-Schlehe- Geschichte, Magie…

Geschichte, Magie & Mythologie

Die rötlich braune Rinde der einjährigen Zweige verfärbt sich im nächsten Jahr rußschwarz, worauf der Name Schwarzdorn zurückgeführt werden kann.
Mit ihrem intensiven Flachwurzelsystem und durch die Bildung von Wurzelschösslingen ist die Schlehe in der Lage, sich auf offenen Flächen schnell auszubreiten und wird unter anderem als Pionierart für Rohböden, Materialentnahmestellen, Rutschhänge und Hecken verwendet.

Durch den dichten Wuchs, die Bedornung und ihre Häufigkeit, ist die Schlehe eines unserer wichtigsten Vogelschutzgehölze. Viele Insektenarten, darunter zahlreiche Kleinschmetterlinge und Wanzenarten sind auf die Schlehe spezialisiert.

Wie Funde beweisen, hat der Mensch die Schlehe seit der Steinzeit in seine Nahrung mit einbezogen. Auch heute noch werden aus der Schlehe Gelees, Marmeladen, Most, Weine, Liköre und Schlehengeist zubereitet. Das harte Holz findet für Drechselarbeiten Verwendung. Die Schlehe ist an der Entstehung unserer Kulturpflaumen beteiligt.

Diese wichtige Schmetterlingspflanze ist in der Ökologie Mitteleuropas eine der wichtigsten Wildsträucher für Tiere. Sie ist bedornt und kommt in den Bergen bis etwa 1000 m Seehöhe vor. Die Schlehe wächst normalerweise als Strauch, kann aber auch im Garten als Baum gezogen werden.


Im Mittelalter wurde aus der Rinde Tinte gewonnen. Es wurde auch rote Farbe aus der Rinde hergestellt und sie wurde für die Haltbarkeit von Käse eingesetzt. Schlehenblätter dienten noch dazu als Tabakersatz.

Von den Früchten des Schlehdorns ernähren sich etwa 20 Vogelarten, darunter auch Meisen und Grasmücken. Schlehenhecken bieten speziell Strauchbrütern einen idealen Lebensraum. Diesen nutzt zum Beispiel der selten auftretende Neuntöter. Er spießt an den Dornen der Schlehe seine Beutetiere wie Insekten oder Mäuse auf.

Die Schlehe ist ein Symbol für die hellen und die dunklen Seiten des Lebens, sie vereint Glück und Unglück. Ihr wurde die Kraft zugeschrieben, Wünsche zu erfüllen. Wie ein Märchenbaum leuchtet sie mit ihren weißen Blüten im Frühling als ein Zeichen der Erneuerung und des wiederkehrenden Lebens. Gleichermaßen kündet uns die dunkle Farbe ihrer herben Frucht vom nahenden Winter und öffnet den Weg in die Unterwelt.

Weil sie wild und stachelig ist, wurde der Schlehe starke Schutzwirkung zugeschrieben. Um Höfe und Weiden vor bösen Geistern zu schützen, umpflanzte man sie oft mit Schlehensträuchern. Sie sollten Mensch und Tier vor Blitzschlag, Feuer und Krankheiten bewahren und Wünsche erfüllen. 

Wie schon erwähnt, wurde im Mittelalter aus der Rinde Tinte gewonnen. Dazu musste die Rinde von den Zweigen geklopft und in Wasser eingelegt werden. Nach drei Tagen wurde das Wasser abgegossen, aufgekocht und erneut über die Rinde gegossen. Dieser Vorgang wurde so lange wiederholt, bis die Rinde vollkommen ausgelaugt und alle farbgebenden Substanzen gelöst waren. Danach wurde die Flüssigkeit mit Wein versetzt und eingekocht.

Schon zu Zeiten der Pfahlbauten fand die Schlehe Verwendung bei unseren Vorfahren und ebenso in der arabischen Medizin. Auch Plinius, Dioscurides und Galen haben über sie berichtet und natürlich fehlt die Schlehe in keinem der mittelalterlichen Kräuterbücher.

Hier ein Zitat von Hieronymus Bock (1498 – 1554), der seinerzeit nicht nur Arzt und Theologe, sondern auch Botaniker war:

„Ein wasser gebrannt von Schlehenblüet / unnd das selbe getruncken / ist ein experiment für das stechen an der seiten. Aber vil kräftiger würt das wasser / so man die frische Schlehenblüet ober nacht laßt in gutem starckem Wein beissen … Mit diesem wasser hab ich vil nutz geschaffet / allerhand stechen und drucken umb das herz und magen darmit resoluiert.”… “So man die beere oder der rinden von wurzlen inn wasser oder sauren wein siedet / ein wenig Alaun und Honig dazu thut / dem mund damit auspület / oder gurglet / ist es gut zu den geschwären des mundes / des zanfleisches / des hals und zäpflein.“

Die Schlehe ist nicht geschützt. Sie steht auf keiner Roten Liste in Deutschland. Trotz alledem sollte die Wildsammlung mit großer Vorsicht geschehen, weil dieser Strauch vielen Tieren Nahrung und ein Zuhause bietet. Gesammelt wird immer nur so viel, wie für den eigenen Bedarf verbraucht wird.

Für die Vogelwelt ist der Schlehdorn eine wichtige Nahrungsquelle und auch mancher Vogel baut in diesem Strauch sein Nest oder sucht Schutz in ihm. Ebenso wichtig sind die Blüten für die Insekten. Daher gehört die Schlehe in jeden Naturgarten. Schmetterlinge, Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen beziehen hier ihren Nektar. Die Schlehe beheimatet an die 70 verschiedene Schmetterlinge, die auf ihren Blättern ihre Eiablage tätigen. Auch in einem Fledermausgarten sollte er reichlich gepflanzt werden.

Im phänologischen Kalender ist er eine Zeigerpflanze für den Frühling und Spätherbst. Der Schlehdorn wird seit jeher als Zeigerpflanze auch für die Aussaat genommen. Diese Pflanze spielte im bäuerlichen Aberglauben eine große Rolle, sozusagen als Ernteorakel.

Bauernregeln

„Je eher im April der Schlehdorn blüht, desto früher der Bauer zur Ernte zieht!“

„Wenn der Schlehdorn blüht am Hag, so wird es Frühling auf einen Schlag“

„Um Heu und Korn wird schlimmer es steh´n, Je später wir Blüten am Schlehdorn seh´n.“

„Wenn es viele Schlehen gibt, dann gibt es einen strengen Winter.“

Der Schlehdorn wird bei zunehmendem Mond gepflanzt. Wobei man nicht bei zunehmenden Mond Schlehen pflücken sollte, weil sie dadurch, nach einem alten Glauben, an Heilkraft verlieren.

„Von all den Bäumen die so stolz wachsen,

um England zur Zierde gereichen,

sind doch keine mächtiger unter der Sonne,

als die Eiche, die Esche und der Dorn.“

Aus Puck of Pook’s Hill, by Rudyard Kipling, 1906, Übersetzung Anke Junginger

In der irischen Mythologie wird die Schlehe auch die „alte dunkle Frau der Wälder“ oder „Mutter der Wälder“ genannt. In der keltischen Folklore wird Cailleach (Bedeutung auf Schottisch/Gälisch: alte Frau) als Göttin des Winters sehr oft mit Schlehenzweigen dargestellt.

In Irland glaubt man, dass Mondfeen in Schlehensträuchern leben, sie wachen über die Schlehe und verlassen ihn nur während des Vollmondes, um die Mondgöttin zu huldigen. So wie der Weißdorn ist also auch der Schwarzdorn bei den Feen sehr beliebt. Besonders magisch sind jene Orte, an denen Weißdorn und Schlehe Seite an Seite wachsen.

Die Schlehe umgibt etwas Geheimnisvolles, ihre dunklen verzweigten Äste wirkten wohl schon seit jeher sehr eindrucksvoll auf die Menschen. So entstanden wohl auch die Geschichten, dass das dichte dornige Astwerk rund um Haus und Hof Hexen abhält. Die Schlehe schützt vor Übel und Bösen und sie erfüllt Wünsche, so ist es nicht verwunderlich, dass das Holz der Schlehe angeblich gerne für Zauberstäbe verwendet wurde.

Es heißt in der Mythologie, dass die Schlehe Schutz schenkt und dabei hilft Hindernisse zu überwinden. In irischen Legenden liest man häufig, dass der Gute einen Schlehenzweig hinter sich wirft, aus dem umgehend eine undurchdringliche Hecke wird und er so in Sicherheit ist. Die Schlehe ist ein gutes Omen, dass man erfolgreich ist und Widerstand und Angriffe überwinden wird.

Die Schlehe symbolisiert auch Reinigung, sie kann negative Energie vertreiben.

Räuchern mit der Schlehe

Nach altem Glauben wird in den Rauchnächten vermehrt mit dornigen Schlehenzweigen und dem Holz geräuchert, um Schutz vor der Haustrude zu bekommen. Hierfür benutzte man die Räucherpfanne. Beim Räuchern des Harzes und/oder der Blüten verströmt die Schlehe einen blumigen sowie aromatischen Duft, der anregend, schützend, vitalisierend wirkt. Die Zweige der Schlehe wurden früher zum Schutz vor Kobolden, bösen Geistern und Hexen in der Walpurgisnacht verräuchert.

Ein weiterer Brauch war, in der „Haupttrudennacht“ (St. Otilie, 18. Juli) eine Räuchermischung aus Schlehdornzweigen, Raute und Wacholder zu mischen und dieses „zauberabwehrende“ Räucherwerk zu verräuchern.

Ein Ernteorakel belegt, dass es wichtig war zu wissen, wieviele Tage vor Walpurgis der Schwarzdorn erblüht. Denn soviele Tage vor dem Jakobustag (23.Oktober) wurde dann die Ernte eingeholt.

Magische Eigenschaften

Schützend, fluchbrechend, hexenabwehrend, heilend

Magische Sammelzeit

Zu Lughnasadh

In der Nacht zum 1. August feierten die Kelten das Lichtfest Lughnasadh, denn Beginn der Erntezeit und des Herbstes. Gesprochen wird das Fest Luu-a-sah und hat zu Deutsch die poetische Bedeutung „Hochzeit des Lichts“. In der keltischen Mythologie geht das Fest Lughnasadh auf den Sonnengott und Gott des Lichts Lugh zurück. Dieser huldigte damit den Taten seiner Ziehmutter Tailtiu, die in der Mythologie der Kelten als Fruchtbarkeitsgöttin und Erdmutter verehrt wurde.

Element

Feuer

Signatur

Die Schlehe wird aufgrund ihrer Dornen dem Planeten Mars zugeordnet. Marssignaturen sind auch als Schutzsignaturen zu verstehen. Man nutzt sie generell zur Entgiftung und Energetisierung bei Kraftlosigkeit und zur Steigerung der Abwehrkräfte. Weitere Indikationen sind Angstzustände und Willensschwäche.

Sie verbindet Empfindlichkeit und Schutzhaftigkeit und kann sensiblen Menschen helfen, sich zu schützen und abzugrenzen.

Schwarzdorn gehört zu den Hexenbäumen schlechthin. Er symbolisiert den Übergang zwischen Diesseits und Jenseits, die Schwelle, die Grenze zur Anderswelt, der Zaun, auf der die Hagzussa reitet. Mit dem Gewirr seiner schwarzen Äste steht er auch für die schwarze Winter- und Todesgöttin, um sich dann im mit seinen zarten weißen Blüten in ein Symbol für die weiße jungfräuliche Frühlingsgöttin zu verwandeln.

Die Dornen spielen auch die größte Rolle in Volksglauben und –Brauchtum: Nach einer schwäbischen Legende soll die Dornenkrone Christi aus dem Holz der Schlehe gemacht gewesen sein, daher – so die Legende – schlüge nicht einmal der Blitz in den Baum, um nicht in Kontakt zur unheiligen Pflanze zu kommen und man sei daher bei Gewittern unter ihr sicher. In einer Variation dieser Legende aus Posen wird die Schlehe vom Kreuzdorn verdächtigt das Holz für die Dornenkrone geliefert zu haben, doch Gott wusste um ihre Unschuld und überschüttete die Pflanze über Nacht mit tausenden weißer Blüten als Zeichen ihrer Unschuld.

Sogar der große Karl May (1842 – 1912) schrieb einst ein Gedicht über die Schlehe.

Segen

Der Schlehdorn steht in Blüten,
nun da ich scheiden muß.
Die Schwalbe aus dem Süden
bringt mir den Abschiedsgruß.

Der Schlehdorn steht in Blüten;
so blühst, mein Kind, auch du.
Brich sie für mich, den Müden,
deck mich mit ihnen zu.

Der Schlehdorn steht in Blüten;
welch eine süße Last.
Mag dich der Herr behüten,
wenn du mich nicht mehr hast!

Dualistische Religionen haben den Strauch dämonisiert, ihn mit schwarzer Magie belegt und das Holz der Schlehe in den Zeiten der Inquisition bei Verbrennungen auf den Scheiterhaufen benützt. Als das mittelalterliche Morden vorbei war, verlegte man die Schlehe nach Palästina und dort sollte sie als Dornenkrone des Christi gebraucht worden sein. Doch Wissenschaften nehmen an, dass diese Dornenkrone aus dem Holz des stacheligen Christusdorns gefertigt gewesen ist, oder aus dem Zwergstrauch der Becherblume, die heute noch dort wächst.

Die Pflanze besitzt also beides: Positive und negative Aspekte.
Im keltisch geprägten Britannien wird die Schlehe mit Krieg, Verletzung und Tod in Verbindung gebracht. Sie ist der Baum der Fee Morgana, wird der Göttin des Todes und dem Winter zugeordnet. Die ersten Schlehenblüten ins Haus gebracht bringen dem Haus und seinen Bewohnern Unglück. Das englische Wort „strife“ (Streit, Zwist, Unfriede) hängt etymologisch mit dem keltischen Namen der Schlehe „Straif“ zusammen.
Auch im deutschen Brauchtum kann dieser Negativaspekt auftauchen: Einem verachteten Mädchen wird ein Schlehenzweig als „Maie“ gesteckt oder ein solcher auf den Misthaufen gesetzt.

Umgekehrt gewähren die Dornen der Schlehe Schutz: Wie viele Dornensträucher wehren diese Dämonen und negative Energien ab. Weiden und Höfe wurden mit Schlehen umpflanzt. In der Walpurgisnacht werden Schlehenzweige an die Stalltüre genagelt, um das Vieh zu beschützen. Schlehendornen ins Kleid eingenäht, schützen vor Hexen. Auch im Islam ist die Schlehe gegenwärtig: Ein Stock aus dem Holz der Schlehe schützt vor Verhexungen. Ist aber das Vieh bereits verhext, so kann auch hier die Schlehe helfen: Beim Buttern steckt man die Dornen der Schlehe ins Butterfass. Melkt die Hexe die Kuh erneut, so werden ihre Hände wund. Milch, die sich nicht buttern lässt, wird mit einem Schlehenzweig gepeitscht und jeden Schlag spürt die Hexe.

Am Karfreitag vor Sonnenaufgang geht man in den Wald und schneidet von einer Schlehe, die sich nach Osten neigt, unter dreimaligem Abbeten des »Glaubens« ein Stücklein ab. Um den Hals gehängt bewirkt es, dass in die Haut eingedrungene Holzsplitter nicht eitern. Am Agathentag (5. Febr.) holt man um 12 Uhr von einem Schehdorn das »Agathenhölzl«, ein fingerlanges Stück Holz. Es hat die Kraft eine Wunde oder Geschwulst, wenn man darüberstreicht, zu heilen.

Es gab früher den Aberglauben, dass, wenn jemand eine Schlehe umschlug, eine schwangere Frau oder Tier eine Fehlgeburt bekäme. Ebenso dachte man früher in Wales, dass ein Zweig oder Ast einer Schlehe, den man ins Haus brachte, das Unglück und den Tod anziehen würde. Jedoch brachte es Glück, wenn sich daran eine Mistel befand, die daran gewachsen war.

Man stellte Kronen aus den Zweigen her, die man in das Maifeuer geworfen hat, die Asche davon streute man auf die Felder, wodurch die Ernte gut werden sollte.

Man dachte auch, dass die Bäume die Grenzen zwischen dieser Welt und der Geisterwelt bilden würden. Wenn man unter einer Schlehe meditierte, so konnte man mit Geistern kommunizieren, allerdings sollte man dabei ein Schutzamulett aus Schlehenholz tragen, damit man wieder in das Hier und Jetzt zurückkam.

In Irland stellte man Gehstöcke und Knüppeln aus dem knorrigen Holz her, weil es besonders hart und fest ist. Früher waren auch die Zähne an den Rechen oft aus Schlehdornholz.

Aus den Ästen der Schlehe wurden Wünschelruten und Zauberstäbe hergestellt. Diese dienten vor allem zur Kontaktaufnahme mit Erdelementarwesen, die Früchte der Pflanze wurden als Dankopfer für die Naturgeister eingesetzt. Aber auch als Waffe gegen dunkle Wesen wurden die Äste genutzt. So zieht die Schlehe einerseits Andersweltwesen an, kann sie aber auch bannen. Sie ist eine typische Schwellenpflanze. Sie verkörpert die Winter- und Todesgöttin ebenso wie nach Überschreiten dieser Schwelle auch die jungfräuliche weiße Frühlingsgöttin.

