahmen. Die Esche Yggdrasil war der größte und heiligste aller Bäume, schreibt Hugh Johnson in seinem Buch „Bäume. Die Wald- und Gartenbäume der Welt“. Die Sage berichtet, dass die Äste des Baumes die ganze Welt überspannen und sogar über den Himmel hinausreichen. In seiner Krone wohnt ein Adler, in seinen Wurzeln ein Drache. Dazwischen klettert ein Eichhörnchen hin und her und verbreitet üble Nachrede.

Yggdrasil verbindet mit seinen drei Wurzeln die neun unterschiedlichen Welten, die auf drei Ebenen aufgeteilt sind (Laudert 2003). In diesen Welten leben unterschiedliche Wesen: Elben, Zwerge, Riesen und Götter. In Midgard, der Welt im Zentrum aller Welten, leben die Menschen. Sollte diese allumfassende Esche jemals anfangen zu welken, hat das den Weltuntergang zur Folge. Der Drache, der mit seinen Giftzähnen in eine der Wurzeln beißt, versucht die Esche zu vergiften.

Unsere Vorfahren waren von vielen unterschiedlichen, nützlichen Eigenschaften der Esche überzeugt. So soll sie Unheil abwehrende Kräfte in sich tragen. Ihr Saft schützt vor dem Biss der Schlange. Dass Schlangen so sagte man, großen Respekt vor der Esche haben, lässt sich an folgendem alter Spruch belegen.

Ich bin von den Alten gelart,
der Eschenbaum hat diese Art,
dass keine Schlange unter ihm bleib,
der Schatten auch hinweg sie treib,
ja die Schlange eher ins Feuer hinläuft,
eh sie durch seinen Schatten schleift.

In früheren Zeiten hieß es, Eschenholz in Kleider eingenäht lasse blutende Wunden versiegen (dieser Glaube dürfte auf den hohen Gerbstoffgehalt der Rinde zurückzuführen sein). Fischer sprachen dem Holz sogar einen sehr speziellen Zauber zu. Sie waren davon überzeugt, dass aus Eschenholz angefertigte Ruder und Bootsrippen vor dem Ertrinken bewahren könnten.

Eschen sollen auch Unwetter abhalten können – und nicht nur meteorologische. Bei den Römern galt dieser Baum als Symbol einer glücklichen Ehe und bei den Schotten bewahrte ein über das Bett gehängter Eschenzweig vor einem Ehegewitter. Noch heute bei Wetterpropheten bekannt ist diese alte Bauernregel:

Grünt die Eiche vor der Esche,
hält der Sommer grosse Wäsche.
Grünt die Esche vor der Eiche,
bringt der Sommer grosse Bleiche.

In vielen urtümlichen Religionen lässt sich finden, dass die Menschen aus Eschen geschnitzt worden seien. Schon im 7. Jahrhundert v.Chr. berichtete der griechische Dichter Hesiod in “Werke und Tage”, wie Zeus das 3. eherne Menschengeschlecht aus Eschen schuf (Laudert 2003).

In der Germanischen Mythologie sind Ask (Esche) und Embla (Ulme) (in manchen Mythologien auch Esche und Erle) die ersten Menschen. Sie wurden von den Göttern aus zwei angeschwemmten Hölzern geschaffen. Von Odin bekamen sie die Seele, von Hönir die Lebenswärme und von Lodur das Aussehen.

Der Indianerstamm der Algonkin führt die Herkunft des Menschen darauf zurück, dass der Erschaffer der Welt Mann und Frau hervorbrachte, indem er einen Pfeil in eine Esche schoss.

Der wohl bekannteste Speer aus Eschenholz ist der des Kentauren Chiron (Fischer-Rizzi 1993). Dieser Speer wurde von der griechischen Sagengestalt, halb Mensch, halb Pferd, aus einer heiligen Esche hergestellt. Diese Esche wuchs auf dem sagenumwobenen Berg Pelion über der Höhle des Kentauren. Mit diesem Speer zog Achilles in die Schlacht von Troja. Im Kampf Achilles gegen Hektor wurde der trojanische Held mit diesem Speer getötet (Laudert 2003).

Die Esche galt als Symbol für die Macht des Wassers (Fischer-Rizzi 1993). Von Druiden wurde das Holz der Esche für den Regenzauber verwendet. Ebenso sollte die Esche die zerstörerischen Kräfte des Wassers bannen können. Die Esche ist mythologisch eng mit dem Element Wasser verbunden und steht deshalb für den Überschwemmungsmonat März. Die Druiden schnitzten aus diesem Holz ihre (Zauber-) Stäbe.

