Winterliche Flusslandschaften

Bei einem Fluß ist es nicht möglich zweimal hineinzusteigen in denselben – auch nicht ein sterbliches Wesen zweimal zu berühren und zu fassen im gleichen Zustand – es zerfließt und wieder strömt es zusammen und kommt her und geht fort.

Heraklit (Heraklit von Ephesos war ein vorsokratischer Philosoph aus dem ionischen Ephesos)

Ein Wintermorgen

Verschneit liegt rings die ganze Welt


Verschneit liegt rings die ganze Welt.
Ich hab nichts, was mich freuet.
Verlassen steht ein Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seine Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künftger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Joseph von Eichendorff

(bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er zählt mit etwa fünftausend Vertonungen zu den meistvertonten deutschsprachigen Lyrikern und ist auch als Prosadichter bis heute gegenwärtig)

Eine Geschichte zur Guten Nacht

Der Waldgeist

Es war einmal ein junger Mann namens Casper. Seine Eltern waren gestorben und so lebte er allein in einer kleinen Hütte am Waldrand. Dort hatte er ein warmes Lager und Essen fand er im Wald. Es war nicht viel, aber er war zufrieden damit.


Während eines besonders kalten und harten Winters wurde das Essen knapp. Da sprach er zu sich selbst: „Auf der anderen Seite des Waldes gibt es ein Dorf, da werde ich sicher Arbeit finden und meine schlimmste Not lindern können.“ Casper warf sich die einzige Wolldecke über, die er hatte und steckte seine Axt in den Gürtel. Nachdem er einen ganzen Tag gelaufen war, setzte er sich müde in den Schnee und sprach: „Der Weg ist so weit, den schaffe ich heute nimmermehr. Ich will ein Feuer anzünden, mich wärmen und ausruhen.“


So suchte er trockenes Holz für ein Feuer. Dabei kam er an einen gar wundersamen Baum. Der hatte auch im kalten Winter eine sommerbraune Rinde und kleine Knospen säumten die Zweige. „Ei, wie kann das sein?“, rief Casper aus und ging näher heran, um sich den Baum genauer zu besehen. Dieser war gewaltig, noch viel größer, als der Jüngling je einen gesehen hatte. „Hier will ich mein Nachtlager aufschlagen, der mächtige Stamm wird mir Schutz vor Wind und Wetter bieten.“ Er legte sein Bündel zwischen die Wurzeln und machte sich daran, ein Feuer zu entzünden, um nicht zu frieren.


„Halt!“, rief es gebieterisch aus dem Baum. „Wage es nicht, Feuer an meine Wurzeln zu legen!“
Casper sprang auf und ergriff seine Axt aus Angst, ein Räuber könnte hinter dem Stamme lauern.
„Lege die Axt nieder, niemand wird dir Leid zufügen“, sprach es wieder.
„Wer bist du? Zeige dich!“, rief der junge Mann. „Dann will ich entscheiden, was ich tue.“
„Ich bin der Geist des Waldes. Du bist in mein Herz gedrungen. Was suchst du hier? Willst du mich fällen? Ich verspreche dir, meine Wurzeln werden dich gefangen nehmen, dass du dich nie mehr rühren kannst. Wenn du Feuer an meinen Wurzeln legen willst, so werde ich meine Schwester die Nässe rufen, damit sie dich ertränke.“


„Nichts dergleichen, Geist. Ich suche nur ein Lager für die Nacht. Nie will ich dem Walde etwas zu leide tun.“
„So beweise es!“, raunte der Waldgeist. „Ich will dir drei Aufgaben stellen. Bestehst du sie, will ich dich rasten lassen und dir obendrein die Gabe des Waldes schenken.“
„Das will ich wagen“, sprach Casper und legte seine Axt zum Bündel.
„Bring mir den lebendigsten Zweig des Waldes und lege ihn in meine Wurzeln“, sprach es aus dem Baum heraus.


Der Jüngling ging umher, besah sich die kahlen Bäume, fand aber kein grünes Blatt, schon gar kein lebend Ästlein, wohin er auch blickte. Da ging er zurück und sprach: „Waldgeist, der Wald liegt im Winterschlaf, wo sollte ich da einen lebendigen Zweig finden?“ „Gut“, sprach der Geist. „Du bist klug. Damit ist die erste Aufgabe gelöst. Jetzt suche das gefährlichste Wesen in diesem Wald und bringe es zu mir.“


Und wieder suchte Casper. Er sprach zu sich: „Gefährlich ist so vieles: Bären, Wölfe, Greifvögel. Doch welches ist das wahre Untier? Er ging durch den Schnee, und als er sich einmal umblickte, entdeckte er nichts weiter als seine Fußspuren. Er überlegte, dann lief er zum Waldgeist zurück, neigte das Haupt und sprach: „Geist! Bären und Wölfe sind gewiss wild und gefährlich. Aber sie leben in Frieden mit der Welt. Die größte Gefahr für den Wald steht vor dir. Ich bin es selbst mit meiner Axt.“


„Ja!“, gab der Geist zurück. „So ist es! Die dritte Aufgabe soll dein Herz prüfen. Gehe von hier nach Norden, bis du eine Höhle siehst. Bezwinge die bösartige Bestie darin mit bloßen Händen und kehre zu mir zurück. Dann will ich dich rasten lassen und dir die Gabe des Waldes schenken.