 
Schließlich aber steht die Schlehe auch mit der Fruchtbarkeit in Verbindung und stellt damit auch die Rote Göttin dar: Die Blüten der Pflanze wurden als Ernteorakel eingesetzt. Trug der Busch viele Blüten, so werden viele Kinder geboren und es gibt eine gute Weinlese. Das starke Blühen galt als Fruchtbarkeitssymbol, so dass es auch zu vielen unehelichen Geburten kam – vermutlich ein Hinweis auf eine vorchristliche kultisch-sexuelle Nutzung. Homöopathisch wird die Schlehe u.a. bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt

-Schlehe- Merkmale

Schlehe

Botanischer Name: Prunus spinosa

Familie: Rosengewächse (Rosaceae)

Weitere Namen: Schlehdorn (Prunus spinosa), auch Schlehendorn, (Gemeine) Schlehe, Sauerpflaume, Heckendorn, Schwarzdorn, Deutsche Akazie, Haferpflaume, Kietschkepflaumen, Saudorn, Schlaia, Schlechbeeri, Schliehen, Bocksbeerli, Schlingenstrauch, Schlinken, Silen, Sauerpflaume

Merkmale:

Der sommergrüne, sparrige und sehr dornenreiche Schlehdorn wächst als Strauch oder als kleiner, oft mehrstämmiger Baum, der bis zu 40 Jahre alt werden kann (Einzelexemplar bis 60 Jahre). Er erreicht gewöhnlich Wuchshöhen von 3 Meter. In seltenen Fällen können auch Exemplare bis 6 m Höhe beobachtet werden. Da die zahlreichen Kurztriebe beinahe im 90°-Winkel von den Langtrieben abstehen, zeigt die Schlehe ein typisch stark verästeltes Erscheinungsbild. Flach verzweigte, bizarre Krüppelformen entstehen durch Wildverbiss oder auch dauerhaft starke Winde.

Die flachwurzelnde Schlehe besitzt eine sehr dunkle, schwärzliche Rinde, die im fortgeschrittenen Alter in schmale Streifen zerreißt. Die Rinde der Triebe ist rotbraun gefärbt und filzig bis fein behaart, später verkahlen sie. Die Zweige zeigen eine rundliche bis kantige Form und sind mit zahlreichen Kurztrieben besetzt. Die Kurztriebe bilden Dornen aus, die im botanischen Sinne umgewandelte Seitentriebe sind und als eine Anpassungsleistung an Trockenheit gedeutet werden.

Knospen:

Die bräunlichen Knospen der Schlehe sind mit zum Teil unter 1 bis 2 mm sehr klein und halbkugelig. Sie können auch auf Dornen sitzen. Die Seitenknospen sind dicht behaart, oft mit etwas größeren, kugeligen, leicht behaarten Blütenknospen.

Blätter:

Die wechselständigen, bis zu 4 cm großen Blätter sind oberseits dunkelgrün und auf ihrer Unterseite mattgrün. Die Herbstfärbung ist unauffällig fahl-gelb, nur selten gelb-orange.

Die Laubblätter des Schlehdorns stehen an 2 bis 10 Millimeter langen Blattstielen, die leicht behaart sein können, jedoch meist drüsenlos sind. Die Blätter sind wechselständig und häufig büschelig-spiralig angeordnet. Sie fühlen sich relativ weich an. Die Blattspreite entwickelt eine Länge von 2 bis 5 Zentimeter und eine Breite zwischen 1 und 2 Zentimeter. Sie bildet eine verkehrt-eiförmige Form aus, die sich zum Blattgrund hin keilförmig verschmälert und in einer spitzen bis stumpfen Blattspitze ausläuft. Der Blattrand weist eine doppelte, feine Zähnung auf. Junge Blätter bilden an ihrer Blattunterseite zunächst eine flaumige Behaarung aus, verkahlen in der Folge und zeigen dann eine mittelgrüne Färbung. Die Blattoberseite ist unbehaart und von dunkelgrüner Farbe. Linealische, am Rand gezähnte Nebenblätter überragen gewöhnlich den Blattstiel.

Blüten:

Die Blütezeit erstreckt sich, je nach Höhenlage von März bis April. Die zahlreichen duftenden Blüten sind eine zeitige Bienenweide. Im Frühjahr stehen die mehrjährigen, schwarzen Zweige im großen Kontrast zu den weißen Blüten, die vor den Blättern erscheinen.

Die weißen Blüten des Schlehdorns erscheinen im März und April – lange vor dem Laubaustrieb. Dadurch lässt sich die Schlehe in diesem Zeitraum leicht vom Weißdorn unterscheiden, dessen Blüten erst nach den Blättern gebildet werden. Die an kurzen, starr abstehenden, meist kahlen Blütenstielen stehenden Blüten sind radiärsymmetrisch, fünfzählig und zwittrig. Ihr Durchmesser beträgt etwa 1,5 cm. Sie bilden sich an den verdornten Kurztrieben und stehen dort sehr dicht einzeln oder zu je zwei aneinander. Charakteristisch ist ihr leichter Mandelduft.

Früchte/Samen:

Die Schlehe bildet knapp kirschgroße, schwarzblaue, hellbereifte und herb-saure Früchte aus, die erst nach einigen Frösten genießbar werden. Sie bieten zahlreichen Säugetier- und Vogelarten Nahrung, bleiben aber auch oft den Winter über am Gehölz hängen.

An einem aufrechten Fruchtstiel entwickelt sich eine kugelige bis schwach ellipsoide, gefurchte Steinfrucht mit einem Durchmesser von 6 bis 18 mm. Sie ist blauschwarz bereift, eine Behaarung wird nicht ausgebildet. Das grüne Fruchtfleisch löst sich nicht vom Steinkern. Der mehr oder weniger doppelspitzige Steinkern besitzt eine kugelig- bis linsenförmige Gestalt. Das Fruchtfleisch ist zunächst sehr sauer und herb – erst nach Frosteinwirkung wird es schmackhafter. Die Fruchtreifeerfolgt ab Oktober bis November.

Die Schlehe ist vielen als wilder und undurchdringlicher Strauch bekannt, doch die Wenigsten wissen von ihren vielseitigen Heilkräften. Nicht nur für uns Menschen ist die Schlehe eine wertvolle Pflanze, auch für viele Tiere wie Igel, Haselmaus und eine Menge Vögel ist Schwarzdorn mit seinem dichten, dornigen Gestrüpp ein wichtiger Schutz- und Rückzugsort vor Fraßfeinden. Im frühen Frühjahr zur Blüte ist er eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge.

Standort/Vorkommen:

Der Schlehdorn gehört zu den Wurzelkriechpionieren. Die weit streichenden Wurzeln treiben Schösslinge, so dass sich oftmals dichte Schlehenhecken bilden. Wenn er einmal etabliert ist, können durch die Wurzelbrut undurchdringliche Gestrüppe entstehen. Auf Pionierstandorten, wie zum Beispiel Trockenhängen, verdrängt er schnell die dort angesiedelte krautige Vegetation. Ökologisch betrachtet stellt der Schlehdorn für die Erhaltung solch wertvoller und geschützter Biotope eine Problemart dar.

An Standorten, die von extremer Trockenheit geprägt sind, wie beispielsweise Steinhalden, wächst die Schlehe oft langsam und bildet eine krüppelige Gestalt aus. Hier kann sie für Tiere und andere Pflanzen eine Schutzfunktion ausüben.

Der Schlehdorn bevorzugt sonnige Standorte an Weg- und Waldrändern und felsigen Hängen oder in Gebüschen, bei eher kalkhaltigen, oft auch steinigen Böden. Er ist auch als Heckenpflanze weit verbreitet. Man findet ihn häufig in Gesellschaft von Wacholder, Berberitze, Haselnuss, Wildrosen und Weißdornarten. Auf den Dünen an der Ostsee ist er oft mit Weiden vergesellschaftet. Der Schlehdorn besiedelt geeignete Standorte von der Ebene bis in Höhenlagen von 1400 m.

Schlehengesellschaften gelten als Bindeglied in der Sukzession zum Hainbuchen,- Buchen- oder Eichenwald.

Bereits in der Steinzeit wurden in Mitteleuropa Schlehenfrüchte gesammelt. Hiervon zeugen Pflanzenreste in Kugelamphoren-Keramik oder Abdrücke der Kerne an neolithischen Tongefäßen.

Man ordnet den Schlehdorn dem eurasischen Florenelement zu. Zahlreiche Funde von Schlehenkernen in neolithischen Feuchtbodensiedlungen zeigen, dass er spätestens während der Jungsteinzeit nach Mitteleuropa eingewandert ist. Im Pfahlbaudorf Sipplingen am Bodensee (Schicht 11, dendrochronologisch um 3300 v. Chr. datiert) gibt es durchlochte Schlehenkerne, die offenbar als Kette getragen wurden.

Die Heimat des Schlehdorns erstreckt sich über Europa, Vorderasien bis zum Kaukasus und Nordafrika. In Nordamerika und Neuseeland gilt er als eingebürgert. Im hohen Norden und auf Island sind keine Bestände belegt. Er vermehrt sich durch Aussaat und durch Wurzelausschläge.

Das Gänseblümchen- Kräutermärchen

Das Gänseblümchen

Ein Märchen von Hans Christian Andersen

Nun hör einmal zu!

Draußen auf dem Lande, dicht am Weg, lag ein Landhaus; du hast es gewiss selbst einmal gesehen. Davor ist ein kleiner Garten mit Blumen und einem Staketenzaun, der gestrichen ist. Dicht dabei am Graben, mitten in dem schönsten grünen Gras, wuchs ein Gänseblümchen; die Sonne beschien es ebenso warm und schön wie die großen herrlichen Prachtblumen im Garten, und deshalb wuchs es von Stunde zu Stunde. Eines Morgens stand es mit seinen kleinen, leuchtendweißen Blättern, die wie Strahlen rings um die kleine gelbe Sonne in der Mitte sitzen, ganz entfaltet da. Es dachte gar nicht daran, dass es kein Mensch dort im Gras sähe und dass es ein armes, verachtetes Blümchen sei; nein, es war so vergnügt, es wandte sich der warmen Sonne gerade entgegen, sah zu ihr auf und horchte auf die Lerche, die in der Luft sang.

Das Gänseblümchen war so glücklich, als ob es ein großer Festtag wäre, und es war doch nur ein Montag. Alle Kinder waren in der Schule; während sie auf ihren Bänken saßen und etwas lernten, saß es auf seinem kleinen grünen Stiel und lernte auch von der warmen Sonne und allem ringsumher, wie gut Gott ist; und es gefiel ihm recht, dass die kleine Lerche alles, was es in der Stille fühlte, so deutlich und schön sang. Und das Gänseblümchen sah mit einer Art Ehrfurcht zu dem glücklichen Vogel auf, der singen und fliegen konnte, aber es war gar nicht betrübt, dass es das selbst nicht konnte. „Ich sehe und höre ja! „dachte es, „die Sonne bescheint mich, und der Wind küsst mich! Oh, wie reich bin ich doch beschenkt worden! „

Innerhalb des Staketenzaunes standen so viele steife, vornehme Blumen, je weniger Duft sie hatten, umso mehr prunkten sie. Die Päonien bliesen sich auf, um größer als eine Rose zu sein; aber die Größe allein macht es nicht! Die Tulpen hatten die allerschönsten Farben, und das wussten sie wohl und hielten sich kerzengerade, damit man sie besser sehen möchte. Sie beachteten das Gänseblümchen da draußen gar nicht, aber das sah desto mehr nach ihnen und dachte: „Wie sind sie reich und schön! Ja, zu ihnen fliegt gewiss der prächtige Vogel und besucht sie! Gott sei Dank, dass ich so nahe dabeistehe, so kann ich doch die Pracht auch sehen! „Und gerade als es das dachte, quivit! da kam die Lerche geflogen, aber nicht zu den Päonien und Tulpen – nein, ins Gras zu dem armen Gänseblümchen. Es erschrak vor lauter Freude, dass es gar nicht wusste, was es denken sollte.

Der kleine Vogel tanzte rings um das Gänseblümchen herum und sang: „Nein, wie weich ist doch das Gras! Und sieh, welch ein süßes Blümchen mit Gold im Herzen und Silber auf dem Kleid! „Der gelbe Punkt im Gänseblümchen sah ja auch aus wie Gold, und die kleinen Blätter ringsherum waren glänzend weiß.

Wie glücklich das Gänseblümchen war – nein, das kann niemand begreifen! Der Vogel küsste es mit seinem Schnabel, sang ihm vor und flog dann wieder in die blaue Luft hinauf. Es dauerte sicher eine ganze Viertelstunde, bevor das Blümchen sich erholen konnte. Halb verschämt und doch innig erfreut sah es nach den anderen Blumen im Garten. Sie hatten ja die Ehre und Glückseligkeit gesehen, die ihm widerfahren war, sie mussten ja begreifen, welche Freude es war. Aber die Tulpen standen noch einmal so steif wie vorher, und dann waren sie so spitz im Gesicht und so rot, denn sie hatten sich geärgert. Die Päonien waren ganz dickköpfig, buh! es war gut, dass sie nicht sprechen konnten, sonst hätte das Gänseblümchen eine ordentliche Zurechtweisung bekommen.

Das arme Blümchen konnte wohl sehen, dass sie nicht bei guter Laune waren, und das tat ihm herzlich leid. Zur selben Zeit kam ein Mädchen mit einem großen scharfen und glänzenden Messer in den Garten; es ging gerade zu den Tulpen und schnitt eine nach der andern ab. „Uh! „seufzte das Gänseblümchen, „das ist ja schrecklich; nun ist es vorbei mit ihnen! „Dann ging das Mädchen mit den Tulpen fort. Das Gänseblümchen war froh darüber, dass es draußen im Gras stand und ein kleines, armes Blümchen war. Es fühlte sich so dankbar, und als die Sonne unterging, faltete es seine Blätter, schlief ein und träumte die ganze Nacht von der Sonne und dem kleinen Vogel.

Am nächsten Morgen, als das Blümchen wieder glücklich all seine weißen Blätter wie kleine Arme gegen Luft und Licht ausstreckte, erkannte es die Stimme des Vogels, aber es war so traurig, was er sang. Ja, die arme Lerche hatte guten Grund dazu, sie war gefangen worden und saß nun in einem Bauer, dicht am offenen Fenster. Sie sang davon, frei und glücklich umherzufliegen, sang von dem jungen, grünen Korn auf dem Feld und von der herrlichen Reise, die sie mit ihren Flügeln hoch in die Luft hinauf machen konnte. Der arme Vogel war nicht bei guter Laune, gefangen saß er da im Bauer.

Das Gänseblümchen wollte so gern helfen, aber wie sollte es das anfangen? Ja, das war schwer zu finden. Es vergaß ganz und gar, wie schön alles ringsumher stand, wie warm die Sonne schien und wie prächtig weiß seine Blätter aussahen. Ach, es konnte nur an den gefangenen Vogel denken, für den es gar nichts tun konnte.

Dar kamen zwei kleine Knaben aus dem Garten, der eine trug ein Messer in der Hand, groß und scharf wie das, welches das Mädchen hatte, um die Tulpen abzuschneiden. Sie gingen gerade auf das Gänseblümchen zu, dass gar nicht begreifen konnte, was sie wollten.

„Hier können wir ein herrliches Rasenstück für die Lerche ausschneiden! „sagte der eine Knabe und begann ein Viereck einzuschneiden, so dass das Gänseblümchen mitten in dem Rasenstück stand.

„Reiß das Blümchen ab! „sagte der andere Knabe, und das Gänseblümchen zitterte vor Angst, denn abgerissen zu werden hieße ja das Leben verlieren; und nun wollte es so gern leben, weil es mit dem Rasenstück zu der gefangenen Lerche in das Bauer sollte. „Nein, lass es stehen! „sagte der andere Knabe, „es schmückt so hübsch! „Und so blieb es stehen und kam mit in das Bauer zur Lerche.

Aber der arme Vogel klagte laut über seine verlorene Freiheit und schlug mit den Flügeln gegen den Eisendraht im Bauer. Das Gänseblümchen konnte nicht sprechen, kein tröstendes Wort sagen, so gern es auch wollte.

So verging der ganze Vormittag.

„Hier ist kein Wasser! „sagte die gefangene Lerche. „Sie sind alle ausgegangen und haben vergessen, mir einen Tropfen zu trinken zu geben. Mein Hals ist trocken und brennt! Es ist wie Feuer und Frost in mir, und die Luft ist so schwer! Ach, ich muss sterben, scheiden vom warmen Sonnenschein, vom frischen Grün, von all der Herrlichkeit, die Gott geschaffen hat! „Und dann bohrte sie ihren kleinen Schnabel in das kühle Rasenstück, um sich daran ein wenig zu erfrischen. Da fiel ihr Blick auf das Gänseblümchen, und der Vogel nickte ihm zu, küsste es mit dem Schnabel und sagte: „Du musst hier drinnen auch vertrocknen, du armes Blümchen! Dich und den kleinen Flecken mit grünem Gras hat man mir für die ganze Welt gegeben, die ich draußen hatte! Jeder kleine Grashalm soll mir ein grüner Baum, jedes deiner weißen Blätter eine duftende Blume sein! Ach, ihr erzählt mir nur, wie viel ich verloren habe! „

„Wer sie doch trösten könnte!“ dachte das Gänseblümchen, aber es konnte kein Blatt bewegen; doch der Duft, der den feinen Blättern entströmte, war viel stärker, als man ihn sonst bei diesen Blümchen findet. Das bemerkte der Vogel auch, und obwohl er vor Durst verschmachtete und in seinem Schmerz die grünen Grashalme abriss, rührte er doch das Blümchen nicht an.