Aber was sind eigentlich Druiden? Vielleicht denkt man bei diesem Begriff an Asterix und Obelix, an Hinkelsteine, Zaubertrank und Römer. Aber Druide leitet sich aus dem keltischen Drui ab, was so viel wie Wissender bedeutet. Druiden waren Wissende oder Weise, die es wagten, in den Wald hineinzugehen und die Angst vor der Dunkelheit des Waldinneren zu überwinden. Sie wussten über den Umgang mit der Natur und ihren Schätzen bescheid und wie sie diese für sich nutzen konnten. Sie waren hellsichtige Heiler, die über umfangreiches Wissen verfügten. Diese Menschen schrieben der Esche eine besondere Macht über das Wasser zu (Vescoli 1995).

Nicht nur bei den Menschen wurde die heilende Wirkung der Esche angewendet, auch Tiere wurden mit Eschenlaub gefüttert. So gab es bestimmte Tage, besonders Johanni und Pfingsten, an denen man Haustiere, hauptsächlich Ziegen, mit Eschenlaub fütterte (Fischer-Rizzi 1993). Es hieß, diese Tiere würden für das ganze Jahr vor Krankheiten geschützt werden. Wurde Eschenlaub an Milchkühe verfüttert, so gaben diese angeblich besonders gute Milch (Petruszek 1991). Auf Grund dieser Eigenschaften waren Eschen als Laubfutterbäume weit verbreitet. Noch heute stammen einige alte Eschen in der Nähe von Bauernhöfen und Burgen aus dieser Zeit (Fischer-Rizzi 1993).

Das Laub dieses Baumes wurde frisch und getrocknet vom Wild, Ziegen, Schafen und Rindern gern gefressen. Die Rinde diente zum Färben von Stoffen, zum Gerben von Leder und wurde in der Medizin gegen Wechselfieber, Wassersucht, Gelbsucht u.a. Krankheiten empfohlen. Der Samen wurde in England unreif mit Salz und Essig gegessen. Für das 11. Jhd. bezeugt Hildegard von Bingen u.a. die Verwendung von Eschenblättern als Ersatz für Hopfen bei der Bierherstellung (Migne, Patr. lat. 197, col. 1226).

Verwendung in der Küche

Die jungen Blätter eignen sich als Salatbeigabe und die jungen Früchte des Baumes sind ebenfalls essbar. Sie schmecken abgekocht und eingelegt in Kräutermarinade als Gemüse. Auch die Keimlinge können verwendet/gegessen werden.

Solange die Früchte noch weich sind (etwa Juni bis Juli) kann man diese ebenfalls nutzten. Da sie sehr bitter sind müssen dieses durch Kochen entbittert werden (dabei das Kochwasser mehrmals wechseln). So behandelt erhält man ein festes Gemüse, das auch zu Füllungen verwendet oder wie Kapern eingelegt werden kann. Die getrockneten und gemahlenen jungen Früchte kann man zum Strecken von Mehl verwenden und sie lassen sich auf diese Weise gezielt als Bitterstofflieferant einsetzen.

In den ausgereiften, trockenen Früchten findet man (im August) die Samen. Sie werden getrocknet und gemahlen als Backgewürz verwendet, oder einem Kräutersalz oder Kräutermischungen beigegeben.

Rezept:

Eschen- Frikadellen

Zutaten:

160 g Grünkern, geschrotet
80 g Buchweizen
400 ml Gemüsebrühe
4 EL Quark
2 Eier
1 kleine Zwiebel, gewürfelt und gedünstet
4 EL feingehackte, junge Eschenblätter
Salz und Pfeffer
Pflanzenöl

Zubereitung:

Grünkern und Buchweizen mit der Gemüsebrühe aufkochen und bei geringer Hitze ca. 15 Minuten ausquellen lassen, bis alle Flüssigkeit aufgesogen ist. Das Kochgut ausdampfen lassen.

Den Quark mit den Eiern, den Zwiebelwürfeln und den Eschenblättern verrühren, unter die höchsten lauwarme Getreidemasse mischen und mit Salz und Pfeffer kräftig abschmecken. Aus dem Teig Frikadellen formen und in heißem Pflanzenöl braten.

Weitere tolle Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten unserer kostbaren Wildpflanzen findest Du hier:
www.naturundgartentraeume.com

Wildpflanzen sammeln im März

Wildpflanzen sammeln im März

Im März werden die Tage zunehmend länger und die reichhaltige Fülle unserer kostbaren Wildpflanzen nimmt merklich zu.

Schon in früheren Jahrhunderten wurden Wildkräuter vom Menschen genutzt, zum einen als Nahrungsquelle, zum anderen als Heilmittel. Manches Wissen ist verloren gegangen, da der Gebrauch von Wildkräutern nur selten dokumentiert wurde und doch ist durch Überlieferung einiges erhalten geblieben, was heute immer noch angewandt wird.