Casper war nicht wohl dabei, doch er folgte dem Befehl des Waldgeists und schritt nach Norden, bis er an eine Höhle gelangte. Als er sie betrat, umfing ihn nichts als Finsternis. Langsam setzte er einen Fuß vor den anderen. Doch kaum war der Jüngling fünf Schritte in die Höhle gegangen, spürte er, wie sich aus den Tiefen etwas näherte.


Plötzlich sah er sich einem Monstrum gegenüber. Doppelt so groß wie er selbst und viermal so breit kam es auf ihn zu, doch ohne jeden Argwohn in den großen, fragenden Augen.
„Der sieht aus wie ein zu groß geratenes Kuscheltier“, ging es dem jungen Mann durch den Kopf und er musste unwillkürlich grinsen. „ Warum sollte ich ihn töten? Nur weil er nicht wunderschön ist? Und als bösartig kann man ihn wohl in keinem Fall bezeichnen.“


Auf einmal erfüllte ein schwaches Leuchten den Raum. Aus der Brust des Monsters löste sich etwas heraus, kleiner noch als eine Hand. Es schwebte auf den Jüngling zu und setzte sich auf dessen Brust. Casper war versucht, es wegzuschlagen, konnte sich jedoch kaum rühren, als er in das liebliche Antlitz einer geflügelten Elfe Blickte. „Du hast ein gutes Herz, Jüngling“, sagte sie. Dann war sie verschwunden und mit ihr das Ungetüm.


Verwirrt lief der junge Mann zum Waldgeist zurück. Was er hier sah, konnte er kaum glauben. Auf einem der unteren Zweige saß die kleine Elfe. Sie lächelte ihm ins Gesicht, schlüpfte geschwind in eine Knospe des Baumes und war abermals verschwunden.
„Nun!“, sprach der Geist. „Du hast Verstand, Mut und ein gutes Herz bewiesen, du bist der Gabe des Waldes würdig.“


Die Knospen des Baumes brachen urplötzlich auf. Mitten im Winterwald stand ein Baum, dessen grüne, prächtig belaubte Krone rauschte, als würde ein Sommerwind hindurch blasen. Ein einzelnes Blatt fiel langsam herab und landete auf der Schulter des Jünglings.


„Dieses Blatt des Lebens sei meine Gabe an dich“, sprach der Waldgeist. „Was immer krank oder verletzt ist, das wird genesen, sobald du es damit berührst!“ Casper bedankte sich herzlich, ruhte aus und wanderte am nächsten Tag weiter zum Dorf. Fortan blieb er dort und heilte alle Kranken. So war er bald als Arzt ein gefragter und reicher Mann, der eines Tages eine Frau heilte, deren Antlitz der Fee sehr ähnelte und schon war er auch der glücklichste Mann auf der ganzen Welt.

Verfasser unbekannt

gefunden auf www.maerchenbasar.de

Naturelove

Man sollte doch glauben, daß die Berührung mit der Natur, diesem unmittelbaren Ausdruck der Schönheit und Güte, alles Böse im menschlichen Herzen verschwinden lassen müsse.

Leo N. Tolstoi (russischer Schriftsteller)

„Diamantenstaub“

So gehört denn auch zu unserem vögelsingenden, blütenschneienden Frühling, wo der Fluß zwischen duftenden Kräutern tanzt und ein Herz im anderen lebt, jener kalte, vom Wind und Schnee durchkreuzte Winter, wo die eisige Luft mir den Atem an den Haaren zu Reif ansetzte, wo ich so wenig wußte, was mich in den Wintersturm hinausjagte, als wo der Wind herkam und wo er hineilte.

Bettina von Arnim (deutsche Schriftstellerin und bedeutende Vertreterin der deutschen Romantik)

Sonnige Wintermärchen

Der Winter ist kommen
verstummt ist der Hain;
nun soll uns im Zimmer
ein Liedchen erfreun.

Das glitzert und flimmert
Und leuchtet so weiß.
Es spiegelt die Sonne
Im blitzblanken Eis.

Wir gleiten darüber
Auf blinkendem Stahl.
Und rodeln und jauchzen
Vom Hügel ins Tal.

Und senkt sich der Abend,
geht’s jubelnd nach Haus
ins trauliche Stübchen
zum Bratapfelschmaus.

Volksgut

Schneebedeckte Winterwelt -Zauberlandschaft- Winterzauber

In den Tiefen des Winters erfuhr ich schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt.   

Albert Camus (französischer Schriftsteller, Philosoph und Religionskritiker)

Winterimpressionen

Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.

Johann Wolfgang von Goethe

(1749 – 1832, gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung)

Spaziergang im Winterwald

Ein Hund entscheidet sich einmal für den Rest seines Lebens.
Er fragt sich nicht, ob er wirklich mit uns alt werden möchte.
Er tut es einfach.
Seine Liebe, wenn wir sie erst verdient haben, ist absolut.


Pablo Picasso (spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer)

Das Buffet ist eröffnet

Wie man ganz leicht Wildvogelfutter selbst herstellen kann und welche Möglichkeiten und Ideen es gibt, um dieses draußen aufzuhängen, statt dem herkömmlichen Vogelhäuschen, habe ich Euch in meinen letzten Beiträgen gezeigt. Nun möchte ich euch natürlich das Ergebnis meines Vogelfutterbuffets nicht vorenthalten und ich bin doch riesig gespannt, wie lange es wohl dauern wird, bis die kleinen Flieger zum Dinner erscheinen. Ich meine dem regen Gezwitscher draußen entnommen zu haben, dass die Botschaft wohl schon ihre Runde macht. 🙂