Es wurde Abend, und noch kam niemand, der dem armen Vogel einen Wassertropfen brachte. Da streckte er seine hübschen Flügel aus und schüttelte sie krampfhaft, sein Gesang war ein wehmütiges Piep-piep, der kleine Kopf neigte sich dem Blümchen entgegen, und des Vogels Herz brach aus Mangel und Sehnsucht. Da konnte das Blümchen nicht wie am Abend vorher seine Blätter zusammenfalten und schlafen, es hing krank und traurig zur Erde nieder.

Erst am nächsten Morgen kamen die Knaben, und als sie den Vogel tot erblickten, weinten sie, weinten viele Tränen und gruben ihm ein niedliches Grab, das mit Blumenblättern geschmückt wurde. Die Leiche des Vogels kam in eine schöne rote Schachtel; königlich sollte er bestattet werden, der arme Vogel! Als er lebte und sang, vergaßen sie ihn, ließen ihn im Bauer sitzen und Mangel leiden; nun bekam er Schmuck und viele Tränen.

Aber das Rasenstück mit dem Gänseblümchen wurde in den Staub der Landstraße hinausgeworfen. Keiner dachte an das Gänseblümchen, das doch am meisten für den kleinen Vogel gefühlt hatte und das ihn so gern trösten wollte.

-Gänseblümchen- Kulinarisch

Verwendung in der Küche:

Das Gänseblümchen kann vielfältig in der Küche verwendet werden. Beliebt sind die frischen Blütenköpfchen vor allem in Salat. Natürlich kann man weitere Blüten dazugeben, wie z.B. Kapuzinerkresse, Schnittlauchs oder wilde Stiefmütterchen Blüten. Nicht nur die Blüten dienen als Salat. Auch die jungen Gänseblümchenblätter wurden gerne genommen. Aus dem ganzen, von der Wurzel befreiten Kraut kann man eine Frühjahressuppe zubereiten.

Rezepte:

Die Blütenköpfchen des Gänseblümchens werden, wenn sie noch geschlossen sind, gern als Kapernersatz verwendet.

Gänseblümchenkapern

Dazu lässt man 200g Gänseblümchenknospen in 300ml Estragonessig und einer Prise Salz kurz aufkochen und füllt sie dann in warme gut verschlossene Gläser.
Nach 14 Tagen kann man die so erhaltenen Gänseblümchenkapern verwenden.

Neun- Kräutersuppe mit Gänseblümchen

Zutaten:

je eine Handvoll:

Gundermann,
Brennnesseln,
Giersch,
Gänseblümchen,
Löwenzahn,
Taubnessel,
Vogelmiere,
Bärlauch,
Wegerich – z.B. Spitzwegerich oder Breitwegerich

(wenn eins dieser Kräuter bei dir nicht wächst, kannst du auch Huflattich oder Frauenmantel hinzunehmen)

1 Liter kalte Gemüsebrühe
1 Zwiebel
2 EL Öl
1 EL Mehl
optional Sahne

Zubereitung:

Ein paar Gänseblümchenköpfe beiseite legen, Zwiebel klein schneiden, Öl in einem Topf erhitzen und Zwiebeln kurz andünsten.

Mehl dazugeben und mit Gemüsebrühe angießen, gut durchrühren und die klein gehackten Kräuter hinzugeben.

Unter Rühren aufkochen und 5 Minuten kochen lassen. Wer möchte kann das Ganze mit einem Pürierstab fein pürieren und nach Geschmack mit Salz, Pfeffer und Sahne abschmecken.

Die fertige Suppe mit Gänseblümchenköpfen verzieren und mit frischem Brot servieren.

Frühlingsquark mit Gänseblümchen

Zutaten:

1 Zwiebel
500 g Speisequark
1 Handvoll Brennnesselblätter
1 Handvoll Gänseblümchenblätter
2-3 Sauerampferblätter
1 Handvoll Gänseblümchenblüten
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Die Zwiebel in feine Würfel schneiden. Die Kräuter ebenfalls fein hacken und mit den Zwiebeln und dem Quark vermischen. Nach Belieben mit Salz und Pfeffer würzen und mit den Gänseblümchen garnieren.

Pikantes Gänseblümchengemüse

Kann beispielsweise als würzige Beilage zu Kartoffeln mit Spiegelei, zu Reis oder mit Pasta serviert werden.

Zutaten:

etwas Olivenöl
200 g Blätter und Blüten vom Gänseblümchen
1 Zwiebel gehackt
200 g gewürfelter Speck oder Räuchertofu
1/2 Tasse Brühe
100 ml Sahne
Weißwein, Muskatnuss, Zucker, Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Zwiebeln und Speck/Tofu in Olivenöl andünsten. Die Blätter vom Gänseblümchen waschen, abtropfen lassen, fein hacken und hinzugeben.

Mit ein wenig Weißwein ablöschen, dann mit Brühe und Sahne aufgießen und bei mittlerer Hitze einige Minuten einkochen lassen

Mit etwas Muskat, Zucker, Salz und Pfeffer abschmecken und vor dem Servieren die Blüten darüber geben.

Frühlingssalat mit Gänseblümchen:

Zutaten:

1 Handvoll Löwenzahn
1 Handvoll Giersch
1 Handvoll Spitzwegerich
1 Handvoll Wilde Rauke
1 Bund Radieschen
1 Handvoll Gänseblümchenblüten
1 Handvoll Gänseblümchenblätter
1 Handvoll Schnittlauch
Olivenöl
Apfelessig
Apfelsaft
Senf
Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Kräuter putzen, abbrausen, trocken schleudern und in Stücke zupfen. Schnittlauch abbrausen, trocken schütteln und in feine Röllchen schneiden. Die Radieschen putzen, waschen und in Scheiben schneiden.

Salat und Radieschen in einer Schüssel locker mischen. Olivenöl, Apfelessig, Apfelsaft, Senf, Salz, Pfeffer in ein Schraubglas geben und gut schütteln. Das Dressing über den Salat träufeln.

Zum Schluss die Gänseblümchen von den Stängeln zupfen und mit dem Schnittlauch über den Salat geben.

– Gänseblümchen- In der Volksmedizin

Verwendung in der Heilkunde:

Verwendete Pflanzenteile:

die Blätter, die geschlossenen Blütenknospen und auch die geöffneten Blütenköpfchen

Inhaltsstoffe:

ätherische Öle, Bitterstoffe, Eisen, Flavonoide, Gerbstoffe, Inulin, Kalium, Kalzium, Magnesium, Saponine, Schleimstoffe, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E (Tocopherol)

Eigenschaften:

adstringierend, blutreinigend, krampflösend, schleimlösend, schmerzstillend, stoffwechselanregend, verdauungsanregend

Anwendungsgebiete:

Arterienverkalkung, Bronchitis, Ekzeme, Erkältungen, Fieber, Frühjahrsmüdigkeit, Gebärmutterprobleme, Hämorrhoiden, Hautentzündungen, Hautprobleme, Husten, Insektenstiche, Leberschwäche, Lippenherpes, Pickel, Wunden, Zahnfleischentzündungen

Heilwirkung:

Die Volksmedizin kennt das Gänseblümchen zur Blutreinigung, zur Stoffwechsel- und Appetitanregung, als Magen-, Galle- und Lebermittel. Es wirkt nicht nur bei Leberbeschwerden, sondern vor allem auch bei Hauterkrankungen. Diese enge Beziehung des Gänseblümchens zur Haut ist besonders hervorzuheben. Als Wundheilmittel steht Bellis so bekannten Korbblütlern wie Arnika, Calendula, Kamille und Schafgarbe in nichts nach. Mit seinem wundheilenden und hautreinigenden Saft wird es in der Volksheilkunde gerne bei Verletzungen mit stärkerem Hautdefekt, bei Quetschungen, Verstauchungen und Verrenkungen angewandt.

Bei Kindern stoppt es als Wiesenpflaster alle Tränen. Auch Kräuterpfarrer Künzle wusste um die besondere Wirkung dieser Kinderpflanze. Er empfahl das Gänseblümchen jeder Kinderteemischung beizufügen.

Auf keinen Fall darf das Gänseblümchen, genauso wie die Brennnessel, in der Neunkräutersuppe bzw. der Gründonnerstagssuppe fehlen. Mit dieser traditionellen Frühjahrsspeise können wir unseren Körper von den angesammelten Schlacken des Winters befreien.

Das Gänseblümchen ist reich an Vitamin A und Vitamin C sowie an den Mineralstoffen Magnesium, Eisen und Calcium. Durch die blutreinigende, entgiftende und stoffwechselanregende Wirkung ist die Blume ein idealer Begleiter während einer entschlackenden Frühjahrskur und lindert zudem Frühjahrsmüdigkeit. Mit ihren schmerzstillenden, antiseptischen und schleimlösenden Inhaltsstoffen hilft sie außerdem bei Erkältungsbeschwerden wie Halsschmerzen, Husten und Fieber. Äußerlich angewendet, lindern Gänseblümchen Hautunreinheiten und Akne und können sogar bei Neurodermitis und Herpes unterstützend eingesetzt werden. Die enthaltenen Gerb- und Bitterstoffe mindern zudem die Anfälligkeit für Bakterien, Pilze und Trockenheit und machen die Haut geschmeidig.

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Gänseblümchens kann man sich auf unterschiedliche Weise zunutze machen – als heilkräftigen Tee, desinfizierende Tinktur, entzündungshemmende und schmerzlindernde Mundspülung und indem man die zarten Gänseblümchenblüten und auch die Blätter in deinen Speiseplan integriert.

Das Gänseblümchen soll bei Magen-Darm-Problemen ebenso helfen wie bei gedrückter Stimmung. Grund genug also, Gänseblümchen zu konservieren. Eine Möglichkeit dafür ist, einen Sirup aus Gänseblümchen herzustellen.

Gänseblümchensirup:

100 g Gänseblümchen

500g Zucker

500 ml Wasser

evtl. 1 Bio-Zitrone

Die Gänseblümchen am besten an einem sonnigen Tag pflücken und sofort verarbeiten. Wenn man die Gänseblümchen gepflückt hat, legt man sie noch für eine halbe Stunde in den Schatten, so dass Krabbeltiere entfleuchen können.

Nun das Wasser zum Kochen bringen, die Blüten in einen Topf füllen und mit Wasser übergießen. Diese Mischung nun für mindestens 12 Stunden ziehen lassen, am besten über Nacht.

Jetzt kann man die Mischung abseihen und den Rohrzucker hinzugeben. Wer möchte gibt noch etwas Zitronensaft und Abrieb einer Zitrone hinzu. Wenn sich der Zucker aufgelöst hat, füllst du den Sirup in Fläschchen. Beschriften und dunkel lagern.

Man kann auch einen dickeren Sirup aus Gänseblümchen herstellen: Dafür schichtet man einfach abwechselnd Gänseblümchen und Zucker in ein Glas und stellt es auf eine sonnige Fensterbank. Wenn sich der Zucker komplett verflüssigt hat, kann man den Sirup abseihen und in ein Fläschen füllen.

Gänseblümchenöl:

Ein Ölauszug mit Gänseblümchen hilft, bei kleinen Verletzungen die Schmerzen zu lindern, und fördert die Wundheilung. Eine Massage mit dem Öl macht die Haut zudem weich und geschmeidig und hilft, Schwangerschaftsstreifen vorzubeugen. Hierfür massiert man die für Dehnungsstreifen anfälligen Stellen regelmäßig mit dem Ölauszug, vorzugsweise wenn die Haut nach dem Duschen noch nass ist.

1 große Handvoll frische Gänseblümchenblüten

100 ml Pflanzenöl

Die Blüten bevorzugt am späten Vormittag sammeln, wenn der Morgentau bereits abgetrocknet ist. Es empfiehlt sich, die Blüten zunächst auf einer Unterlage auszubreiten und noch etwas antrocknen zu lassen, um ihren Wassergehalt weiter zu reduzieren und so einer Vermehrung der Botulismus-Erreger vorzubeugen. Auch kleine Tierchen haben so noch die Möglichkeit zu fliehen. Die Blüten in ein desinfiziertes Schraubglas geben und mit Pflanzenöl auffüllen. Das Glas in einen Topf stellen, den Topf einige Zentimeter mit Wasser füllen und bei geringer Temperatur erhitzen. Das Wasser sollte dabei nicht wärmer als 40 °C werden. Für 90 Minuten bei dieser Temperatur ziehen lassen. Das Glas aus dem Wasserbad nehmen, abkühlen lassen, verschließen und weitere zwei Tage ziehen lassen. Das fertige Öl durch ein Mulltuch oder einen Kaffeefilter in eine Flasche abseihen.

Noch schonender werden die Inhaltsstoffe ohne Erhitzen aus den Gänseblümchen gelöst. Dafür werden die Blüten zusammen mit dem Öl im verschlossenen Schraubglas drei Wochen lang ziehen gelassen. Zwischendurch das Glas regelmäßig schütteln, damit sich die Wirkstoffe besser lösen und um Schimmelbildung vorzubeugen.

Aus diesem Ölauszug lässt sich auch eine heilkräftige Gänseblümchensalbe herstellen.

Eine Salbe ist die beste Möglichkeit, heilende Pflanzenwirkstoffe und die pflegenden Eigenschaften von Ölen in eine gut dosierbare Form zu bringen. Die halbfeste, streichfähige Masse kann hervorragend zum Eincremen der Haut verwendet werden. Eine Salbe mit Gänseblümchen wirkt entzündungshemmend und wundheilend. Sie nährt die Haut mit Vitamin A, C und E und schützt sie mit Saponinen und Flavonoiden.

Du kannst die Salbe der kleinen Wiesenblume auf Wunden und Schnitte auftragen oder auch blaue Flecken damit behandeln. Regelmäßig angewandt hilft sie gegen Pigment- und Altersflecken und in der Stillzeit gegen wunde Brustwarzen. Das Beste aber an der Gänseblümchensalbe ist, du kannst sie – im Gegensatz zu teuren Wund- und Heilsalben aus der Apotheke – ganz leicht selbst herstellen.

Gänseblümchensalbe:

100 ml Gänseblümchenöl
5 g Bienenwachs (vom Imker in deiner Nähe oder online)
10 g Lanolin
optional: ein paar Tropfen ätherisches Öl

Alle Zutaten sorgsam abmessen.

Gänseblümchenöl, Bienenwachs und Lanolin in ein feuerfestes Glas geben und im Wasserbad vorsichtig bei mittlerer Hitze erwärmen.

Wenn das Wachs fast geschmolzen ist, mit einem Stäbchen umrühren.

Ein paar Tropfen auf einem Teller erkalten lassen und die Konsistenz prüfen. Wenn die Salbe dir noch nicht fest genug ist, gib noch etwas mehr Wachs hinzu. Wenn sie zu fest ist, etwas Öl und teste dann erneut.

Die Mischung in die desinfizierten Salbentiegel gießen und abkühlen lassen.

Beim Erkalten optional ein paar Tropfen ätherische Öle hinzugeben und mit einem Stäbchen rühren. Die Gefäße beschriften und mit Herstellungsdatum und Inhaltsstoffen versehen, um einem späteren Rätselraten vorzubeugen.

Kühl und dunkel gelagert ist die Gänseblümchensalbe mehrere Monate haltbar.

Gänseblümchentinktur

Um eine Gänseblümchen-Tinktur selbst herzustellen, übergießt man Gänseblümchen in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen für 2 bis 6 Wochen ziehen. Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.

Von dieser Tinktur nimmt man ein bis drei Mal täglich 10-50 Tropfen ein. Man kann sie auch äußerlich für Einreibungen gegen Quetschungen und Verrenkungen anwenden. Wenn einem die Tinktur zu konzentriert ist, kann man sie mit Wasser verdünnen.

-Gänseblümchen- Geschichte, Magie…

Geschichte, Magie & Mythologie

Gänseblümchen gibt es schon seit Tausenden von Jahren, mit dem Beweis, dass sie von den alten Ägyptern bereits 2.200 v. Chr. Zur Verwendung in pflanzlichen Heilmitteln angebaut wurden. Es gibt Steinschnitzereien, die Gänseblümchen aus dem Jahr 3000 v. Chr. darstellen.

So klein und unscheinbar das Gänseblümchen auch sein mag, so hat es doch schon bei unseren Ahnen eine so enorme Bedeutung gehabt, dass es ihnen heilig war. Im Mittelalter schon stand das Gänseblümchen für Reinheit und Unschuld und auch bei den Germanischen Stämmen verkündete der sich im Frühjahr öffnende Blütenkelch die Anwesenheit des Sonnengottes Baldur. Dieser Vergleich ist nachvollziehbar, da das Gänseblümchen die Blüte immer nach der Sonne ausrichtet.