Die vielfältige und reichhaltige Fülle an Nährstoffen und Inhaltsstoffen, macht unsere Wildkräuter zu etwas besonderem. Sie finden sowohl Verwendung in der Küche, für Suppen, Soßen, Salate, Tees, Marmeladen oder Gelee, werden aber genauso zu Tinkturen und Salben als Heilmittel weiterverarbeitet oder können als Bäder und Umschläge ihre wohltuende Wirkung entfalten.

Die jungen Knospen an den Zweigen der Bäume sind prall gefüllt mit Nährstoffen und werten Frühlingssalate mit Mineralien auf. Die Ahornsamen beginnen am Boden zu keimen und bringen ebenfalls zahlreiche Nährstoffe mit, die uns in Risottos und Salaten, aber auch vielen anderen Wildpflanzenrezepten zu Gute kommen.

Die Blätter des Spitzwegerichs oder Breitwegerich, kann man pflücken, zusammenrollen und den Saft auspressen. Dieser hilft wunderbar gegen Insektenstiche, da er kühlt und den Juckreiz nimmt. Eine haushaltsübliche Zwiebel würde dasselbe für uns tun, nur wächst sie in der Natur in der Regel nicht, wenn wir gerade in Wäldern und Seen unterwegs sind.

Jetzt ist auch eine gute Zeit, um Dir das wertvolle Birkenwasser zu zapfen, welches auf unseren Körper entwässernd und vitalisierend wirkt. Beachte dabei aber immer nicht zu viel zu nehmen und den Baum nicht zu schädigen.

Unsere vitaminreichen Kräuter sind wieder in Fülle zu finden und können von uns gesammelt und verarbeitet werden. In Frühjahrkuren vertreiben sie die Frühjahrsmüdigkeit und können hier in Smoothies, Tees oder Frischpresssäften verwendet werden. Auch in der Küche sind sie eine wohlschmeckende und wohltuende Zutat in allerlei Gerichten, wie Pesto und Pasta, Salat und Quark, aber auch vielen Ofen- und Pfannengerichten.

Welche wertvollen und kostbaren Wildkräuter Du im März finden und sammeln kannst, sei nachfolgend aufgelistet und die Links führen Dich auf eine tolle Seite, die viel Wissenswertes über unsere Wildpflanzen für Dich bereit hält, wenn Du mehr erfahren möchtest.

Ahorn

Ährige Teufelskralle

Arznei-Engelwurz (Angelika)

Bärlauch

Breitwegerich

Brombeere

Brunnenkresse

Duftveilchen

Echte Kamille

Echte Mispel

Echte Nelkenwurz

Echte Schlüsselblume

Echter Baldrian

Echter Ehrenpreis

Echtes Labkraut

Echtes Mädesüß

Echtes Seifenkraut

Eiche

Espe (Zitterpappel)

Gänseblümchen

Gänsefingerkraut

Geflecktes Lungenkraut (Echtes Lungenkraut)

Gemeine Hasel (Haselnussstrauch)

Gemeine Nachtkerze

Gemeine Wegwarte

Gemeiner Beifuß

Gemeiner Beinwell

Gemeiner Efeu

Gewöhnliche Rosskastanie

Gewöhnliche Schafgarbe

Gewöhnliche Vogelmiere

Gewöhnlicher Löwenzahn

Gewöhnliches Hirtentäschel

Gewöhnliches Scharbockskraut

Giersch

Goldnessel

Großblütige Königskerze

Große Brennnessel

Große Kapuzinerkresse

Großer Wiesenknopf

Gundermann

Guter Heinrich

Huflattich

Hunds-Rose (Hagebutte)

Kleine Brennnessel

Kleiner Wiesenknopf

Klettenlabkraut

Knoblauchsrauke

Persischer Ehrenpreis

Pfennigkraut

Purpurrote Taubnessel

Rotklee

Schlangen-Knöterich

Schwarzdorn (Schlehe)

Spitzwegerich

Topinambur

Waldmeister

Waldsauerklee

Weißbeerige Mistel

Weiße Taubnessel

Weißer Gänsefuß

Wiesen-Bärenklau (Gemeiner Bärenklau)

Wiesen-Labkraut

Wiesen-Margerite

Wiesen-Sauerampfer

Wiesen-Schaumkraut

Wilde Malve

Wilder Hopfen

Wunder-Lauch (Berliner Bärlauch)

Zweigriffeliger Weißdorn

Viele tolle Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten für die von Dir gesammelten Wildpflanzen findest Du hier:

www.naturundgartentraeume.com

In welchen Rezepten verwendest Du Deine gesammelten Wildkräuter? Oder vielleicht hast Du für die Verwendung ganz andere Ideen? Schreib mir gern in die Kommentare oder über mein Kontaktformular.

Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal

Eure Nicole