Nachts und bei trübem Wetter hält es sein Köpfchen geschlossen, aber sobald die ersten Sonnenstrahlen es bescheinen, wendet es sich der Sonne zu. So ist es dann schon von weitem auf den Wiesen zu erkennen und die alten Germanen verglichen es mit dem Leuchten der Augen Baldurs. Wo Baldur weilt, beschert er allen Lebewesen Freude und Lebensenergie. Alle Korbblütler, die in der Mitte eine gelbe Scheibe und außen weiße Blüten besitzen, wurden als die Augen Baldurs bezeichnet. So wurde das Gänseblümchen im nebligen und oft verregneten England besonders verehrt. Dort heißt sie auch heute noch „Day’s Eye“ (Auge des Tages) oder kurz Daisy.

Einer altrömischen Sage von Vertumnus nach, (Er galt als Gott der Wandlung und Veränderung. Die Jahreszeiten fielen in seinen Zuständigkeitsbereich ebenso wie die menschlichen Launen.) sah dieser das schöne Mädchen Belida und in ihm loderte unkeusche Begierde auf. So versuchte er die Liebliche an sich zu reißen und um ihm zu entkommen, ließ sich Belidas auf die Erde fallen und verwandelte sich in ein Gänseblümchen. In Italien werden deshalb die Gänseblümchen immer noch Bellide genannt, in Erinnerung an diese Nymphe.

Das Gänseblümchen ist aber nicht nur dem Sonnengott Baldur geweiht, sondern auch der Göttin Freya. Freya, auch Freia oder Freyja (altnordisch „Herrin“), ist der Name der nordischen Wanengöttin. Sie ist die Tochter des Meergott Njörd und der Riesin Skadi und ist die Göttin der Liebe, des Frühlings, der Fruchtbarkeit und des Zaubers. Das Landvolk sah das Wehen der Frühlingswinde und die Rückkehr der Singvögel als Einzug der Göttin und meinten, wo ihre Füße den Boden berühren und ihr Wagen vorbeizieht, da fangen die Blumen an zu blühen. In England heißt es deshalb, wenn man mit einem Fuß auf sieben Gänseblümchen treten kann, dann ist es Frühling.

Einer christlichen Legende nach soll das Gänseblümchen aus den Tränen Marias entstanden sein, als sie mit ihrer Familie auf der Flucht nach Ägypten war. Da im Zuge der Christianisierung vieles aus altem Glauben und Bräuchen übernommen und abgeändert wurde, ist naheliegend, dass dieser Glaube schon aus der Römerzeit stammt. Plinius (Er war ein römischer Gelehrter, Offizier und Verwaltungsbeamter, der vor allem durch die Naturalis historia, ein enzyklopädisches Werk zur Naturkunde, Bedeutung erlangt hat.) berichtet, dass die Römer das Gänseblümchen „helenium“ nannten und das es aus den Tränen der schönen Göttertochter Helena entstanden sein soll.

Auch bei den Kelten spielte das Gänseblümchen eine besondere Rolle. Die Bezeichnung „Maßliebchen“ ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs. „Mas“ ist ein altkeltisches Wort, welches Anger bedeutet und einen Grasplatz mitten im Dorf bezeichnet, auf dem die Mädchen die Gänse hüteten. Die Sprachforscher sind sich hierüber jedoch nicht einig und so wird ebenso behauptet, das Wort „Maß“ aus Maßliebchen sei auf das niederdeutsche Wort „mat“ oder „met“ zurück zu führen, was Speise bedeutet und wahrscheinlich darauf hinweisen soll, dass das Gänseblümchen zum einen essbar ist und zum anderen appetitanregend wirkt.

Keltischen Ursprungs ist wahrscheinlich auch der Aberglaube, dass der Verzehr von Gänseblümchen das Wachstum dämpfen soll. So erzählt eine Irische Sage von der Fee Milkah, die dem Kind eines Königs heimlich Speisen verabreicht, die mit dem Gänseblümchen zubereitet wurden, sodass es nie erwachsen wird. In manchen abgelegenen Gegenden der Britischen Inseln kann es auch heute noch vorkommen, dass jungen Hundewelpen Milch, in der Gänseblümchenwurzel mitgekocht wurden, zu trinken gegeben wird, weil man glaubt, so wurde das junge Tier nicht weiter wachsen.

Später im 18. Jahrhundert wurde ein Gerücht dem heiligen Kraut fast zum Verhängnis: man raunte, das Gänseblümchen sei ein wirksames Mittel zur Abtreibung. Auch die Kirche glaubte dem Gerücht und es begann ein regelmäßiger Kreuzzug gegen das kleine Blümchen. So gab es 1793 eine Verordnung, die jeden Bauern verpflichtete, sämtliche Gänseblümchen auf seinem Land zu vernichten. Das wäre fast das Aus gewesen für das damals recht seltene Blümchen, hätten sich nicht zeitgleich die offenen Rasenflächen der Englischen Gärten verbreitet. In deren kurzgehaltenen Rasenflächen fand das Gänseblümchen „Unterschlupf“, denn es wächst so niedrig, dass es nicht abgemäht wird.

Heute weiß man besser über die medizinische Wirksamkeit des Gänseblümchens Bescheid. Das inzwischen weltweit verbreitete Gänseblümchen wird in der Frauenheilhunde als „Arnika der Gebärmutter“ sehr geschätzt, denn es hilft sowohl während, als auch nach der Schwangerschaft.

Magische Zaubereien:

Die magischen Eigenschaften von Gänseblümchen werden seit langem in Liebeszaubern verwendet. Die meisten werden bereits Gänseblümchen-Magie verwendet haben, als sie jünger waren. Eine Kindheitserinnerung daran hat sicher jeder, wie er nacheinander Gänseblümchenblätter herausgezogen hat und gesagt hat: “Sie / er liebt mich, sie / er liebt mich nicht”? Das ist eine sehr einfache Form eines Liebeszaubers… Man konnte diese Methode auch zur Wahrsagerei verwenden, um die Antwort auf jede andere Ja / Nein-Frage herauszufinden.

Wenn man eine alte Liebesbeziehung wieder entzünden möchten, legt man einige Gänseblümchen unter das Kopfkissen. Dies wird dazu beitragen, die Person, nach der man sich sehnt, wieder ins Leben zu bringen und diese gleichzeitig von sich träumen zu lassen. Gänseblümchen werden im Allgemeinen nicht als Blume der leidenschaftlichen Liebe gesehen. Sie werden vielmehr in Liebeszaubern für lang anhaltende Liebe oder Freundschaft verwendet.

Ebenso kann man einen kleinen Beutel mit getrockneten Gänseblümchen befüllen und ihn über die Betten der Kinder hängen, um sie nachts zu schützen. Füllt man eine kleine Vase mit Gänseblümchen und bewahrt diese zu Hause auf, so bildet man um sich herum ein Schutznetz, in dem man sich sicher und fröhlich fühlen kann. Wenn man Gänseblümchen auf den Schreibtisch legt, kann man damit Leidenschaft für ein Projekt wiederbeleben, mit dem man zuvor zu kämpfen hatte oder nicht weiterkam.

Gänseblümchen werden oft zu einfachen Blumenkronen verarbeitet, die während Beltane (der Beginn des Sommers) und anderen Sommersabbaten getragen wurden. Sie sind auch die Lieblingsblumen der Feen. Als Amulett getragen, verleiht die Wurzel des Gänseblümchens Zuneigung, Klugheit und Verstand…

– Gänseblümchen- Merkmale

Gänseblümchen

Botanischer Name: Bellis perennis

Familie: Korbblütler (Asteraceae)

Weitere Namen: Osterblume, Tausendschön, Maiblume, Regenblume, Maßliebchen. Der lateinische Name bedeutet so viel wie “die schöne Ausdauernde”.

Merkmale:

Das Gänseblümchen ist eine mehrjährige immergrüne Pflanze, die bis zu 20 cm hoch wird. Die Basis besteht aus einer liegenden Blattrosette, die das ganze Jahr über Blätter trägt, also im Gegensatz zu Stauden nicht einzieht. Die in einer dichten Blattrosette zusammenstehenden Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der geflügelte Blattstiel ist mindestens so lang wie die Blattspreite.  Die einfache Blattspreite besitzt nur einen Mittelnerv, ist spatelförmig bis verkehrteiförmig geformt, 6 bis 40 mm lang und 4 bis 20 mm breit. Ihre Oberfläche ist leicht behaart.

Das ganze Jahr über bildet die Pflanze Knospen an langen Stängeln, die aus dem Zentrum der Rosette entspringen. Aus ihnen entwickeln sich die strahlend weißen Blütenstände. Was für einen Laien wie eine einzige Blüte aussieht, ist tatsächlich eine Scheinblüte (Pseudanthium). Es handelt sich hierbei um einen körbchenförmigen Blütenstand, bestehend aus mehr als hundert Einzelblüten. Das Körbchen richtet sich aufgrund des Heliotropismus (Unter Heliotropismus versteht man die Eigenschaft von Pflanzen und Tieren, Wachstum und Bewegung nach der Sonne auszurichten.) immer nach der Sonne, genauso wie es bei Sonnenblumen der Fall ist. Außen sind in zwei und mehr Reihen die weißen weiblichen Zungenblüten angeordnet. Ihre Stempel sind nur schwer erkennbar. Im Inneren befinden sich zahlreiche gelbe männliche Röhrenblüten, die nach und nach aufgehen.

Die Blüten sind – wie für Korbblütler typisch – auf der verbreiterten Sprossachse, dem so genannten Blütenstandsboden angeordnet. Die Hüllblätter besitzen einen bewimperten Rand.

Die Bestäubung übernehmen Insekten. Allerdings kann sich das Gänseblümchen auch selbst bestäuben. Die Hauptblütezeit liegt zwischen März und Oktober, aber auch in den restlichen Monaten kann das Gänseblümchen Blüten entwickeln, selbst im Winter. Die Blüten selbst sind Sonnenstandzeiger, das heißt, sie richten sich über den Tag zur hin Sonne aus. Am Abend oder bei schlechtem Wetter schließen sich die Blüten.

Die Früchte sind nicht wie jene einiger Arten der Korbblütengewächse mit einem Pappus ausgestattet. Bei den 1 bis 2 mm langen Achänen (Mit Achäne wird in der Botanik eine Form von nussähnlichen Schließfrüchten bezeichnet.) handelt es sich um gekrönte Schließfrüchte, bei der Frucht- und Samenschale miteinander verwachsen sind. Die Samen sind Endosperm- los. (Endosperm ist das Nährgewebe der Samen, das den Keimling umgibt, beziehungsweise das Nährgewebe im Embryosack der Samenpflanzen.) Die zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, einfächrigen Fruchtknoten verwachsen.

Wenn die Fruchtstände reif sind, platzen sie bei leichter Berührung durch Tiere oder Regentropfen auf und schleudern die Samen heraus.

Das Gänseblümchen besitzt ein kurzes Rhizom. Am kurzen, aufrechten Rhizom befinden sich faserige Wurzeln. Daraus treiben unterirdisch Wurzelausläufer, über die sich die Pflanze ebenfalls ausbreitet.

Die Hauptblütezeit des Gänseblümchens geht von April bis Mai. In diesem Zeitraum ist die Pflanze auf den meisten Wiesen allgegenwärtig. Doch Gänseblümchen blühen fast das ganze Jahr über: Spätestens ab März, oft aber auch schon im Februar oder an wärmeren Wintertagen Ende Januar, zeigen sich die ersten Blütenstandsschäfte, die bald darauf zu blühen beginnen. Durch die Selbstbestäubung der Blüten einer einzigen Pflanze (und die zusätzliche Verbreitung durch Bienen und Insekten) vermehren sich Gänseblümchen schnell über eine große Fläche. Da sie auch niedrigere Temperaturen gut verkraften, blühen sie bis in den November hinein. Anschließend überwintern die Blumen als Speicherpflanzen im Schnee, um im darauffolgenden Frühling wieder zu erblühen.

Standort/Vorkommen:

Das Gänseblümchen bevorzugt sonnige Standorte, gedeiht aber auch im Halbschatten. Etwas weniger vital auch an schattigen Stellen.
Zur guten Entwicklung braucht es einen nährstoffreichen, etwas lehmigen Boden, der hauptsächlich während der langen Blühphase feucht ist. Längere Trockenphasen mag die Pflanze nicht. Im gepflegten Rasen fühlt sich das Gänseblümchen am wohlsten, da es keine hochwachsende Konkurrenz hat, die das Sonnenlicht nehmen könnte und es gleichzeitig immer Nachschub an Rasendünger gibt. Bevorzugte Standorte sind auch Weiden, Parkrasen und Gärten auf nährstoffreichem Untergrund, sowie bewachsene Bahndämme. Auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen ist sie auch Zeiger für verdichtete Böden und übernutzte Wiesen und Weiden.

Aus der Gattung Bellis kommt lediglich Bellis perennis außerhalb des Mittelmeerraums auch in Mittel- und Nordeuropa vor. Bellis perennis wird in Mitteleuropa als ein Archäophyt betrachtet, der durch Schaffung von weiträumigen Wiesen und Weiden in vorgeschichtlicher Zeit zu einer weiten Ausbreitung nach Norden kam. Als bezeichnet man Pflanzenarten, die vor 1492, als Christoph Kolumbus Amerika erreichte, aber noch in im weiteren Sinne historischer Zeit, durch direkten oder indirekten menschlichen Einfluss in ein neues Gebiet eingeführt wurden und sich dort selbständig ohne fremde Hilfe fortgepflanzt (etabliert) haben. Zum so häufigen Auftreten dieser Pflanze kam es jedoch erst mit der Einführung von Rasenflächen in Gärten und Parks. Durch den Menschen wurde diese Art später auch in Nord- und Südamerika längs der pazifischen Küste, auf Madeira und Neuseeland angesiedelt. Sie ist darüber hinaus auch ein Neophyt in Sichuan, Australien, auf Hawaii und den Azoren.

Wildpflanzen sammeln im Januar

Im Januar verstecken sich viele Wildkräuter unter einer Schnee- oder Eisschicht. An geschützten Stellen, wie zum Beispiel am Fuß von Mauern oder neben Baumstämmen, sprießt jedoch schon wieder erstes junges Grün hervor. Mit diesen zarten, vitaminreichen Blättern lassen sich die in der warmen Jahreszeit gesammelten und konservierten Vorräte wunderbar bereichern.

Gerade im Winter ist es zudem empfehlenswert, nur wenig von dem vorhandenen Grün zu sammeln, damit möglichst viel für die heimischen Vögel und andere Kleintiere übrig bleibt, die es im Winter schwer haben, ausreichend Nahrung zu finden. Neben soliden Vorkenntnissen zu Wildpflanzen ist ein informatives Kräuterbuch hilfreich.

Wenn sich in der freien Natur welke Pflanzenreste noch sicher bestimmen lassen, kannst du im Januar auch die Wurzeln folgender Pflanzen ernten: Löwenzahn, Spitzwegerich und Breitwegerich, Nachtkerze, Beifuß, Seifenkraut, Nelkenwurz

Wertvolle Tipps (auch für Einsteiger) und tolle Rezepte findet ihr hier:

Quelle: https://www.smarticular.net/schmackhaftes-aus-feld-und-flur-wildpflanzen-im-januar/
Copyright © smarticular.net

Solange der Boden nicht allzu tief gefroren ist, kann man vielerlei wilde Wurzeln ausgraben (bitte nur von Allerweltspflanzen, deren Bestand dabei nicht gefährdet wird). Diese unterirdischen Schätze bergen wahre Wunder an Aromen. Löwenzahn, Nachtkerzen, Kletten, Disteln – die jeweils sehr typischen Blattrosetten verraten, wo es Wurzeln zur Ernte gibt.

Was an wilden Wurzeln da ist, wird mit kultivierten Winterwurzeln gestreckt: Pastinaken, Schwarzwurzeln, Karotten. Alle Wurzeln putzen, zerkleinern und in Gemüsebrühe garen, dann pürieren, würzen und mit Sahne oder Mandelmus anreichern – fertig ist ein wildes Wurzelcremesüppchen. Dem fehlt nur noch das Topping: geröstete Haselnussblättchen, karamellisierte Apfelstücke, geröstete Sämereien (z.B. Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Distel- oder Klettensamen), gebratene Maroni, fein gezupfter Quendel, Currypulver…

Brennnesseln, Wiesenlabkraut, Klettenlabkraut, Hirtentäschel, Gartenschaumkraut, Barbarakraut, Ackerhellerkraut, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Schafgarbe, Gundermann, Sauerampfer, Kleiner Wiesenknopf, Bachbunge – wer mit offenen Augen durch die Winterlandschaft geht und seine Blicke auf die kleinen Kostbarkeiten zu seinen Füßen lenkt, wird immer irgendwie fündig. Manchmal muss man nur etwas Schnee wegscharren oder altes Laub beiseite fegen, schon gibt es frisches Wildkräutergrün zu pflücken.

Das wandert jetzt in ein Risotto. Zwiebelwürfel und Risottoreis (alternativ auch Getreide wie Grünkern oder Dinkel) andünsten, mit Weißwein und Brühe aufgießen und unter viel Rühren garen, gerne noch getrocknete Pilze zufügen. Zuletzt mit Butter, geriebenem Käse und frisch gemahlenem Pfeffer abrunden und die gehackten Wildkräuter unterziehen.

Dazu passt sehr gut noch ein im Ganzen gebackener Sellerie. Sellerieknolle gründlich waschen und abbürsten, mit Öl einpinseln und mit Salz bestreuen, bei 190 °C im Backofen je nach Größe der Sellerieknolle rund 2-3 Stunden garen (Gartest: Messer lässt sich leicht einstechen).

Richtig rund wird das Gericht mit einer Schlehensauce. Dafür roten Portwein mit Jus oder konzentrierter Gemüsebrühe, einigen zerdrückten Wacholderbeeren, Orangenschale und ganzen Schlehen langsam einköcheln, schließlich passieren und mit etwas kalter Butter aufmontieren.

Und wenn es noch so winterlich ist, ein Kräutlein kann das nicht vom Gedeihen abhalten: die Vogelmiere. Erstaunlich, dass dieses zarte Pflänzchen allen Widrigkeiten der Witterung trotzt und für geschmackvolles Grün für die Küche sorgt. Im Wald gibt es noch ein zweites Kraut, das dem Winter die Stirn, besser die Blätter bietet und immer frisch zur Hand ist, die Goldnessel. Alternativ greift man zu Taubnesseln, die gibt es Ackerrain, am Waldrand oder auch entlang vom Gartenzaun. Von jedem eine kleine Handvoll reichen schon.

Die Gold- oder Taubnesseln verfeinern einen Kartoffelfladen. Gekochte Kartoffeln vom Vortag feinblättrig schneiden, mit Zwiebelwürfeln anbraten. Dann Eier mit etwas Milch, Salz und Pfeffer sowie die streifig geschnittenen Nesselblätter verquirlen und über die Kartoffeln gießen. Nach Wunsch noch geriebenen Käse darüber und ab in den Ofen und fertig backen. In der Zwischenzeit Möhren putzen, in Scheiben schneiden und bissfest garen, mit Salz, Pfeffer, etwas Honig, Essig und ein paar Löffeln Schlagrahm oder Olivenöl zum Salat anrichten, frisch gehackte Vogelmiere darüber und lauwarm zum Fladen servieren.

Sobald der Frost für ein paar Tage nachlässt, kann man an geschützten Plätzen vielleicht schon wieder junge Triebe von Vogelmiere, Wiesen-Labkraut, Echtem Labkraut und Gundermann entdecken. Abhängig von den vorherrschenden Temperaturen kann man Ende Januar auch schon die ersten Frühlingskräuter finden:

Gänseblümchen, die kleinen Blütenköpfe sind ein Hingucker auf jedem Salat und stecken zudem voller Mineralstoffe und Vitamin C. Sauerampfer ist ein wohlschmeckendes, leicht säuerliches und vielseitig zu verwendendes Würzkraut. Löwenzahn, dessen kleine, jetzt ziemlich milde Blättchen sich hervorragend als Salatbeigabe eignen. Pfennigkraut, das frisch gehackt eine mild-würzige Salatzugabe ergibt. Knoblauchsrauke mit ihrem würzigen Knoblauchgeschmack kannst du zum Würzen herzhafter Speisen und Salate nutzen.

Ergiebiger ist das Sammeln der unterirdischen Pflanzen-Schätze. Hierbei solltest du aber immer beachten, dass es Pflanzen gibt, die unter Naturschutz stehen. Viele gelten als besonders geschützt, ihre Wurzeln dürfen nicht beschädigt oder gesammelt werden. Hier findest du eine aktuelle Liste geschützter Pflanzen.

Zu den sammelnswerten Wurzeln, gehört zum Beispiel der Baldrian, berühmt für seine beruhigende Wirkung. Für die Ernährung kannst du unter anderem die Wurzeln von Löwenzahn, Wiesen-Bärenklau, Beifuß und auch die Rhizome des Topinambur nutzen.

Da nur noch wenig frisches Grün wächst, und die meisten Bäume und Sträucher ihre Blätter abgeworfen haben, fallen die dunkelgrünen Blätter des Efeus schnell auf und wir können leicht das ökologische Waschmittel sammeln. Auch die kugelig wachsenden Misteln in den kahlen Baumkronen sind leicht zu erkennen. Eine Tinktur aus der Mistel hilft bei Rheuma, Ekzemen sowie Krampfadern.

Vereinzelt kannst du noch Sanddornbeeren, Schlehen und Hagebutten finden und zu einem süßen Aufstrich kochen. Hier eine Liste der vielen Wildpflanzen, die du im Januar nutzen kannst:

Quellen:

Karin Greiner www.pflanzenlust.de
https://www.smarticular.net/schmackhaftes-aus-feld-und-flur-wildpflanzen-im-januar/
Copyright © smarticular.net
www.kostbarenatur.net

Die Medizin der Bäume

Ein Baum ist ein Baum. Und weitaus mehr: Er ist Schutz, Nahrung, Freund und Lehrer, birgt Heil für Seele, Geist und Körper. Doch was Kelten und Germanen zu schätzen wussten, was tief in unserem Kulturkreis verankert ist, scheint heute in Vergessenheit geraten: Die Kraft der Bäume, ihre Seele, ihre Medizin.

Einst hatten Bäume eine besondere Bedeutung für uns Menschen. Sie waren Sitz der Götter, Gerichtsorte, die Verkörperung von Kraft und Fruchtbarkeit. Sie galten als heilig, als weise Lehrmeister. Jeder von ihnen hatte seine Geschichte, seine Magie und Wirkung. Sicher – Linde und Weißdorn sind auch aktuell noch gebräuchlich, doch auch viele andere Bäume bieten Heilung oder Linderung in fast jedem Bereich …

In der Mythologie zeigt sich, dass Mensch und Baum von jeher eng miteinander verbandet waren: Zahlreiche Völker führen unsere Existenz auf Bäume zurück. In den nordischen Mythen sind es Ask und Embla, Esche und Ulme, aus denen die Götter Mann und Frau erschufen. In der walisischen Legende „Cad Goddeu“ („Der Kampf der Bäume“, Talisien) wurden Menschen zugunsten des Sieges in Bäume und Sträucher verwandelt, Ovid beschrieb ähnliches in seinen „Metamorphosen“. Vergil berichtet in der „Äneis“ von Eichenwälder, die einst die Hügel Roms bedeckten, aus deren Stämmen wilde Männer hervorgegangen waren – die Pane und Satyrn der Griechen, die Faune und Silvane der Römer scheinen verwandt.

Bei den Sumerern tritt im zweiten vorchristlichen Jahrhundert eine Waldgestalt namens Enkidu auf, häufig in den mittelalterlichen Rittergeschichten kopiert: Der Wilde aus dem Wald findet sich in Tristan und auch in Artus wieder. Kobolde, Elfen und etliche Waldgeister prägten unsere Geschichte und nicht ohne Hintergrund wurden heilige Bäume seitens des Klerus gefällt, um die „Bekehrung“ der Heiden zum Christentum voranzutreiben. Und das, obwohl sich insbesondere im Alten Testament vielerlei Baumgleichnisse finden, der Baumkult im 17. und 18. Jahrhundert einhergehend mit der Marienverehrung als heidnisch-christliches Zwittersymbol wieder auflebte, der Heilige Hain jedoch zugleich verteufelt wurde.

Dieses Gewächs gleicht dem Menschen.

Es hat seine Haut, das ist die Rinde; sein Haupt und Haar sind die Wurzeln; es hat seine Figur und seine Zeichen, seine Sinne und die Empfindlichkeit im Stamme. Sein Tod und sein Sterben sind die Zeit des Jahres! (Paracelsus)

Der Baum ist dem Menschen näher, als es uns heute bewusst ist: Er steht aufrecht, wächst, vergeht, hat seinen Frühling, Herbst, seinen Winter und seine Blütezeit. In der Wurzel liegen die Ursprünge aller Dinge und des Seins – Ausgangspunkt jedes Wachstums, Basis, die am Boden hält, Garant für ein Überleben. Der Mensch verliert den Boden unter den Füßen, ist entwurzelt und desorientiert; man spricht vom Stammbaum der Familie, befindet sich auf der Suche nach seinen Wurzeln. Wir streben nach dem Licht, wachsen in den Himmel, recken uns diesem entgegen. Und manch einer ist baumstark, aus gutem Holz geschnitzt, ein Mann wie ein Baum oder trägt eine Krone …

Du wirst mehr in den Wäldern finden, als in den Büchern.

Die Bäume und Steine werden dich Dinge lehren, die dir kein Mensch sagen kann. (Bernhard von Clairvaux)

Vieles von dem, was wir heute über Bäume wissen, stammt aus germanischer und keltischer Zeit, dem Volksglauben und wurde mit Bräuchen, Sagen und auch Liedern weitergetragen. Die Menschen waren Teil des Waldes, begriffen das Wesen der Pflanzen und sahen in ihnen nicht einzig eine hübsche Aufbewahrung für heilsame Substanzen. Sie wussten: Jede Baumart hat ihre eigenen charakteristischen Bilder und Botschaften. Und ihre Medizin!

Die Birke hebt hinauf in ihr helles Licht, wiegt die Seele sacht wie eine Mutter. So wird klar, warum Kinderwiegen aus Birkenholz geschnitzt waren, ist sie doch Sinnbild für Jugend und Frühling. Als Maibaum noch heute beliebt, Zeichen der erwachenden Natur, weckt sie tatsächlich die Lebensgeister: Reinigend, belebend, ideal zur Frühjahrskur, da die Birke auch Nieren und Blase anregt, bei Wassersucht, Gicht, Rheuma, Arthritis und Steinleiden hilft.

Die Erle hingegen zieht eher hinab in eine kühle, feuchte Welt voller andersweltlicher Gestalten. Hier wohnt die Große Göttin, hier befanden sich schon in vorkeltischer Zeit Opfer- und Totenstätten. Für die Kelten war die Erle ein todbringender Krieger. Dunkel und gedrungen wirkt sie, an Schnittwunden färbt sich das Holz blutrot und sie wächst gern an unheimlichen Orten.

Deutsche Dichter füllten Bücher mit schaurigen Geschichten und Gedichten; Erlkönigs Tochter, Irrlichter geraten in die Erinnerung, das Geheimnisvolle – und schon immer stand die Erle auch für das Alter, das Wissen, die Vertrautheit mit dem Tod. Man fröstelt, macht sich klein. Ihre entsprechenden Kräfte sind in Vergessenheit geraten: Kühlend, zusammenziehend, fiebersenkend wirkt sie; bei schwachem Zahnfleisch und Aphten hilft ein Absud der Blätter, die Rinde geben ein gutes Gurgelmittel bei Angina. Eine Mischung aus Erlen-, Salbei und Walnussblättern als Tee oder Umschlag genossen, erleichtert das Abstillen – eine andere Form des Loslassens.

Ahornbäume wieder strahlen von Leichtigkeit und Süße wie ihr Saft. Aufmunternd ist der Ahorn tatsächlich, steht gar auf der Liste der wichtigsten Heilpflanzen des Ebers-Papyrus von 1600 vor Christus. Erleichternd wirkt er bei krankhafter Hitze, hilfreich ist er bei geschwollenen, müden Augen und Gliedmaßen als Auflage. Hildegard von Bingen empfahl das gewärmte Holz bei Gicht, ein Bad mit Zweigen und Blättern bei täglichem Fieber.

Die Buche wirkt mächtig und doch grazil mit ihren filigranen Zweigen, dem zarten Blattwerk, das ein so dichtes Blätterdach bildet, dass im Dämmerlicht darunter nur junge Buchen und keine anderen Bäumchen zu gedeihen wissen. Wie die Eichen gehörten Buchen im Mittelalter zu den fruchtbaren Bäumen, Eckern und Eicheln zur Viehmast. Die Buche war Brennholz, Grundstoff für Lauge und Seife, Namensgeber für Buchstaben, die aus den Runen, Orakeln, Buchenstäben entstanden. Augen zeigen sich auf ihrer Rinde und tatsächlich scheint sie die Welt zu betrachten, wissend um Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Als Heilmittel aber spielte sie scheinbar keine große Rolle: Buchenasche wirkt desinfizierend, wurde mit Johanniskrautöl gemischt, um als Paste Wunden und Geschwüre zu heilen; frische Buchenblätter kühlen bei Schwellungen, Gerstenkorn oder Geschwüren.

Dass die Linde ein menschenfreundlicher Baum ist, liegt nahe, verkörperte sie doch als Dorflinde die Gemeinschaft, als Gerichtslinde Schutz und Frieden. Kein Baum wurde so häufig besungen; sie galt als Zeichen der Liebe, allein schon wegen der herzförmigen Blätter. Für unsere Vorfahren ein Schicksalsbaum in freundlicher Gestalt. Betörend auch der süße, harmonische Duft, charakteristisch die Heilwirkung: Honig und Tee sind als Grippe- und Erkältungsmittel bekannt, für schweißtreibende Wirkung, die Stärkung der Abwehrkräfte.

Der Schutz der Bäume

Fichten und Tannen vermitteln Weisheit, Schutz – und eine natürliche Hecke schützte einst auch das Gehöft, bot den Bewohnern Sicherheit. Die Namen der Beteiligten zeugen davon: Der Hagedorn (Weißdorn), die Hagerose (Hundsrose) mit ihrer Hagebutte und die Hagebuche (Hainbuche). Das Wort Hag entstammt dem Germanischen und bedeutet soviel wie Umzäunung und Schutz. Hinter dem „Zaun“ wartete das Wilde, die übersinnliche Welt des Zaubers, die nur von Wagemutigen, Wissenden, Kräuterweibern oder Schamanen betreten wurde. Hier hielten sich die Hagazussa auf, Erben der Druiden, Prototyp der Weisen Frauen und späteren „Hexen“. Sie sammelten Heilkräftiges, sprach mit den Geistern. „Zaunreiterin“ so die Übersetzung, Frauen, die zwischen den Welten standen. Entsprechend der Magie dieser Zaun-Pflanzen ist auch ihre Heilwirkung:

Die Form ihrer durch unregelmäßigen Wuchs bestechenden Kelchblätter entspricht dem Drudenfuss, dem magischen Stern der Druiden und Weisen Frauen: Vielleicht erhielt die Heckenrose deshalb den Ruf als Zauberpflanze. Die Hundsrose erhielt ihren Namen, da sie als hilfreich gegen tollwütige Hundebisse galt. Anspruchslos, gern am Waldrand wachsend, war sie ideal zur Einfriedung und stand dem Menschen nahe. Ein Dickicht aus Hagerose war es, durch das sich Dornröschens Prinz zu schlagen hatte, die Germanen sahen sie als Zauberpflanze aus Freyas Garten.

Sie war die Göttin der Fruchtbarkeit, Beschützerin von Frau und Kind. Galläpfel wuchern gern in Hundsrosen, als Heilmittel für Schlaflosigkeit auch Schlafapfel genannt. Die Knospen eignen sich als Mittel bei Verstopfung, Krämpfen, Blutungen und zu Scheidenspülungen; die getrockneten Blätter waren ein bekanntes Wundpulver für Kinder. Kühlend wirken die frischen Blätter, beruhigen geschwollene Augen und Brandwunden, ein Extrakt der Blätter ist als Mundwasser und bei entzündetem Zahnfleisch hilfreich, bei Mundfäule und innerlich wirkt er nerven- und herzstärkend. Hagebutten gehören zu den bekanntesten Volksheilmittel: Vitamin-C-haltig helfen die frischen Früchte bei Grippe, die getrockneten wirken anregend auf Blase und Nieren, lindern Gicht und Rheuma und pulverisiert auch Arthritis.

Die Hagebuche als Dritter im Bunde war schon treuer Begleiter der Baumriesen in den Eichenwäldern Mitteleuropas, stellte das schützende Unterholz, überlebensfähig und zäh. Noch heute hält sie zugunsten von Einfriedungen schlimmste Verstümmelungen aus, einst aber war sie natürlicher Teil des Hags. Sie galt als Eisenbaum, denn so hart wie das Metall war ihr Holz, stark und geduldig auch ihr Charakter: Die medizinische Verwendung wurde vergessen, ihre Gerbstoffe lassen Spekulationen zu, doch in der Bachblütentherapie wird sie bei geistiger Erschöpfung eingesetzt.

Auch Weiden vergesellschaften sich gern mit diesen Sträuchern, genauso wie die Hasel.

Die Häuptlingsbäume der Kelten

Bäume und keltische Philosophie bedingen einander. Jene mit besonderer magischer Kraft galten als Häuptlingsbäume, die wichtigsten waren Weißdorn, Hasel, Holunder, Weide, Erle, Esche, Birke, Eiche und Kiefer.

Weißdorn, auch Schlafdorn genannt, sorgte für Schutz (Hagedorn) und friedlichen Schlaf. Hagedornhecken verhinderten das Eindringen wilder Tiere und Menschen, aber auch Dämonen, böse Geister und Krankheiten würden an seinen Stacheln hängen bleiben, so die Gewissheit. Das Herz als Innerstes betrachtet, liegt nahe, dass gerade dieses geschützt werden sollte, steht doch auch die weiße Blüte, die rote Frucht für das Leben. Noch heute ist Weißdorn Mittel der Wahl bei Herz- und Kreislauferkrankungen.

Die Haselnuss ist ebenfalls Teil der Hecke, physisch wie metaphysisch. Sie bot Schutz vor chaotischen Kräften, ermöglichte mit positiven in Verbindung zu treten, energetisch eine Bindung zwischen den Welten. Die elastischen Ruten werden seit Jahrtausenden als Wünschelruten verwendet, ein Haselstrauch neben dem Haus soll störende, krankmachende Strahlungen abhalten. Noch immer gilt die Haselrute bei Radiästheten als bester Energiestromleiter, ihre Rute als mächtiger Zauberstab.

Weissagungen wurden der Hasel zugesprochen, Schutzwirkung vor Blitzen und Schlangen. Für Fruchtbarkeit standen die Nüsse, Ruten wurden bei Unfruchtbarkeit oder Impotenz, Haselnussöl bei schweren Geburten eingesetzt, erkrankte Glieder rieb man mit einem Stecken, mit dem die Krankheit dann begraben wurde. Der Gebrauch der Hasel für medizinische Zwecke scheint sonst vergessen. Bekannt ist noch die schweißtreibende Wirkung der Blütenkätzchen. Ein heiliger Baum mit vergessener Wirkung?! Keltische Richter trugen Haselstäbe, um weise Entscheidungen zu treffen, Gerichtsorte wurden so geschmückt.

In der astrologischen Pflanzenkunde trägt die Hasel das Symbol des Merkur, des Hermes. Hermes durfte ungestraft jedwede Grenze übertreten und die Sage erzählt, dass sein Stab aus Haselholz geschnitten war. Als die Menschen in Zwietracht lebten, gab Apollo ihm eine Leier und jenen Stab und als Hermes die Menschen mit dem Haselstock berührte, entdeckten sie die Sprache, wurden klug; zugleich wanden sich zwei Schlangen um den Stab, der dann zum Symbol des Handelns, des Heilens, des klugen Redens und der Diplomatie wurde. Vielleicht ist die eigentliche medizinische Wirkung der Hasel auf die Ganzheit bezogen: Heilwerdung im Sinne der Vereinigung von Welten, von Geist und Seele.

Auch der Holunder scheint die Nähe des Menschen zu suchen und einst hatte jeder Hof einen Hausholunder. Der Baum des Lebens, des Todes, ersichtlich durch das strahlende Weiß der Blüten, das tiefe Schwarzrot der Früchte. Hier wohnt die schwarze Erdgöttin Morrigan, die laut keltischem Jahreskreis im Frühjahr zur Lichtgöttin Brigid (germanisch Holle und Hel) gerät, als beschützender Hausgeist.

Zahlreiche Mythen berichten davon, dass der Holunder das Tor zur Anderswelt ist, zugleich den Übergang zur Wiedergeburt birgt. Mystisch seine Ausstrahlung, reich beschenkt von der alten Fruchtbarkeitsgöttin: Nahezu alle Bestandteile des Holunders kann man zu Heilzwecken verwenden. Die Blüten helfen als Tee bei Grippe, Schnupfen, Bronchitis, Lungenentzündung und Kopfweh, bei Zahn- und Ohrenschmerzen auch als Auflage.

Im Mittelalter wurde ein Blütengeist bei Geschwülsten, Wassersucht, Leber- und Milzleiden eingesetzt, die vitaminreichen Beeren stärken die Abwehrkräfte. Da sie im frischen Zustand Übelkeit verursachen, sollten sie immer erhitzt werden. Der Saft hilft bei Rheuma, Neuralgien, Ischias; Rinde und Wurzeln wirken harntreibend, entwässernd. Die Blätter, zu einer Salbe gekocht, lindern Prellungen, Quetschungen, Frostbeulen und Geschwulst, gekochte Blätter Entzündungen der Brustwarzen.

Die Weide ist wie der Holunder ein Schwellenbaum: Die Mythen und Legenden ähneln sich, doch steht die Weide nicht nur zwischen Leben und Tod, sondern auch zwischen „Festland“ und Wasser, an der Pforte zur Unterwelt. Aufkeimendes und vergehendes Leben, Sinnbild für den Kreislauf. Etwas verwachsen wirkt sie, zottig, denn aus einem alten Körper schnellen immer wieder neue Zweige hervor: Unbändige Lebenskraft trägt die Weide in sich, aus geköpften, gespaltenen oder verstümmelten Stämmen, sogar aus Baumscheiben schießen neue Zweige hervor. Sie versinnbildlicht die Stärke in ihrer Schwäche:

Abgebrochene Ruten müssen nur in den Boden gesteckt werden, um neue Bäumchen zu bilden. Alles schnell Wachsende, wieder Vergehende, Weiche, Wässrige und Empfängliche ist dem Mond zugeordnet, die Weide als frühblühender Baum auch der keltischen Göttin Brigid. Sie ist die Muse der Heiler, Dichter und Zauberer und so bekam die Weide rasch den Ruf, ein Hexenbaum zu sein: Hohle Stämme, Tore zur Anderswelt, biegsames Flechtwerk um zu binden. Weidenzweige galten auch als Symbol von Trauer und Tod, zugleich aber wurde zur Weidenblüte das Fest der Wiedergeburt der Natur gefeiert – die Weide als Symbol der Fruchtbarkeit. Rinde und Blätter wurden bereits im klassischen Griechenland als Heilmittel genutzt, berühmte Heiler der Antike lobten die Kraft der Weiden.

Die Signatur ist eindeutig: Die Füße im kalten Wasser kriegt die Weide dennoch keine steifen Gelenke, bleibt biegsam und schmerzfrei. Weidenrinde wird als fiebersenkendes, harn- und schweißförderndes, schmerzstillendes, keimtötendes und adstringierendes Mittel eingesetzt. Die Wurzelrinde der Trauerweide wird bei Leukämie angewendet, unterstützt die Regeneration des Knochenmarks. Auch bei Arthritis und Neuralgien ist Weidenrinde hilfreich, als Rheuma- und Gichtmittel, bei Verschleimung, Ruhr und Durchfall, als Gurgelmittel bei Blutungen und Mandelentzündung, Wundpulver für offene Geschwüre, Wunden und Waschungen.

Die Esche ist ein Licht- und Sonnenbaum und wird in den Überlieferungen zahlreicher Völker stets mit dem Speer in Verbindung gebracht. Das indogermanische Wort für Esche, Osk, bedeutet auch Speer, wenngleich dieser im ursprünglichen Mythos den Sonnenstrahl symbolisiert, der das Wasser der Erde befruchtet. Sie steht für die Wiedergeburt, die durch die Vereinigung von Licht und Wasser möglich ist, hat daher auch Macht über das Wasser. Dieser Gedanke war in der keltischen Tradition tief verankert:

So trugen die Druiden Stäbe aus Eschenholz, mit denen sie das Wetter beherrschten, Ertrinkende retten konnten und Fischer fertigten Ruder und Bootsrippen daraus, um sich vor den Fluten zu schützen. Der Eschenspeer taucht in zahlreichen Mythen auf, so auch im Zusammenhang mit dem Heiligen Gral. Dem feuchten Standort entsprechend dienen Eschenzubereitungen der Heilung von Rheuma und Gicht, von Hippokrates wurden sie zudem als abführend wirkendes Mittel beschrieben.

Thingbaum, Opfer- und Orakelbaum: Diese und viele weitere Attribute wurden der Eiche zuteil. Generationen von Menschen überdauernd, musste sie schier mit den Vorfahren und Göttern in Verbindung stehen. Da die Eiche wurzelt, wo Wasseradern sich kreuzen, galt sie auch als Blitzbaum, als Baum des kosmischen Feuers. Heilige Feuer der Indogermanen und Römer wurden mit ihrem Holz gespeist, die Germanen weihten sie Thor (Donar), die Kelten dem ihrem Donnerer Tanaris (auch Dagda). Wichtige Versammlungen (Things) wurden unter den auslandenden Ästen einberufen, der Platz war mit weisheitsspendenden Haseln abgesteckt.

Noch im Mittelalter hielt man unter Eichen Gericht, der Sage nach war die runde Tafel Artus aus dem Stamm einer einzigen Eiche geschnitten. Dru (indogermanisch) bedeutet Baum, Treue und auch Eiche, wid findet sich in der Wortwurzel Wissen, Druwides hießen die Druiden im Altkeltischen – eichenkundig. Treue, Festigkeit, Gerechtigkeit und Willensstärke zeigt sich in der Eiche, stark somit auch die Heilkraft:

Bis zu 20 Prozent bestehen Blätter und Rinde aus Gerbstoffen, zeigen Bewahrendes und Bodenständiges auf. Zusammenziehend, entwässernd, antiseptisch, fiebersenkend entziehen sie Fäulnis, helfen bei chronischen Ekzemen, Ausschlägen, Wucherungen, Brandblasen, Frostbeulen, Insektenstichen, Hämorrhoiden, Fisteln, Scheidenkatarrh, Weißfluss und Gebärmutterentzündungen; als Tee – kurz aufgekocht zum Gurgeln – bei Halsweh, Zahnfleischerkrankungen und zur Zahnfestigung.

Innerlich hilft der Tee bei Durchfall, Darmblutungen, Blutharn und Magengeschwür. Schon in der Edda wurde Eiche gegen Ruhr empfohlen, Eichelkaffee galt früh als Kräftigungsmittel, die Homöopathie nutzt Zubereitungen aus Eiche bei Milzleiden und Alkoholismus (die Donnerer waren freudige Trinker), mit einem Destillat aus Eicheln gehen Milzschwellungen zurück. Nahezu unbekannt ist, dass Eichenrinde ein gutes Kinderheilmittel ist: Bei geschwollenen Drüsen, Hautausschlägen und zugunsten der Konstitution helfen Eichenrindenbäder.

Die Bäume der Germanen

In der Edda wird die Entstehung des Menschen aus Esche und Ulme beschrieben. Die Welt bestand aus dem Weltenbaum Yggdrasil, an seiner Wurzel der Quell der Erinnerung. Jeder Baum war Zentrum des Universums, „die Götter wohnten in den Bäumen, in den aus Bäumen erbauten Tempeln“ – im Heiligen Hain.

Die Tanne bekam ihren Namen vom altgermanischen tan, dem Feuer, ist demnach ein Feuerbaum. Mit ihr lässt sich schnell ein solches entfachen, zudem mit betörendem Duft. Sie galt als heilig, als Wohnsitz der Götter und noch heute findet man Tannen, die mit einem Kreuz oder Marienbild versehen sind. Auch Hildegard von Bingen empfand die Tanne als warm, als schützenden Ort vor Zauber und Magie. Ihr ätherisches Öl ist wärmend, durchblutungsfördernd, antibakteriell, fördert das Abhusten von Schleim und wirkt bei Muskel- und Nervenschmerzen, rheumatischen Erkrankungen entspannend.

Die Fichte ist mit der Tanne verwandt und stellte die Irminsäule dar: Hier wohnte ein mütterlich schützender Baumgeist. Heute in Monokulturen angebaut ist von ihrem majestätischem Charakter nicht mehr viel zu sehen, doch freistehende Bergfichten sprechen vom Einst und lassen verstehen, warum die Fichte als Schutzbaum, als Mutter- und Lebensbaum galt. Dieser nahm Krankheiten vom Menschen, auch das Harz war Schutz, fand Verwendung als Pflaster, war Bestandteil zahlreicher Salben bei Rheuma, Gicht, Hexenschuss und Gliederschmerzen. Die Zweige wirken schleim- und hustenlösend, durchblutungsfördernd, der Honig hilft bei grippalem Infekt.

Auch der Wacholder wurde von den Germanen als göttliches Wesen verehrt, die Lärche, die Kiefer und besonders die Eibe. Diese galt als Symbol der Unsterblichkeit, als Todes- und Auferstehungspflanze. Eiben säumten den Weg in die Unterwelt, unheimlich umgibt sie ein düsteres Licht. Einzig Hildegard von Bingen empfand sie als „Sinnbild der Fröhlichkeit“, in allen Kulturen war sie mit dem todbringenden Götteraspekt verbunden. Die Eibenrune Eiwaz (auch Ihwaz/ Ywaz) war für die Germanen die stärkste Schutzrune, man sprach dem Baum große Heilkraft zu.

Zehn Nadeln der Eibe als Absud sind tödlich, der Grat ist schmal: Im Altertum und Mittelalter nutzte man die Eibe als Mord- und Selbstmordmittel, der keltisch-germanische Stamm der Eburonen (Männer der Eibe) entging der Gefangenschaft und Sklaverei durch die Römer durch Eibenabsud. Abkochungen dienten auch als Wurmmittel, gegen Epilepsie und als Mittel zur Abtreibung. Lange wurde das enthaltene Taxin als Herzmittel eingesetzt, heute werden nur noch homöopathische Zubereitungen bei Hauterkrankungen und Verdauungsschwäche genutzt.

(Seit einigen Jahren allerdings werden in Amerika Eibenplantagen angepflanzt, da ein Wirkstoff als vielversprechendes Krebsheilmittel gilt. Auch in der Berliner Charité laufen Studien auf Hochtouren – öffentliche Meldungen allerdings sind unpräzise bis falsch: Der Wirkstoff Taxotere besitzt bereits eine Zulassung bei Eierstock-, Brust- und Bronchialkrebs. Nur bei den letzteren kommt es zu einer vollständigen Bekämpfung, bei Prostatakrebs liegen noch keine Ergebnisse vor. Allerdings wird Taxotere nicht mehr aus Eibennadeln gewonnen – der Wirkstoff wird aus pflanzlichen Zellkulturen der Taxus cruspidata hergestellt.)

Wie die Eibe gehörte der Wacholder zu den dunklen Todesbäumen, doch führte er nicht direkt in die Welt des Schattens, sondern konnte eine Umkehr hervorrufen. Der Wacholder war der europäische Totembaum und beinhaltete eine Kraft, die auch aus seinen Namen hervorgeht: Quickholder, Queckholder, Weckholder, Wacholder. Ein Wach-Halter, Lebendig-Macher, der die Sterbenden am Leben zu halten vermag. Er galt als Pestmittel, als Zauberabwehr und Gegenzauber, mit ihm räucherte man die Räume von Kranken. Seine stark desinfizierende Wirkung war bekannt, berühmt wurde er als „Baum-Apotheke“:

Keimtötend, abwehrsteigernd, das Kauen von Wacholderbeeren schützt vor grippalen Ansteckungen, bewährt hat er sich auch bei Lungenkrankheiten, Bronchitis, Erkältung, zur Ausleitung. So hilft er auch gegen Rheuma, Gicht, Arthrose, Hauterkrankungen und Wassersucht; zudem bei Harnverhalten und Steinleiden, bei Magen- und Darmproblemen. Einzig bei entzündlichen Nierenerkrankungen und in der Schwangerschaft soll er gemieden werden, da Schädigungen entstehen können.

Um die feinen und heiteren Lärchen ranken sich unzählige Sagen und Geschichten: Sie sind Ruhe- und Tanzplatz jener Waldfeen, die dem Verirrten den Weg weisen, jedwedem guten Menschen gern zur Seite stehen. Mit diesem Charakter musste die Lärche zu den beliebtesten Heilpflanzen der Vergangenheit geraten: Das Harz wurde im Mittelalter bei Lungen- und Harnproblemen verwendet, als Wundsalbe und Pflaster, es wirkt durchblutungsfördernd, desinfizierend und schleimlösend. Eine Harzsalbe hilft bei rheumatischen Schmerzen, Hexenschuss und Neuralgien, sie zieht Eiter und beschleunigt die Heilung. Als Brustsalbe ist sie bei Husten und Bronchitis zu empfehlen, die innerliche Anwendung hängt von der Dosis ab und kann reizend oder heilsam sein.

Im Odenwald, dem einstigen Heiligen Hain des Wotan (Oden = Wotan) wachsen besonders viele Kiefern, im Volksmund „Odenwälder Tanne“ genannt. Schon früh galt die Kiefer als Unsterblichkeitssymbol, oft wurde sie auch als Feuerbaum, Wilder Harzbaum oder Kienbaum bezeichnet; Kienspan gleichbedeutend mit Fackel, dem unsterblich entzündendem Span, der aufgrund des harzhaltigen Holzes lange und hell zu brennen vermag. Hustenstillend, auswurffördernd, antiseptisch, haut- und schleimhautreizend, durchblutungsfördernd, beruhigend und leicht harntreibend wirkt das Harz. Wie Tannen und Fichten gehört auch die Kiefer zu den erprobten Lungenheilmitteln. Salben wirken wundreinigend, antirheumatisch und helfen bei Muskelverspannungen.

Die Birke wurde in fast allen Kulturen des Nordens als heilig verehrt, die Germanen weihten sie der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Freya. Die Eberesche war der Baum des Donnergottes Donar (Thor), ebenfalls der Fruchtbarkeit geweiht: Kaum ein Baum war bei den alten Zauberern, Druiden und Weisen Frauen so beliebt wie sie. Ihre Ausstrahlung wirkt belebend wie das Rot ihrer Vogelbeeren, überall will sie Wurzeln schlagen, ein Baum der Erweckung, der Lebenskraft. Entgegen der allgemeinen Annahme, die Beeren (botanisch Samen) seien giftig, enthalten sie viel Vitamin C, wurden als Stärkungsmittel, gegen Skorbut, Gicht, Rheuma und Erkältungen verwendet. Der Tee aus getrockneten Beeren ist ein hervorragendes Mittel bei Lymphflussstörungen, der Blütentee reinigend und aufbauend. Vermutlich entstammt der Ruf als Giftpflanze der Verwendung als Zaubermittel, wurde das Holz doch zu guter, aber auch dunkler Magie genutzt.

Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)

Das Entzünden von Räucherwerk gehört zu den ältesten rituellen Praktiken der Menschheit, Rauch wurden magische und medizinische Eigenschaften zugeschrieben. Häufig heißt es, die Germanen hätten keine Räucherkultur gehabt. Dem ist nicht so, fanden sich doch in vielen prähistorischen Hinterlassenschaften Räucherkuchen, Verklumpungen von Harzen und Pflanzenüberresten, die teils als Harz von Kiefer, Fichte, Tanne, Eibe und Wacholder identifiziert werden konnten. Sie fanden genauso wie die Harze von Zeder und Zypresse in ganz Europa Verwendung.

Der Duft der Fichte galt im Mittelalter als heilsam bei Seuchen; unbestritten ist die Räucherung ihres Harzes, der Nadeln und Zapfen zur Desinfektion und Reinigung von Räumen. Ihr ätherisches Öl wirkt keimtötend, schleimlösend und entzündungshemmend und sie wird ebenso in der Aromatherapie angewendet. Kiefernharz wurde „Waldweihrauch“ genannt und Plinius schreibt, dass es als Räucherung „die Gebärmutter wieder in Ordnung bringe“. Es wurde bei chronischem Lungenkatarrh geräuchert, als Schutz gegen Hexerei wurden die Zweige genutzt. Das ätherische Öl wirkt keimtötend, antirheumatisch, hustenlindernd und stimulierend.

Auch Rinde und Zapfen können genutzt werden. Tannenharze gehören in Europa zu den ältesten Räucherstoffen überhaupt und Wacholder gilt als ältestes Räuchermittel der Menschheit überhaupt, wurde in sämtlichen Kulturen rituell und medizinisch genutzt. Einst trug er den Namen Wodansgerte, später Martinsgerte. Sein alter deutscher Name Rauchholter, Räucherstrauch, spielt auf seine Verwendung an. Er wurde bei ansteckenden Krankheiten geräuchert, gegen Schlangen, als Mittel zur Konservierung, bei Seitenstechen, Rheuma, Asthma, Brustschmerzen, Schlafsucht, Schwermut und auch bei „Aberwitzigkeit“. Den Teufel und Hexen konnte man mit seinem Rauch fernhalten und Prophezeiungen wagen – Wacholder gehört bis heute zu den „Neunerlei Hölzern“, die den Wald repräsentieren und sozusagen einen Heiligen Hain bilden.

Das Harz aller vier Zedernarten war im Altertum eine hochangesehene Medizin gegen nahezu jedes Leiden. Der Duft vertreibt Insekten, soll Erdverbundenheit und Seelenstärke fördern, Bronchitis lindern. Zypressenzweige wurden als Schutzräucherung und bei Segnungen genutzt. Die Zypresse war im Altertum ein Baum, der mit Trauer, Tod und der Unterwelt assoziiert war.

Laut Hildegard von Bingen bezeichnet die Zypresse das Geheimnis Gottes, zugleich aber war sie auch Bestandteil von Räucherungen antiker Hexenkulte. Gemeinsam mit Huflattich soll das Holz eine hustenlindernde Räucherung darstellen, nachgewiesen ist die insektenvertreibende, adstringierende, krampflösende, antiseptische und antirheumatische Wirkung der ätherischen Öle. Im Zypressenöl findet sich zudem ein Stoff, der chemisch dem weiblichen Sexualhormon analog ist. Vielleicht ist der Baum dem Menschen gar noch näher, als man vermuten kann?!

Wirksame Sträucher und Bäume gegen verschiedene Beschwerden

Bewegungsapparat

  • Hexenschuss, Ischias: Wacholder, Zitterpappel
  • Muskelschmerzen und -verspannungen, Zerrungen, Stauchungen: Essigbaum, Fichte, Kiefer, Kirsche, Lärche, Rosmarin, Rosskastanie, Thymian, Weißtanne
  • Rheuma: Berberitze, Birke, Esche, Essigbaum, Eukalyptus, Färberginster, Flieder, Heidekraut, Kiefer, Kirsche, Lärche, Lavendel, Rhododendron, Rose, Schwarzpappel, Zitterpappel, Wacholder, Weide, Weißtanne

Erkältung und Grippe

  • Fieber: Schwarzer Holunder, Linde, Schlehe, Weide
  • Husten, Katarrhe der Atemwege: Bohnenkraut, Douglasie, Efeu, Edelkastanie, Eukalyptus, Fichte, Kiefer, Kirsche, Linde, Meerträubel, Quitte, Thymian, Zeder
  • Halsschmerzen: Vgl. Mund/ Rachen

Frauenleiden

  • Regelbeschwerden: Birne, Jasmin, Mönchspfeffer, Schneeball

Haut

  • Akne: Walnuss, Zistrose, Zypresse
  • Ausschlag/ Ekzem: Eiche, Haselnuss, Heidekraut, Mahonie, Ulme, Walnuss, Zistrose
  • Frostbeulen: Eiche, Heidelbeere, Schwarzpappel
  • Insektenstiche: Feldahorn, Sumpf-Porst
  • Neurodermitis: Hamamelis, Schwarzpappel, Zistrose
  • Schrunden: Eiche, Hamamelis, Lärche
  • Schuppenflechte: Mahonie, Schwarzpappel
  • Schwitzen, feuchte Hände/ Füße, Nachtschweiß: Eiche, Salbei, Walnuss, Zypresse
  • Sonnenbrand: Hamamelis, Heidekraut, Sanddorn
  • Verletzungen/ Entzündungen: Heidekraut, Heidelbeere, Schwarzpappel, Sumpf-Porst
  • Warzen: Thuja

Herz/ Kreislauf/ Venen

  • Durchblutungsstörungen/ kalte Füße: Ginkgo
  • Erhöhter Blutdruck: Mistel, Rhododendron, Weinrebe, Weißdorn
  • Hämorrhoiden: Eiche, Hamamelis, Heidelbeere, Schwarzpappel, Ulme
  • Kreislaufstörungen: Besenginster, Lavendel, Rosmarin
  • Niedriger Blutdruck: Besenginster
  • Schwindelgefühl: Ginkgo, Mistel
  • Venenprobleme, Krampfadern, schwere/ müde Beine: Hamamelis, Hasel, Schwarzer Holunder, Mäusedorn, Rosskastanie, Weinrebe

Immunsystem

  • Steigerung der Abwehrkräfte: Kleines Basilikum, Sanddorn, Schwarzpappel, Zistrose

Krebs

  • Mistel, Eibe

Magen/ Darm

  • Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme: Schwarze Johannisbeere, Stachelbeere, Pfirsich, Rosmarin
  • Blähungen: Bohnenkraut, Lavendel, Lorbeer, Rosmarin, Salbei
  • Darmtätigkeit regulierend: Apfel, Feige, Pflaume, Rose
  • Durchfall: Apfel, Brombeere, Eiche, Hamamelis, Heidekraut, Heidelbeere, Himbeere, Kirsche, Mispel, Speierling, Ulme, Weinrebe
  • Übersäuerung: Robinie
  • Verdauungsbeschwerden allgemein: Bohnenkraut, Lorbeer, Salbei, Wacholder
  • Verstopfung: Faulbaum, Feige, Heidelbeere, Kirschpflaume, Kreuzdorn, Pflaume, Schlehe, Stachelbeere

Mund/ Rachen

  • Mundgeruch: Eukalyptus, Wacholder
  • Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, des Zahnfleisches, Halsschmerzen, Heiserkeit: Bohnenkraut, Brombeere, Edelkastanie, Hamamelis, Heidelbeere, Himbeere, Salbei, Schwarzerle, Speierling, Quitte, Ulme

Nervensystem

  • Erschöpfung: Lavendel
  • Kopfschmerz: Essigbaum, Lavendel, Weide
  • Nervenschmerzen: Essigbaum, Rhododendron, Tanne
  • Schlafstörungen, beruhigend: Heidekraut, Kirsche, Lavendel

Niere/ Blase

  • Blasenentzündung, Harnwegsinfektion: Bärentraube, Birke, Heidekraut, Schwarze Johannisbeere, Kirsche, Preiselbeere, Rauschbeere, Wacholder
  • Harntreibend, gegen Nieren- und Harngrieß: Birke, Eberesche, Färberginster, Schwarze Johannisbeere, Hauhechel, Pfirsich, Rose, Wacholder

Stoffwechsel

  • Frühjahrskur/ Blutreinigung: Birke, Färberginster, Hauhechel. Stachelbeere
  • Gicht: Berberitze, Esche, Färberginster, Heidekraut, Schwarze Johannisbeere, Rose, Rosmarin
  • Säure-Basen-Gleichgewicht: Apfel

Medizin der Bäume in der rationalen Phytotherapie

Brombeerblätter helfen gegen Durchfall, Faulbaumrinde und Hibiskusblüten gegen Verstopfung, Eichenrinde und Lebensbaumtriebspitzen bei Hauterkrankungen, Kiefern- und Fichtennadelöl gehört zu den Expektorantien. Ginkgoblätter werden bei psychischen Störungen, Demenz und Tinnitus empfohlen, Weiden- und Pappelrinde, Holunderblüten und Hagebutten gelten nach wie vor als Erkältungsmittel. Hamamelis ist bei Hauterkrankungen sinnvoll, Heidelbeeren helfen bei Durchfall und Rosskastaniensamen bei Herz-Kreislauf- sowie Gefäßerkrankungen und Stoffwechselstörungen. Wacholder dient der Verdauung, gerbstoffhaltige Walnussblätter wirken bei Hautproblemen adstringierend und Weißdorn bleibt nach wie vor das Mittel der Wahl bei funktionellen Herzstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Stoffwechselproblemen.

Literaturhinweise

  • Andreas Alberts u.a.: Die Baum- und Strauchapotheke. Kosmos Naturführer, Stuttgart 2004
  • Susanne Fischer-Rizzi: Blätter von Bäumen. Hugendubel, München 2001
  • Max Höfler, Volksmedizinische Botanik der Kelten/ Volksmedizinische Botanik der Germanen, Archiv für Geschichte der Medizin, 1911/ 1908, Reprint VWB, Berlin 1990
  • Roger Kalbermatten: Wesen und Signatur der Heilpflanzen. AT Verlag, Aarau 2002
  • Doris Laudert, Mythos Baum. BLV Verlagsgesellschaft, München 2004
  • Wolf-Dieter Storl, Von Heilkräutern und Pflanzengottheiten. Aurum, Bielefeld 2002
  • Wolf-Dieter Storl, Pflanzen der Kelten. 4. Auflage. AT Verlag, Aarau, Schweiz 2005

Von Barbara Schuhrk
www.vergessenes-wissen.de – www.schuhrk.de

Quelle: www.heilpraktiker-berufs-bund.de

Die wunderbare Birke

Ein Birken- Märchen

(Aus Russisch-Karelen.)

Es war einmal ein Mann und eine Frau, die hatten eine einzige Tochter. Da geschah es, dass sich eines Tages eins ihrer Schafe verirrte, und sie gingen hin es zu suchen. Sie suchten und suchten, jedes an einer anderen Seite des Waldes. Da kam eine Hexe der Frau entgegen und sagte: »Spuckst du, Elende, in meine Messerscheide; gehst du mir mitten durch die Beine, so verwandle ich dich in ein schwarzes Schaf!« Das Weib spie nicht und ging ihr auch nicht durch die Beine, aber die Hexe verwandelte sie doch in ein Schaf. Sie selber nahm des Weibes Gestalt an und rief dem Manne zu: »Alter hoi! hoi! Alter! Ich habe schon das Schaf gefunden!« Der Mann glaubte, sie sei in der Tat sein Weib, und ging mit ihr nach Hause, frohen Sinnes, dass er sein Schaf wiedergefunden hatte.

 Als sie daheim waren, sagte die Hexe zum Manne: »Alterchen, jetzt müssen wir wohl dieses Schaf schlachten, damit es nicht wieder in den Wald läuft.« Der Mann, der ein friedliebender, sanfter Geselle war, widersetzte sich dem nicht, sondern sagte nur: »Gut, lass uns das tun.« Aber die Tochter hatte ihre Reden gehört, lief zur Schafherde und klagte: »O Mütterchen, man will dich schlachten!« – »Nun, wenn sie mich schlachten«, erwiderte das schwarze Schaf dem Mädchen, »dann sollst du von mir weder die Fleischbrühe noch das Fleisch essen, sondern alle meine Knochen sammeln und am Feldrain begraben.«

Kurze Zeit darauf führte man das schwarze Schaf aus der Herde und schlachtete es. Die Hexe kochte daraus eine Erbsensuppe und setzte sie der Tochter vor. Aber diese gedachte der Mutter Warnung; sie aß nicht von der Brühe, sondern trug die Knochen an den Feldrain und begrub sie dort; und es wuchs eine Birke, eine wunderschöne Birke, aus ihnen heraus.

Einige Zeit war seitdem verstrichen, wer weiß wie lange sie so gelebt haben mochten – die Hexe hatte mittlerweile ein Kind geboren –, da fing sie an der Tochter des Mannes gram zu werden und diese auf alle Weise zu peinigen. Da geschah es, dass auf dem Königsschlosse ein großes Fest gefeiert wurde, und der König ließ alles Volk dazu einladen und verkünden:

»Kommt, ihr Elenden und Armen,

Kommt, ihr Lahmen angeritten,

Kommt, ihr Blinden all‘ im Nachen!«

Und man trieb alle Verstoßenen, Gebrechlichen und Blinden zu des Königs Festmahl zusammen. Auch in des Mannes Hause machte man sich bereit hinzugehen. Die Hexe sagte zum Manne: »Alter, geh du voraus mit der Jüngsten; ich will der älteren Tochter Arbeit geben, damit der Einsamen die Zeit nicht lang werde.« Der Mann nahm das Kind und ging voraus; aber die Hexe heizte den Herd, warf einen Topf voll Gerste in die Asche und sagte zum Mädchen: »Wenn du nicht bis zum Abend die Gerste aus der Asche in den Topf gesammelt hast, werde ich dich fressen!« Dann eilte sie den Andern nach, und das arme Mädchen blieb weinend zu Hause.

Sie versuchte wohl die Gerstenkörner zu sammeln, sah jedoch bald das Vergebliche ihrer Arbeit ein; da ging sie in ihrem Kummer zur Birke auf ihrer Mutter Grabe und weinte dort, weinte, dass ihre Mutter tot im Schoße der Erde ruhe und nicht mehr ihrem armen Kinde helfen könne. Mitten in ihrem Leide hörte sie plötzlich die Stimme ihrer Mutter aus dem Grabe, welche fragte: »Warum weinst du, mein Töchterlein?« – »Die Hexe hat Gerste in den Herd geschüttet und mir befohlen sie herauszusuchen«, sagte das Mädchen; »darüber weine ich, lieb Mütterlein!« »Weine nicht!« tröstete die Mutter. »Brich einen Zweig von mir ab und schlage damit ins Kreuz über den Herd, dann ist alles in Ordnung.« Das Mädchen tat also wie ihr geheißen ward. Sie schlug den Herd mit dem Birkenzweige: alsbald flogen die Gerstenkörner in den Topf, und der Herd ward rein. Darauf ging das Mädchen wieder zur Birke und legte den Zweig auf das Grab nieder. Die Mutter hieß sie dann an der einen Seite des Stammes sich baden, an der andern sich abspülen, und an der dritten Seite sich ankleiden. Als das Mädchen das alles getan hatte, war sie so schön geworden, dass es auf Erden keine Schönere gab.

Sie erhielt herrliche Kleider und ein Ross, dessen Haar zum Theil golden, zum Theil silbern, zum Theil noch kostbarer war. Das Mädchen schwang sich auf den Rücken des Pferdes und ritt pfeilschnell zum Königschloss. Als sie in den Schlosshof einbog, kam ihr schon der Königssohn entgegen, band ihr Ross an einen Pfeiler und führte das Mädchen hinein. Sie ging stets an seiner Seite durch die Schlossgemächer, und alles Volk schaute sie an und staunte, wer und aus welchem Schlosse die wunderschöne Maid sei; aber keiner kannte sie, keiner wusste was von ihr. Beim Festmahl lud sie der Königssohn ein, neben ihm am obersten Ende der Tafel zu sitzen; aber die Tochter der Hexe nagte an den Knochen unter dem Tische. Der Königssohn sah sie nicht und dachte, es sei dort ein Hund; er gab ihr einen Fußtritt, dass ihr der Arm zerbrach.

Gegen Abend dachte des Mannes Tochter an die Heimkehr; aber da der Königssohn die Türklinke mit Teer hatte einschmieren lassen, blieb des Mädchens Ring daran hängen. Sie gab sich nicht Zeit ihn abzulösen, sondern band eilig ihr Pferd vom Pfeiler und ritt pfeilgeschwind über die Mauern des Schlosses hinweg. Zu Hause angelangt, legte sie ihre Kleider an der Birke ab, ließ ihr Pferd dort stehen und eilte schnell hinter ihren Ofen. Da kamen auch der Mann und die Frau nach Hause, und die Hexe sagte zum Mädchen: »Ach du armes Ding, da bist du ja; du hast nichts davon gesehen, welch ein Leben wir im Königsschlosse geführt haben! Der Königssohn hat meine Tochter herumgetragen, dabei ist dies arme Wesen heruntergefallen und hat sich den Arm gebrochen!« Das Mädchen wusste wohl wie sich die Sache verhielt, aber sie tat, als wisse sie von nichts, und saß stumm hinter dem Ofen.

Am andern Tage wurden sie wieder zu des Königs Gastmahl geladen. »Hoi Alter!« sagte die Hexe, »zieh dich geschwind an, wir sind zu des Königs Fest gebeten. Nimm das Kind, ich will der Andern Arbeit geben, dass ihr die Zeit nicht lang werde.« Sie heizte den Herd, warf einen Topf voll Hanfsamen in die Asche und sagte zum Mädchen: »Wenn du dies nicht in Ordnung bringst, die Samen alle in den Topf, werde ich dich töten!« – Das Mädchen weinte bitterlich; dann ging sie zur Birke, wusch sich an der einen Seite derselben, spülte sich an der andern und erhielt noch schönere Kleider und ein prachtvolles Pferd. Von der Birke brach sie einen Zweig ab, schlug damit den Herd, dass die Samen in den Topf flogen, und eilte dann ins Schloss. Wieder kam ihr der Königssohn entgegen, band ihr Pferd an einen Pfeiler und führte sie in die Festhallen. Beim Mahle saß das Mädchen neben ihm am obersten Ende der Tafel, wie gestern; aber die Tochter der Hexe nagte an Knöchelchen unter dem Tische. Da stieß ihr der Königssohn aus Versehen ein Bein entzwei; er hatte sie gar nicht bemerkt, da sie sich unter den Füssen der Leute herumtrieb.

Des Mannes Tochter eilte wieder zeitig heim; aber der Königssohn hatte die Türpfosten mit Teer bestrichen, und des Mädchens goldener Haarreif blieb daran hängen. Sie konnte ihn nicht mehr suchen, sondern schwang sich auf ihr Pferd und ritt pfeilgeschwind zur Birke. Dort ließ sie ihr Ross und ihre Kleider und sagte zur Mutter: »Ich habe im Schlosse meinen Goldreif verloren; die Türpfosten waren geteert, da blieb er daran kleben!« – »Und wenn du zwei verloren hättest,« antwortete die Mutter, »ich würde dir schönere schenken!« – Nun eilte das Mädchen nach Hause, und als der Vater mit der Hexe vom Fest heimkehrte, saß sie bereits hinter dem Ofen. Da sagte ihr die Hexe: »Du Arme! was siehst du hier, und was haben wir im Königsschlosse gesehen! Der Königssohn hat meine Tochter aus einem Gemach in das andere getragen; freilich hat er sie dabei fallen lassen, und mein Kind hat sich den Fuß gebrochen!« – Des Mannes Tochter schwieg zu allem still und machte sich am Herde zu schaffen.

Die Nacht verging, und als es tagte, weckte die Hexe ihren Mann und sagte: »Ach Alter, stehe auf! man hat uns zum Königsmahl eingeladen.« Nun, der Alte stand auf. Da gab ihm die Hexe ihr Kind und sagte: »Nimm das Töchterchen; der andern gebe ich Arbeit, sonst wird der Einsamen die Zeit zu lang werden.« Sie tat wie sonst auch; diesmal schüttete sie ein Gefäß voll Milch in die Asche und sagte: »Wenn du dieses nicht bis zu meiner Rückkehr in Ordnung hast, dass die Milch wieder im Topfe steht, wird es dir schlecht ergehen!« – Was sollte dem Mädchen jetzt noch Angst sein? Sie ging zur Birke, durch deren Zauberkraft sie ihre Arbeit zu Stande brachte, und ritt dann ins Schloss wie früher. Als sie in den Schlosshof kam, harrte der Königssohn ihrer schon und führte sie hinein.

Da wurde sie wieder hoch geehrt; doch der Hexe Tochter sog an den Knochen unter dem Tische, wobei ihr ein Auge ausgestoßen wurde, da sie sich unter der Leute Füssen herumtrieb. Des Mannes Tochter kannte auch jetzt Niemand, man wusste nicht, woher sie war; aber der Königssohn hatte die Türschwelle mit Teer anstreichen lassen, und auf der Flucht blieben dem schönen Mädchen die Goldschuhe daran kleben. Das Mädchen kam zur Birke, kleidete sich dort aus und sagte: »Ach Mütterlein, ich habe meine Goldschuhe verloren!« – »Mögen sie verloren sein!« meinte die Mutter; »wenn du welche brauchst, gebe ich dir schönere.« – Kaum saß das Mädchen wieder hinter dem Ofen, als auch schon der Vater mit der Hexe nach Hause kam. Alsbald fing die Hexe an das Mädchen zu höhnen und sagte: »Ach du Ärmste! was siehst du hier, und was sahen wir im Königsschlosse! – Mein Töchterlein wurde wieder herumgetragen, fiel aber so unglücklich dabei, dass ihr das Auge ausgestoßen wurde. Du hier, du dummes Ding, du weißt freilich von gar nichts!« – »Ja, was sollte ich auch wissen?« erwiderte das Mädchen. »Das Säubern des Herdes gab mir Arbeit genug.«

Der Königssohn hatte die Sachen, welche das schöne Mädchen verloren, aufbewahrt, und suchte nun eifrig die Eigentümerin derselben auszukundschaften. Zu diesem Zweck wurde auch am vierten Tage ein Großes Gastmahl gehalten und alles Volk auf das Königsschloss geladen. Auch die Hexe machte sich dazu bereit: ihrem Töchterlein band sie einen Wäscheklopfer an Stelle des Fußes, ein Kuchenholz anstatt des Armes an, ein Stückchen Pferdemist stopfte sie in die leere Augenhöhle, und ging mit ihr ins Schloss. Als alles Volk dort versammelt war, trat der Königssohn mitten unter den Haufen und sagte: »Welchem Mädchen dieser Ring an den Finger, dieser Reif um das Haupt geht und diese Schuhe an die Füße passen, die soll meine Braut sein!« – Nun wurde anprobiert und immer wieder anprobiert; aber keiner passten sie. – »Das Aschenbrödel ist nicht mitgekommen,« sagte endlich der Königssohn; »holt auch sie herbei, dass sie die Sachen versuche.« Da wurde das Aschenbrödel geholt, und der Königssohn wollte ihr die Schmucksachen reichen; aber die Hexe hielt ihn zurück und sagte:

»Gib sie nicht der, die alles mit Asche verunreinigt; gib sie lieber meiner Tochter!« – Nun, der Königssohn gab der Hexentochter den Ring; da feilte und schnitt die Frau den Finger ihrer Tochter so lange, bis der Ring ihr passte. Ebenso geschah es mit dem Goldreif und den Goldschuhen. Die Hexe ließ es nicht zu, dass sie dem Aschenbrödel gereicht wurden; sie schabte und schnitzelte am Kopf und an den Füssen ihrer eigenen Tochter herum, bis sie ihr die Sachen an zwängte. – Was war dabei zu tun? – Der Königssohn musste wohl oder übel die Hexentochter zur Braut nehmen; er schlich jedoch mit ihr in das Haus ihres Vaters, denn er schämte sich mit einer so seltsam gestalteten Braut die Hochzeit im Königsschlosse zu feiern. Es vergingen einige Tage, da musste er doch endlich die Braut in sein Schloss führen und machte sich dazu bereit.

Sie waren eben beim Abschiednehmen, als das Aschenbrödel, unter dem Vorwand in den Viehstall zu müssen, vom Ofen herabsprang, und im Vorbeigehen dem Königssohne, der auf dem Hofe stand, zuraunte: »Ach du lieber Königssohn! Nimm mir nicht mein Gold, mein Silber!« Da erkannte der Königssohn das Aschenbrödel; er nahm nun beide Mädchen mit und machte sich mit ihnen auf den Weg. Nachdem sie eine Weile gewandert waren, kamen sie an einen Fluss; der Königssohn warf schnell die Hexentochter als Brücke darüber und ging mit dem Aschenbrödel über dieselbe hinweg. – Da lag nun die Hexentochter als Brücke über dem Flusse und konnte sich nicht rühren, wenn sich ihr auch das Herz vor Leid verzehrte. Da sie nirgends eine Hülfe erblickte, sagte sie zuletzt in ihrem Jammer: »Es wachse ein goldener Schierling aus meinem Nabel heraus, vielleicht erkennt mich meine Mutter an dem Zeichen!« Alsbald erhob sich eine goldene Schierlingsstaude aus ihr und stand auf der Brücke.

Nun, da der Königssohn die Hexentochter los war, begrüßte er das Aschenbrödel als seine Braut, und beide wanderten zur Birke, die auf dem Grabe wuchs. Dort erhielten sie allerlei Schätze und Reichtümer, drei Lasten voll Gold und ebenso viel Silber und ein schönes, herrliches Pferd, mit dem sie zum Königsschloss heimkehrten. – Dort lebten sie längere Zeit zusammen, da gebar das junge Weib dem Königssohne ein Kind. Alsbald wurde der Hexe erzählt, dass die Tochter einen Sohn bekommen habe: Alle glaubten nämlich, dass die Hexentochter die Gemahlin des jungen Königs sei. »Ei,« meinte die Hexe, »ich muss doch dem Kinde die Zahngabe bringen!«

Damit machte sie sich auf den Weg. So kam sie denn an den Fluss und sah den schönen, goldenen Schierling mitten auf der Brücke stehen; da fing sie an ihn zu schneiden, um ihn dem Enkel mitzubringen; aber plötzlich ertönte eine Stimme, welche klagend rief: »Ach, Mütterchen, schneide mir nicht den Nabel ab!« – »Bist du hier?« forschte die Hexe. »Ja hier, mein Mütterlein!« antwortete die Tochter. »Man hat mich als Brücke über den Fluss geworfen!« – Schnell zertrümmerte die Hexe die Brücke, dass nur Splitter übrig blieben, und eilte ins Königsschloss. Als sie an das Bett der jungen Königin trat, fing sie gleich an sie zu beschwören und sagte: »Speie, du Elende, in meine Messerschneide, verhexe mir die Messerschneide, dann verwandele ich dich in eine Rentierkuh des Waldes!« – »Bist du schon wieder da, um mir Leid zuzufügen?« sagte das junge Weib. Sie spie nicht und tat auch nichts weiter, aber die Hexe verwandelte sie doch in ein Rentier und schob ihre eigene Tochter dem Königssohne als Gemahlin unter. – Nun ward aber das Kind unruhig und schrie, weil es keine Milch mehr bekam.

Man brachte es auf den Hof und suchte es auf alle nur denkbare Weise zu beschwichtigen; aber es weinte unaufhörlich. – »Was ist mit dem Kinde, dass es so ruhelos ist?« fragte der Königssohn und ging zu einer weisen Wittfrau, um bei ihr Rat zu holen. – »Ei, dein eigenes Weib ist nicht daheim,« sprach die Wittwe, »sie lebt als Rentier im Walde; die Hexentochter hast du jetzt zum Weibe und die Hexe selber zur Schwiegermutter.« – »Kann ich denn auf keine Weise mein eignes Weib aus dem Walde zurückerhalten?« fragte der Königssohn. – »Gib mir dein Kind«, antwortete die Wittfrau; »morgen will ich es mitnehmen, wenn ich die Kühe in den Wald treibe; dort will ich mit den Espenblättern rascheln, mit den Birkenblättern ruscheln, vielleicht wird der Knabe ruhig, wenn er sich das ansieht.« – »Ja, hole das Kind ab, nimm es mit in den Wald, dass es still werde«, sagte der Königssohn und führte die Wittfrau ins Schloss. »Wie, in den Wald willst du das Kind schicken?« sagte die Hexe misstrauisch und wollte es nicht zugeben; aber der Königssohn beharrte bei seinem Befehl. Er sagte: »Geh mit dem Kinde im Walde herum, vielleicht beruhigt es sich dabei.«

Da brachte die Wittfrau das Kind in den Wald. Sie kam an ein Moor und gewahrte dort eine Rentierherde; schnell fing sie an zu singen:

»Blauäuglein, Rothfellchen!

Komm den eignen Sohn zu säugen,

Nähre, den du selbst geboren!

Nimmer isst er von der Menschenfresserin,

Nimmer trinkt er von der Blutsaugerin;

Leckt nicht mal an ihren Brüsten,

Selbst nach einem Stoße nicht!«

Alsbald kam die Rentierkuh heran, säugte und pflegte das Kind den Tag über; am Abend musste sie der Herde folgen und sagte zur Wittfrau: »Bringe mir morgen das Kind und dann noch einmal am folgenden Tage, dann muss ich mit der Herde weit fort in andre Länder ziehen.«

Am nächsten Morgen ging die Wittfrau wieder ins Schloss, um das Kind abzuholen. Die Hexe widersetzte sich dem wohl, aber der Königssohn sagte: »Nimm es nur und geh mit ihm draußen herum. Der Knabe ist des Nachts doch ruhiger, wenn er Tags über im Walde ist.« – Da nahm die Wittfrau das Kind auf den Arm und brachte es zum Wald Moor. Dort sang sie wie gestern:

»Blauäuglein, Rothfellchen!

Komm den eignen Sohn zu säugen,
Nähre, den du selbst geboren.

Nimmer isst er von der Menschenfresserin,

Nimmer trinkt er von der Blutsaugerin;

Leckt nicht mal an ihren Brüsten,

Selbst nach einem Stoße nicht.«

Bald trat auch die Rentierkuh aus der Herde her aus zum Kinde und säugte es wie Tags zuvor. Davon gedieh das Kind, dass es schön ward wie kein zweites. – Aber der Königssohn sann immer nach und sagte zur Wittfrau: »Gibt es denn kein Mittel das Rentier wieder in einen Menschen zu verwandeln?« – »Ich weiß nicht recht«, antwortete die Wittfrau. »Komm jedenfalls mit mir in den Wald. Wenn die Frau die Rentierhaut ablegt, will ich ihr den Kopf absuchen; während der Zeit magst du die Haut verbrennen.« – Darauf gingen die Beiden mit dem Kinde in den Wald; kaum waren sie dort, als auch die Rentierkuh erschien und das Kind wie an den früheren Tagen säugte.

Da sagte ihr die Wittfrau: »Wenn du morgen weit fortziehst, werde ich dich nicht wiedersehen; lass mich dir zum Andenken ein letztes Mal den Kopf absuchen.« Gut, das junge Weib streifte die Rentierhaut ab und liess sich den Kopf von der Wittfrau reinigen. Während dessen warf der Königssohn die Rentierhaut heimlich ins Feuer. – »Was riecht hier nach Versengtem?« fragte das junge Weib, schaute sich um und erblickte ihren eigenen Gatten. »Weh, du hast meine Haut verbrannt! – Warum hast du das getan?« – »Um dich wieder zum Menschen zu wandeln.« – »Ach, nun bin ich Arme ganz nackt!« rief das junge Weib und verwandelte sich nacheinander in einen Spinnrocken, einen Wäscheklopfer, eine Spindel und was sonst noch sein mag. Aber der Königssohn zerstörte alle, diese Gestalten, bis sie wieder als Mensch vor ihm stand. – »Ach, warum willst du mich mitnehmen, da mich doch die Hexe fressen wird!« fragte das junge Weib. – »Sie wird dich nicht fressen«, antwortete ihr Gatte, und mit dem Kinde machten sie sich auf den Heimweg.

Als sie im Schlosse angelangt waren, sagte der Königssohn zu seinen Dienern; »Macht ein Feuer unter dem Bade in einer Tiefe von drei Ellen, füllt Teer in die Grube, breitet ein braunes Tuch darüber und blauen Filz über die Stufen.« Dann fragte er die Hexentochter: »Hast du nicht Lust ein Bad zu nehmen?« Sie glaubte, dass er aus Freundlichkeit also fragte, und ging mit ihrer Mutter hin. Sie kamen ins Bad, traten auf die braune Decke und fielen plötzlich beide mitten in das Feuer und den Teer, drei Ellen tief hinab. Noch einmal erhob die Hexe von dort aus den Finger, schlug auf die Erde und kreischte: »Es mögen Würmer auf die Erde kommen, Mücken in die Lüfte, den Menschen zur Qual und zum Schaden!« – So lang ist die Geschichte.

Quelle:

Schreck, Emmy: Finnische Märchen. Weimar: Hermann Böhlau, 1887, S. 63-74.